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Cassandre-Plakat »Wagon-Bar«, 1932
Der Gallier, die Marke


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DER SPIEGEL 20/2003, S. 58

Film-Kurier-Titel: »Quax der Bruchpilot«

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Betrachtungen eines Galliers (7):
Bruchpilot Quax lebt
oder Die gelehrigen Schüler Stolpe und Mehdorn

Von Didier Bauzière (Frankreich)

Als der Ufa-Film »Quax, der Bruchpilot« 1941 das Licht der Welt erblickte, war Krieg. Der Umstand, daß Deutschland damals bei Brest am Atlantik endete, bewirkte keine allzu große Sympathie für die Zelluloid-Produkte aus dem fernen Babel(sberg), wo die biblische Nazi-Arroganz der französischen Kultur im Gegenzug nur wenig Beachtung schenkte. Ob unsere Eltern diesen Film gesehen haben, scheint so gesehen sehr zweifelhaft, sie waren mit illegalen Arbeiten im Keller des Rathauses und anderen nicht genehmigten Dingen beschäftigt, die wohl das Dämmerlicht eines Kinos, nicht aber das Licht hoch über den Wolken vertragen hätten.

Als der Ufa-Film 1941 das Licht der Welt erblickte, war der Hauptheld des Films selbst auf dem besten Wege zum militärischen Ruhm. Weil Rühmann die Navigation zwischen Himmel und Erde nämlich sehr gut beherrschte, gab er in den Kriegsjahren neben dem glücklosen Bruchpiloten Quax auch noch den Kurierflieger im realen Kampfeinsatz. Damit hatte er die alte Erfahrung auf das Glänzendste bewiesen, daß man nur dann den trotteligen Amateur zu spielen vermag, wenn man das Metier, in dem man vorgibt zu dilettieren, ausgezeichnet beherrscht.

Dilettanten, die Dilettanten spielen, machen gemeinhin keine besonders gute Figur: Gewisse Mitarbeiter gewisser Verlage von Eisenbahnliteratur beispielsweise werden gerade in jüngster Zeit nicht müde, diese Erfahrung zu bestätigen.

Überhaupt, so scheint es dem galligen Gallier (»Noch nie war er so ätzend wie heute ... «), ist die Eisenbahn in den letzten Jahren zu einer Spielwiese für Dilettanten gleich aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens geworden. Nahezu entzückt ist der Gallier von den rot-grünen Politikern, denen das ökologische Engagement fast bis zum Exzess aus allen Knopflöchern sprießt - verbal gesehen, natürlich. Zweifellos haben in der langen Geschichte des deutschen Eisenbahnwesens nur wenige Politiker so Hervorragendes geleistet, um sich nicht nur schlechthin einer Pflichtleistung zu entledigen, sondern auch noch durch die bewußte (juristisch: vorsätzliche) Demontage eines funktionierenden ökologischen Verkehrssystems den Untergang der menschlichen Zivilisation ein klein wenig zu beschleunigen.

Denn um so schneller es geht, desto weniger Reformen sind noch gegen die eigene Klientel durchzusetzen. Ist diese erst einmal weg, bleiben immer noch einige Jahre, in denen sich die Politiker ganz ungestört von äußeren Einflüssen und lästigen Wählern der schönsten Sache ihrer Welt hingegeben können - der Politik. Und damit auch das klar ist: Die Pflichtleistung ist nicht etwa eine ominöse und verstaubte Beförderungspflicht aus den Jahren des Bruchpiloten Quax, nein, damit ist lediglich die gewöhnliche Sorgfalts- und Fürsorgepflicht gemeint.

Der Bundeskonsistorialrat des evangelischen Verkehrsministeriums - irgendwie scheint dem Gallier hier etwas durcheinandergeraten zu sein - also der ehemalige Konsistorialrat und ebenso gewesene Ministerpräsident des Landes Brandenburg zeigte sich in seiner heutigen Eigenschaft als Bundesverkehrsminister unangenehm berührt in Anbetracht der schlechten Zahlen, die ihm sein Schützling Mehdorn ins Haus zu bringen drohte. Nun sind es aber nicht die Geschäftsergebnisse (die können im Prinzip ausfallen, wie sie wollen), es ist vielmehr die indirekte Gefahr für Stolpes Lieblings-Obsession.

