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Schreiber, Marion: Stille Rebellen. Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz (Aufbau Taschenbücher, 8067) (Dumjahn-Nr. 0015940)
Dumjahn-Nr. 0015940
ISBN-10: 3746680670

Alfred Gottwaldt:
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Jede Geschichte in Form eines romanhaften Sachbuchs wird stets hinken müssen, wenn von der ersten Seite an feststeht, wo die guten und wo die schlechten Karten zu finden sind. So legt man dieses wirklich gut gemeinte Werk nicht ohne ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit aus der Hand

Die Autorin
Marion Schreiber wurde 1942 in Drossen bei Frankfurt/Oder geboren. Aufgewachsen im niedersächsischen Bad Pyrmont und in Wolfsburg. Studium der Germanistik, Romanistik und Publizistik in Freiburg, Göttingen und an der FU Berlin. Freie Journalistin in Berlin und Bonn.1970-1986 Redakteurin beim »Spiegel« in Bonn, 1986-1998 »Spiegel«-
Korrespondentin in Brüssel. Mutter von drei erwachsenen Söhnen. Lebt in Brüssel als freie Autorin.

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Deportionszug nach Auschwitz


Schreiber, Marion: Stille Rebellen. Der Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz (Aufbau Taschenbücher, 8067). Berlin 2002. - Zur Bibliographie.

Die Tragödie der Ermordung der europäischen Juden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wird immer weniger faßbar, je weiter sie zurückliegt. Wenn die Zahl der von jedem einzelnen Akt der Gewalt erfaßten Opfer geringer ist, kann sie mit den Gefühlen stärker aufgenommen werden. Unter den zwischen 1939 und 1945 von den deutschen Truppen besetzten Ländern hatte Belgien im »Holocaust« eine besondere Stellung inne: Dieses Land kannte den Antisemitismus kaum, war zugleich auch schon seit 1933 von zahlreichen Juden aus dem Reich zum Zufluchtsort gewählt worden.

Nachdem Belgien erobert war, wurden auch dort von deutscher Seite antisemitische Maßnahmen durchgesetzt: Seit dem 4. August 1942 fuhren Züge aus dem belgischen Sammellager Mechelen nach Auschwitz ab. Insgesamt wurden ungefähr 25100 Juden von belgischem Gebiet deportiert, weitere 5000 von französischem Gebiet. Die Belgier erwiesen sich oftmals als gute passive Widerständler, die jüdische Kinder in Klöstern und Kirchen versteckten. Insofern war bei den im besetzten Belgien lebenden Menschen sogar die Bereitschaft vorhanden, den planmäßig rollenden Deportationszügen eine gewisse Resistenz entgegenzusetzen. Nach dem Fall von Stalingrad erschien das Ende der Hitler-Diktatur nahe.

Thema des hier zu besprechenden Buches ist die Tätigkeit einer kleinen Gruppe von in Belgien lebenden jungen Männern, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, den am 19. April 1943 von Mechelen nach Auschwitz mit 1631 Insassen abgehenden 20. Transportzug noch auf belgischem Gebiet aufzuhalten und seine Insassen zu befreien. Ihre mit großen persönlichen Opfern vollbrachte Tat hatte jedoch nur ein dürftiges Ergebnis: Als der Zug auf offener Strecke bei Boortmeerbeek anhielt, stiegen nur 17 seiner Insassen aus; weil die meisten der deportierten Menschen nicht mehr wußten, wohin sie mitten im Kriege überhaupt noch gehen sollten. Insgesamt haben 231 Deportierte den Zug aber vor der deutschen Grenze wieder verlassen; die übrigen wurden nach Auschwitz transportiert und dort zumeist ermordet.

Das Buch beschreibt die historischen Vorgänge auf der Grundlage umfassender Erhebungen zutreffend, detailgenau und mit größer Sympathie für die jugendlichen Helden aus dem jüdischen Widerstand. Es wäre zuviel verlangt, wollte man für die Gegenseite der deutschen SS-Leute eine ähnlich differenzierte Darstellungsform verlangen, denn ihre Biographien und ihre historischen Verbrechen können nur schwer »verstanden« werden. 

Das Buch ist freilich keine sachliche historische Studie, sondern die journalistische Arbeit einer ehemaligen »Spiegel-Korrespondentin« in Brüssel. Hier hat die Kritik einzusetzen: Jede Geschichte in Form eines romanhaften Sachbuchs wird stets hinken müssen, wenn von der ersten Seite an feststeht, wo die guten und wo die schlechten Karten zu finden sind. So legt man dieses wirklich gut gemeinte Werk nicht ohne ein diffuses Gefühl der Unzufriedenheit aus der Hand.

Alfred Gottwaldt

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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