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Donatsch, Peter (Hrsg.): Surselva. Landschaft am jungen Rhein (Bahn, Land und Leute) (Dumjahn-Nr. 0015091)
Dumjahn-Nr. 0015091
ISBN-10: 3905111543
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Robert A. Dräcker:
»
Fazit: Die großartigen Farbaufnahmen von Peter Donatsch geben dem neuen AS-Regionenporträt sein Gesicht. Mal folgen sie dem Text, mal widersprechen sie ihm. Immer aber vermitteln sie ein frisches, unverbrauchtes Bild der Region, fernab der gängigen Klischees.

Surselva? Das Fragezeichen können Sie vergessen, wenn Sie dieses herrliche Buch gelesen haben.«

Der Herausgeber und Fotograf
Peter Donatsch, geboren 1958, von Malans. Freischaffender Publizist und Fotograf von Themen im Bereich Mensch, Kultur, Natur im Alpenraum.
Er publiziert in diversen Zeitungen im deutschen Sprachraum und hat verschiedene Bücher verfaßt, unter anderem im AS Verlag das Regionenporträt über das Engadin.

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Auf Meterspur
am jungen Rhein

Donatsch, Peter (Hrsg.): Surselva. Landschaft am jungen Rhein (Bahn, Land und Leute). AS Verlag & Buchkonzept : Zürich 2000. - Zur Bibliographie.

Kennen Sie das? Vor die Frage gestellt, welches Bild aus einem üppig illustrierten Bildband man als Favorit benennen soll, blättert man hin und her, überlegt, sucht, verwirft wieder und wieder - und wird dann schließlich fündig. (Wir haben uns für das Bild von der Rheinbrücke zwischen Rueun und der Station Waltensburg, auf Seite 107 unten, entschieden.) Was uns das sagt? Nun, in einem Buch, dem man anmerkt, daß es mit Liebe zum Detail, also »gekonnt«, gemacht ist, in dem es eigentlich nur gute Fotos, sprich Favoriten gibt, da fällt die Auswahl eben schwerer als bei einem austauschbaren, »großteils ganzseitig illustrierten« Bildband, der dann später auch noch bei Weltbild oder Bechtermünz erscheint.

Ein Schicksal, das diesem neuen Band aus der AS-Reihe »Bahn, Land und Leute« wohl ein weiteres Mal erspart bleiben wird: Zu viele Bilder sind nur halbseitig (oder noch kleiner) abgedruckt, der viele  Text (!) von Autoren wie Leo Tuor (»Surselva. Streiflicher«), Fabiola Carigiet (»Danunder? «) und Peter Krebs (»Die inszenierte Landschaft«), dazu die neun Porträts von Peter Donatsch sowie das Kapitel »Service« - das hat was. Und es nimmt dem Band von vornherein das Etikett Bildband. Was für ein Glück, aber schließlich heißt der Verlag ja vollständig auch »AS Verlag & Buchkonzept«! Schön, daß der Name hier als Programm wie Verpflichtung voll auf die Bücher »durchschlägt«.

Vor einem Jahr durfte der Rezensent hier den Band »Engadin« aus der AS-Reihe »Bahn, Land und Leute« vorstellen. Wieder im Einzugsbereich der Rhätischen Bahn, aber ein bißchen weiter im Westen muß man auf der Landkarte die »Landschaft am jungen Rhein«, die »Surselva« suchen.

Surselva ist rätoromanisch und bedeutet »ob dem Wald«. Gemeint ist der große Wald bei Flims. Wo beginnt aber die Surselva, und wo endet sie? In diesem AS-Regionenporträt werden die Grenzen des Tals großzügig ausgelegt: Der Blick reicht von der Bündner Hauptstadt Chur bis hinauf nach Disentis mit seinem Benediktinerkloster - und weiter noch durch das Tujetsch, über den Oberalppaß bis hinab nach Andermatt. Der Bahnstrecke entlang, welcher auch der berühmte »Glacier-Express« folgt. Und dann sind da noch die Seitentäler: Val Lumnezia, Valsertal, Safiental. Zählen sie noch zur Surselva? Darüber streiten sich selbst Einheimische, was nicht zuletzt an der vertrackten Sprachensituation liegt: Rätoromanisch ist wohl die Hauptsprache des Tales, ungezählt sind aber die Täler und Dörfer, in denen Deutsch und die Walserdialekte vorherrschen, manchmal sogar eingeschlossen als Sprachinseln, wie in Obersaxen und Waltensburg.

