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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Gremaud, Michel (Einleitung); Pfeiffer, Peter (Hrsg.): Golden Pass und Greyerzerland (Bahnromantik) (Dumjahn-Nr. 0015394)
Dumjahn-Nr. 0015394
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Joachim Seyferth:
»
Dem großformatigen Buch ist die hohe Professionalität aller Beteiligten deutlich anzumerken
ISBN 3-905111-60-8

Der Autor
Michel Gremaud, geboren 1941, ist Journalist, Schriftsteller und Fotograf in Bulle. Er hat mehrere Werke über die Geschichte und Gegenwart seiner Heimat verfaßt.

Der Herausgeber
Peter Pfeiffer, geboren 1961, Verkehrsplaner, Eisenbahnpublizist und Fotograf, hat u.a. das Buch »Normalspurige Privatbahnen der Schweiz« verfaßt.

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»Bahnromantik - zum D
ritten!«

Gremaud, Michel (Einleitung); Pfeiffer, Peter (Hrsg.): Golden Pass und Greyerzerland. Golden Pass et Pays de Gruyére (Bahnromantik). AS Verlag & Buchkonzept : Zürich 2001. - Zur Bibliographie.

Die Schweiz, vermeintliche Insel der Glückseligen und scheinbarer Ruhepol inmitten der pubertierenden Vereinigten Staaten von Europa, macht wieder von sich reden: ihr Schweizer Franken macht auf den Preisauszeichnungen der Bücher dem Euro das Monopol streitig, ihre Straßentunnel sind wieder in den Schlagzeilen und bestätigen die Richtigkeit der forcierten Schienen(be)förderung durch die Alpen, und mit »Golden Pass und Greyerzerland«, dem jüngst erschienenen dritten Band der Reihe »Bahnromantik«, wird erneut bewiesen, daß die handwerklich besten Eisenbahnbücher aus dem Zürcher AS Verlag kommen. 

Adäquate publizistische Leistungen sucht man hierzulande derzeit nämlich meist vergeblich, denn deutsche Eisenbahnbücher entstehen inzwischen meist am hektischen Fließband überforderter Verlagsredakteure und vermitteln sehr oft den zwar ehrlichen, aber dennoch ärgerlichen Eindruck, mehr »auf den Markt geworfen« als sorgfältig verlegt worden zu sein. Denn Qualität braucht Zeit - hat die Schweiz tatsächlich mehr davon, weil auch die Nachhaltigkeit ihrer Präzisions-Uhrwerke so sprichwörtlich ist?

Nach den historischen Bahnbildern aus dem Kanton Graubünden, gezeigt in den beiden ersten Bänden dieser Buchreihe, reisen wir in unserer Schmökerecke nun in die Westschweizer Voralpen und betrachten alte Fotos der schmalspurigen Schienenwege zwischen dem Genfersee, dem freiburgischen Greyerzerland und dem Simmental im Berner Oberland. 

Das Bild findet sich im Buch auf Seite 60
Von Montbovon führt die MOB der Saane entlang talaufwärts. In der Schlucht von La Tine gelangt sie vom freiburgischen Greyerzerland ins waadtländische Pays-d'Enhaut. Die Überwindung dieser Schlüsselstelle verlangte mehrere Kunstbauten, darunter einen 161 Meter langen Tunnel. 
(Ein beispielhaftes Bild und die Bildlegende von Seite 60!)

Zwei Bahngesellschaften, die »Montreux-Oberland Bernois« (MOB) sowie die »Chemins de fer électriques de la Gruyère« (CEG), erschlossen zwischen 1901 und 1912 auch diese landschaftlichen Juwelen der Schweiz auf der Schiene. Während die MOB vornehmlich den Tourismus beflügelte und mit dem luxuriösen »Golden Mountain Pullmann-Express« nach Montreux ihr Erscheinungsbild bestimmte, diente die CEG mit ihren einfachen Triebwagen in erster Linie dem Alltagsverkehr im Greyerzerland. Auch heute bedienen beide Gesellschaften - die CEG firmiert heute unter »Transports Publics Fribourgeois« (TPF) - den Ferien- und Regionalverkehr in diesen Landschaften; sie fahren teilweise auf den selben Gleisen.

