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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Rezensionen (4):

Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur 2001. Ein kritischer Wegweiser zu lieferbaren, angezeigten und empfehlenswerten Büchern »rund um die Eisenbahn« (Dokumente zur Eisenbahngeschichte, 46). Mainz 2000 (Dumjahn-Nr. 0014000)
Dumjahn-Nr. 0014000
ISBN-10: 3921426464
ISBN-13: 9783921426463
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Weitere Rezensionen durch Anklicken der einzelnen Titel-Logos:

MIBA  53 (2001) Nr. 2, S. 81

Bahn-Report 19 (2001) Nr. 2, S. 75

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SCHIENE 20 (2001) Nr. 1, S. 55-56

Mit »Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur 2001« liegt ein Klassiker zum 17. Mal vor. Was Aufmachung und Gestaltung des Jahrbuchs angeht, können wir uns hier kurz fassen, hat sich doch daran über die Jahre hinweg erfreulicherweise kaum etwas geändert. Mit dem eingeklappten (und damit weniger stoßempfindlichen) Umschlag sowie dem nunmehr glänzenden Papier dürfte es jedenfalls seine ideale Form gefunden haben.

Wie immer ist das Buch tadellos gedruckt und verarbeitet sowie in klassischem, unaufdringlichem Schwarzweiß illustriert, so daß sich der Leser ungestört auf den Inhalt konzentrieren kann. Und das lohnt sich!

Machen wir uns auf den Weg durch das Jahrbuch 2001: Der umfangreiche Textteil (angesichts dessen der Untertitel des Jahrbuchs beinahe zu bescheiden wirkt) belegt wie üblich, daß »Eisenbahn weit mehr umfaßt als ausmusterungsgefährdete Loks und stilllegungsbedrohte Nebenbahnen.

Im Anschluß an den einleitenden Streifzug aus der Feder von Horst-Werner Dumjahn (diesmal unter dem Motto: »Die Eisenbahn braucht viele Freunde«) porträtiert SCHIENE-Herausgeber Joachim Seyferth mit viel Sachkenntnis den Chef der Deutschen Bahn AG, den »Bahnbrecher unter Zugzwang« Hartmut Mehdorn, und dessen Unternehmensphilosophie (»Wir fahren nur mehr, wenn es sich rechnet«). Aber kann Mehdorn mit seinem Kalkül die DB, die - halb freiwillig, halb durch die politischen Rahmenbedingungen gezwungen - immer mehr Geschäftsfelder an Konkurrenten auf Schiene und Straße abtritt, vor dem Untergang retten? Diese Frage bildet den roten Faden von Seyferths Beitrag.

Alfred Gottwaldt erinnert im vielleicht bemerkenswertesten Aufsatz des neuen Jahrbuchs an den Reichsbahndirektor Alfred Baumgarten, den »Vater des Amtlichen Kursbuchs«. Ehe Baumgarten Anfang der dreißiger Jahre das Kursbuchwesen bei der Reichsbahn revolutionierte, hatte er u. a. den Fahrplan für den berühmten »Rheingold« ausgeknobelt. Baumgarten, ein Jude, ist gerade noch einmal davongekommen: Zwar wurde er 1933 aus der Reichsbahn-Hauptverwaltung entfernt und 1935 aufgrund der »Nürnberger Gesetze« pensioniert, aber er konnte 1939 nach England emigrieren und hat so den Holocaust überlebt. Besonders hervorzuheben ist, daß Gottwaldt seine Ausführungen akribisch durch 30 Anmerkungen belegt. Auch sonst stoßen wir im Jahrbuch hin und wieder auf Fußnoten, was in der Eisenbahnliteratur ja nicht eben häufig vorkommt.

Damit sind wir bei dem folgenden Beitrag »Schwierigkeiten mit den Quellen?« von Franz Rittig: Warum verheimlichen Hobby-Eisenbahnhistoriker häufig die Quellen ihrer Arbeiten? Die von Rittig angeführten vier »Vorteile« - kritische Rezensenten können die Quellen dann nicht ohne weiteres überprüfen, die Darstellung erscheint über jeden Zweifel erhaben, potenzielle Konkurrenten (um dasselbe Thema) werden ausgeschaltet, und der Vorwurf des geistigen Diebstahls kann zunächst nicht erhoben werden - dürften in nur allzu vielen Fällen zutreffen. Die Ausführungen Rittigs sollten auch als Aufforderung an Rezensenten verstanden werden, fehlende Quellenbelege konsequent anzukreiden und, was natürlich nicht ganz einfach ist, Plagiate schonungslos aufzudecken.

