Zurück zur Startseite Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff:

Der Link, der es bringt.
Die Buchtipps. / Die Rezensionen.
Das Autoren-Lexikon.
Zur nächsten Seite

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

Ritzau-Franz, Dietmute (Redaktion): Deutsche Eisenbahnen im Zeitenwandel - Eisenbahngeschichte aktuell (Dumjahn-Nr. 0013765)
Dumjahn-Nr. 0013765
ISBN-10:
3921304237

Joachim Seyferth:
»
Ergo: Ein dreigeteiltes und ein wenig aus den Fugen geratenes Buch mit höchst unterschiedlichem Nutzwert für den Leser: Während in den ersten zwei Dritteln eine große Informationsdichte sowie detailgenaue und
einfühlsame Schilderungen von Eisenbahn-Betriebs-
erfahrungen vorliegen, ist der verbitterte Rundumschlag 'in eigener Sache' am Schluß, der letztendlich Ritzaus Lebenswerk nur zu konterkarieren droht, einfach deplaziert.«

Zurück zur Liste der Rezensionen zur
Liste der Rezensionen

Zurück zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online
zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online

Übrigens ...

Der Ritzau Brief vom 8. Juni 2000 erhielt der Rezensent zu dieser Besprechung einen Brief von Hans-Joachim Ritzau - und darin auch gleich noch die sofortige Kündigung für das SCHIENE-Abo!

Den Brief lesen Sie hier im Anschluß an die Besprechung. Natürlich ungekürzt - und ohne Kommentar.

Pagerank erhoehen

Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Unterschiedlicher Nutzwert


Ritzau-Franz, Dietmute (Redaktion): Eisenbahneralltag heute, von Rainer Claaßen und Thomas Schröder. Dokumentationen zu den deutschen Bahnen, zusammengestellt von Wolfgang Stoffels. Abschied auf Raten - Rückblende auf dreißig Jahre Verlagsarbeit, von Hans-Joachim Ritzau (Die Eisenbahnszene gestern-heute, 6). Ritzau KG - Verlag Zeit und Eisenbahn : Pürgen 2000. - Zur Bibliographie.

Politiker würden sagen, das sei ein »interessantes« Buch. Wohl wissend, daß sie mit dieser Leerformel zunächst alles benennen können, was ihnen nicht ganz geheuer vorkommt und die ihnen dennoch das diplomatische Gesicht bewahrt. So geschehen im In- und Ausland übrigens auch zum Thema Transrapid, ein Thema, das von den Funktionsträgern aus Politik und Wirtschaft stets so tituliert wurde. Und ausnahmsweise war dies bei dem verkappten Zwitter zwischen Eisenbahn und Flugzeug sogar ehrlich: eine so kompliziert-umständliche Technik, einhergehend mit einer derart unwirtschaftlichen Betriebsweise mußte ja schon wieder interessant sein – wenn auch im negativen Sinne.

Diesmal also ein »interessantes« Buch – weil bemerkenswerte Schwankungen im Gefüge und in der Qualität der einzelnen Beiträge vorliegen. Es handelt sich um den sechsten und letzten Band der Buchreihe »Die Eisenbahnszene gestern – heute« aus dem Hause Ritzau, seit jeher spezialisiert auf Eisenbahngeschichte, Fahrplanwesen, Unfallchroniken und Verkehrspolitik. Die Bände 1 bis 5 aus dieser Reihe erschienen zwischen 1989 und 1998 und hatten verschiedene Artikel unterschiedlicher Ausprägung zu eben diesen Themen zum Inhalt.