Wieder warten seltene und meist erstklassige Schwarzweiß-Photographien im ebenso qualitativen warmschwarzen Duoton-Druck - diesmal 123 an der Zahl - aus den frühen Jahren der MOB und CEG darauf, vom Betrachter gleichsam studiert wie goutiert zu werden. Erneut überraschen Schärfe, Brillanz und vor allem Motivwahl der oft ganz- oder doppelseitigen Fotos, was auch zunehmend den wohltuenden Eindruck hervorruft, daß man sich nicht nur »vor Ort« in den abgebildeten Schweizer Landschaften vom deutschen Turboland, sondern bereits bei der langen und dennoch kurzweiligen Durchsicht dieses Werkes auch von der prallen Buntheit hiesiger Bildbände erholen kann. 

Denn das »Farbige« an diesen Bildern sind der feine Strich, die unendlichen Zwischentöne sowie die gediegene Präsentation. Auffallend auch, daß Bilder mit »schwächerer« Motivaussage oder reine Fahrzeugabbildungen meist kleinformatiger wiedergegeben sind als wohlkomponierte und detailreiche Photographien. Unglücklicherweise ist dies in den meisten Eisenbahn-Bildbänden und Zeitschriften nämlich genau umgekehrt - die besten Bilder kommen oft nicht über das Format einer Briefmarke hinaus, während die belanglose Typenaufnahme oder das etabliert-einfallslose Postkartenmotiv doppelseitig aufgeblasen werden.

In diesem Bildband dagegen haben alle Aufnahmen ihre adäquate Größe - da stört es auch kaum, daß lediglich ein ganzseitiges Foto bei kleinerem Abdruckformat an Wirkung und Qualität gewonnen hätte, um dem groben Korn von Ausschnittsvergrößerungen keine Chance zu geben.

Ein zweisprachiger Einleitungstext (deutsch / französisch), verfaßt vom Journalisten und Regionalhistoriker Michel Gremaud, ordnet die im Buch vereinten Aufnahmen in den verkehrs-, wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Rahmen ein. Ein wenig schade ist, daß diesmal auch feuilletonistische Betrachtungen zu Reisekultur und Landschaft dieser Bahnen im Gegensatz zu den bisher erschienenen Bänden weitgehend fehlen - diese literarische Ergänzung zu den Bildeindrücken ist in den Folgewerken wieder ausdrücklich erwünscht! 

Detailangaben, auch bahntechnischer Art, sind in den ebenfalls zweisprachigen Bildlegenden und Kapiteleinleitungen zu finden, die vom Herausgeber Peter Pfeiffer stammen, der »neben« seiner Tätigkeit als Eisenbahnpublizist und -fotograf als Angebotsplaner des SBB-Fernverkehrs arbeitet.

Dem großformatigen Buch ist die hohe Professionalität aller Beteiligten deutlich anzumerken; das berüchtigte schwache Glied im langen Entstehungsprozeß eines Druckwerkes - sei es eine mangelhafte Bindung oder das unpassende Layout eines verspielten Grafikers - ist hier nicht zu erkennen. Bleibt also nur noch, dieses zeitlose und gehaltvolle Werk dem Gourmet guter Eisenbahnbücher sehr zu empfehlen, damit beide Seiten davon etwas haben: Der Betrachter seine staunend-versunkene Zeitreise in die Pionierzeit der Schweizer Bahnen und der Verlag die nötigen Mittel und die Motivation, diese herrliche Buchreihe »Bahnromantik« fortzusetzen. 

Wir warten gerne und denken bei der Pause aus der Schweiz weniger an die schokoladenbraune Werbefarbe Lila, sondern eher an spannende Zugpausen, die nämlich auch niemals langweilig, sondern immer voller Vorfreude und Hoffnung sind.

Joachim Seyferth

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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