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Oliner, Samuel P.; Lee, Kathleen M.: Wilhelm Bachner. Ein Jude bei der Reichsbahn (Dumjahn-Nr. 0012389)
Dumjahn-Nr. 0012389
ISBN-10: 3
883506613

Alfred Gottwaldt:
»Der Leser soll an den historischen Vorgängen innerlich beteiligt werden, indem die handelnden Personen mit Vornamen benannt werden.
Das ist aber auch gewöhnungsbedürftig. Nicht selten klingt die Übertragung dieser amerikanischen Stilmittel etwas hölzern. Nicht nur an dieser Stelle läßt das Buch die Arbeit eines kompetenten Lektors vermissen. Das deutsche Titelwort 'Ein Jude bei der Reichsbahn' wirkt ebenso angestrengt wie die Umschlagzeile 'Ein jüdischer Oscar Schindler'.
Beides haben Wilhelm Bachner sowie die Verfasser des Buches nicht verdient.«

(Der Titel ist mit allen Beständen und Rechten am 1.3.2003 auf den Verlag Haland & Wirth übergegangen.)

Die Autoren
Samuel P. Oliner wurde 1930 in Polen geboren; während seine Familie von den Nazis ermordet wurde, konnte er bei einem polnischen Bauern untertauchen. Nach der Befreiung emigrierte er in die USA, wo er Soziologie studierte. Als Professor und Direktor des Altruistic Personality and Prosocial Behavior Institute der Humboldt State University Kalifornien beschäftigt er sich vorwiegend mit dem 2. Weltkrieg, AntisemitIsmus und Völkermord. Sein bekanntestes Werk ist eine Abhandlung über »altruistische Persönlichkeiten«. Seine Co-Autorin Kathleen M. Lee wurde 1951 in Vancouver, Kanada, geboren und ist Dozentin am gleichen Institut.

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Ein Jude bei der Reichsbahn?


Oliner, Samuel P.; Lee, Kathleen M.: Wilhelm Bachner. Ein Jude bei der Reichsbahn. Aus dem Amerikanischen von Anna Kaiser. Bleicher Verlag : Gerlingen 1999. - Zur Bibliographie.

Nicht leicht, ein Werk zu besprechen, das von einer guten Sache erzählen will, sich infolge verlegerischer Oberflächlichkeit seiner Aufgabe aber nicht vollkommen gewachsen zeigt. Ist es ein Buch zur Eisenbahngeschichte? Nein, denn die amerikanische Originalfassung ist 1996 bei Academy Chicago Publishers unter dem Titel »Who Shall Live. The Wilhelm Bachner Story« als eine biographische Studie erschienen. Das Buch steht in einer Reihe, in der Zeugen des Holocaust zu Wort kommen. Es geht um den polnischen Angestellten einer deutschen Baufirma, die im Auftrag der Organisation Todt für die Reichsbahn und die Ostbahn gearbeitet hat, und der dabei als Jude selbst rund fünfzig Juden vor dem sicheren Tod bewahrte.

Es ist vielleicht sinnvoll, hier den Waschzettel des Verlages wiederzugeben: »Kurz nach der deutschen Invasion in Polen erhielt Wilhelm Bachner dank seines deutschklingenden Namens und seiner akzentfreien Sprache eine Anstellung bei der deutschen Baufirma Kellner. Im Auftrag der Organisation Todt reparierte diese Firma von Bomben beschädigte Gleisanlagen und Bahnhöfe der Reichsbahn in Ostpolen und in der Ukraine. Als Vertrauter des Chefs war Bachner in der Lage, seine Mitarbeiter selbst auszuwählen. So nutzte er die Chance, um polnische Juden einzustellen - die in erster Linie aus seiner Verwandtschaft kamen. Es war ein riskantes Unterfangen. Was die ohnehin angespannte Lage noch verschlimmerte, waren die Probleme, die ihm das oft törichte Verhalten seines jüdischen Personals bereitete. Bachner bekam nicht einmal seinen eigenen Vater unter Kontrolle, der auf seinen Gewohnheiten als gläubiger Jude beharrte. Das war um so gefährlicher, als sich unter Bachners Arbeitern viele Polen befanden, die keinerlei Sympathie für Juden hegten. Höhepunkt dieses waghalsigen Unternehmens war aber zweifellos der Rückzug der Baukolonne Richtung Berlin, weil die Nazis alle Heimkehrer aus den Ostgebieten einer medizinischen Kontrolle unterzogen ... Wilhelm Bachner, der 1991 in Kalifornien/USA starb, verdient es, in einem Atemzug mit Oskar Schindler genannt zu werden.«