So auch in diesem Band, wo das Kapitel »Eisenbahneralltag heute« der Unfallanalyse und das Kapitel »Dokumentationen zu den deutschen Bahnen« der Verkehrspolitik zugeordnet werden kann. Der Schlußkomplex »Abschied auf Raten« dient der öffentlichen Selbstbetrachtung der Ritzauschen Verlagsgeschichte, ebenfalls kein Novum in den Publikationen aus dem bayerischen Pürgen. Äußerlich kommt das Buch mit einem durchaus ansprechendem Titel, aber auch mit etwas gewöhnungsbedürftigem Schriftbild und mit offensichtlich lektorfreier Orthographie (für den Kommata-Satz gibt’s eine Meldekarte!) daher. Doch zum Inhalt:

Wenn Eisenbahner zur Feder greifen, ist das nicht immer ein Glücksfall für den Leser. Doch Thomas Schröder (Lokführer) und Rainer Claaßen (Stellwerksdienst bzw. Netz) präsentieren ihre Texte im Kapitel »Eisenbahneralltag heute« zu erlebten und fiktiven Betriebssituationen sehr anschaulich, authentisch und beinahe fesselnd. Es geht unter anderem um den alltäglichen Rangierdienst, bei dem sehr schnell heimtückische Betriebsgefahren zu Tage treten können, wenn nicht alle Vorschriften peinlich genau beachtet werden (»Die unterlassene Bremsprobe«), es geht um die diffizilen Erfahrungen beim Erwerb der Streckenkenntnis, bei der bereits die kleinste örtliche Unkenntnis schwerwiegende Folgen haben kann, und es geht um den »Alptraum aller Lokführer«, die Konfrontation mit einem Selbstmörder auf den Gleisen.

Ebenso wie der (fiktive) »Feuerwehreinsatz beim Bahnbetriebsunfall« werden diese traurigen Themen mit sensibler Feder und vor allem aus der Praxis heraus beschrieben: Was durchleben die (oft auf sich allein gestellten) Eisenbahner in solchen Momenten, mit welchen Widrigkeiten und Problemlösungen haben sie in derartigen Ausnahmesituationen zu kämpfen, welche Defizite im Rettungswesen treten zutage? Diese Texte sind nicht nur ein Gewinn für den Leser, sondern auch äußerst verdienstvoll, decken sie doch Schwachstellen auf, die im Interesse der Allgemeinheit beseitigt werden sollten.

Nebenbei müßte dies auch Pflichtlektüre für die Schmierfinken der Boulevardpresse sein, die mit reißerischen Schlagzeilen und zynischen Trümmerbildern niedere Instinkte bedienen, anstatt die Ganzheitlichkeit derartiger Tragödien zu recherchieren. Nicht minder aufschlußreich und lesenswert sind die beiden letzten Texte dieses Kapitels, bei denen es in »Störung am Bahnüberweg« um einen unerhörten Glücksfall sowie in »Der Dienstweg und die Mausefalle« um eine aberwitzige bürokratische Posse der neuzeitlichen Bahn AG geht.

Im Kapitel »Dokumentationen zu den deutschen Bahnen« (zusammengestellt von Wolfgang Stoffels) geben 14 Tabellen unter anderem einen Überblick der leitenden Personen des deutschen Eisenbahn- und Verkehrswesens wie Minister und Bahnvorstände. Hier kann man beispielsweise nachlesen, wer von 1836 an »Verkehrsminister« war und wie die Generaldirektoren der DR und DB sowie die Vorstände der Deutschen Bundesbahn ab 1952 hießen.

»Der Weg von Überschüssen zu Defiziten der Deutschen Bahnen« ist Gegenstand einer weiteren Chronologie in Tabellenform, die wichtige Stichworte und Literaturhinweise zum Thema enthält. Aufschlußreich, wenn auch sicher nicht vollständig ist die nachfolgende Auflistung »Dokumentation Deutsche Bahnliteratur«, in der bibliographische Publikationen sowie periodisch erscheinende Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zum Eisenbahnwesen seit 1844 aufgeführt sind. (Warum fehlt aber ausgerechnet »Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur«?) Insgesamt ist dieses Kapitel, das äußerlich mehrheitlich vom übrigen Schriftbild des Buches abweicht, für die verkehrspolitische Recherche gut geeignet und gibt diesem Band auch den Charakter eines Nachschlagewerkes. Ein Potential für Ergänzungen und Berichtigungen (die vom Verlag auch ausdrücklich erwünscht sind) ist sicherlich vorhanden und wird ggf. die eigenständige Bearbeitung des einen oder anderen Themenkomplexes nach sich ziehen.

