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Paulitz, Udo: Auf Fotopirsch am Schienenstrang. Erinnerungen eines Dampflokjägers (Dumjahn-Nr. 0015351)
Dumjahn-Nr. 0015351
ISBN-10: 3440085171

Joachim Seyferth:
»
Besonders sympathisch ist, daß er seine Fototouren lange Zeit stilgerecht per Zug, Fahrrad und zu Fuß absolvierte und auf unzähligen Nachtfahrten und kilometerlangen Fußmärschen die ersten beiden Silben des Begriffes Leidenschaft auch wirklich erfahren hat.

Die Beschreibung all dieser kleinen Abenteuer beim »Drumherum« der Dampflokfotografie macht den Reiz dieses Buches aus und was vielen vielleicht etwas banal erscheinen mag, ist (oder war) die Realität seiner unzähligen Fan-Kollegen

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Ein Buch für Dampflokfreunde und Psychologen


Paulitz, Udo: Auf Fotopirsch am Schienenstrang. Erinnerungen eines Dampflokjägers. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH : Stuttgart 200. - Zur Bibliographie.

Schon immer haben Eisenbahnfreunde ihre Erlebnisse in Buchform zu Papier gebracht, auch wenn die in letzter Zeit gehäuften Biographien mehr oder weniger bekannter »Fans« das Gegenteil vermuten lassen. Den Anfang machte für viele in den sechziger Jahren Karl-Ernst Maedel mit seiner populär-launigen Schreibe; erst allmählich folgten weitere Autoren, die neben streng-fachlichen Sachbüchern auch subjektiven Eindrücken rund um die Eisenbahn Raum gaben. 

Neu daran ist eigentlich nur (abgesehen von den stets vorhandenen Veröffentlichungen dieser Prosa in den Fachzeitschriften), daß die Zahl hinlänglich bekannter Eisenbahnfreunde, die eine eigene Hobbybiographie zwischen zwei Buchdeckeln vorlegen können, in relativ kurzer Zeit überproportional angestiegen ist. Kein Wunder: Wenn über jede Baureihe und jede Strecke schon mehrfach und erschöpfend geschrieben worden ist, dann sind eben die Autoren selbst dran. Diese vermeintliche Marktlücke paßt obendrein noch in die Nabelschau unserer Zeit, in der jedermann von den Medien zum Star gemacht werden kann, ohne unbedingt Substanz bieten zu müssen.

Nun hat auch Udo Paulitz, der Fangemeinde durch mehrere Bildbandveröffentlichungen zum Thema Dampflok bekannt, seine »Memoiren« vorgelegt. Der Titel »Auf Fotopirsch am Schienenstrang – Erinnerungen eines Dampflokjägers« trifft den Inhalt des Buches dabei sehr genau, denn auf rund 160 Seiten schildert er neben seinem persönlichen Werdegang zum typischen Eisenbahnfreund überwiegend die Lust und das Leid am modernen Sammeltrieb für unmoderne Lokomotiven – stets die Angst im Nacken, etwas zu verpassen oder zu versagen. Paulitz schreibt stellvertretend für viele Dampflokfreunde (Eisenbahnfreunde sind ja im eigentlichen Wortsinne etwas anderes), die sich in dem Buch sehr oft wiederfinden werden. 

Und sollten Psychologen einmal das »Phänomen Eisenbahnfreund« im weitesten Sinne untersuchen wollen, so erfahren sie in diesem Werk recht authentisch, was der Eisenbahn-Bazillus bei typischem »Krankheitsverlauf« aus dem Homo sapiens macht.

Die Jagdreviere von Udo Paulitz waren – viele wissen es – die bekannten Rückzugsgebiete der Dampflok in Deutschland und Österreich: Schiefe Ebene, Crailsheim, Steyrtal- und Erzbergbahn, Hartmannshof – und natürlich das Emsland mit seinem berühmten Rheine. Diese nicht gerade spektakulären Gegenden sind Gegenstand seiner letzten Buchveröffentlichungen und mit diesem Band folgt nun quasi als Abschluß ein ausführliches »the making of« seiner zahlreichen Fotos, deren Stil grundsätzlich zwar als leicht überdurchschnittlich, jedoch weniger als künstlerisch-hochwertig oder journalistisch-anspruchsvoll charakterisiert werden kann – die typische Hobby-Fotografie eines typischen Eisenbahnfreundes eben. 

Doch gerade das macht dieses Buch so ehrlich, zumal Paulitz in seinem Text (und der ist hier viel wichtiger als die begleitenden Bilder) offen, ja beinahe schonungslos über sich und seine Leidenschaft berichtet. Besonders sympathisch ist, daß er seine Fototouren lange Zeit stilgerecht per Zug, Fahrrad und zu Fuß absolvierte und auf unzähligen Nachtfahrten und kilometerlangen Fußmärschen die ersten beiden Silben des Begriffes Leidenschaft auch wirklich erfahren hat. Die Beschreibung all dieser kleinen Abenteuer beim »Drumherum« der Dampflokfotografie macht den Reiz dieses Buches aus und was vielen vielleicht etwas banal erscheinen mag, ist (oder war) die Realität seiner unzähligen Fan-Kollegen.

Schade ist allerdings, daß sich Udo Paulitz am Schluß und in seinem Nachwort erstens dazu bekennt, später auch an Zugverfolgungen mit dem Auto oder Motorrad teilgenommen zu haben (sicher wird er hinterher erkannt haben, daß dies die motivliche Qualität seiner Aufnahmen eher gemindert hat), und zweitens erklärtermaßen doch »nur« ein Dampflokfreak und eben kein Eisenbahnfreund sei, der den neuen »Blechkästen keine Liebe abgewinnen« könne und sich fortan alten Nutz- und Feuerwehrfahrzeuge widmen werde. 

Das ist zwar nicht sehr schön, aber sehr typisch, sehr lesenswert und vor allem sehr ehrlich. Allein deshalb kann »Auf Fotopirsch am Schienenstrang« mehr empfohlen werden als so mancher seiner eigentlichen Bildbände. Denn weil auch Dampflok- oder Eisenbahnfreunde nur Menschen sind, darf ein klein wenig Nabelschau, Klatsch und Hintergrund auch in unserem Genre erlaubt sein.

Joachim Seyferth

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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