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Herdam, Wolfgang (Hrsg.): NoHABs und Kartoffelkäfer. Ende einer Loklegende (Dumjahn-Nr. 0015303)
Dumjahn-Nr. 0015303
ISBN-10: 3933178088

Robert A. Dräcker:
»Glückwunsch zu diesem gelungen Farbbildband. Die Bildauswahl, und natürlich auch der Preis stimmen! Das Fragezeichen im Untertitel ist allerdings fehl am Platz, dieses Buch wird die 'Loklegende' nicht beenden, nein, es wird sie neu begründen.«

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NoHABs - schon mal gehört?


Herdam, Wolfgang (Hrsg.): NoHABs und Kartoffelkäfer. Ende einer Loklegende. Wolfgang Herdam Fotoverlag : Gernrode 2000. - Zur Bibliographie.

Schwarz, im Querformat und durchgehend vierfarbig, so kommt ein Bildband daher, von dem der Verleger sagt, »der ist unter 78 Mark nicht zu machen«. Ja, das stimmt. Ein Buch ist immer das letzte, das man kurz vor Redaktionsschluß (für Dumjahn's Jahrbuch für Eisenbahnliteratur) gerne noch dran nimmt, bitte, diesmal ist’s der neue »Herdam«.

Zur Sache: Im Vorwort (auf Seite 5, vor dem Inhaltsverzeichnis) wird geklärt, welche Loktype bei welcher der fünf europäischen Staatsbahnen von 1954 an eingesetzt wurde. Es mag hier genügen, sich die Erläuterung des Kürzels NoHAB einzuprägen (oder ins Gedächtnis zu rufen, je nach Kenntnisstand): NoHAB steht für den Hersteller Nydquist och Holm AB (im schwedischen Trollhättan) und betrifft nur die Lokomotiven, die nach Dänemark, Norwegen und Ungarn geliefert wurden. Sie machen auch alles richtig, wenn Sie die »Rundnasen« in Belgien und Luxemburg als »Kartoffelkäfer« bezeichnen, weil hier das Hersteller-Kürzel Anglo-Franco-Belge (AFB) mangels Vokalen nie zum Begriff werden konnte. Aber selbst die Sache mit den »Rundnasen« ist nicht so einfach, denn in Belgien selbst nennt man sie »GMs« oder »Dicknasen« - und in Frankreich wieder »Rundnasen«.

Die Fans dieser Dieselloktype muß das alles nicht weiter kümmern, die wenden sich am besten gleich der knappen Einleitung von Jahrbuch-Autor Franz Rittig (Seiten 7/8) zu. Der Schlußsatz paßt hier zum besseren Verständnis besonders gut her: »Zwischen 1954 und 1969 gelangten insgesamt 203 der sechsachsigen Dicknasen (!) auf europäische Gleise. Noch immer kann man vielen von ihnen begegnen, wenn auch nur noch sehr wenigen in der Ursprungsausführung. Reisen Sie in Gedanken mit uns vom Balaton (Ungarn) über Luxemburg, Belgien, Dänemark und Norwegen an den Polarkreis!«

Und so eingestimmt kann man sich dann auf die Reise begeben: Farbfotos »satt«, viele schöne Streckenaufnahmen, oft aus ungewöhnlichen Perspektiven (Seiten 23, 41 und 60) - und durchweg Landschaften, die zum »Nachfahren« einladen. Daß es gewiß besser aussieht, wenn auf gegenüberliegenden Seiten Bilder die gleiche Größe haben (zu erreichen durch gleich lange Bildlegenden), merkt man erst, wenn man nach dem ersten »Durchblättern« mit dem Lesen beginnt.

Und da entsteht denn auch schon nach wenigen Seiten die Idee, in einem der nächsten Jahrbücher mal wieder etwas zum Stichwort »Bildlegenden« zu schreiben. Arbeitstitel könnte zum Beispiel sein: »Bildlegenden-Prosa - Dichtung und Wahrheit«. Weil: Zu lange Sätze bergen bestimmte Gefahren in sich, man hat immer die Chance, im HOHLSPIEGEL zu landen - und das muß ja nun wirklich nicht sein. Ein Beispiel? Bitte: »Pt 352 nach Dombas hat Andalsnes um 10.20 Uhr verlassen und passiert hier gerade die grandiose Szenerie mit der Di3.624, hat aber den größten Teil der 114 Kilometer langen Raumabahn noch vor sich ...« Auf dem Bild sieht man indes nur die erwähnte Diesellok mit den drei angehängten roten Personenwagen - und nicht etwa den »Pt 352«, der »hier gerade die grandiose Szenerie mit der Di3.624« passiert. Nein, da ist nur ein Streckengleis zu sehen - und keine weitere Lokomotive, wie die Bildlegende verheißt ... (Seite 107).