Samuel Oliner und Kathleen Lee haben ihren Stoff bei einer schon 1988 gedruckten größeren Studie über altruistische Persönlichkeiten gefunden, hier also über Menschen, die im Zweiten Weltkrieg das Leben von Juden gerettet hatten. Sie wollten mit ihrem neuen Buch an einen vergessenen Helden erinnern und zeigen, daß nicht alle Juden widerstandslos in den Tod gegangen sind (Seite 7). Der Bauingenieur Wilhelm Bachner war eine historische Person; seine eindrucksvolle Geschichte ist authentisch. Die Darstellung der Ereignisse von 1939 bis 1945 hat dokumentarischen Charakter. Die Entwicklung der individuellen Schicksale wird sinnvollerweise immer wieder eingeordnet in die geschichtlichen Zusammenhänge von Krieg und Judenmord. Die Kaltblütigkeit und das Glück im Leben Bachners stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Die Gegenseite - also die deutschen Polizisten, SS-Leute und Bahnbeamten - wird gröber skizziert.

Die dazu von den Autoren gewählte Erzählform, belebt durch Dialoge in wörtlicher Rede, hat ihren Reiz. Der Leser soll an den historischen Vorgängen innerlich beteiligt werden, indem die handelnden Personen mit Vornamen benannt werden. Das ist aber auch gewöhnungsbedürftig. Nicht selten klingt die Übertragung dieser amerikanischen Stilmittel etwas hölzern.

Nicht nur an dieser Stelle läßt das Buch die Arbeit eines kompetenten Lektors vermissen. Das deutsche Titelwort »Ein Jude bei der Reichsbahn« wirkt ebenso angestrengt wie die Umschlagzeile »Ein jüdischer Oscar Schindler«. Beides haben Wilhelm Bachner sowie die Verfasser des Buches nicht verdient. Warum der Schutzumschlag das abwegige Foto »Railway Wagon Wheels, Manchester, England 1938« zeigt, bleibt unklar.

Eine »Reichsbahndirektion Ost in Kiew« (Seite 103) hat es nicht gegeben, und Oberbaurat Falke war nicht ihr Leiter; richtig wäre »Reichsverkehrsdirektion Kiew« gewesen.

Kopfschütteln auch beim Literaturverzeichnis (Seite 299-300), das Eugen Kreidlers Standardwerk »Die Eisenbahnen im Machtbereich der Achsenmächte« mit dem Verlagsort Frankfurt am Main (1975) ernsthaft unter dem Titel »Railroads in the Sphere of Influence of the Axis Powers« nennt. Wenn dort Hans Pottgiessers (fälschlich: Poltgiesser) Buch über »Die Deutsche Reichsbahn im Ostfeldzug« mit dem Verlagsort Potsdam ohne Jahr (richtig: Neckargemünd 1960 und 1975) nachgewiesen wird, muß man seinen Verfasser - einen alten Bundesbahner - beinahe für einen Bürger der DDR halten. Und Horst Rohde vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt erhält hier gar ein Adelsprädikat. So wird der Wert eines wichtigen Buches unnötigerweise geschmälert.

Alfred Gottwaldt

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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