Zurück zur Startseite Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff:

Der Link, der es bringt.
Die Buchtipps. / Die Rezensionen.
Das Autoren-Lexikon.
Zur nächsten Seite

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

Camartin, Iso (Einleitung); Pfeiffer, Peter (Hrsg.): Aus den Anfängen der Rhätischen Bahn (Dumjahn-Nr. 0012386)
Dumjahn-Nr. 0012386
ISBN-10: 3905111365
Größeres Bild ansehen

Joachim Seyferth:
»Ach, würde man doch solche weitsichtigen und intelligenten Beiträge, für die das Prädikat Spracherotik erst noch erfunden werden muß, in mehr Eisenbahnbüchern finden!«

Der Autor
Iso Camartin, geboren 1944 in Chur, Essayist und Literaturkritiker, lehrte Rätoromanistik an der ETH und der Universität Zürich. In zahlreichen Aufsätzen und Büchern hat er sich immer wieder mit der Geschichte und der Kultur von Graubünden auseinandergesetzt.

Der Herausgeber
Peter Pfeiffer, geboren 1961, Verkehrsplaner, Eisenbahnpublizist und Fotograf, hat u.a. das Buch »Normalspurige Privatbahnen der Schweiz« verfaßt.

Zurück zur Liste der Rezensionen zur
Liste der Rezensionen

Zurück zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online
zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online

Zurück zum Buchtipp 3
zum Buchtip 3

Pagerank erhoehen

Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Die Anfänge hören nimmer auf


Camartin, Iso (Einleitung); Pfeiffer, Peter (Hrsg.): Aus den Anfängen der Rhätischen Bahn (Bahnromantik). AS Verlag & Buchkonzept : Zürich 1999. - Zur Bibliographie.

Schon wieder Rhätische Bahn? Natürlich, denn es ist was dran an diesem zugleich traditionsbewußten und zukunftsorientierten Bahnunternehmen in Graubünden, bei dem nur die Spurweite schmal, vieles andere jedoch großartig ist – insbesondere die durchfahrene Alpenlandschaft. Die »Rhätischen Krokodile«, unzählige imposante Kunstbauten und ein flüssiger, kundenorientierter Betrieb mit Hauptbahncharakter und Lokalkolorit haben die südöstliche Ecke der Schweiz zum immer wieder begehrten Reiseziel werden lassen: Die Rhätische Bahn ist das Mallorca der Eisenbahnfreunde – nur nicht so widersprüchlich, denn unterm Landwasser-Viadukt fließt kein Bier, sondern klares Gebirgswasser.

Der renommierte Schweizer AS Verlag (Zürich) hat es geschafft, neben die zahlreichen Veröffentlichungen über die Schweizer Vorzeigebahn ein Buch zu stellen, das sowohl eine thematische als auch eine formale Lücke schließt. Bisherige Publikationen zeigen die Rhätische Bahn meist aus der heilen Postkartenwelt der Eisenbahnfreunde oder aus dem imageheischenden Blickwinkel des Unternehmens selbst. Gemeinsam ist ihnen auch der überwiegend aktuelle Bezug und die Darstellung in Farbe.

Zauber der Belle Époque: Ankunft in Pontresina (um 1910), Seite 159.
Zauber der Belle Époque: Artig warten die noblen Touristen auf dieser Aufnahme (um 1910) im Bahnhof Pontresina auf die Ankunft des Zuges.

Die AS-Neuerscheinung widmet sich dagegen im ersten Band ihrer Reihe »Bahnromantik« thematisch ganz den Anfängen der Rhätischen Bahn, formal wiedergegeben ausschließlich im klassischen Schwarzweiß. Aber erstens kann dieser altmodische Augenschmaus angesichts der realen Beleidigungen einer oft zu bunten Welt erst heutzutage richtig goutiert werden, und zweitens kann das damit verbundene verlegerische Risiko wohl nur mit dem eigentlich falsch zugeordneten Begriff der »Bahnromantik« – die ja eigentlich zeitlos ist – gerechtfertigt werden.

