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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Bley, Peter: Berliner Nordbahn. 125 Jahre Eisenbahn Berlin - Neustrelitz - Stralsund (Dumjahn-Nr. 0016373)
Dumjahn-Nr. 0016373
ISBN-10: 3933254337

Bernd Herzog-Schlagk:
»Richtige Bahn-Nostalgiker mögen sich das Buch kaufen, auch der erweiterte Kreis von Bahnliebhabern kann sich an den Fotos erfreuen, Historiker können hier und dort fischen – für verkehrspolitisch oder in gesellschaftlichen Zusammenhängen denkende Menschen ist der Text wenig hilfreich, langweilig und unakzeptabel lückenhaft
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Ein Buch für Bahn-Nostalgiker


Bley, Peter: Berliner Nordbahn. 125 Jahre Eisenbahn Berlin - Neustrelitz - Stralsund. Verlag Bernd Neddermeyer : Berlin 2002. - Zur Bibliographie.

Die Nordbahn von Berlin bis Neubrandenburg, später bis nach Stralsund verlängert, wurde am 10. Juli dieses Jahres 125 Jahre alt. Der kleine Verein »Umweltbahnhof Dannenwalde e. V.« war der einzige, der mit seiner »Rollenden Festveranstaltung« ab Oranienburg, einer Podiumsdiskussion auf der Rampe des Bahnhofes Dannenwalde und einer Festtafel am naheliegenden Kleinen Wentowsee auf dieses Jubiläum aufmerksam machte. Die DB selbst verschlief den Termin. Nicht so der bahnrührige Bernd Neddermeyer Verlag, der pünktlich einen Jubiläumsband vorlegte.

Ein überaus ansehnlicher Band mit seinen 146 Seiten Glanz und Farbe und mit seinem ansehnlichen Preis von 22,50 Euro. Wer weiß, welche Auflagen heute so gedruckt werden und was das kostet, wird diesen Preis nicht für unangemessen hoch halten. Dennoch sei vorangestellt, daß dieses Buch einen richtigen Bahnfan himmelhoch jauchzen läßt, es aber bei Licht gesehen auch bemerkenswerte Schwächen hat. Gerade, weil es eben auch ein über die Bahn hinausgehendes »Geschichtsbuch« ist.

Der Autor Peter Bley hat eine erstaunliche Fülle von Daten über 125 Jahre Bahngeschichte an dieser einen Trasse zusammengetragen, ergänzt mit historischen Fahrplänen, Netz- und Gleisplänen, Beförderungszahlen und vor allem alten Fotos von den Bahnhöfen und Streckenabschnitten.

Eine mehrseitige Übersicht über die Haltepunkte und Bahnhöfe zeigt eine erstaunliche Entwicklung von Eröffnungen, Schließungen und Wiedereröffnungen. Man muß aber schon genauer hinsehen, um festzustellen, daß es nördlich vom letzten S-Bahn-Haltepunkt Oranienburg seit 1993 mit der einen Ausnahme Dannenwalde bei den Betriebseinstellungen blieb. Dem Abbau der Bahn wirkt dieses Buch nicht argumentativ entgegen.

Zum Schluß folgt eine fast vollständige und halbwegs aktuelle Farbfoto-Dokumentation der Bahnhöfe an der Strecke. Diese und die abgedruckten Dokumente sind sicher für die meisten Leser der Höhepunkt des Buches.

Der Autor dokumentiert in mitunter schon etwas ermüdender Form, erläutert selten und kommentiert kaum etwas. Mit dieser distanzierten Methode wurde eine Chance vertan, einem interessierten Publikum anhand einer derartig zentralen Eisenbahnverbindung Informationen zu liefern, die sich mit anderen Informationen zu einem Geschichtsbild hätten zusammenfügen können. Was bleibt zurück, wenn man Bahngeschichte ganz »seriös« und »unpolitisch« immer an der Schiene entlang verfolgt? Die fade Fragestellung im »Ausblick«, ob möglicherweise die DB AG vom Markt verdrängt werden wird. Das aber ist ja auch in Tageszeitungen nachzulesen.

