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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Wettmann, Hartmut: Das Rheinland in historischen Stereofotos (Bestell-Nr. 8239960)
Dumjahn-Nr. 0015978
ISBN-10: 3932515153

Joachim Seyferth:
»Ein empfehlenswerter und innovativer Bildband nicht nur für diejenigen, die glauben, schon alle Veröffentlichungen zum Rheinland zu kennen oder gar zu besitzen!«

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
»Empfehlenswerter Bildband!«


Wettmann, Hartmut: Das Rheinland in historischen Stereofotos (dreisprachig). Literaturverlag Dr. Gebhardt + Hilden : Idar-Oberstein 1999.

Wenn heutzutage Produkte mit der absolut nichtsagenden Werbefloskel »NEU« angepriesen oder mit dem Prädikat »Innovation« versehen werden, steckt meist ein alter Hut dahinter. Denn das allermeiste ist schon längst gedacht, erfunden und ausprobiert worden, befindet sich aber in einer Art Dornröschenschlaf oder Dämmerzustand, weil der Markt und/oder die Gesellschaft noch (oder wieder) keinen ethischen, ökologischen oder ökonomischen Wert darin sieht.

Ein Beispiel für eine solch versunkene und von anderen medialen Zeiterscheinungen verdrängte Erfindung ist die Stereo-Fotografie, die bereits 1839 das (doppelte) Licht der Welt erblickte und in der Zeit von etwa 1870 bis zum Ersten Weltkrieg außerordentlich populär war. Verdrängt wurde das Erlebnis der »raumgreifenden« Bildbetrachtung ausgerechnet durch das Fernsehen, das bis heute meist nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch immer flacher daherkommt.

Den raren Veröffentlichungen zur Stereo-Fotografie hat jetzt der Literaturverlag Dr. Gebhardt + Hilden aus Idar-Oberstein ein weiteres Werk hinzugefügt: Das Rheinland in historischen Stereofotos. Zu verdanken ist diese Kompilation von historischen Stereofotos des Rheins und seiner Nebenflüsse dem (nebenberuflichen) Fotografen und Heimatforscher Hartmut Wettmann, der über tausend Exemplare dieser doppelten Fotos zusammengetragen hat, die mehrheitlich von deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Fotografen stammen und in Sammlungen und Antiquariaten entdeckt wurden.

Ein reines Eisenbahnbuch ist dieser Bildband natürlich nicht, aber es gibt neben anderen die beiden Kapitel »Brücken« und »Die Eisenbahn«, deren Motive zur Hoch-Zeit der Stereo-Fotografie natürlich noch neu waren und daher auch den stativbewehrten Fotografen mit den beiden Linsen bevorzugt anzogen. Doch neben der wachsenden Industrialisierung der als romantisch geltenden Flußtäler zwischen Eifel, Hunsrück und Westerwald zeigen die Fotos natürlich auch Landschaft, Gewerbe, Architektur und Menschen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und auch auf diesen Bildern spielt oft die Eisenbahn und das übrige historische Verkehrswesen zumindest eine Nebenrolle.

In dem 164-seitigen Buch befinden sich 128 historische Stereo-Fotografien; jedem im nostalgischen Braun unterlegten Doppelbild und seiner dreisprachigen Bildlegende ist eine Seite gewidmet. Natürlich sind sich die Einzelfotos eines jeweiligen Bildpaares zum Verwechseln ähnlich, denn sie wurden mit nur wenige Zentimeter auseinanderliegenden Objektiven parallel aufgenommen – so wie das menschliche Augenpaar zwei verschiedene Abbildungen sieht, die erst im Gehirn zusammengeschmolzen werden und uns somit das räumliche Sehen ermöglichen.

Beim Betrachten der Doppelbilder in diesem Buch übernimmt diese Funktion ein beiliegender Stereo-Betrachter, der durch optische Ablenkung dem linken Auge nur das linke Foto, dem rechten Auge nur das rechte Foto des Bildpaares zeigt. Den richtigen Abstand zum Buch und genug Ruhe und unverkrampfte Konzentration vorausgesetzt, erscheint das Foto plötzlich mit räumlicher Tiefe und sogar etwas größer als die tatsächliche Abbildung – eine frappierende Erfahrung, die aus dem unscheinbaren »flachen« Druck ein lebendiges Hineintauchen in die Vergangenheit werden läßt.

Ungestört von jeder filmischen Bewegung kann so jedes historische Detail studiert und auf gemächliche Entdeckungsreise gegangen werden. Der mitgedruckte Bildrahmen wirkt dabei wie ein Passepartout oder wie ein Fensterrahmen, der dem Stereo-Bild noch mehr Tiefe gibt. Bewußt wurde damals bei vielen Stereo-Motiven auf einen gestaffelten Bildaufbau geachtet und dementsprechend plastisch gestalten sich Vorder- und Hintergrund sowie die mittlere Ebene. Derlei Voraussetzungen waren (und sind) in den gezeigten Flußlandschaften des Rheinlandes natürlich in Hülle und Fülle gegeben, wo gleichzeitige Enge und Weite die Topographie bestimmen.

Dem Bildteil des hinsichtlich Handwerk, Druck und Grafik hervorragend verarbeiteten Bandes ist ein kleiner Exkurs in die Geschichte und Technik der Stereo-Fotografie vorangestellt, die heute professionell noch (oder wieder) in der Raumfahrt angewandt wird. An die war beim Entstehen dieser Stereo-Bilder freilich nur mit Hilfe der phantastischen Romane von Jules Verne zu denken, denn am Rhein und seinen Nebenflüssen bestimmten pittoreske Fischkutter, schwerfällige Holzfuhrwerke und die ersten Eisenbahnen das Verkehrsgeschehen.

Seitdem hat sich einerseits sehr viel verändert, andererseits scheint vieles am zukünftigen Weltkulturerbe Mittelrhein unberührt geblieben zu sein. Gerade das aber macht den »dreidimensionalen Blick in die Vergangenheit« so reizvoll. Ein empfehlenswerter und innovativer Bildband nicht nur für diejenigen, die glauben, schon alle Veröffentlichungen zum Rheinland zu kennen oder gar zu besitzen! Und was spricht eigentlich dagegen, sich mal wieder mit Kamera-Zwillingen an den Loreley-Tunnel zu setzen?

Joachim Seyferth

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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