Im dritten Kapitel »Abschied auf Raten« folgt nun das, was frei nach den oben erwähnten Politikern als »interessant« bezeichnet werden kann: Die Rückblende auf 30 Jahre Verlagsarbeit von Hans-Joachim Ritzau. Wer dessen launige Schreibe bereits aus früheren Veröffentlichungen kennt, ahnt den Inhalt der nächsten 44 Seiten, der wiederum nicht genau definiert werden kann: Ist es Klatsch? Ist es Kollegenschelte? Ist es Beckmesserei? Oder ist es der Versuch später Rache? Ritzau läßt hier teilweise uralte Episoden geschäftlicher Verlagsinterna Revue passieren, nicht ohne daß mal der eine, mal der andere Partner sein Fett wegbekommt. Mißliebige Details mehr oder weniger fruchtbarer Geschäftsbeziehungen mit Autoren, Druckern oder Mitbewerbern sind nicht nur zahlreich, sondern werden auch mit Faksimiles von Originalbriefen »belegt«. Doch beispielsweise der Konkurs einer Druckerei, eigene Scheidungskalamitäten einschließlich neuer Liebe, die nachträgliche (öffentliche!) Interpretation von Schriftwechseln mit Autoren oder die seitenlangen etwas zu selbstgerechten Scharmützel mit Rezensenten oder Kollegen aus der Branche haben eines gemeinsam: Das interessiert niemanden! Der »Fachmann« wendet sich angesichts der verquasten Darstellung ab und ist versucht, nur noch »quer« zu lesen. Und der Leser kann die Fülle und vor allem die Zusammenhänge dieses für ihn nutzlosen verbalen geschäftlichen Kleinkriegs nicht mehr nachvollziehen.

Schmutzige Wäsche dieser Art gehört bestenfalls an die Stammtische der Bahnhofsgaststätten von Uelzen, Landsberg oder Saalfeld, jedoch kaum in eine gebundene Fachpublikation innerhalb einer Buchreihe mit dem Anspruch nach relativer Zeitlosigkeit. Denn eines ist auch klar: Derartige Widrigkeiten im Geschäftsleben sind normal und gehören sozusagen zum Berufsrisiko – da könnte auch ich ähnliches erzählen! Aber wer will das lesen? Wir sind eben alle Menschen und haben alle unsere mehr oder weniger lebendigen Leichen im Keller – übrigens auch der vielseitige Ankläger selbst: Verkehrspolitisch interessierte und engagierte Mitmenschen können mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, daß Ritzau einerseits die wachsende Automobilisierung beklagt und seinerzeit deshalb ins ruhigere und per Straße (!) besser erreichbare Umland von München zog (S. 145/146), andererseits jedoch bereits 1970 beim Familienurlaub mit zwei Autos auf Dampflokjagd quer durch Deutschland fuhr (Bildtext S. 152). Das ist ja interessant! Und übrigens auch ein weiterer Beweis dafür, daß zu einer Zeit, in der ein Großteil der Bevölkerung die Eisenbahn noch als selbstverständliches Reiseverkehrsmittel nutzte, ausgerechnet viele »Eisenbahnfreunde« die Straße favorisierten und zum Abschied auf Raten beitrugen.

Ergo: Ein dreigeteiltes und ein wenig aus den Fugen geratenes Buch mit höchst unterschiedlichem Nutzwert für den Leser: Während in den ersten zwei Dritteln eine große Informationsdichte sowie detailgenaue und einfühlsame Schilderungen von Eisenbahn-Betriebserfahrungen vorliegen, ist der verbitterte Rundumschlag »in eigener Sache« am Schluß, der letztendlich Ritzaus Lebenswerk nur zu konterkarieren droht, einfach deplaziert – in solch negativem Unterton sollte eine langjährige Buchreihe nicht beendet werden. Ein versöhnlicher und erneuter Appell an unsere größte Triebfeder, das Prinzip Hoffnung, wäre vielleicht geeigneter gewesen, denn wir alle könnten uns bessern: die Menschen und – ach ja – auch die Bahn!

