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Kiesewetter, Gabriele: Hermann Pleuer (1863-1911). Leben und Werk. Die Entdeckung der Geschwindigkeit (Dumjahn-Nr. 0015292)
Dumjahn-Nr. 0015292
ISBN-10:
3806214115

Alfred Gottwaldt:
»Wer die »Eisenbahn in der Malerei« mag, kommt an diesem faszinierenden Buch nicht vorbei.«

Die Autorin
Dr. Gabriele Kiesewetter, geboren 1960, hat das Werk von Hermann Pleuer aufgearbeitet.

Die in Heidelberg lebende Kunsthistorike-
rin hat sich insbeson-
dere mit der Kunst der Jahrhundertwende, der Malerei der Nachkriegs-
moderne und der Archtekturentwicklung der Gegenwart befaßt.

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»Der Mann,

der die Eisenbahn malte ...«

Kiesewetter, Gabriele: Hermann Pleuer (1863-1911). Leben und Werk. Die Entdeckung der Geschwindigkeit. Konrad Theiss Verlag : Stuttgart 2000. - Zur Bibliographie.

Unter den prominenten bildenden Künstlern gab es nicht viele, die sich gern als »Eisenbahnmaler« hätten bezeichnen lassen: Nur gelegentlich trat dieses technische Motiv im Werk des Engländers William Turner, des Franzosen Claude Monet und des Preußen Adolph von Menzel hervor. Sie haben die Aufgabe souverän behandelt. Bei anderen Malern hat die Eisenbahn für die Motivik dagegen eine so dominierende Rolle gespielt, daß ihre zugleich entstandenen frühmodernen Bilder mit sozialkritischen Inhalten daneben zu verblassen drohen:

Es geht hier um Hermann Pleuer, der am 5. April 1863 in Schwäbisch Gmünd geboren wurde. Der Vater war Stahlgraveur und später ein wohlhabender Goldwarenfabrikant in Pforzheim; Sinn für formale Gestaltung war daheim also vorhanden. Historisch wirkte Pleuer im Spannungsfeld zwischen dem späten Realismus und dem frühen Impressionismus. Er besuchte die Stuttgarter Kunstschule und die Münchener Akademie. Ab 1886 lebte er als freier Maler.

Es dauerte lange, bis er die verdiente Anerkennung fand. Der Diplomat und Gutsherr Franz von Koenig-Fachsenfeld hat den Künstler seit 1896 kontinuierlich durch Ankäufe unterstützt. Zur gleichen Zeit - im Alter von 33 Jahren - entstanden Pleuers erste Eisenbahnbilder. Das Thema »Eisenbahn« ließ ihn fortan nicht mehr los.

Neben den durch ihre Farbigkeit überzeugenden Ölbildern entstanden viele Kohlezeichnungen sowie Skizzen von Lokomotiven, Bahnhöfen und Eisenbahnarbeitern in mitunter etwas schwankender Qualität. Seit 1901 war Pleuer mit der Tochter eines Eisenbahnschaffners verheiratet.

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Hermann Pleuer: »Lokomotive im Schnee beim Stuttgarter Nordbahnhof« (1906). Galerie der Stadt Stuttgart.

1906 hatte er mit seinen Bildern auf der Münchner Secessionsausstellung großen Erfolg, 1910 wurde dort sein Bild vom alten »Stuttgarter Hauptbahnhof im Schnee« preisgekrönt.

Am 6. Januar 1911 ist der Maler Hermann Pleuer nach einer Lungentuberkulose in Stuttgart verstorben. Er war nur 47 Jahre alt geworden. Damals hat die Familie Koenig-Fachsenfeld den Nachlaß erworben, und aus diesem Fundus speisten sich sowohl die jüngste Gedenkausstellung im Herbst 2000 in der Nähe von Aalen wie die hier anzuzeigende Veröffentlichung. Die Stiftung Schloß Fachsenfeld hat heute immerhin 90 seiner großen Werke und mehr als 400 Zeichnungen in ihrem Bestand; weitere »Pleuer« befinden sich in den Museen von Stuttgart, München und Essen. Viele seiner Bilder wurden im Krieg zerstört und sind nur noch in Form von Photographien überliefert.

Zu Pleuers hundertstem Geburtstag ist 1963 in Stuttgart eine schöne Gedächtnisausstellung gezeigt worden. Die württembergische Stadt Aalen hat ihm schon 1978 eine nicht weniger als 107 Bilder umfassende Gedenkausstellung mit dem Titel »Pleuer und die Eisenbahn« gewidmet. Damals ist auch ein beachtlicher Katalog von Ulrike Gauss erschienen.

Die neue Veröffentlichung von Gabriele Kiesewetter fußt auf ihrer 1994 in Mainz vorgelegten kunstgeschichtlichen Dissertation, die als das letzte Wort in Sachen Pleuer gelten kann. Diese Arbeit hat nun im Stuttgarter Theiss-Verlag eine höchst adäquate, wundervoll gedruckte und makellos gebundene äußere Form gefunden. Darin wird - nach einem Abriß seiner Jugendjahre und seiner künstlerischen Ausbildung - das Schaffen Pleuers überzeugend in vier Kapiteln beschrieben: Die realistischen Figurenbilder (1886 - 1893), die Behandlung von Landschaft und Licht (1893 - 1900), die Darstellung von Eisenbahn und Industrie (1896 - 1909) sowie die Werke seiner Reifejahre (1906 - 1911). Ein vollständiges Werkverzeichnis für Pleuer beschließt den Band.

Eingehend wird das erst im historischen Rückblick entstandene Konkurrenzverhältnis mit dem Berliner Maler Hans Baluschek (1870 - 1935) unter der Fragestellung erörtert, wer wohl zuerst die Eisenbahn als Thema entdeckt haben mag. Das dürfte ein akademisches Problem sein, denn während Pleuer sich diesem Sujet seit 1896 mit Ölfarben widmete, hat Baluschek es etwa gleichzeitig in Tusche dargestellt. Die Zeit war dafür einfach reif. Dazu heißt es (Seite 97): »Hermann Pleuer darf neben dem Berliner Maler und Graphiker Hans Baluschek als einer der wenigen genannt werden, die sich in weiten Teilen ihres künstlerischen Schaffens damit auseinandergesetzt haben. Pleuer hat dies die mißverständliche Bezeichnung als Eisenbahnmaler eingebracht.«

Das Buch über einen süddeutschen Maler wird hier nachhaltig empfohlen, weil seine farbig wiedergegebenen Bilder von Eisenbahn und Industrie mehr als siebzig Seiten der Arbeit einnehmen, also fast die Hälfte: Bahnhöfe und Strecken in Stuttgart, Werkstätten und Bahnarbeiter waren seine Motive. Nicht immer sind die Objekte »schön«, mehrfach hat er schmutzige Kohlenträger und »sich waschende Arbeiter« auf die Leinwand gebracht. Bemerkenswert auch, wie Pleuer vom realistischen Beobachter der Bauten und Maschinen zum impressionistischen Maler von Bewegung geworden ist. Wer die »Eisenbahn in der Malerei« mag, kommt an diesem faszinierenden Buch nicht vorbei.

Alfred Gottwaldt

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