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Stein, Bernhard: Meine schönsten Modellbahnanlagen. Highlights der 90er Jahre (Dumjahn-Nr. 0014170)
Dumjahn-Nr. 0014170
ISBN-^0: 3440077888

Rainer Kolbe:
»Fazit: Hübsche bunte Bilder. Mehr leider nicht.«

Der Autor
Bernhard Stein ist 69 Jahre alt, noch beruflich aktiv als (hauptberuflicher) Anlagenbauer. Nachdem er erfolgreich erst als Malermeister mit dem Spezialgebiet Kirchenmalerei und als Berufsflugzeugführer arbeitete, hat Bernhard Stein sich als Anlagenbauer selbständig gemacht. Zur Zeit arbeitet er seinen Nachfolger ein, um sich dann ganz der Möbelmalerei und dem schwierigen Bereich der Lack-in-Lack-Technik zu widmen.

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Ästhetische Fragen


Stein, Bernhard: Meine schönsten Modellbahnanlagen. Highlights der 90er Jahre. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH : Stuttgart 2000. - Zur Bibliographie.

Der Verfasser des Buches ist seit 1978 als Anlagenbauer im Geschäft, vor Jahren schon erschien sein erstes Buch zum Thema, jetzt folgt das zweite mit den in den neunziger Jahren gebauten Anlagen. Es sollen zugleich die letzten Anlagen sein, denn Stein will sich mehr als Maler und Schriftsteller betätigen. Er ist bald siebzig Jahre alt.

Große und kleine Anlagen für Privatkunden finden sich neben Auftragsarbeiten für die Hersteller von Modellbahnzubehör, für Ausstellungen und sogar für Filmproduktionen – darunter für den unter Modelleisenbahnfreunden nicht unbekannten TV-Streifen »Liebe, Tod und Eisenbahn« mit Heiner Lauterbach. Und die Abbildungen zeigen zwar so manches wirklich schöne Detail, das den einen oder anderen Modellbahner zum Nachbau anregen dürfte.

Der Verlag preist das Buch so an: es zeige die »Kronjuwelen« von Bernhard Stein, dem »derzeit besten Modelleisenbahnanlagenbauer der Welt«. So weit, so beeindruckend. Ohne Frage ist Bernhard Stein ein renommierter und bekannter Anlagenbauer, dessen Anlagen auf Ausstellungen, Messen und in Filmen zu sehen und zu bewundern sind. Wie soll man da die richtigen Worte finden, um sein Mißfallen an diesem Buch kundzutun?

Wie wichtig eine ausführliche Kritik sein kann, demonstrieren diverse Internet-Seiten. Klar, wer das Buch verkaufen will, wird es kaum verreißen. Doch wenn man bei einem Buchversand liest, daß es sich bei dem Buch gleich um »ein Standardwerk, das jeder Modelleisenbahner einfach haben muß!« handele, dann wird man schon stutzig. Und weiter heißt es, daß das Buch »35 Einzelarbeiten, die von der Planung bis zur Vollendung ausführlich beschrieben« seien, enthielte. Realiter sind es aber nur 23 Anlagen, die mitnichten von der Planung bis zur Vollendung gezeigt werden.

Der Rezensent maßt sich nicht an, der bessere Anlagenbauer zu sein. Er ist sogar gar keiner. Aber er ist ein Ästhet, der mit offenen Augen das Vorbild und die Modellbahnen betrachtet. Und als Ästhet muß ihn – Respekt hin, Renommee her – leider vieles stören:

Da sind zuerst enge, womöglich unkaschierte und bestenfalls durch den Anlagenrand motivierte Kurven. Strecken, die ohne ersichtlichen Grund den nächstbesten Berg durchbohren. Wer einmal einen langen Modellbahnzug in einer vorbildlich weiten und zudem überhöhten Kurve gesehen hat, weiß, was ihm hier fehlt. Da ist die fehlende Alterung der Fahrzeuge und der Landschaft, vieles wirkt neu und wie aus der Schachtel, die Orte entlang der Strecken selten »gewachsen« und immer aufgeräumt.

