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Kramer, Urs; Schötz, Bruno: Rübenzüge (transpress Verkehrsgeschichte) (Dumjahn-Nr. 0015407)
Dumjahn-Nr. 0015407
ISBN-10: 3613711494

Georg Beck:
»... die zu einer leeren Worthülse verkommene Forderung nach mehr Gütern auf der Schiene dürfte kaum in eindrücklicherer Weise mit Leben erfüllt werden können, als es in dem hier vorgestellten Buch geschieht.«

Die Autoren
Urs Kramer ist Jurist und arbeitet an der Universität Marburg.
Bruno Schötz ist studierter Nachrichtentechniker. Beide Autoren sind seit Jahren in den verkehrspolitischen Vereinen Pro Bahn e.V. und VCD aktiv, sie setzen sich u. a. für den Erhalt des Schienengüterverkehrs und für die Reaktivierung stillgelegter Eisenbahnstrecken ein.

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Güter gehören auf die Bahn


Kramer, Urs; Schötz, Bruno: Rübenzüge (transpress Verkehrsgeschichte). transpress Verlag : Stuttgart 2001. - Zur Bibliographie.

Zuckerrüben gehörten lange Zeit zu den klassischen Transportgütern der Eisenbahn. In eigens dafür vorgehaltenen Güterwagen, mit Sonderzügen und zu einem Ausnahmetarif beförderte die Bundesbahn einst jeden Herbst eine beträchtliche Tonnage der süßen Fracht von den zahlreichen ländlichen Verladebahnhöfen zu den Zuckerfabriken. Ab etwa 1980 machte sich jedoch ein immer stärkerer Verlagerungstrend hin zum durchgehenden Straßentransport bemerkbar, und seit der Kampagne 1994 werden die Rüben hierzulande nur noch per Traktor oder Lkw abgefahren.

Diese vor allem aus ökologischen Gründen fatale Entwicklung wurde in der SCHIENE mehrfach kritisch kommentiert, so zuletzt von Urs Kramer und Bruno Schötz in Heft 1/97, S. 27-32. Nun haben die beiden Autoren ihren damaligen Aufsatz zu einer respektablen Monographie erweitert, die im folgenden besprochen werden soll.

Nach einer informativen Einführung in den Zuckerrübenanbau und die Zuckerherstellung verdeutlichen die Autoren anhand von statistischem Material die frühere Bedeutung des Rübenverkehrs für die Bahn und den Verlagerungstrend seit den 1980er Jahren. Anschließend gehen sie auf die Gründe für die Verlagerung der Transporte auf die Straße ein, wobei die Eigeninteressen der verladenden Landwirte und der Zuckerindustrie, das Desinteresse der Bundesbahn und das Versagen der Verkehrspolitik klar herausgearbeitet werden.

Ebenso differenziert werden die Folgen der Verlagerung dargestellt – die Folgen für die Umwelt, für die Region und ihre Bewohner, für das Zweigstreckennetz und schließlich für die Privatbahnen. Breiten Raum nimmt dann die Schilderung der Entwicklung in den einzelnen Bundesländern ein. Die zuvor getroffenen allgemeinen Aussagen werden hier am Beispiel einzelner Strecken und Orte belegt, wobei wiederum umfangreiches Zahlenmaterial, insbesondere über das Transportaufkommen einzelner Bahnhöfe, geboten wird. Im Hinblick auf die Zukunft des Rübenverkehrs und des Eisenbahn-Güterverkehrs ist vor allem der letzte größere Abschnitt interessant, in dem mögliche Alternativen zum heutigen Straßentransport aufgezeigt werden.

Neben einigen Bemerkungen zum Abroll-Container-System als innovativer Alternative sowie zur Belastung der Verkehrsverursacher mit den Folgekosten des jeweiligen Verkehrsmittels weisen die Autoren auf das Beispiel der Schweiz hin, wo die Rüben – trotz ähnlicher Rahmenbedingungen wie in Deutschland – dank des gemeinsamen Willens aller Beteiligten nach wie vor zu einem großen Teil auf der Schiene in die Zuckerfabriken rollen.

