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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur 17 (2001), Mainz 2000 (Dumjahn-Nr. 0014000)
Dumjahn-Nr. 0014000
ISBN-10: 3921426464
ISBN-13: 9783921426463
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Die siebzehnte [letzte] Ausgabe. Mainz 2000

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SCHIENE 21 (2002) Nr. 2, Vorklappe
Den Beitrag auf dieser Seite haben wir mit freundlicher Genehmigung des Verlages der Zeitschrift SCHIENE 21 (2002) Nr. 2 entnommen.

Zwei der im Text erwähnten Dumjahn-Titel, die Sie durch einen »Klick« auf die Abbildungen erreichen:

Hilberg, Raul: Sonderzüge nach Auschwitz. Mit einem Vorwort von Adalbert Rückerl (Dokumente zur Eisenbahngeschichte, 18). Horst-Werner Dumjahn Verlag : Mainz 1981 (Dumjahn-Nr. 0002418)
Dumjahn-Nr. 0002418

Bildband: Eisenbahn + Kamera. Drei Eisenbahner sehen ihre Bahn. Aus den Bildmappen von Georg Büsching, Paul Große und Emil Weiß (Dokumente zur Eisenbahngeschichte, 20) (Dumjahn-Nr. 0001611)
Dumjahn-Nr. 0001611

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Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur:
Jahrmarkt statt Jahrbuch

Mit der Einstellung von »Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur« verliert die Eisenbahn-Presselandschaft ein wichtiges und anspruchsvolles Medium. Im Zeitalter von TV- und Internet-Trash, »Pisa-Kids« und Autokanzlern ist das jedoch kein Wunder – im täglichen Jahrmarkt der schnellen Oberflächlichkeiten scheint für die Ewigkeit und den Anspruch eines Jahrbuches keine Denktrasse mehr frei zu sein.

Von Joachim Seyferth

»Ein kritischer Wegweiser zu lieferbaren, angezeigten und empfehlenswerten Büchern ‘rund um die Eisenbahn’« – so hieß seit 1983 der bis zuletzt gültige Untertitel von »Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur«. Der Leitfaden in der zunehmenden Flut neuer Eisenbahn-Publikationen vereinigte literarisches Kursbuch, Nachschlagewerk und Verkaufskatalog in einem Band. Jetzt wurde das zunehmend aufwendiger und qualitativer gestaltete Periodikum stillgelegt. Zu stagnierend gestaltete sich zuletzt die Nachfrage, zu zäh war die Akquisition von zusätzlichen und neuen Autoren, zu weit klaffte die Schere zwischen Aufwand und Ertrag, zwischen Anspruch und Reaktion.

Das alles hat schlechte Gründe. In deren Kenntnis fühlt sich gerade SCHIENE zu diesem solidarischen Nachruf aufgerufen, denn das bisher jährliche eisenbahnpresse-spezifische Verbrauchermagazin und diese Zeitschrift haben nicht nur das Ringen um höchstmögliche Qualität gemein, sondern auch eine von oberflächlicher Hobby-Verblendung befreite kritische Sympathie für ein geniales Verkehrsmittel. Unbeirrt in dem Glauben, daß die Eisenbahn mehr als ein austauschbares Steckenpferd und mehr als ein banales Mobilitätsinstrument ist, versuchte das eine, die Spreu vom Weizen zu trennen, und bemüht sich die andere, die Begeisterung und die Lobby für den Schienenverkehr zu stärken. Daß dabei nicht nur bequeme, sondern viele Wahrheiten ausgesprochen werden müssen, verband beide Medien.

Ist diese anspruchsvolle und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema schon der Grund für die Einstellung? Auch. Denn grundsätzlich stehen Eisenbahnbücher und -broschüren beim Handel in den Nischen, über denen der Schriftzug »Hobby« prangt. Wesen dieses durchaus berechtigten Freizeit-Zeitvertreibs ist jedoch stets eine gewisse Beliebigkeit und Oberflächlichkeit, Zerstreuung und Spaß rangieren lange vor Problembewußtsein und tiefem Engagement. Für die allermeisten ist die Eisenbahn nur ein Verkehrsmittel, für viele ist sie ein Hobby und für die allerwenigsten ist sie Berufung und Leidenschaft.

