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Bock, Peter: Interzonenzüge. Eisenbahnverkehr im geteilten Deutschland (Dumjahn-Nr. 0011224)
Dumjahn-Nr. 0014153
ISBN-10: 3932785339

Rainer Kolbe:
»Das Buch ist mit sauber gedruckten Aufnahmen, von denen man viele noch nicht in anderen Büchern gesehen hat, überaus reich bebildert.«

Der Autor
Peter Bock, Jahrgang 1938, arbeitete nach seiner Ausbildung 20 Jahre bei der Eisenbahn auf dem Verschiebebahnhof Berlin-Schöneweide als Stellwerksmeister, Fahrdienstleiter, Betriebssachbearbeiter und Technologe. Danach war er »Anschlußbahnleiter« bei einer großen Berliner Anschlußbahn mit eigener Betriebsführung und Lokomotivführer.

Seit seiner Schulzeit interessiert sich Peter Bock für Eisenbahnen - ganz besonders aber für die Eisenbahn Berlins und der Umgebung.

Seit 1978 ist der Autor als Redaktionsmitglied aktiv beteiligt an der Herausgabe der »Verkehrsgeschicht-
lichen Blätter« und hat darin auch als Autor zahlreiche Beiträge veröffentlicht.

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Erinnertes Grauen


Bock, Peter: Interzonenzüge. Eisenbahnverkehr im geteilten Deutschland. GeraMond Verlag : München 2000.
- Zur Bibliographie.

Rund zehn Jahre ist es her, daß die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten fiel, und wer heute von Ost nach West reist, findet nur noch wenige steinerne Zeugen am Streckenrand. In Berlin gar ist der Grenzverlauf, von einigen Trümmern abgesehen, am Rande der Baugrube für den neuen Lehrter Bahnhof kaum noch auszumachen. Die Menschen aber erinnern sich noch an Teilung und Trennung, an Hoffnungen und Ängste, an Fluchtgedanken und Grenzkontrollen.

So beschleicht jeden, der diese gar nicht so ferne Zeit als Reisender zwischen den Welten erlebt hat, ein seltsam fremdes Gefühl beim Blättern in alten Fahrplänen oder in Büchern über die deutsch-deutsche Teilung. Diese Buch ist so ein Buch: Interzonenzüge, lange Grenzaufenthalte in der Provinz, scharfe Blicke der Trapos in die »Reisedokumente« - all das soll gerade erst seit zehn Jahren vergangen sein? Das Buch macht diese Zeit noch einmal lebendig - es sind keine schönen Erinnerungen, aber sie sind notwendig.

Der Leser bekommt über die Historie des deutsch-deutschen Eisenbahnverkehrs eine Fülle an Geschichte und Geschichten geboten. Der Autor verrät ausführliche Kenntnis der inneren Zusammenhänge und Fleiß beim Studium von Akten und Unterlagen. Über so manches Thema hat man andernorts noch gar nichts gelesen: Güterzüge von West-Berlin durch Ost-Berlin nach West-Berlin etwa, oder die Details der Staatsfahrten von Willy Brandt und Willi Stoph zu Beginn der siebziger Jahre.

Und auch, wenn man davon vielleicht schon an anderer Stelle gelesen hat: Die Kapitel über die Ausgestaltung der Grenzbahnhöfe, an denen mit Schutzweichen und Entgleisungsweichen jede Fluchtmöglichkeit vereitelt wurde, die zahllosen Sicherheitseinrichtungen mit Netz und doppeltem Boden, die mehrfachen Kontrollen von Zügen und Lokomotiven nach Flüchtlingen und Schmuggelgut, und all das immer weiter verschärft und verfeinert: es ist grauenerregend.

Was wäre den Menschen in Ost und West erspart geblieben, wenn die politisch Verantwortlichen ihre ja offenbar vorhandene Energie nicht für eine vollständig paranoide Überwachung, sondern tatsächlich für Frieden und Verständigung eingesetzt hätten!? Ein Gedanke, der den Leser besonders beim Betrachten der als Faksimiles wiedergegeben Dokumente und Unterlagen beschleicht. Doch es wird dann auch klar: Es sind nicht immer nur »die da oben«, die mittun ...

Das Buch ist mit sauber gedruckten Aufnahmen, von denen man viele noch nicht in anderen Büchern gesehen hat, überaus reich bebildert. Auch von Grenzanlagen und Grenzern finden sich Bilder, die nicht erst im Frühjahr 1990 aufgenommen worden sind. Nicht, daß der Rezensent noch nachträglich auf einen passiven Nervenkitzel Wert legte, aber Aufnahmen von freundlich lächelnden Trapos veranschaulichen eben doch nicht die ganz normalen Ängste, die einen ganz normalen Reisenden auf einer gar nicht normalen Reise »nach dem Osten« beschlichen. Oder auch nur auf der Reise nach dem Westen im Osten, nach Berlin, eben im Interzonenzug. Da sind die eingestreuten kleinen Texte von Reisenden und Eisenbahnfreunden sehr passend, sie lockern zudem die sachliche Darstellung lesenswert auf.

Auf dem Vorsatz und dem Nachsatz findet sich eine Karte der damaligen sowjetischen Besatzungszone mit der Demarkationslinie, so daß sich alle erwähnten Strecken und fast alle erwähnten Bahnhöfe finden lassen. Neben den politischen Dimension der Teilung Deutschlands kann man auch an diesen gerade mal fünfzig Jahre alten Karten ablesen, in welchem Ausmaß in Deutschland Strecken stillgelegt worden sind - welch unglaubliche Vergeudung volkswirtschaftlichen Vermögens!

Einige Themen sind nicht so umfangreich, als daß sie gleich ein eigenes Kapitel verdient gehabt hätten: »Indusi kontra Valutaplan« oder »Mit der APO von Berlin nach Bonn« beispielsweise. Andere Themen kommen ein wenig zu kurz: die Berlin-Blockade etwa oder die Ausbürgerungen Ende der achtziger Jahre per Eisenbahn. Wer über die Ausbürgerungen mehr lesen möchte, greife zu dem von Bernd Kuhlmann herausgegebenen Band »Züge durch Mauer und Stacheldraht«, an dem Peter Bock mitgewirkt hat. Das eine Buch ist aber keine Alternative zum anderen, beide ergänzen einander, man kann beide mit Gewinn lesen. Und mit nachträglichem Grauen: Es ist wirklich erst zehn Jahre her.

Rainer Kolbe

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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