Zurück zur Startseite Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff:

Der Link, der es bringt.
Die Buchtipps. / Die Rezensionen.
Das Autoren-Lexikon.
Zur nächsten Seite

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

0015023.jpg (12899 Byte)
Dumjahn-Nr. 0015023
ISBN-10:
3440077926

Horst-Werner Dumjahn:
»Bernhard Stein ist zu raten, den Verlagsvertrag fristlos zu kündigen, weil der ganz offensichtlich nicht erfüllt ist. Man bemühe den Passus über die Verlagspflicht
(§ 3), wo es heißt:

Ausstattung, Buchumschlag, Auflagenhöhe, Auslieferungstermin, Ladenpreis und Werbemaßnahmen werden vom Verlag nach pflichtgemäßem Ermessen unter Berücksichtigung des Vertragszwecks sowie der im Verlagsbuchhandel für Ausgaben dieser Art herrschenden Übung bestimmt.
Es sollte für die Kündigung genügen, sich auf die total vermurkste Ausstattung zu beziehen. Das ist kein Buch - das ist eine Zumutung.«

Zurück zur Liste der Rezensionen zur
Liste der Rezensionen

Zurück zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online
zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online

Acrobat-Reader downloaden

Pagerank erhoehen

Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Vor diesem Buch wird ausdrücklich gewarnt, weil ...


Stein, Bernhard: Meine große Welt der Kleinen Bahnen. Autobiografie eines Insiders der Modellbahnszene. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH : Stuttgart 2000. - Zur Bibliographie.

»Welcher Modellbahner kennt nicht Bernhard Stein und seine legendären Anlagen? In Meine große Welt der Kleinen Bahnen erfahren seine Fans erstmals mehr über den Modellbahner mit Kult-Status. In seiner Autobiographie blickt Bernhard Stein auf 30 Jahre seines Lebens im internationalen Modellbau zurück. Seine faszinierende Lebensgeschichte ist spannend erzählt wie ein Krimi, mit einer Fülle an Anekdoten und Informationen und zugleich ein Stück hautnah erlebte Wirtschaftsgeschichte des internationalen Modelleisenbahnmarktes der letzten dreißig Jahre - ein Muß für Modellbauer.«

So weit die Pressestellen-Rhetorik des Verlages. Stichworte wie »Kult-Status« und »Lebensgeschichte« (gemeint ist wohl Lebenswerk) verheißen allemal ein interessantes Buch.

Das Buch selbst ist aber eher enttäuschend. Es »knirscht« schon beim ersten Aufklappen so, daß man unwillkürlich zusammenzuckt. Die Impressumseite bestätigt dann gleich eine schlimme Vermutung: »Lektorat und Herstellung von Siegfried Fischer, Stuttgart« steht da. Was das »von« in diesem Satz, der ohne Punkt endet, zu suchen hat, bleibt unklar. Treffender wäre sicher ein »durch« oder einfach ein Doppelpunkt gewesen. Doch das sind peanuts, denn es kommt noch schlimmer, schließlich steht da ja auch noch, weiter unten:

Satz: Siegfried Fischer, Stuttgart (wieder ohne Punkt)

Wie bitte? »Lektorat und Herstellung«? Das sind früher, in der klassischen Aufgabenteilung in den Verlagen stets zwei getrennte Abteilungen gewesen. Und das war gut so! Bei diesem Buch muß man deshalb unterstellen, daß da keine hilfreiche Hand mit dem Autor den Text durchgearbeitet hat, daß deshalb sichtlich Längen drin geblieben sind und daß der Text »so wie vom Autor geliefert« in den »Satz« gegangen ist. Das ist wirklich schade.

Doch zurück zum Handwerklichen. Wenn sich jemand in einem Buch als »Setzer« verewigt, dann heißt das ja im Jahre 2000 auf jeden Fall, da hat einer mit zwei oder drei - vielleicht sogar mit zehn - Fingern auf seinem »Eingabegerät« (vulgo: Tastatur) das vom Autor gelieferte Manuskript entweder eingetippt und dann typographisch »auf die Reihe« gebracht, oder aber er hat die gelieferte Diskette geladen und dann den Text (siehe oben) weiter bearbeitet, sprich »gesetzt«.

Wer so etwas tut, der ist nach üblichem Verständnis entweder ein »Jünger der Schwarzen Kunst« im Sinne Gutenbergs - oder aber ein Dilettant. Gutenberg, so viel ist klar, hat mit diesem Buch jedenfalls nichts zu tun, weil eigentlich alle, selbst die einfachsten Regeln für den Satz mißachtet worden sind. Das geht schon, Stichwort »Lebenswerk«, bei der Schreibweise für die in einem Buch über den Modellbahnbau unvermeidliche Spurweite »Ho« (wirklich, so steht das da), los und es endet längst noch nicht bei der eigenwilligen Rechtschreibung, beispielsweise um »ein für mein künftiges Wirken Richtung weisendes Erlebnis« (Seite 101).

Daß die Überschriften stets etwas größer gesetzt werden, das ist seit 600 Jahren bekannt. Aber warum gleich »fett«? Nur, weil’s am PC so bequem und einfach ist? Aber, aber! Und warum alles ohne Einzüge, die bekanntlich den Lesefluß erleichtern? Und was ist mit der wörtlichen Rede? Wir haben schließlich eine »Lebensgeschichte« vor uns, der Autor hat sein Tagebuch nachträglich an passenden Stellen durch das Einfügen von Rede und Gegenrede stilgerecht aufgelockert (Stichwort: »... spannend erzählt wie ein Krimi«) - und was macht der Setzer daraus? Er verpfuscht das Ganze, weil er’s ganz offensichtlich nicht besser weiß - oder weil es ihm beim Lesen einer Erzählung oder eines Romans noch gar nicht aufgefallen war? (Dann hatte es der Typograph jedenfalls richtig gemacht!)