Klar, daß der Berufseisenbahner Horst-Werner Dumjahn auch mit seinem verlegerischen Wirken die Unterforderung bloßer Steckenpferd-Ebenen bewußt verlassen hat – auch hierbei tun sich übrigens schon wieder Parallelen mit der SCHIENE und ihrem Herausgeber auf. Die beispielhaft genannten Dumjahn-Werke »Sonderzüge nach Auschwitz«, »Eisenbahn + Kamera« oder eben das Jahrbuch setzten neue inhaltliche und qualitative Maßstäbe für die Eisenbahnpresse-Landschaft und konnten schon deshalb nicht mehr unbedingt dem Hobby-Genre zugeordnet werden, weil das Thema des erstgenannten Titels nach der Veröffentlichung auch in der Fernseh-Gesprächsrunde »3 nach 9« mit öffentlicher Breitenwirkung diskutiert wurde – der Dampfabschied beim Bw Crailsheim dagegen fand nicht einmal im Südwestfunk Erwähnung.

Das Hobby soll also Spaß machen – in der gleichnamigen Gesellschaft sowieso. In dieser Szene ist für Deportationszüge, zähe Verkehrspolitik und punktgenaue Orthographie nur der Platz vorhanden, den man gemeinhin Nische nennt. Probleme hat man im sogenannten Alltag genug – am Arbeitsplatz, mit dem Finanzamt, im Bett. Warum also soll ausgerechnet jene Szene, die in der Ausübung ihres »Hobbys« mehrheitlich stets die heile Welt sucht, sei es auf der verkitschten Modellbahn oder mit gelackten Postkarten-Fotomotiven, ihre geistige Befriedigung in kritischen Rezensionen oder hochhandwerklich gestalteten Kunst-Bildbänden finden?

Was zählt, sind viele bunte Bilder, seltene Baureihen und vor allem viel Nostalgie. Neues wird meist erst dann zum Objekt der Begierde oder gar Kult, wenn es fast schon wieder am Rande der Vergangenheit steht. Äußerst auffallend ist der immergleiche Kreislauf dieser Verhaltensmuster, die ein unterdurchschnittliches Heer von Hobbyzeitschriften vorgeben und die von nur wenigen überdurchschnittlichen Publikationen vergeblich hinterfragt werden. Die Szene ist gekennzeichnet von Anti-Entwicklung, die Bilder in vielen Zeitschriften sind schlechter als vor dreißig Jahren, die meisten Bücher sind schludriger redigiert und minderwertiger verarbeitet als die antiquarischen Werke aus der Zeit, in der pro Jahr nur unglaubliche drei neue Eisenbahnbücher erschienen.

In diesem Umfeld fiel es wohl immer schwerer, dieses Jahrbuch herauszugeben – vor der endgültigen Einstellung in diesem Jahr stellte die fehlende Ausgabe von 1998 bereits eine drohende Lücke dar. Diese Denkpause fruchtete zwar beim Herausgeber, denn anschließend erschien das Jahrbuch mit deutlich erweitertem Inhalt, was von der Zielgruppe aber offensichtlich nicht in ausreichendem Maße gewürdigt wurde.

Nun wäre es jedoch wirklich unfair, diese Zielgruppe ausschließlich in den Kategorien von Pufferküssern, Dampflokfreaks und Werbelokknipsern zu definieren. Eisenbahnfreunde sind schließlich keine Golf-GTI-Proleten, sondern in großer Mehrheit bodenständige, gutbürgerliche und normale Menschen, die sich spätestens bei der nächsten Fahrpreiserhöhung oder Streckenstillegung auch ihre Gedanken über Hintergrund und Politik machen. Doch diese latenten Ausflüge unter die Oberfläche werden meist vom überwiegenden Interesse an Betrieb und Technik des Eisenbahnwesens überlagert – Treibraddurchmesser, Aufbau der induktiven Zugsicherung und Fahrplantabellen sind die faktenreichen Attribute eines reinen Männerhobbys. Damit konnte »Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur« jedoch nie dienen, denn seine Seiten beleuchteten eher die kulturellen, politischen und feuilletonistischen Aspekte der Eisenbahn – Themen nur für eine Minderheit anspruchsvoller Eisenbahnfreunde, die wie die Leser dieser Zeitschrift die Eisenbahn nicht auf Lokomotiven, Wagen und Modellbahn reduzieren, sondern die Bahn in ihrer Ganzheitlichkeit und im gesellschaftlichen Umfeld betrachten, als einen Bestandteil unserer politischen, geistigen und technischen Kultur.

