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Dewitz, Bodo von; Heufelder, Jochen (Hrsg.): Unter Schienen schweben (Dumjahn-Nr. 0012868)
Dumjahn-Nr. 0012868
ISBN-10: 3882436670
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Horst-Werner Dumjahn:
»Alles in allem: Ein Buch, das man nicht alle Tage sieht. Ein Buch, bei dem einfach alles stimmt.«

Aufgleisung des Wagens A (Prototyp), 16.9.1898
Aufgleisung Wagen A (Prototyp), 16.9.1898

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Mobilität im Wuppertal


Dewitz, Bodo von; Heufelder, Jochen (Hrsg.): Unter Schienen schweben. Photographien vom Bau der Schwebebahn in Wuppertal vor 100 Jahren. Steidl Verlag : Göttingen 1999. - Zur Bibliographie.

Die Wuppertaler Schwebebahn wird 2001 hundert Jahre alt, und schon jetzt gibt's zum Jubiläum ein bemerkenswertes Buch, erschienen zur Ausstellung, die das Kölner Museum Ludwig und Agfa Photo-Historama vom Mai bis September 1999 veranstaltet haben. Das Buch ist über diesen Anlaß hinaus wichtig, weil es erstmals Photographien zeigt, die »besonders glücklichen Umständen« zu verdanken sind, »denn im Archiv der Wuppertaler Stadtwerke befinden sich noch heute über 120 originale Glasplattennegative bester Qualität, die damals in Auftrag gegeben wurden«, so die Herausgeber Bodo von Dewitz und Jochen Heufelder im Vorwort.

Diese Photographien wurden jetzt wieder, bei den Vorbereitungen zum Jubiläum, neu entdeckt. Die Bilder sind sämtlich Inszenierungen, die sich auch heute keine Werbeagentur trefflicher ausdenken könnte, und deshalb ist die Wirkung des Buches auch so »stark«, denn: Gigantisch waren die Baugerüste, verwegen die Stahlkonstruktionen, die am Ende des vorigen Jahrhunderts begannen, ein Stadtbild entscheidend zu verändern. Im Tal der Wupper wurde die Schwebebahn gebaut und am 1. März 1901 der jubelnden Öffentlichkeit zur Benutzung freigegeben.

»Über Wasser und Land schwebend«, wurde die neue Bahn als »Kunstwerk der Ingenieure« gefeiert, »als sensationelle Lösung weltweit vorhandener Verkehrsprobleme« (Verlagswerbung). Dennoch wurde das System nirgends übernommen; es behauptet noch heute seine Einzigartigkeit. Ein bislang unbekannt gebliebener Fotograf hat um die Jahrhundertwende die Arbeiten von den Anfängen bis zur Vollendung dokumentiert und damit eine Herausforderung angenommen, deren Ergebnisse dieser Band vorstellt. Aus verwegenen Perspektiven und von Standpunkten in schwindelnden Höhen mußte er einer völlig neuen Aufgabe gerecht werden: Das Monument der neuesten industriell gefertigten Architektur, welches sich traditionellen Sichtweisen entzog, sollte in repräsentativen Darstellungen fotografiert werden. Die einzigartigen Bilder eröffnen damit den Blick auf ein bislang völlig unbekanntes Kapitel der frühen Industriefotografie.

Beim Blättern wird man wohl mit den exzellent gedruckten Bildtafeln beginnen und die Aufnahmen nacheinander »genießen«, ehe man sich den einführenden Texten zuwendet. Aber dann ist lesen angesagt: Bodo von Dewitz beschreibt den Stellenwert der Photographie vor einhundert Jahren, zum Beispiel für die Werbung, und überhaupt: Das ist lesenswert.

Michael Malicke nennt seinen Text »Mobilität im Wuppertal«, er gibt darin einen kurzen Abriß »Zur Geschichte der Schwebebahn«, die man so knapp und zugleich präzis auch sonst kaum mal findet. Besonders interessant sind die (leider zu kleinen), in den Text eingestreuten Fotos. Da sind »Schätzchen« dabei, auch von ersten Versuchsstrecken (in Köln-Deutz), die Firmennamen sind ebenfalls Bestandteil der Verkehrsgeschichte: van der Zypen & Charlier und die »Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen« in Nürnberg.

Fürs nächste Quiz noch dies: Wie »hängt« (das ist wörtlich zu nehmen) die Kölner Zuckerfabrik Pfeifer & Langen mit der Wuppertaler Schwebebahn zusammen? Die Antwort ist ganz einfach: Der Kölner Industrielle und Erfinder Eugen Langen betrieb in seinen Zuckerfabriken bereits an Schienen hängende Wagen zum Materialtransport. Die Idee, eine solche Anlage auch für die Personenbeförderung einzusetzen, lag also nahe. Von Eugen Langen stammt denn auch der Ausspruch: »Ich habe das Ding 'Schwebebahn' getauft!«

Der Rest ist bekannt, auch die Tatsache, daß die Wuppertaler Schwebebahn bis heute einzigartig geblieben ist. Malicke erwähnt auch all die Städte und Regionen, für die ernsthaft Schwebebahnprojekte diskutiert worden. Für Berliner interessant: »Kaiser Wilhelm II.«, so Malicke, »zeigte sich bei seiner Probefahrt von Elberfeld bis Vohwinkel im Oktober 1900 sehr angetan von der Technik. Trotzdem befürwortete er in Berlin die U-Bahn und soll auf ein entsprechendes Schriftstück, das die Schwebebahn für die Hauptstadt empfahl, an den Rand geschrieben haben: 'Darunter, nicht darüber!'« - Es bleibt die Frage, ob der Wuppertaler Johannes Rau in Berlin auch mal die U-Bahn benutzen wird? Eher nicht, ziehen Politiker doch meist »darüber« vor, sprich: im Hubschrauber! Na dann!

Alles in allem: Ein Buch, das man - so professionell gemacht - nicht alle Tage sieht. Ein Buch, bei dem einfach alles stimmt.

Horst-Werner Dumjahn

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