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Räntzsch, Andreas M.; Rittig, Franz: Die Baureihe 83.10 (Dumjahn-Nr. 0012842)
Dumjahn-Nr. 0012842
ISBN-10: 3933178045

Manfred Weisbrod:
»Verlag und Autoren kann man zu diesem Titel nur gratulieren.«

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Sehr empfehlenswert:
BR 83.10

Räntzsch, Andreas M.; Rittig, Franz: Die Baureihe 83.10. Nebenbahn-Dampflok an der Schwelle zur Moderne. Wolfgang Herdam Fotoverlag : Quedlinburg und Wesseling 1999. - Zur Bibliographie.

Es ist sehr mutig und nicht minder verdienstvoll, wenn sich der Wolfgang Herdam Fotoverlag einer DR-Baureihe annimmt, die vom Erscheinen bis zur Ausmusterung vor Erreichen des Werkgrenzmaßes immer ziemlich unbeachtet in der Ecke stand. Von weniger Sachkundigen ist die Baureihe 83.10 als Fehlkonstruktion geschmäht worden, letztendlich war sie aber doch der Start des Neubauprogramms für Dampflokomotiven der Deutschen Reichsbahn, wenngleich bei weitem kein Bilderbuchstart.

Wenn man eine in nur 27 Exemplaren gebaute Lokomotive vorstellt, die fraglos nicht zu den bekanntesten Konstruktionen der Nachkriegszeit zählt, wendet man sich an ein interessiertes und fachlich vorbelastetes Publikum. Dem muß man wohl nicht erklären, daß Lokomotiven einst mit Koks gefeuert wurden und daß der Deutschen Reichsbahn (in der DDR) nach 1945 nur Braunkohle als Lokomotivbrennstoff zur Verfügung stand. Man muß auch nicht die Kohlenstaub-Experimente der zwanziger Jahre bemühen und die fragwürdige Erkenntnis verbreiten, daß ein geringerer Abstand der Roststäbe bei Braunkohlenfeuerung den Funkenflug reduziere. Erwähnt, aber unkommentiert, ist der von Friedrich Fuchs empfohlene Weg, 1'D-Universallokomotiven zu bauen, der mit der 25 001/002 am Prellbock endete. Mithin, man hat etwas zu weit ausgeholt.

Die Vorläufer-Schubladenprojekte einer Baureihe 83 der DRG und DB sind den Autoren bekannt, können aber leider nicht mit Skizzen dokumentiert werden. Die wirtschaftliche, technische und politische Situation für den Dampflokneubau in der DDR ist erkannt und gut dargestellt worden. Gelegentlich tauchen Probleme mit technischen Termini auf. Was ist ein niedriger Kuppelraddurchmesser? Schreibt man nun Radsatz oder Achse? Unterschiede zwischen Masse und Gewicht werden nicht für bedeutsam erachtet. Aber das werden die meisten gar nicht bemerken.

Die Darstellung der technischen Probleme, die die Baumuster bei der Erprobung verursachten, ist umfassend und korrekt. Neu ist dem Rezensenten allerdings, daß die 83 1003-1027 nicht als Serie, sondern als Nullserie gehandelt wurden, zumindest im Buch.

Sehr anschaulich ist die unendliche Geschichte dargestellt, die Lokomotiven betriebsfähig zu erhalten. Sie wurde verursacht mit dem Einsatz unerprobter Baugruppen. LKM Babelsberg fertigte die Serie, ohne die Erprobungsergebnisse der FVA Halle abzuwarten und stellte die Deutsche Reichsbahn vor vollendete Tatsachen, die nur mit volkswirtschaftlich nicht vertretbarem Aufwand hätten korrigiert werden können. Hinzu kamen eine oft nicht werkgerechte Fertigung bei LKM und Bahn-Schlampereien bei der Ersatzteilbeschaffung.

Das alles wird von den Autoren mit Zitaten aus Originalquellen aufgelistet, historisch gut aufbereitet und gewertet, aber nie mit dem Stempel versehen, die Baureihe 83.10 sei eine Fehlkonstruktion gewesen. Das aus Originaldokumenten der Einsatzstellen und persönlichen (nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurückliegenden) Erinnerungen der Personale zusammengestellte Spektrum der Wertung reicht von verbaut bis sehr brauchbar und handlich.

Nun ist das Urteil des Personals, denn das mußte schließlich mit den Lokomotiven fahren und sie betreuen, ein wichtiges Kriterium für die Güte einer Baureihe, nicht aber das ausschließliche. Es sind sehr schnell, berechtigt oder unberechtigt, Werturteile aufgebaut worden, die den Lokomotiven bei anstehendem Bw-Wechsel vorauseilten und eher eintrafen als die Lokomotiven selbst.

So ist das Kapitel Betriebseinsatz, das 43 Seiten des 103 Seiten starken, auf schwerem Kunstdruckpapier gedruckten Buches umfaßt, wohl das interessanteste. Es listet die überschaubare Zahl von reichlich zwei Dutzend Lokomotiven nicht nach Betriebsnummern auf und teilt sie den Bahnbetriebswerken zu, sondern beschreibt den Einsatz in den Bahnbetriebswerken und ordnet denen die Betriebsnummern zu. Hierdurch schaffen sich die Autoren die Möglichkeit einer kritischen Wichtung des von der DR vorgenommenen Einsatzes der Lokomotiven. Hier können Dienststellen »enttarnt« werden, die über einen hohen Schadlokbestand klagten, die Maschinen aber zweckentfremdet mit zulässiger Höchstgeschwindigkeit in den Hauptbahndienst schickten. So kann auch plausibel erklärt werden, warum das Bw Jerichow, das auf den ersten Blick für die Baureihe 83.10 eine ideale Heimatdienststelle gewesen sein müßte, sich nach nur einem halben Jahr von den Maschinen trennte und mit den Baureihen 24 und 64 besser bedient war.

Der Bildteil läßt kaum Wünsche offen (wer zog schon vor 30 Jahren mit dem Vorsatz übers Land, die Baureihe 83.10 zu fotografieren?!). Müller, Malke und Simon bewiesen aber schon zu dieser Zeit ihr Gespür fürs Neben(bahn)sächliche, wo andere, wie ich auch, noch den Pazifiks nachjagten. Die besten und stimmungsvollsten Streckenaufnahmen hat Hans Müller auf ORWO gemacht, besser als Max Delie auf seinem Westfilm im Bahnbetriebswerk. Der Leser findet alle 27 Lokomotiven einmal oder mehrmals in sehr guter bis durchschnittlicher Qualität, wohl erstmals auch Aufnahmen von Lokomotiven, die als Heimatdienststelle Bw Jerichow angeschrieben haben.

Verlag und Autoren kann man zu diesem Titel nur gratulieren. Sie haben bewiesen, daß man auch für 54 DM (sicher kein Schnäppchenpreis) ein umfassendes Baureihenbuch machen kann, das keine Wünsche unberücksichtigt läßt, ohne dem Leser mit dem Abdruck von Lokdienstplänen, Buchfahrplanseiten, Lokverwendungsnachweisen und einer unsäglich langweiligen Statistik nochmals 24 DM mehr abzuverlangen.

Manfred Weisbrod

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