Beim vorliegenden Buch hätten sehr viele Seiten obendrein ein oder zwei Absätze mehr gut vertragen können - pro Seite.

Als PDF-Datei Zum Inhaltsverzeichnis stellen wir Ihnen ein Beispiel aus der Mitte der Seite 59 als Leseprobe zum Download (41 Kb) zur Verfügung, es soll Ihnen zeigen, was da »gesetzt« wurde. Es geht im Text um einen USA-Besuch und um Bernhard Steins seit 1978/79 bei zahlreichen Verlagen und in vielen Auflagen erschienene Modellbahnkataloge.

Das mag genügen. Alle Zeilen (Kasten, Seite 161) entsprechen dem Original. Im Kasten auf Seite 163 finden Sie den gleichen Text in der in Mitteleuropa seit Gutenberg üblichen Schreibweise, ohne Löcher im Text, ohne die unangebrachte (weil unübliche) Kursivierung und vor allem mit lesefreundlichen Einzügen. Bitte, vergleichen Sie einmal ... (Der richtige Satz war leichter.)

Das Buch von Bernhard Stein ist auch eine »Mogelpackung«. Warum? Nun, lesen Sie selbst: 175 Seiten und 24 Farbfotos, dazu ein üblicher, etwas zu dick ausgesuchter Karton für den Hardcover-Einband, das macht zusammen 23 (bzw. 16,5) Millimeter Dicke. Klar, so mißt kein Mensch, aber vergleichen wird man ja noch dürfen, bitte: Dumjahn’s Jahrbuch vom letzten Jahr, mit immerhin 248 Seiten bringt es auf eine Dicke von 11 (bzw. 9,5) Millimeter. Die Zahlen in Klammern meinen jeweils nur den Buchblock, also ohne den Einband. Wir wollten hier ja zwei Bücher, aber nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Was sagt uns das nun alles? Bernhard Stein ist zu raten, den Verlagsvertrag fristlos zu kündigen, weil der ganz offensichtlich nicht erfüllt ist. Man bemühe den Passus über die Verlagspflicht (§ 3), wo es heißt:

Ausstattung, Buchumschlag, Auflagenhöhe, Auslieferungstermin, Ladenpreis und Werbemaßnahmen werden vom Verlag nach pflichtgemäßem Ermessen unter Berücksichtigung des Vertragszwecks sowie der im Verlagsbuchhandel für Ausgaben dieser Art herrschenden Übung bestimmt.

Es sollte für die Kündigung genügen, sich auf die total vermurkste Ausstattung zu beziehen. Das ist kein Buch - das ist eine Zumutung. Das Positivbeispiel (siehe die »für Ausgaben dieser Art herrschende Übung«), ist übrigens der Klassiker aus dem Hause Franckh, nämlich: Maedel, Karl-Ernst: Bekenntnisse eines Eisenbahnnarren. Textillustrationen von Willy Widmann. Stuttgart 1964. Das Buch hätte man praktisch 1 : 1 (Format, Papier, Einband) übernehmen können - und damit einen weiteren »Klassiker« geschaffen. Aber so?

Der Preis ist mit 19,90 EUR (39,90 DM) übrigens deutlich zu hoch. Lizenznehmer für dieses Buch, dem man - nach entsprechender Vorarbeit durch einen geeigneten und kundigen Lektor - natürlich gerne eine weite Verbreitung wünscht, sollten das Buch neu setzen lassen und dann den »Witz« mit dem Postkarten-Karton für den Text sein lassen. Wählen Sie eine dem Inhalt angemessene Papiersorte. Hier, in diesem nicht empfehlenswerten Buch, sind die Farbseiten (jeweils zwischen den Bogen, weil’s technisch gar nicht anders gegangen wäre) wesentlich dünner als die Textseiten. Und das ist neben allen anderen Fehlern der eigentliche Skandal, das Buch läßt sich nämlich, einmal aufgeschlagen und »angelesen«, nicht mehr richtig zuklappen.

Was bleibt? Die Warnung aus der Überschrift und der Vorschlag an den Verlag, im Interesse seiner Autoren wie der Leser nun endlich die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen. Unsere Versandbuchhandlung wird den Band übrigens nicht anbieten. Das erspart uns wenigstens die unübliche Drohung: »Wehe, Sie kaufen dieses Buch!« (Obwohl sie durchaus angebracht wäre.)

Nachsatz: Wir müssen wohl davon ausgehen, daß Bernhard Stein nicht, wie sonst üblich, sein Belegexemplar dieser Rezension durch die Franckh-Kosmos-Pressestelle erhält. Wer also die Anschrift des Autors kennt, der mag uns eine E-Mail, ein Fax oder einen Brief schicken (in dieser Reihenfolge), damit wir das Belegexemplar dann von Mainz aus abschicken können. Danke. Vielleicht genügt aber schon der Hinweis aufs Internet, denn wie alle Jahrbuch-Rezensionen, so steht auch diese hier, bei den online-Rezensionen.

Horst-Werner Dumjahn

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

Über den Rezensenten

Zum Seitenanfang


Zurück zur Liste der RezensionenZur Impressumseite Mit »Eisenbahn-Dumjahn online« immer auf dem richtigen Gleis ... Weiter zur nächsten Rezension

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

© Copyright 1999 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten
Dumjahn Verlag Strasse Immenhof 12 PLZ-Ort D-55128 Mainz International +49 +6131 330810 Telefon +49 6131 330810
Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de