Und schließlich ist da das bunte Durcheinander von Fahrzeugen. Natürlich will die Firma X auf einer Ausstellung alle Zuschauer befriedigen und alle eigenen Produkte zeigen. Also begegnet der ICE im Bahnhof unweigerlich dem Glaskasten. Aber hätte man für die Aufnahmen des Buches nicht ein wenig auf die Epochenaufteilung achten können? Und muß man auf der Modellbahn den Zug gerade dann fotografieren, wenn die Lok hinter dem Fahrleitungsmast steht?

Da sind Gleise, sehr sorgfältig eingeschottert, daneben aber Weichenantriebe, die nicht versenkt wurden. Aber auch verkürzte D-Zug-Wagen und der berühmt-berüchtigte Halbkreis hinter dem Ringlokschuppen. Gleisverwicklungen, die sichtlich nicht einer fiktiven Notwendigkeit folgen, sondern lediglich einer Aufteilung nach Stromkreisen für den automatisierten Verkehr.

Der Autor schreibt, daß das »Ewig-im-Kreis-Herumfahren« höchstens kurzfristig befriedige – und dennoch fehlen auf seinen Anlagen die brauchbar großen Schattenbahnhöfe. Und eine Immer-an-der-Wand-Anlage findet sich gar nicht.

Zudem wird die Lektüre durch die fortgesetzte Erwähnung zweier namhafter Zubehörhersteller gestört. Sicher ist es nicht verwerflich, Auftraggeber oder brauchbare Produkte beim Namen zu nennen. Aber wenn in jedem dritten Absatz auf das Produkt X der Firma Y verwiesen wird, dann stellt sich kaum mehr die Frage, warum der Autor im Vorwort beteuern muß, daß sein Buch von keiner Institution gesponsort sei.

Es mag sein, daß auch die Privatkunden unbedingt die zweigleisige Hauptstrecke mit großem Bahnhof und noch größerem Bahnbetriebswerk und abzweigender Nebenbahn mit Endbahnhof und Straßenbahn und Industrieanschluß haben möchten – nur: darf man als Autor so etwas nicht auch einmal hinterfragen?

Es mag sein, daß der Leser dieser Rezension kein Ästhet ist, sondern einfach Anregungen für den Bau der eigenen Anlage sucht. Doch auch für ihn ist das Buch nicht gerade eine Fundgrube. Im Text sind viele Details und Arbeitsschritte des Anlagenbaus beschrieben, doch die Abbildungen zeigen zumeist die fertigen Anlagen in Ausschnitten, so daß man sich nur schwer eine Vorstellung vom Bau selbst machen kann. Es gibt andere Veröffentlichungen und ganze Buchreihen, in denen die Entstehung einer Anlage von der ersten Planung bis zum letzten Granulatkörnchen sehr viel besser beschrieben und mit Fotos dokumentiert ist.

Der Rezensent ist nur der aufmerksame Betrachter. Im hinteren Regal findet er noch Burkhardt Kiegelands legendäres Buch »Modelleisenbahn – Ein Hand- und Spielbuch«. So manches Detail findet sich hier ansprechender und vorbildgemäßer dargestellt – und das Buch erschien schon in den siebziger Jahren! Auch läßt das Buch von Stein der Phantasie des Betrachters zu wenig Raum – zu detailverliebt die Aufnahmen und damit auch zu klar die Schwächen mancher Anlagen. Die Bücher des Kollegen Ivo Cordes beispielsweise kommen mit Zeichnungen und Graphiken aus und sie bieten auch mehr Raum für den Modellbahn-Traum.

Fazit: Hübsche bunte Bilder. Mehr leider nicht.

Rainer Kolbe

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