Gemeint ist der Ausbau der Saale, der dem gigantischen, neuerbauten Flußhafen in Halle endlich so etwas wie Hamburger Flair verschaffen soll. Widerstand gibt es gegen dieses wahrhaft pharaonische Projekt genügend. Denn, auch wenn es die einfachste Lösung wäre, so werden die Bewohner dieser Region die Chance überhaupt nicht zu schätzen wissen, daß bei künftigen Hochwasserwellen nicht nur ihre Behausungen, sondern auch gleich die bereits angesprochenen strukturellen Probleme in Sachsen-Anhalt mit weggespült werden. Noch im Sommer 2002 waren sich doch alle Politiker darüber im Klaren gewesen, daß gerade die Flußbegradigungen eine der Hauptursachen für die diversen, von der Natur mit der Sorgfalt einer Eskalation zelebrierten Hochwasserkatastrophen gewesen waren.

Bruchlandungen im Wasser, daß wissen alle Piloten, denen diese abrupte Beendigung ihres Höhenfluges schon beschieden war, mit aller Entschiedenheit zu bestätigen, können recht unangenehm sein. Aber natürlich ist alles nicht so schlimm. Die Elbebegradigung wird - wie könnte es anders sein - mit dem Griff in die Taschen aller Deutschen bezahlt. Geht es hernach schief, was angeblich nicht sehr wahrscheinlich ist, dann gibt es (wie schon im Sommer 2002) die Solidarität aus dem Westen. Schnell aufgewischt und - Schwamm drüber.


MehdornAir-Plakat, aktuelle Variante. Idee und Gestaltung: Didier Bauzière

So etwas wird den erprobten Ostpolitiker Stolpe nicht anfechten, hatte er doch besonders in der neuen Zeit immer ein enges Verhältnis zur Bahn bewiesen. So ließ er außerplanmäßig ICEs dort anhalten, wo er zuzusteigen wünschte, weil ihm der Weg bis zum nächsten planmäßigen Haltbahnhof zu unbequem war. Vorbilder hatte er in Ulbricht und Honecker, wobei diese sich wenigstens mit eigenen Gleisen auf regulären Stationen begnügten. Glücklicherweise war damals die Bahn noch keine Fluggesellschaft, und so hatte der ehemalige Ministerpräsident auch bei der Bonus-Meilen-Affäre nichts zu befürchten.

In diesem Kontext sollten wir den Offenbarungseid des wackeren Chefs der Luftbahn-Eisenhansa sehen. In Anbetracht großer, bahnbrechender Verkehrskonzepte wie dem Transrapid oder der Begradigung der Saale wäre es sicherlich wünschenswert gewesen, wenn sich die finale Abwicklung der Bahn über die Zwischenstufe einer Fluggesellschaft in Flughöhe null geräuschloser vollzogen hätte. Nun hat das Ganze doch mehr Lärm und Aufsehen im Publikum verursacht - wie ein Flugzeug, was unsanft zum Boden zurückkehrt. Daß noch keiner oben geblieben ist, gehörte bei den beiden Flugschülern Stolpe und Mehdorn eher zu den überlesenen Weisheiten der höheren Flugschule.

Diese peinliche Erfahrung mußte aber nun irgendwie relativiert werden. Das ergab sich aus einer anderen, mehr amerikanischen Erfahrung: Man wechselt im reißenden Fluß nun einmal nicht die Pferde. Wie breit ersterer allerdings ist, vermag noch keiner abzuschätzen. So entledigten sich das glücklose Gespann schon einmal präventiv - um bei dem Bild aus Far West zu bleiben - zweier Reiter.

Die Deutschen nennen so etwas »Bauernopfer«. Die Langzeitwirkung solcher Gesten ist sehr umstritten. Es wäre ja immerhin denkbar, daß sich die gefeuerten Manager in die Reihe der Autoren einreihen, die Jahr für Jahr die einzig wirkliche und authentische Wahrheit über Wirtschaft und Politik anbieten. Da würde es schon ausreichen, wenn sie in ihren »Erinnerungen« schrieben, daß sie die Weisungen ihres Chefs auf das Genaueste ausgeführt hätten. Das wäre der Beweis dessen, was ohnehin alle wissen oder zumindest ahnen. Eigentlich müßte dann die zuständige Aufsichtsbehörde der Bundesrepublik tätig werden, wobei wir uns auf einen mehrjährigen behördlichen Streit über die Zuständigkeit freuen könnten, nämlich darüber, ob das nun eher eine Angelegenheit des Luftfahrbundesamtes ist oder ob nicht doch das Eisenbahn-Bundesamt gefragt ist? Diese Frage dürfte die Politiker auch dann noch beschäftigen, wenn es schon längst keine Bahn mehr gibt.

Über alte deutsche Filme kann man ebenso streiten wie über Kurierflieger im letzten Krieg, aber eines ist sicher: Quax fand nur im Kino statt. Rühmann hingegen ist immer wieder sanft runtergekommen, andere werden das wohl nie schaffen.

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