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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Jansen, Uwe-Jens: Die Eisenbahn in Hamburg (Dumjahn-Nr. 0013314)
Dumjahn-Nr. 0013314
ISBN-10:  3551885060

Rainer Kolbe:
»Alle Gedanken zu diesem Buch lassen sich in einem knappen und deutlichen Fazit zusammenfassen:
Nicht kaufen!«

Der Autor
Uwe-Jens Jansen, geboren 1934, lernte zunächst Maschinenschlosser, studierte dann Maschinenbau und Erziehungswissenschaft und übte eine Lehrtätigkeit in diesem Fachbereich aus. Über viele Jahre arbeitete er eng mit der Deutschen Bundesbahn in der Berufsausbildung und Meisterqualifikation zusammen und absolvierte diverse Studienaufenthalte im Ausland.

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
»Dieses Buch ist ein Ärgernis!«


Jansen, Uwe-Jens: Die Eisenbahn in Hamburg. Vom »Nadelöhr« zur leistungsfähigen Magistrale - historische Entwicklung und Zukunftsvision. Carlsen Verlag : Hamburg 1999. - Zur Bibliographie.

Über die Eisenbahnen in Berlin gibt es viele Bücher. Sehr viele. Da freut sich der norddeutsche Eisenbahnfreund, wenn gelegentlich auch die Bahnen der zweitgrößten deutschen Stadt in der Fachliteratur Erwähnung finden. Und so greift er gerne zu dem hier vorgestellten Buch, zahlt an der Kasse den stolzen Preis, trägt den Band flugs nach Hause - und hat hernach reichlich Grund, sich zu ärgern.

Dieses Buch ist ein Ärgernis! Titel, Klappentext und die Fotos auf dem Schutzmschlag suggerieren ein Buch über die »historische Entwicklung« der Eisenbahn in Hamburg, der Untertitel spricht vom Nadelöhr, und das ist Hamburg im europäischen Eisenbahnnetz ja tatsächlich. Doch schon beim ersten Blättern wird dem Leser bewußt, daß es dem Autor eben nicht um die Darstellung der historischen Entwicklung des Nadelöhrs Hamburg geht, sondern um einige Geschichten und Gedanken rund um den Streckenabschnitt zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof und der Abzweigung Rainweg kurz vor dem Bahnhof Altona. Für die Ortsfremden: es handelt sich hier tatsächlich um einen der höchstbelasteten Streckenabschnitte in Europa, mithin um ein Nadelöhr. Aber eigentlich hatte der norddeutsche Eisenbahnfreund doch ein Buch über die Eisenbahn Hamburgs gekauft, nicht über die Eisenbahnen eines kleinen Streckenabschnittes?!

Tatsächlich: Rund die Hälfte des Buches dreht sich ausschließlich um diese »Verbindungsbahn«. Die andere Hälfte des Buches beschäftigt sich mit einigen Vorschlägen zur Verbesserung der Infrastruktur der Eisenbahn in Hamburg: eine bessere Flughafenanbindung als die jetzt geplante mit der S-Bahn, Direktverbindungen aus dem Umland in die City, ein neuer Fernbahnhof im Westen der Stadt, eine bessere Verknüpfung von Regionalverkehr und der Hamburger Hochbahn. Ohne Frage sind die angesprochenen Ideen eine Erörterung und Diskussion wert: Aber das gehört dann vielleicht in eine engagierte Fachzeitschrift und nicht für 68 Mark stapelweise in die Hamburger Buchhandelsketten oder den Bahnhofsbuchhandel, wohl in der Hoffnung, daß die durchreisende Kundschaft für den kritischen Blick nicht genügend Zeit hat.

Doch, es gibt auch Nettes zu sagen. Da ist vor allem der schöne Stadtplan aus der Zeit der Jahrhundertwende, der als Reprint beigelegt ist. Einige der alten Karten und historischen Fotos hat man vielleicht noch nicht gesehen. Auch der Abdruck der bereits 1931 von der Deutschen Reichsbahn formulierten Ideen zur Umgestaltung der Bahnanlagen in Hamburg ist interessant. Aber das reicht nicht.

Selbst wenn man über die eine oder andere Unkorrektheit im Detail hinwegsieht, ja, selbst wenn man die irritierende Strukturlosigkeit des Buches beiseite läßt: die Lektüre macht keinen Spaß. Das Buch läßt die Hand eines Lektors vermissen, der mit der Thematik »Eisenbahn an und für sich« wenigstens ein bißchen vertraut ist.

Die Lieblingsstelle des Rezensenten findet sich auf Seite 50. Im Zusammenhang mit einem Unfall wird das Wasserüberreißen bei Dampflokomotiven, nun ja, erklärt: »Man versteht darunter den Vorgang, daß aus dem Kessel durch den Überhitzer flüssiges Wasser bis in die Zylinder der Lokomotive gelangt und dort einiges Durcheinander in der Physik anrichtet. Die Erklärung der thermischen Vorgänge muß hier unterbleiben.« Flüssiges Wasser ...