Doch wer Kultur sagt, muß neuerdings auch »Pisa« sagen. Die Untersuchung »Program for International Student Assessment«, von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegeben, sieht Deutschlands Schülerinnen und Schüler in Sachen Bildung auf den hinteren Rängen, im Vergleich mit anderen Ländern sind deutliche Wissenslücken und Denkdefizite auszumachen. Eine lasche 68er- und eine gleichgültig-satte 80er-Elterngeneration, materieller Überfluß sowie die mediengesteuerte Entwicklung zur Spaßgesellschaft fordern eben ihren Tribut und zwingen das wiedervereinigte Deutschland zum forcierten Import von qualifizierteren Fachkräften aus dem Rest der Welt, um nicht vollends unter die Räder der Globalisierung zu geraten. Wo also sollten die nötigen Nachwuchsleser und -autoren auch für das Dumjahn’sche Jahrbuch herkommen? Aus dem Internet, deren Nutzer ihre Botschaften ohne jegliches Bemühen um Orthographie in die Welt hacken und die sich dank ihrer anerzogenen Hyperaktivität nicht nur durch 250 TV-Kanäle, sondern auch durch das altmodische Medium Buch zappen? Vom Auto, deren Lenker seit dem ersehnten Führerschein in jungen Jahren nie mehr einen Zug von innen gesehen haben? Von der Deutschen Bahn AG, deren Jugendarbeit, Mitarbeitermotivation und Öffentlichkeitsarbeit nahezu stillgelegt worden ist? Seien wir doch ehrlich: Wir, die vom Eisenbahn-Virus befallenen Idealisten, Hartgesottenen und Besessenen werden derzeit immer weniger – mitunter zu wenig selbst für eine Nische.

Die Deutsche Bahn AG ist eben schon angesprochen worden – sie ist zur Zeit ein Grund dafür, warum es so schwer fällt, ein Eisenbahnfreund (und somit Käufer entsprechender Publikationen) zu sein. Das Unternehmen ist zwar besser als sein Ruf, doch die steten Defensivstrategien, die zum großen Teil Güter und in geringerem Maße auch Reisende auf die Straße und in die Privatbahnen treiben, fördern kaum Vertrauen in das »Unternehmen Zukunft«. Immer weniger und immer kürzere Güterzüge dank »Mora C« vermögen nicht zu begeistern, der angestrebte Börsengang ist in seiner Wesensart zu kalt für potentielle Liebhaber einer neuen Bahn. Auf der anderen Seite sind da die vielen Ewiggestrigen von Eisenbahnfreunden, die den positiven und forcierten Strukturwandel beim rollenden Material nicht zu honorieren wissen und am liebsten noch Jahrzehnte mit der alten 103 und den 141-Knallfröschen fahren würden. Übrig bleiben die Bahnfreunde mit hoher Leidensfähigkeit, großer Toleranz und einem grenzenlosen Optimismus – gerade genug für die SCHIENE und offensichtlich nicht mehr genug für ein Jahrbuch.

Hinzu kommt die Tatsache, daß das unablässige Bemühen von »Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur« zur Förderung der Qualität von Eisenbahnpublikationen zuletzt immer mehr dem Versuch glich, einen Pudding an die Wand zu nageln. Denn längst entstammen die meisten Eisenbahnbücher einer durchrationalisierten Fließbandproduktion, bei der es für qualitätssichernde Instanzen wie beispielsweise Lektoren keinen Platz mehr gibt. Die Klagen der Autoren über den Umgang mit ihrem Material häufen sich – überforderte Redakteure und Gestalter bringen es heute mitunter gar fertig, Texte und Fotos zu verschlechtern statt zu optimieren. Stirbt nach dem Lektor gar der richtige Verleger aus, der mit gutem Handwerk und klugem Kopf schlicht und einfach ein gutes Buch schuf? Zu viele neue Eisenbahnbücher mit katastrophaler Bindung, unentschuldbaren Rechtschreib- und Satzfehlern sowie kostensparenden Ausstattungsmängeln müssen Horst-Werner Dumjahn zuletzt immer mehr das Gefühl gegeben haben, ein einsamer Rufer in der Wüste zu sein. Oder, sarkastisch: Wozu noch ein Jahrbuch, wenn sich niemand die darin enthaltenen Ratschläge und Empfehlungen für bessere Eisenbahnbücher zu Herzen nimmt?