Über den Zusammenhang zwischen dem Nationalsozialismus und der Autobahn ist viel geschrieben worden. Die Bahn ist in vielen Fragen »erhabener« als die Autobahn, aber dennoch gibt es keinen Grund für einen geschichtlichen Freispruch und »rosarote Zeilen« für eine historische Abhandlung dieser Bahnstrecke, die in den Jahren zwischen 1933 und 1945 eine herausragende Linienführung hatte. Und so kommt die Frage auf, warum es in diesem Buch kein einziges Wort darüber gibt, daß die Berlin-Ostsee-Achse von Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslagern von Oranienburg, Sachsenhausen, Drögen, Ravensbrück, Düsterförde, Neustrelitz, Neubrandenburg bis nach Stralsund mit der vorher vorhandenen Linienführung der Nordbahn identisch ist.

Bereits 1933 wurde in der »Musterstadt der SS« Oranienburg das erste Konzentrationslager Brandenburgs geschaffen und 1936 wurde Sachsenhausen als eines der drei Hauptlager der SS in Deutschland ausgebaut (Homan und Unger: »Die Brandenburger – Chronik eines Landes«). An dieser Zeit-Stelle ist im vorliegenden Buch nachzulesen: »Im Sommerfahrplan 1939 verließen den Stettiner Fernbahnhof in Richtung Nordbahn während der Badesaison täglich insgesamt 7 schnellfahrende Reisezüge ...« Was innerhalb von 12 Jahren auf dieser Strecke und auf den Bahnhöfen am Tag und in der Nacht geschah, schlägt sich allenfalls in dem Satz nieder, daß »der erneute Anstieg des Verkehrsaufkommens ... eine durchgreifende Verbesserung der Eisenbahnverhältnisse in Berlin immer dringlicher werden« ließ. Doch die Veränderung der Verhältnisse wurde nicht ganz übersehen: »Erst als Berlin im Zuge Hitler’scher Großmachtträume zur Welthauptstadt Germania umgeformt werden sollte, war die vollständige Umgestaltung des Eisenbahnnetzes in Berlin und Umgebung nicht nur möglich, sondern sie war dafür Voraussetzung ...« Großmachtträume als Hitlers Fehler hin oder her, letztlich führten sie zum Autobahnbau und auch zur Umgestaltung des Eisenbahnnetzes. Solches zu lesen verschlägt einem die Sprache.

Auch ein Bahnhistoriker könnte zumindest mal das Standardwerk »Der SS-Staat« von Eugen Kogon zur Hand nehmen: »Der Transport konnte zwölf Stunden oder zwölf Tage und mehr dauern ... 100, 120, ja 150 Gefangene wurden in einen einzigen Vieh- oder Güterwaggon gepreßt, so daß bei der Ankunft nicht selten gleich 30 und mehr Tote, die erstickt oder erdrückt waren, aus dem wieder geöffneten Wagen fielen ...« Dies, Herr Bley, geschah auch auf der Strecke der Nordbahn, auf der am Tage harmlose Badegäste gemeinsam mit den Verbrechern und Mördern der schrecklichsten Versuchs- und Vernichtungsstätten Deutschlands im Zug saßen.

Richtige Bahn-Nostalgiker mögen sich das Buch kaufen, auch der erweiterte Kreis von Bahnliebhabern kann sich an den Fotos erfreuen, Historiker können hier und dort fischen – für verkehrspolitisch oder in gesellschaftlichen Zusammenhängen denkende Menschen ist der Text wenig hilfreich, langweilig und unakzeptabel lückenhaft.

Bernd Herzog-Schlagk

Aus SCHIENE 21 (2002) Nr. 4, S. 55-56 - mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages.

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