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Alfred Gottwaldt: Der Autor |
Dumjahn's
Bahn-Rezensionen online: Der Leser bleibt nicht unberührt Altwegg, Jürg: Geisterzug in den Tod. Ein unbekanntes Kapitel der deutsch-französischen Geschichte 1944. Rowohlt Verlag : Reinbek bei Hamburg 2001. - Zur Bibliographie. Die im deutschen Namen geplante und verwirklichte Ermordung der europäischen Juden ist eine der größten Tragödien gewesen, die je auf unserem Kontinent geschehen sind. Jede Gesamtdarstellung zu diesem Thema macht erneut deutlich, daß weit mehr als drei Millionen Juden zwischen 1941 und 1944 mit Eisenbahnzügen in die Lager und in den Tod transportiert worden sind, während viele andere in Osteuropa an ihren Heimatorten ermordet worden sind. Die großen Zahlen bleiben immer abstrakt. Daneben machen die »Lokalstudien« über konkrete Städte oder über Deportationsmaßnahmen deutlich, daß es stets um das Leben und Sterben von Einzelpersonen ging. Eine solche Einzeluntersuchung über einen der letzten Deportationszüge aus dem besetzten Frankreich hat Jürg Altwegg, seit 1986 als Kulturkorrespondent der FAZ in Genf lebend, mit seinem Buch über »ein unbekanntes Kapitel der deutsch-französischen Geschichte« von 1944 vorgelegt. Nachdem bereits eine enorm große Zahl von Juden aus Frankreich nach Deutschland deportiert und ermordet worden war, liefen selbst nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 die Deportationen in Richtung der deutschen Konzentrationslager weiter. Damals hat auch die französische Kollaborationsregierung von Vichy einige Schuld auf sich geladen. Mit kriminalistischem Spürsinn hat Altwegg den Weg eines Zuges untersucht, der erst am 1. Juli 1944 mit 600 Menschen aus Le Vernet und anderen Lagern in der Nähe von Bordeaux abgesandt worden ist. Wegen zerstörter Strecken fuhr der Transport südwärts über Toulouse, wo ihm weitere 300 politische Gefangene angeschlossen wurden. Die weiteren Stationen dieser Irrfahrt unter den Bombenangriffen und Sabotageanschlägen über Nimes, Lyon, Dijon, Nancy, Metz und Saarbrücken werden genau beschrieben. Nach fast acht Wochen, am 28. August 1944, hatte der Zug damals »endlich« das KZ Dachau erreicht, worauf die Frauen noch nach Ravensbrück verschleppt wurden. Nur wenige Insassen dieses »Geisterzuges« haben das Kriegsende erlebt. Weil Dokumente damals kaum entstanden und heute auch nicht mehr greifbar sind, stützt der Autor seinen Bericht in erster Linie auf Gespräche mit Überlebenden und auf die inzwischen gedruckte Literatur. Im spannungsreichen Erzählstil eines historischen Kriminalromans, nicht ohne Umwege und zugleich nicht ohne Fußnoten, führt Altwegg in die besondere militärisch-politische Lage im Süden Frankreichs im Sommer 1944 ein, vor deren Hintergrund sich die heute fast unwirklich anmutende Zugfahrt abspielte. Die damals beteiligten Menschen werden zutreffend skizziert; die »Deutschen« kommen dabei erklärlicherweise schlecht weg. Der Leser muß sich zunächst daran gewöhnen, daß der Text fast durchgehend im Präsens steht, doch legt man das Buch nicht unberührt und nicht ohne Gewinn wieder aus der Hand. Alfred Gottwaldt © Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages. Über den Rezensenten |
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