In diesem Zusammenhang soll durchaus auch angemerkt werden, daß Horst-Werner Dumjahn einer der wenigen Verleger am Rande des Rummelplatzes der bunten Eisenbahnblätter ist, der mit dem Jahrbuch ein Forum für vertiefende Themen und für orthographische Qualität bot, der seine Autoren noch fordert und fördert, der mit seiner peniblen Genauigkeit nicht etwa kleinkariert, sondern schlicht präzise ist. Daß man mit solchen Prinzipien für Autoren und Mitarbeiter kein »einfacher« Verleger ist, spricht nur für das Haus Dumjahn, denn ständiger Begleiter des Einfachen ist auch die Langeweile, die beim fairen Diskutieren mit dem Verleger keine Chance gegen frischen Gedankenaustausch und neue Erkenntnisse hat. Hierzu gehört auch der stets ausgeübte gegenseitige Respekt vor unterschiedlichen Meinungen, Stilrichtungen und Arbeitsweisen – etwa bei der Beurteilung der neuen Medien oder der Rechtschreibung.

Viele Wege führen nach Rom, zur Lösung eines Problems gibt es nicht eine, sondern mehrere Antworten, die Interpretationen der Dinge sind unendlich – aber ein Dogma gibt es: Gut muß es sein! Diesen leider selten gewordenen verlegerischen Anspruch spiegelte das Jahrbuch stets aufs Neue wider und bot Maßstäbe an, von denen das Genre, das allzu oft nur Bequemlichkeit und Quantität bedient, nur profitieren konnte. Eigentlich klar, das all dies so manchem Hobbyeisenbahner zu anstrengend und zu »hoch« war ...

Die Besten sterben zuerst – diese gleichzeitig bedauerliche und evolutionsbehindernde Gesetzmäßigkeit setzt sich auch dieses Jahr fort: »der spurkranz«, »Die Woche«, »Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur«. Mit letzterem ist eine Plattform für qualitative Text- und Bildbeiträge in gebotener Ausführlichkeit verschwunden, ein adäquater Ersatz ist (neben SCHIENE) zurzeit nicht in Sicht. Das Internet kann und darf das Medium Buch nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen – alles andere wäre eine Verarmung unserer Kultur. Die Alternative, das Jahrbuch schlechter und kommerzieller zu machen, damit es sich besser verkauft, scheidet aus, wenn man als Verleger auch morgen noch ehrlich in den Spiegel schauen möchte oder ganz einfach nicht unter seinen Schatten springen kann.

Im ehemaligen Land der Dichter und Denker haben Richter und Lenker das Regiment übernommen, die heimliche Macht der allgegenwärtigen Justiz und die Begeisterung für die Straße beweisen dies. Die restliche Schar der Schienenverkehrsfreunde, Eisenbahnnarren und Pufferküsser ist eine Randgruppe geworden und wird es bleiben, wenn in vielen Eisenbahnzeitschriften nach wie vor seitenlang neue Modellautos vorgestellt werden und beispielsweise in der in Zügen ausliegenden Kundenzeitschrift »DB mobil« allzu selbstlos und anbiedernd der »Flieger« hofiert wird. Die Deutsche Bahn AG als Vorreiter unserer Szene hat sich noch eine gehörige Portion mehr Selbstbewußtsein und Eigenständigkeit (zurück) zu erarbeiten, um wieder die Jugend und andere Schichten der Bevölkerung zu begeistern – vielleicht hilft ihr dabei auch die neue Schienenkonkurrenz auf die Sprünge?

Alles andere käme danach wieder fast von selbst: mehr Eisenbahnfreunde, bessere Eisenbahnbücher, mehr SCHIENE und vielleicht auch wieder eine Neuauflage des Jahrbuchs? Bis dahin stützt uns nach wie vor eine naive Hoffnung und das bittersüße Prinzip der leeren Taschen voller Träume.

Aus: SCHIENE 21 (2002) Nr. 2, S. 24-27. Mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages.

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