In dem spannend geschriebenen Essay »Auf Reisen mit Mördern und Saboteuren« beleuchtet Rainer Loose den Kriminalroman in der DDR aus der Sicht des Eisenbahnfreundes. Da es im Sozialismus (zumindest der Theorie nach) kaum mehr Verbrechen gab, kamen die Bösewichte in DDR-Romanen häufig aus dem Westen - und benutzten dabei natürlich auch den Zug, womit der Schauplatz Eisenbahn auf der Hand lag. Loose stellt summarisch fest, daß eisenbahntechnische Details in der DDR-Literatur, anders als in der westlichen Literatur, meist stimmig wiedergegeben werden. Er führt das auf die Aufforderung an die Intellektuellen in der DDR zurück, das Leben der Werktätigen zu studieren. Aber liegt das nicht auch einfach daran, daß die DDR-Bürger noch tagtäglich mit der Eisenbahn fuhren, was auf die meisten Westdeutschen schon lange nicht mehr zutrifft?

Joachim Seyferth erzählt schließlich von einem Gespräch mit Carl Ritter, der von 1934 bis 1983 ein gleichnamiges Wiesbadener Druck- und Verlagshaus leitete. Ein Hauptkunde der Firma Ritter war die Deutsche Bundesbahn, die hier Kursbücher und andere Fahrpläne drucken ließ. Inhaltlich ist der unterhaltsame Bericht eine gute Ergänzung zu Gottwaldts Beitrag. Man erfährt nicht nur manches interessante Detail über das Kursbuchwesen der Bundesbahnzeit, sondern wird sich auch bewußt, daß sich hinter dem Impressum eines Kursbuchs ein mindestens ebenso spannender und ungleich lebendigerer Lebenslauf verbirgt als etwa hinter dem Nummernschild einer Dampflok.

Vier weitere Beiträge sollen hier nur kurz erwähnt werden: M. W. Gricer karikiert die ideale Eisenbahnzeitschrift, Thomas Hüser stellt das Internet-Antiquariat JustBooks de vor, Joachim Seyferth präsentiert eine Fotoserie über die neue ICE-Strecke Köln - Rhein/Main und Jens Freese gibt Tips zum Problem »Ein Autor sucht einen Verlag«. Hilfreich sind schließlich die Rezensionen von 20 Eisenbahnbüchern, die im letzten Jahr erschienen sind.

Man erkennt, daß die Rezensenten tatsächlich das ganze Buch (nicht etwa nur den Klappentext) gelesen haben. Eine oder zwei Rezensionen hätten vielleicht eine etwas kritischere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem besprochenen Werk bieten können, wie ein Vergleich mit andernorts erschienenen Rezensionen desselben Werks zeigt. Alles in allem erscheint der Textteil des Jahrbuchs wieder überaus gelungen. Dem Leser wird wirklich Neues geboten (was sich auch für voluminösere Eisenbahnbücher leider nicht von selbst versteht), und die Beiträge weisen durchweg ein hohes Niveau auf.

Doch auch der anschließende Bibliographieteil hat es »in sich«. Man sollte diesen Teil gründlich durchzusehen, denn zwischen den vielen Baureihenbüchern und Nebenbahndokumentationen entdeckt man immer wieder Originelles. So wird man beispielsweise fündig, wenn man sich für die »Recycling-gerechte Konstruktion von Reisezugwagen«, für den Eisenbahnmaler Hermann Pleuer, für »Verkehrstechnik, Tourismus und Naturschutz in den Schweizer Alpen 1870 - 1939« oder für die Kunst des Schwarzfahrens interessiert, um nur einige ausgefallene Titel zu erwähnen.

Wie üblich werden Reiseführer und Bücher zu den Themen Verkehrspolitik, Nahverkehr, Straßenbahn und Modellbahn separat aufgeführt. Allerdings umfaßt die Bibliographie (was nicht ohne weiteres erkennbar ist) nur Titel, die der führende Buch-Großhändler vorhält. Infolgedessen sind vor allem die Programme der großen, bekannten Verlage berücksichtigt, während manche interessante Titel kleinerer Verlage, darunter auch solche, die im Textteil wohlwollend besprochen werden, nicht enthalten sind. Sicherlich wird der eine oder andere Leser eine breiter definierte Auswahl wünschen. Andererseits sollte man aber Verständnis dafür aufbringen, daß Dumjahn im Rahmen der Jahrbuch-Bibliographie nicht zuletzt das Sortiment seiner Versandbuchhandlung vorstellen möchte und die Titel daher in erster Linie nach dem Kriterium der problemlosen Lieferbarkeit auswählen muß.

Ein kombiniertes Verlags-, Autoren-, Orts- und Sachregister, das sowohl den Text- als auch den Bibliographieteil umfaßt, rundet das Jahrbuch wie gewohnt ab.

Zusammenfassend können wir ohne Übertreibung behaupten, daß »Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur» in jeder Hinsicht Qualitätsmaßstäbe setzt, deren Beachtung allen Autoren und Verlagen nur dringend nahegelegt werden kann.

Georg Beck in der »SCHIENE« 20 (2001) Nr. 1, Seite 55-56.

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