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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Bergelt, Siegfried: Eisenbahngeschichten zwischen Chemnitz und Weipert (Dumjahn-Nr. 0016633)
Dumjahn-Nr. 0016633
ISBN-10: 3980660699

Manfred Weisbrod:
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Fazit: Ein Buch, das zur rechten Zeit erschien, Hoffnung auf einen Neuanfang weckt und mit viel Sachkenntnis und sicherlich auch mit Herzblut geschrieben ist. Man kann es uneingeschränkt empfehlen

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Von Flöha nach Weipert - 
die Zschopautalbahn
 


Bergelt, Siegfried: Eisenbahngeschichten zwischen Chemnitz und Weipert. Die Zschopautalbahn und ihre regelspurigen Zweigbahnen. Bildverlag Thomas Böttger : Witzschdorf 2002. - Zur Bibliographie.

Etwas erstaunt stellt man fest, daß es stimmt, was der Autor im Vorwort schreibt: Es gibt Monographien über jede abzweigende schmalspurige Bimmelbahn, aber keine zusammenhängende Chronik der Hauptbahn, obwohl diese am 1.2.1866 eröffnete Strecke drei Jahre älter ist als die heute als Sachsenmagistrale bezeichnete DW-Linie Dresden - Werdau (- Hof). Neben den Strecken Zwickau - Johanngeorgenstadt und Flöha - Pockau-Lengefeld - Reitzenhain/Neuhausen (Flöhatalbahn) war die Zschopautalbahn Flöha - Annaberg - Weipert eine der drei über den Erzgebirgskamm nach Böhmen führenden Bahnen.

Der Zschopautalbahn zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Denkmal zu setzen ist um so verdienstvoller, weil die Strecke 2002 den absoluten Tiefpunkt ihrer fast 140-jährigen Geschichte erreicht hat. Seit Mai 2000 konnte nur noch zwischen Chemnitz und Wolkenstein gefahren werden, weil das Unternehmen Zukunft den folgenden Streckenteil bis zur Unpassierbarkeit vergammeln ließ. Hochwasserschäden der Jahrhundertflut im August 2002 lassen nur noch Betrieb bis Wilischtal zu.

Der Autor Siegfried Bergelt, mit Original Crottendorfer Eisenbahngeschichten schon an die Öffentlichkeit getreten, kennt die Strecke, jede Krümmung und jedes Signal. Er arbeitet sich von den Projekten der Bahn, die ursprünglich nur bis Annaberg führte, sachkundig und kurzweilig zu lesen, bis in die Gegenwart vor. Selbst der da meinte, die Geschichte der Strecke einigermaßen zu kennen, nimmt dankbar die Informationen über die Plattenthalbahn, den Fichtelbergtunnel, die Anschlußbahn Talsperre Cranzahl oder die "Obere Bahn" von Annaberg entgegen. Die wichtigsten Bahnhöfe werden im Bild und teilweise mit Gleisplan vorgestellt. Weitere Kapitel befassen sich mit Fahrzeugeinsätzen von den Anfangsjahren bis zu dem, was die DB AG heute einsetzt (oder nicht einsetzt), der Signal- und Sicherungstechnik und einigen Betriebsunfällen.

Amüsant zu lesen sind die Bahngeschichten. Der Autor berichtet über den Besuch von Verkehrsminister Otto Arndt 1972 und über den ab 1974 regelmäßigen Besuch von Verteidigungsminister Hoffmann in Oberwiesenthal, der wie Otto Arndt bis Annaberg mit dem Regierungszug fuhr. Ohne Zorn, eher mit einem Schuß Ironie wird vom Aufwand berichtet, den die "hohen Herrschaften" mit sich trieben.

Sarkasmus und letztendlich verhaltene Wut bestimmen die Passagen, in denen Siegfried Bergelt über die Aktionen des Unternehmens Zukunft berichtet. Das ist völlig verständlich, wenn man liest, wie Mehdorns Paladine Infrastruktur vorsätzlich vernichten, wenn Kreuzungsmöglichkeiten durch den Ausbau von Weichenteilen wegfallen müssen und Güterverkehr durch den Rückbau von Gleisen und die Kündigung von Anschlüssen verhindert wird. Wenn man bedenkt, welchen Kampf unsere Vorfahren um jeden Meter Gleis geführt haben, wieviel Petitionen im Laufe der Jahre geschrieben werden mußten, um die Stände zu überzeugen, ist der Zorn nachvollziehbar. Das Konzept von DB Regio, die Streckengeschwindigkeit auf Null abzusenken, dann zu behaupten, niemand wolle die Eisenbahn, hat Sachsen in weniger als zehn Jahren nahezu alle Nebenbahnen gekostet.

Hoffnung bleibt, daß die Erzgebirgsbahn, ein Mittelstandsunternehmen, zwar Tochter der DB AG, wieder Verkehr auf die Schienen bringt, sowohl zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt, zwischen Flöha und Neuhausen als auch zwischen Flöha und Weipert. Der Anfang ist gemacht. Noch im Gespräch ist die Verlängerung der Fichtelbergbahn von Cranzahl über ein Dreischienengleis nach Königswalde, um die von der BVO GmbH (einem Busunternehmen!) betriebene Bahn mit Annaberg zu verbinden.

Das Buch über die Zschopautalbahn ist mit 24,50 EURO für 128 Seiten trotz des harten Umschlages kein Schnäppchen. Vor anderthalb Jahren hätte man so ein dünnes Buch für knappe 50.- DM ziemlich entrüstet aus der Hand gelegt. Aber heute, wo alles vermeintlich nur noch die Hälfte kostet, schaut man schon mal rein. Im Bildteil ist Historisches und Zeitgenössisches gemischt, auch mal aufgelockert durch eine vom Autoren stammende Zeichnung. Zum Glück wird man von Plandampf-Fotos verschont. Es sind viele Aufnahmen vom Bahnalltag enthalten. Die kann man nur machen, wenn man in Streckennähe wohnt oder interne Kenntnisse hat. Ein kleiner Verlag kann sich keinen Lektor und auch keinen Buchgestalter leisten. Auch viele große Verlage haben diese Planstellen schon als Sondermüll entsorgt. So mindern zu kleine und ineinandergeschachtelte Bilder manchmal die ungetrübte Freude ebenso wie gespreizte Sätze, die man zweimal lesen muß, um ihren Sinn zu erfassen.

Fazit: Ein Buch, das zur rechten Zeit erschien, Hoffnung auf einen Neuanfang weckt und mit viel Sachkenntnis und sicherlich auch mit Herzblut geschrieben ist. Man kann es uneingeschränkt empfehlen.

Manfred Weisbrod

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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