In unserem kommoden Zustand zwischen Wohlstand und Luxus ahnen wir jedoch, daß Bahnromantik für die ausgemergelten Mineure der Tunnelbauten um 1900 jedenfalls niemals existierte, und daß so mancher Fotograf mit schwarzem Tuch und schwerem Stativ sich insgeheim vielleicht doch ein optisches Produkt wünschte, auf dem die Lokomotive zwar schwarz, die Wälder und Wiesen jedoch endlich grün erschienen. Ist es nun Anmaßung oder grenzenlose geistige Freiheit, diesen Begriff aus dem sicheren Rückblick heraus ausschließlich zugunsten unseres seelischen Gleichgewichtes willkürlich zu definieren?

Das Foto von Seite 56 gehört zu den eindrucksvollsten im Buch!
Im Sommer 1908 ist der Brückenbogen des Pflanzgartenviadukts auf der Seite Filisur schon fast vollständig gesetzt. Das präzise Behauen der Steine galt als eine besondere Fertigkeit der italienischen Bauarbeiter.

Den einzelnen Kapiteln ist der Text »Reise zu den Pionieren« von Iso Camartin vorangestellt - eine schwärmerische Ode an die historische Bahnbaukunst im allgemeinen und an den berühmten Landwasser-Viadukt im besonderen. Ach, würde man doch solche weitsichtigen und intelligenten Beiträge, für die das Prädikat Spracherotik erst noch erfunden werden muß, in mehr Eisenbahnbüchern finden! Dermaßen eingestimmt, wird der anschließende Bildteil, eingeteilt in die typischen RhB-Streckenabschnitte, erst recht zum Genuß: Schwarzweiß-Fotografie aus dem Dampfzeitalter der Rhätischen Bahn (1889 - 1922) vom Feinsten, gegen die das aktuelle Farbgeknipse hinsichtlich Bildaufbau, Licht und Schärfe ziemlich alt aussieht. Wieder einmal ist deutlich erkennbar, daß die früher mit der Fotografie verbundenen Mühen auch ein entsprechend ausgereiftes Ergebnis zur Folge hatten, während viel Bildschrott von heute nur das billige Ergebnis von Bequemlichkeit und Wohlstandsfäule ist.

Verlag und Drucker haben mit Erfolg wohl einiges daran gesetzt, aus den historischen Negativen und Druckvorlagen alles herauszuholen. Und so sitzt man minutenlang vor so mancher Abbildung und weiß kaum, ob man mehr über den vorzüglichen Druck, die oft erstaunliche Schärfe oder das wohlkomponierte und nach den klassischen Regeln der Fotografie entstandene Motiv staunen soll. Wer über die angeblich hohen Preise von Büchern im allgemeinen und hier von Bildbänden im besonderen meckert, sollte sich einmal zeigen und erklären lassen, mit welchem Aufwand bei der Druckvorbereitung, beim Druck selbst und auch bei der Weiterverarbeitung schließlich solche Ergebnisse möglich sind. Und dann kann er sich überlegen, ob er auf die vielzitierte einsame Insel den verunglückten Farbbildband vom Ramschtisch »für 9,80« oder doch lieber ein zeitloses Wertstück zwischen zwei Buchdeckeln - wie dieses - mitnehmen möchte.

Freunde der Rhätischen Bahn, der klassischen Schwarzweißfotografie und gediegener Eisenbahnbücher werden »Aus den Anfängen der Rhätischen Bahn« zweifellos zu schätzen wissen. Der gelungene Start der Reihe »Bahnromantik« macht neugierig auf die Folgebände, die durchaus nicht immer vom Zeitraum der (alten) Jahrhundertwende handeln müssen, denn Bahnromantik gab und gibt es immer, auch hier und heute: Das nächtliche Leselämpchen-Abteil im Intercity. Oder der kleine Haltepunkt auf dem Land, an dem das reife rote Obst der Kirschbäume mit den neuen Triebwagen um die Wette strahlt. Oder eben der letzte Zug des Tages in Filisur, der seine Lichterkette die Bergflanken hinauffährt. Die Anfänge hören nimmer auf.

Joachim Seyferth

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

Über den Rezensenten

Zum Seitenanfang


Zurück zur Liste der RezensionenZur Impressumseite Mit »Eisenbahn-Dumjahn online« immer auf dem richtigen Gleis ... Weiter zur nächsten Rezension

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

© Copyright 1999 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten
Dumjahn Verlag Strasse Immenhof 12 PLZ-Ort D-55128 Mainz International +49 +6131 330810 Telefon +49 6131 330810
Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de