Kramer und Schötz betrachten die Verlagerung der Zuckerrübentransporte von der Bahn auf den Lkw als »ein anschauliches Beispiel für politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen (...), das zu übergeordneten Fragen nach den Leitmotiven unserer Gesellschaft – kommt das Geld vor der Umwelt? – und nach der Verantwortung der Handelnden für die Folgen ihres Tuns führt« (S. 5). Es muß als das größte Verdienst der Autoren bezeichnet werden, daß es ihnen tatsächlich gelingt, die Verantwortlichen für die geschilderte Entwicklung namhaft zu machen. Für »Sachzwänge«, die diesen zur Rechtfertigung dienen könnten, bleibt da kein Platz. Allerdings geben sich die Autoren hinsichtlich einer künftigen Rückverlagerung der Rübentransporte auf die Bahn keinen Illusionen hin. Zu Recht machen sie darauf aufmerksam, daß die für den Rübenverkehr benötigte Bahninfrastruktur (es handelt sich nicht nur um Verladeanlagen, sondern auch um Bahnhofsgleise, ja, um ganze Zweigstrecken) in den vergangenen Jahren weitgehend abgebaut wurde (S. 42-44).

Dennoch: Bei aller Skepsis hüten sich die Autoren davor, eine Umkehr der Entwicklung als völlig unmöglich zu betrachten. Das ist wichtig, denn wenn es keine Hoffnung mehr gäbe – wozu sollte man dann noch Bücher schreiben und sich verkehrspolitisch engagieren? Als ein vielleicht weniger zentrales, aber dennoch erwähnenswertes Beispiel für das durchdachte Urteil der Autoren sollte schließlich auf ihre Beschreibung des »kulturellen Verlustes« hingewiesen werden, der mit der Verlagerung der Rübentransporte auf die Straße einherging (S. 41-42). Die von ihnen formulierte Deutung des Phänomens überzeugt, da sie sich von verklärender Nostalgie ebenso distanzieren wie von blinder Fortschrittsgläubigkeit.

Lob verdient das Buch auch in mehr formaler Hinsicht: Die Autoren erklären im Vorwort knapp und präzise, worum es ihnen geht; alle weiteren Ausführungen stehen in einem nachvollziehbaren Bezug zu den dort aufgeworfenen Fragen. Sämtliche Aspekte des Themas werden in einem ihrer Bedeutung angemessenen Umfang behandelt. So nehmen die Bemerkungen zum Lokomotiveinsatz vor Rübenzügen relativ geringen Raum ein und sind durchaus nicht nur als Konzession an den Geschmack der Eisenbahnfreunde zu verstehen, sondern verdeutlichen auf ihre Weise einige Besonderheiten des Rübenverkehrs.

Die gesamte Darstellung wirkt schlüssig, auch Sprache und Stil gefallen. Daß der Leser einander scheinbar widersprechende Zahlenangaben nicht unkommentiert vorgesetzt bekommt, sondern über die Gründe für die nicht ohne weiteres gegebene Vergleichbarkeit aufgeklärt wird (S. 16-17), stärkt sein Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Autoren. Die Quellenangaben sind, zumal gemessen am sonst in der Eisenbahnliteratur üblichen Standard, ausreichend.

Leider entspricht die Bildauswahl nicht ganz dem hohen Niveau des Werks. Nach dem Motto »weniger ist mehr« hätte man auf das eine oder andere Standardmotiv verzichten können, dafür die wirklich guten Fotos, die einen Eindruck von der Atmosphäre des Rübenverkehrs vermitteln oder die teils skurrilen Verladetechniken veranschaulichen, größer abdrucken sollen. Schade auch, daß so gut wie alle Farbfotos ein für die Rübensaison eher untypisches Bilderbuchwetter zeigen – war denn gar keine herbstliche Stimmungsaufnahme aufzutreiben? Ansprechend wirkt dagegen der Abdruck von Originaldokumenten wie Ladezetteln oder Unterlagen der Bundesbahn.

Es bleibt zu hoffen, daß das Buch eine recht große Verbreitung finden wird – nicht nur, damit die Autoren für ihre gelungene Arbeit und der Verlag für sein Engagement abseits der ausgetretenen Pfade der Eisenbahnliteratur belohnt werden, sondern auch, weil es höchste Zeit ist für eine Wende in der (Güter-) Verkehrspolitik. Und die zu einer leeren Worthülse verkommene Forderung nach mehr Gütern auf der Schiene dürfte kaum in eindrücklicherer Weise mit Leben erfüllt werden können, als es in dem hier vorgestellten Buch geschieht.

Georg Beck

Aus SCHIENE 20 (2001) Nr. 3, S. 54-55 - mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages und des Autors.

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