Bitte nicht falsch verstehen: Solche Bandwurm-Sätze unter eindrucksvollen Fotos findet man auch bei anderen Verlagen (klar, auch bei Franckh-Kosmos). Wer als Verlag also das Bildurheberrecht ernst nimmt, der sollte auch dafür eintreten, die Bildinhalte wirken zu lassen. »Verniedlichungen« wie »den Straßenlärm der Kaffee-Ausflügler. welche ...« (Seite 40) stören beim Betrachten solch gelungener Bildbände doch arg. Gemeint ist wohl, daß die Diesellok unter der Straßenbrücke für die Zeit des Durchfahrens deutlich lauter zu hören war, als die beiden Autos kurz vor der Brücke ... Habe ich das so richtig verstanden?

Ja, ein besonderes Kapitel sind auch die persönlichen Fürwörter in den Bildlegenden. Wenn man sich quasi »duzend« mit der jeweiligen Lokomotive (oder dem Zug, dem Ziel oder sonstwem) »verkuppelt«. Solche Formulierungen sind in meinen Augen einfach unglücklich:
»... daneben hat Di3.625 mit dem ‘Polar-Pendel’ Pt 450 ... ihren verregneten Endbahnhof erreicht und wird nach Abstellen der Wagengarnitur zur Übernachtung im örtlichen Lokschuppen verschwinden.« Nicht ganz ernsthaft gefragt: »Ohne Abendbrot? Und was ist mit dem Zähneputzen?«

Keine Frage, der Rezensent übertreibt hier absichtlich, weil er einfach alle Büchermacher (und die Leser sowieso) ein wenig sensibilisieren möchte. Ist es doch gerade unsere Sprache, die uns in die Lage versetzt, Stimmungen ebenso unmißverständlich zu beschreiben - wie zum Beispiel Fakten, sprich: Bildlegenden. Fakten, das weiß man inzwischen, verlangen zwingend auch Quellenangaben. Zu Zügen wären das zum Beispiel Kursbücher oder ähnliche (dienstliche) Fahrplanunterlagen. Oder (als Zeitzeuge) der Lokführer Knud Ohlsen ...

Noch ein Tipp für die 2. Auflage (beziehungsweise für denkbare Lizenzausgaben in Belgien oder Skandinavien): Fette Schrift (die man in Briefen gerade noch akzeptieren mag), sollte man in Büchern vermeiden. Für Hervorhebungen eignet sich eine Kursivierung allemal besser. Und das gilt natürlich auch für Namen und sonstige »Zwischenüberschriften«. Hier sind »zwei Punkt mehr« in der Grundschrift sicher die bessere Lösung. Und warum immer nur die Computer-Times (Times New Roman)? Das ist nun wirklich eine Allerweltsschrift, sie ist kaum dazu geeignet, sich erfolgreich von anderen abzuheben. Wenn’s ohne Serifen nicht geht, kämen doch auch die Garamond oder die Walbaum in Betracht. Und serifenlos? Da könnte man sich ja auch die problemlose Helvetica (Arial) gut vorstellen. Wie gesagt, das ist nur ein gutgemeinter Vorschlag. Denn: Eine »Hausschrift«, die sollte eigentlich jeder Verlag haben. Und die Kosten entstehen ja auch nur einmal ...

Ein Versuch mit zwei oder drei Probeseiten hilft hier schnell weiter - und bringt Klarheit. Die eingeführten Layout-Programme, wie zum Beispiel PageMaker, sind da sehr hilfreich. Sie sind jedenfalls besser geeignet als alle auf dem Markt eingeführten Textverarbeitungsprogramme. (Die kanntlich nicht zum Büchermachen im Sinne von Buchgestaltung gedacht sind.)

Aber was soll’s? Die Diesellokomotiven à la NoHAB können einem gefallen, die insgesamt 25 »Bildautoren« haben eindrucksvolle Fotos abgeliefert, Fotos, bei denen man sich so richtig vorstellen kann, wie schwer dem Herausgeber die Endauswahl gefallen sein muß. Glückwunsch zu diesem gelungen Farbbildband. Die Bildauswahl, und natürlich auch der Preis stimmen! Das Fragezeichen im Untertitel ist allerdings fehl am Platz, dieses Buch wird die »Loklegende« nicht beenden, nein, es wird sie neu begründen. Der Rezensent, der bislang nicht wußte, was das Kürzel »NoHAB« meint (und seit der lange zurückliegenden Schulzeit mit Kartoffelkäfern auch nichts mehr zu tun hatte), ist ab sofort Mitglied im Fanclub. Ist das okay?

Robert A. Dräcker

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