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Hubrich, Michael; Werning, Malte (Hrsg.): Die deutschen Bahnen heute. Strecken, Züge, Landschaften (Dumjahn-Nr. 0014992)
Dumjahn-Nr. 0014992

ISBN-10: 3932785363

Joachim Seyferth:
»Unterschiedliche Stile sind jedoch nicht zu erkennen, vielmehr wurde die Bildauswahl wie beim Radio 'formatiert' und auf den gemeinsamen Nenner Postkartenmotiv gebracht.«

Die Autoren
Michael Hubrich und Malte Werning sind Diplom-Verwaltungs-
wirte (FH) und bei den Städten Gelsenkirchen und Duisburg beschäftigt. Mit der Fotografie haben sich beide bereits seit früher Jugend vertraut gemacht, wobei das Thema Eisenbahn mit all seinen Facetten nur einen Teil ihres fotografischen Schaffens darstellt.

Michael Hubrich, Jahrgang 1963, ist verheiratet und hat eine Tochter. Seine stimmungsvollen Fotos sind bereits in vielen Zeitschriften, Bildbänden und Kalendern veröffentlicht worden.

Malte Werning,
Jahrgang 1970, ist durch zahlreiche Beiträge und Fotos in Eisenbahn-Zeitschriften und Büchern bereits bekannt.

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Wird eine Plagiatsklage erhoben?


Hubrich, Michael; Werning, Malte (Hrsg.): Die deutschen Bahnen heute. Strecken, Züge, Landschaften. GeraMond Verlag : München 2000. - Zur Bibliographie.

In der zeitgenössischen Rock- und Pop-Musikszene würde man so etwas »Mainstream« nennen: unauffällig dahinplätschernd, regt keinen an und keinen auf und klingt heute so, morgen genauso und übermorgen auch nicht anders. Was für die im Feierabend-Stau steckenden Büromenschen Joe Cocker und Tina Turner aus dem Autoradio sind, ist für viele Hobby-Eisenbahner und deren Verlage das seit Jahrzehnten bekannte Eisenbahnbuch-Genre »Die DB heute« oder so ähnlich.

Bildband-Mainstream, (natürlich) ganz in Farbe: Nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht richtig gut. Das austauschbare Gegenstück im Pop hieß in den Siebzigern verräterisch »Middle of the Road«. Aber während diese Fahrweise sogar riskant sein kann, liegen hier die bunten Zug-Objekte ungefährdet für Markt und Massengeschmack nur mitten im Sucher, denn ein Anecken mit dem (fotografischen) Gegenverkehr wäre ohnehin nicht erwünscht.

Wie auch in der Musik schon seit jeher geklaut und kopiert wird, was übrigens eine gewisse Weiterentwicklung durchaus nicht ausschließt, so geschieht dies ebenso in zunehmendem Maße bei der Hobby-Eisenbahnliteratur: Was auf dem Markt (in Zahlen gemessen) erfolgreich ist, wird nachgemacht - ein legitimes Prinzip, das bereits bei der Entwicklung von Kleinkindern eine große Rolle spielt.

Und was bei Franckh und / oder Kosmos noch »Die DB heute« hieß (wir erinnern uns an die Wagnerschen Kirchtürme mit Zug), heißt bei GeraMond (oder ZwickauSatellit?) jetzt »Die deutschen Bahnen heute«, weil Eisenbahn eben (Gott sei Dank?) nicht mehr nur Deutsche Bahn AG ist. Das mit aktuellem Anstrich versehene Buchkonzept »Strecken, Züge, Landschaften« aber ist nahtlos kopiert. Eine Plagiatsklage wird jedoch nicht erfolgen, weil sonst das ganze Gewerbe vor lauter Gerichtsterminen nicht mehr zum Büchermachen käme.

Zum Gelingen des vermeintlichen »Best of« der visuellen Eisenbahn-Landschaft hat eine muntere Schar von Bildautoren beigetragen: Michael de Clerque, Stephan Czarnecki, Michael Hubrich, Jörg Lempe, Uwe Miethe, Oliver Sydow, Georg Wagner (na also!) und Malte Werning. Unterschiedliche Stile sind jedoch nicht zu erkennen, vielmehr wurde die Bildauswahl wie beim Radio »formatiert« und auf den gemeinsamen Nenner Postkartenmotiv gebracht.

Einzeln durchaus schön anzuschauen, ist die Anhäufung oft klischeebeladener Standardmotive etwas ermüdend - besonders dann, wenn die allseits bekannte Formsignalbrücke von Bad Harzburg auch in diesem Bildband schon wieder auftaucht. Die veröffentlichten Aufnahmen entstanden zwischen 1993 und 2000 und berücksichtigen natürlich überwiegend die in dieser Zeitspanne gängigen DB-Farbkonzepte »Neurot« und »Verkehrsrot«, die die Züge in der Landschaft schon wesentlich gefälliger als das kaputte Türkis-Beige oder das fliesenfarbene Weiß-Grün der vorangegangenen Epochen erscheinen lassen.

Positiv auch, daß keine einzige der unseligen aktuellen Werbeloks abgebildet ist, die unter anderem neuerdings unfreiwillig für BSE-verseuchtes Fleisch aus deutschen Landen werben. Bilder der zunehmend auf den Schienenmarkt der DB drängenden Privatbahn-Züge, deren Farbgebung freilich manchmal auch Geschmackssache ist, ergänzen die visuelle Chronik und rechtfertigen den veränderten Titel »Die deutschen Bahnen heute«.

Die Fotos sind nach dem Verlauf einer Deutschlandreise angeordnet, die vom Westen über den Norden und Osten nach Süden führt. Den Gebieten vorangestellt ist jeweils ein Textblock, der im Stil einer imaginären Zugfahrt den kulturellen Ausdruck sowie Sehenswürdigkeiten der durchfahrenen Landschaften beschreibt.

Doch so »mitten im Leben« stehen die anschließenden Eisenbahnfotos eben meist nicht, denn die Reduktion auf das heile Postkartenmotiv verhindert in der Regel die motivliche Vernetzung mit der wirklichen Alltagskultur. Ergo: Eigentlich müßten auf den Text etwas andere Bilder folgen.

Der in der oberen Preisklasse angesiedelte Band mag den fortgeschrittenen oder gar spezialisierten Eisenbahnfreund daher weniger ansprechen, ist aber beispielsweise durchaus als Geschenk für Einsteiger, Hobby-Fotografen oder den latent eisenbahnbegeisterten, pubertären Nachwuchs zu empfehlen, der damit eventuell für ein paar Minuten vom Gameboy oder der Playstation weggelockt werden kann und erstaunt feststellen wird, daß man bunte Bilder auch ohne Strom anschauen kann.

Die coolen Werbeloks sowie bis übers Dach mit fetten Graffiti »verzierte« Züge aber werden die »Kids« vermissen - mal sehen, welch schöne neue Bahn das nächste Standardwerk des »Heute-Genres« präsentiert. Etwas auf- und anregender darf’s schon sein, denn auch mein Dudelradio habe ich soeben wieder mit dem Hammer ausgeschaltet ...

Joachim Seyferth

Aus SCHIENE 20 (2001) Nr. 1, S. 54 - mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages.

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