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Weiske, Jens; Jung, Heinrich u.a.: Vom Bau des Brandleitetunnels und des Rennsteigtunnels (Dumjahn-Nr. 0013936)
Dumjahn-Nr. 0013936
ISBN-10: 3930588501

Joachim Seyferth:
»Und sonst? Die Bauzeiten sind annähernd gleich, die anfänglichen Wunden in der Landschaft bei Eisenbahn und Autobahn gleichermaßen sichtbar.«

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Tunnelbau einst und jetzt


Weiske, Jens; Jung, Heinrich u.a.: Vom Bau des Brandleitetunnels und des Rennsteigtunnels. Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft : Zella-Mehlis / Meiningen 1999. Zur Bibliographie.

Daß sich Straße und Schiene immer ähnlicher werden, ist spätestens seit der Forcierung der »Festen Fahrbahn« kein Geheimnis mehr. Auch beim neuzeitlichen Tunnelbau ist während der Bauphase nicht immer eindeutig zu erkennen, ob später einmal Schienen oder eine Asphaltdecke durch den Berg führen: Kurvenradien, Portale sowie die allgemeinen Dimensionen und Bautechniken sind nahezu identisch. Erst wenn Gleise und Fahrleitungsanlagen bzw. die Fahrbahndecke und Belüftungsanlagen installiert werden, ist der jeweilige Verkehrsträger eindeutig zu identifizieren.

Schon bei der Umschlagillustration dieser Neuerscheinung der Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis / Meiningen, wird dies anschaulich: Das Doppelportal auf dem hinteren Buchdeckel gehört zwar zu einer Neubaustrecke, diese aber trägt die Bezeichnung BAB A 71 und stellt die neuzeitliche Straßenschnellverbindung zwischen Erfurt und Schweinfurt dar. Auf der 19,6 km langen Strecke durch den Thüringer Wald sind vier Tunnelbauwerke vorgesehen, von denen der in diesem Buch beschriebene Rennsteigtunnel mit 7916 bzw. 7878 Metern in wenigen Jahren der längste Autobahntunnel der Bundesrepublik Deutschland sein wird.

Doch neuzeitliche Straßentunnel haben nicht nur vieles mit ihren modernen Pendants auf den Neubaustrecken der Eisenbahn gemeinsam, sondern in diesem speziellen Fall kommt der Rennsteig-Autobahntunnel auch mit einem über 115 Jahre älteren Eisenbahntunnel in Berührung: er kreuzt den 3039 Meter langen Brandleitetunnel der Strecke Suhl – Erfurt nordwestlich vom Bahnhof Oberhof in einem Abstand von nur sieben Metern. Diese räumliche Nähe zweier so unterschiedlicher Tunnelbauwerke veranlaßte Herausgeber und Autoren dieses Buches, den historischen Bau des Eisenbahntunnels sowie den aktuellen Vortrieb des Autobahntunnels in einer gemeinsamen Publikation zu beschreiben.

Im Erzählstil und aufgelockert durch kleinformatige historische und neuzeitliche Fotos beginnt das Buch mit der Streckenchronik bzw. -beschreibung »Mit der Eisenbahn von Plaue nach Ritschenhausen«. Diesem »Einstieg« nebst einem allgemeinen örtlichen Überblick folgt eine je zweiseitige Beschreibung der Städte Oberhof, Zella-Mehlis und Suhl. Auf den folgenden 30 Seiten beschreibt Heinrich Jung den Bau und die Geschichte des Brandleitetunnels. Karten, Faksimiles und Fotos ergänzen diesen ebenso faktenreichen wie interessanten Text, dem laut Quellenangaben eine solide Recherche voranging.

Die zweite Hälfte des Buches ist dem in Bau befindlichen Rennsteigtunnel im Zuge der A 71 gewidmet. Diese Abhandlung verschiedener Autoren beinhaltet einen Beitrag zum aktuellen Baugeschehen und zur Bautechnik sowie eine »Fotochronik« über den bisherigen Baufortschritt am Rennsteigtunnel vom Herbst 1998 bis zur Tunnelquerung mit dem Brandleitetunnel im Juli 1999.

Ebenso erwähnt wird die »Legende der Heiligen Barbara«, der Schutzpatronin aller Tunnelbauer – egal ob für Eisen- oder Autobahn. Beendet wird die vorläufige Chronik des gewaltigen Straßentunnels mit der launigen Schilderung eines »Tages des offenen Denkmals«, an dem für zwei Stunden interessierte Anwohner die Baustelle besichtigen konnten. Auch dieser Part des Buches zum Straßentunnelbau ist angesichts des beschränkten Platzes ausreichend informativ und bietet dank zahlreicher aktueller Farbfotos buchstäblich ein facettenreiches Bild des Verkehrsprojektes »Deutsche Einheit - Straße Nr. 16«.

Besonders interessant und natürlich beabsichtigt ist die Gegenüberstellung der beiden in vielerlei Beziehung unterschiedlichen Tunnelbauwerke. Was früher mit sehr viel Muskelkraft bewältigt wurde, hat heute das High-Tech der Bauindustrie übernommen. Und sonst? Die Bauzeiten sind annähernd gleich, die anfänglichen Wunden in der Landschaft bei Eisenbahn und Autobahn gleichermaßen sichtbar. All das kann der Leser in diesem Buch aus Text und Bild entnehmen, dessen Zielgruppe nicht nur Bahnfreunde und Historiker, sondern in erster Linie auch Heimatkundler und die interessierte regionale Bevölkerung sind.

Und die in Buchform gebrachte Momentaufnahme bestimmter Epochen im Thüringer Wald ist als Gemeinschaftswerk für das Gemeinwesen zu verstehen: Zahlreiche Autoren trugen Schrift- und Bildmaterial an den Verlag heran, zahlreiche ortsansässige Institutionen und Firmen unterstützten den Druck des Werkes. So neben anderen beispielsweise auch die »Fleischerei Andreas Schneider«, was den Rezensenten sogleich zu der Frage herausfordert, ob’s beim Kauf des Buches auch die obligatorische Scheibe Fleischwurst als Dreingabe gibt – und somit das Déjà-vu-Erlebnis an jene beglückenden Kindheitsmomente aus dem Metzgerladen. Wenn ja, beißen Sie dennoch nur vorsichtig zu: Tunnelgranit kann sehr hart sein!

Joachim Seyferth

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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