Auch die Mehrzahl der jüngeren Fotos kann nicht über die Konzeptlosigkeit des Buches hinwegtrösten: Zu viele nicht gerade berauschende Aufnahmen von immer demselben Standpunkt und von geringer Bildqualität. Da steht auch gerne mal ein Fahrleitungsmast vor der Lokomotive. Oder ein Foto wird falsch datiert. Vielleicht merkt es ja keiner. Selbst das Literaturverzeichnis ist dürftig, auch wenn Hamburg nicht Berlin ist: ein paar mehr gute Bücher gibt es schon.

Zu den »Unlesbarkeiten« gehören auch die vielen Nörgeleien a là »früher war alles besser«. Doch Vergangenheitskult und Visionen - das kann doch nicht ohne Schmerzen in einem Buch zusammengehen!

Die Reisenden der ersten Wagenklasse müssen im neuen Bahnhof Altona durch den Regen laufen? Das war auch mit der alten Halle so, weil es von der Wagenreihung abhängt, nicht vom Baujahr des Bahnhofs. Die neuen S-Bahn-Züge der Reihe 474 sind unbequemer als die rumpeligen, jede Kommunikation verhindernden und zum Teil noch mit Holzbänken ausgestatteten Züge der Reihe 471 aus den 40er Jahren? Lächerlich. Und von den modernen Fahrzeugen sind natürlich nur die Lokomotiven der Baureihe 103 und die Bügelfalten-110 schön - in alter Farbgebung, versteht sich.

Dampflokomotiven aber sind im Text und in den Illustrationen zahlreich vertreten und immer präsent: »Das war Eisenbahn, wie sie nie wieder sein wird: das Bahnbetriebswerk Hamburg-Altona« - ja, und so dreckig, stinkend und laut wollen wir sie auch nicht mehr! Die Eisenbahn ist kein Museum, sondern ein lebendiges, zukunftsträchtiges Verkehrsmittel, das sich entwickelt!

Es wurde bereits erwähnt, daß das Buch auch einige Ideen bereithält, wie der Eisenbahnverkehr in Hamburg verbessert werden kann. Doch von einem mit den Gegebenheiten vertrauten Autor kann man erwarten, daß die Konzepte Detailfragen entweder ignorieren, weil es ganz große, alles verändernde Konzepte sind, oder daß sie den Detailfragen genügend Aufmerksamkeit widmen. Sonst werden sogar gute Ideen zu einem Ärgernis.

Die Idee an sich klingt gut, einen Großteil der Reisenden aus dem Umland mit Zweisystemzügen direkt in die Hamburger Innenstadt über die unterirdisch verlaufende City-S-Bahn zu bringen. Aber dafür reichen die bestehenden Kapazitäten überhaupt nicht aus: Die City-S-Bahn müßte viergleisig sein. Und die gute Idee mit dem Flughafenringbahnkonzept? Wer glaubwürdig sein will und nicht als verträumter Utopist gelten möchte, der muß auch Finanzierungsmodelle vorlegen - und bei den Vorschlägen dieses Buches geht es um Milliarden. Hamburg ist aber eben nicht Berlin!

Man möchte das Buch wegen seiner kruden Mischung aus Tendenziösität, Nörgelei und einigen Vorschlägen für die Zukunft am liebsten in die nächste Ecke werfen. Doch wir wollen uns den Wurf aufbewahren, für Seite 81. Wer bis Seite 80 durchgehalten hat, wird mit seiner Geduld an Seite 81 scheitern: Das ist die erste Seite mit Werbung.

An sich ist nichts gegen Werbung in Büchern einzuwenden. Bei sehr kleinen Verlagen ist es üblich, daß die Kreissparkasse ein paar Mark dazugibt und dafür ihr Logo unterbringen darf, und bei Jubiläumsbänden ist es auch üblich, damit der Preis niedrig bleibt und viele Leute mitjubeln können. Aber in Fachbüchern dieser Preiskategorie ist Werbung eine Frechheit. Vor allem dann, wenn genau die Unternehmen ganzseitig werben, die von den im Buch angeregten Ideen profitieren würden: Flughafen Hamburg GmbH, Alstom LHB GmbH, DSB Gods und Adtranz. Da wirkt der Dank des Autors an die »befreundeten Fachleute« aus der Industrie, die mit Rat und Detailstudien gerne mitgearbeitet haben, schon fast ironisch.

Alle Gedanken zu diesem Buch lassen sich in einem knappen und deutlichen Fazit zusammenfassen: Nicht kaufen!

Rainer Kolbe

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