Surselva: Das im Text erwähnte Foto von Seite 107
RhB-Rheinbrücke bei Rueun: Das im Text erwähnte Foto von Seite 107

Es ist kein einfaches Unterfangen, die Surselva zu beschreiben; sie ist ein kompliziertes, spannendes und in vielen Bereichen noch zu entdeckendes Stück Graubünden. Zwei profilierte Einheimische, die Lehrerin und Lyrikerin Fabiola Carigiet, die in Bern lebt, und der im Val Sumvitg wohnhafte Schriftsteller und Schafhirt Leo Tuor tun es dennoch und stellen das Tal und seine Bewohner aus ihrer Sicht dar: besinnlich-ruhig der eine, humorvoll und lebhaft die andere. Beide vermitteln eine Momentaufnahme Bündnerischer Gegenwart, geprägt vom Spannungsfeld zwischen gestern und heute, zwischen hier und dort.

Es paßt, an dieser Stelle ausdrücklich auf das einfühlsame Porträt über »Gion Caprez, Lokführer in Trin« (Seite 94) aufmerksam zu machen. Das Foto paßt zum Text, die kleinere Schrift macht zusätzlich auf das Schmankerl aufmerksam. Gekonnt - und interessant. Lesen Sie hier, wie ein »studierter Physiker« auf den Führerstand einer RhB-Lok gekommen ist - und warum er sich nicht nur seine »Begeisterung für die Bahn« bewahrt hat, sondern auch noch davon träumt, mit Gleichgesinnten in Preda ein Rollmaterial-Museum zu errichten. Diese über den Band verstreuten Porträts sind »Meisterwerke der Kurzprosa« und im übrigen ein Glücksfall für die Sachbuch-Szene. Der Verlag sollte daraus früher oder später ein eigenständiges Buch machen, vielleicht als »Skizzen aus dem Schweizervolk«, oder so ähnlich?

Damit man sich beim Lesen ob all der ungewohnten Landschafts- und Ortsnamen immer gut orientieren kann, hat der Verlag dem Band wieder eine hervorragende Karte spendiert. Praktisch ist die Plazierung im Vor- und Nachsatz, also gewissermaßen je eine Karte für Links- wie für Rechtshänder, das ist genial. Lesefreundlichkeit pur! (Erfreulich, wenn Rezensionen auch im Verlag »gelesen« werden: Genau dies, die Duplizierung der Vorsatzkarte in den Nachsatz, hatte der Rezensent beim Band Engadin aus der gleichen Reihe dem Verlag vorgeschlagen. Danke also!)

Zur Bündner Gegenwart gehört auch die Rhätische Bahn. Seit 1912 verbindet sie die Surselva mit der Hauptstadt Chur und behauptet sich gegen den in jüngster Zeit überbordenden Individualverkehr im Tal. In seinem Beitrag beleuchtet der Verkehrsspezialist Peter Krebs Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Bahn, deren Präsenz durchaus auch von kultureller Bedeutung ist. 

Bei Peter Krebs lernt der Leser »nebenbei« auch viel über die RhB-Geschichte, zum Beispiel auch dies: Die Spurweite von einem Meter erwies sich als geradezu ideal, seit man sich zum Bau der sogenannten »Talbahnen« entschlossen hatte, statt der ursprünglich angedachten großen Transitbahn in Normalspur. Warum? Die Meterspur läßt engere Kurvenradien zu, bewältigt größere Steigungen - »und weil sie einiges billiger zu stehen kommt« (Seite 106). Hier findet sich denn auch der entscheidende Satz: Die Bevölkerung nennt diese Systeme Schmalspurbahn, eine Bezeichnung, die bei den Bahnverantwortlichen verpönt ist, weil sie zu sehr nach Einschränkung klingt. Sie sprechen von der Meterspur und deuten damit an, daß auch eine Schmalspurbahn für voll genommen werden will. (Bei den meterspurigen Schweizerbahnen hatten wir da allerdings noch nie Zweifel. Trotzdem danke für diesen Merksatz!)

Die großartigen Farbaufnahmen von Peter Donatsch geben dem neuen AS-Regionenporträt sein Gesicht. Mal folgen sie dem Text, mal widersprechen sie ihm. Immer aber vermitteln sie ein frisches, unverbrauchtes Bild der Region, fernab der gängigen Klischees. Surselva? Das Fragezeichen können Sie vergessen, wenn Sie dieses herrliche Buch gelesen haben.

Robert A. Dräcker

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