Joachim Seyferth


Hier nun der »Leserbrief« von Hans-Joachim Ritzau:

Der Ritzau Brief vom 8. Juni 2000
Das Original liegt der
Redaktion natürlich vor.
Die Anschriften werden
wg. Datenschutz hier
weggelassen. Der Brief:

                                                       Pürgen, den 8. Juni 2000

 

Sehr geehrter Herr Seyfert,

im Wissen, daß unsere 'Maus' bestimmt nicht in Dumjahn's Gefilden 'klickt', sandte uns ein Freund bereits vor Monaten Ausdrucke von Dumjahn's neuesten albernen Schmähungen, dazu Kopie aus seinem Jahrbuch 2000. Damit es uns jedoch mit Sicherheit nicht entging, ließ uns Dumjahn vor ein paar Wochen noch einmal, uns bereits Bekanntes und Neues zukommen, unter dem Neuen Ihre 'Rezension' zu Eisenbahnszene 6 mit Copyright Dumjahn.

Vielleicht schreibt unser Autor Garrecht in Verworfene Schienen dazu eine Glosse unter Verwendung Ihrer früheren Schriften, die ich auch archiviert habe. Mir ist es zu dumm, darauf näher einzugehen, zumal die Wahrheit meiner Aussage Sie offenbar überhaupt nicht zu interessieren scheint, und Sie damit auch das Anliegen Ihrer Zeitschrift in Frage stellen. Dieses, Ihr Werk vermittelte mir den Eindruck, daß es Ihnen gleich uns um die Eisenbahn geht, was man ja gemäß Bermeitinger von Dumjahn nicht mehr sagen kann. So ließ ich auch das Abonnement weiter laufen, obwohl ich nach meiner Abbestellung 1998 wegen einiger Mißfälligkeiten - nicht zuletzt Ihrer unkritischen Dumjahn-Rezensionen - lediglich für ein Jahr, also 1999 verlängerte, dann aber auch die nicht bestellten ersten Lieferungen 2000 annahm und die Jahresrechnung begleichen ließ. Sie werden allerdings verstehen, daß ich ab sofort die weitere Annahme verweigern und Heft 2 zurücksenden werde, Heft 1 ist nicht auffindbar.

Unterlassen Sie also bitte die weitere Zusendung Ihrer Zeitschrift. Es wäre Portovergeudung. Und da ich gewohnt bin, von Ihnen auf meine Briefe keine Antwort zu erhalten, lassen wir es bei diesem Brauch.

Mit Gruß
(Unterschrift)
Hans-Joachim Ritzau

P.S.: Wo schreiben wir übrigens, daß Eisenbahnszene 6 die letzte ihrer Reihe ist? Band 7 ist schon in Arbeit und mit Band 12 wird voraussichtlich wieder ein Register kommen. Nur ich persönlich habe mich sozusagen verabschiedet und bringe nur noch Kleinigkeiten.

Handschriftliche Ergänzung:

Und ob Sie den überwiesenen Betrag f. d. Jahresabonnement zurücküberweisen, ist uns auch egal. Wir wollen nichts mehr mit Ihnen zu tun haben. Das ist alles.

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

Über den Rezensenten

Zum Seitenanfang


Zurück zur Liste der RezensionenZur Impressumseite Mit »Eisenbahn-Dumjahn online« immer auf dem richtigen Gleis ... Weiter zur nächsten Rezension

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

© Copyright 2000 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten
Dumjahn Verlag Strasse Immenhof 12 PLZ-Ort D-55128 Mainz International +49 +6131 330810 Telefon +49 6131 330810
Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de