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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Schulze, Jörg: Das Eisenbahnwerk Brandenburg-West. 80 Jahre Eisenbahnwerk Brandenburg-Kirchmöse (Dumjahn-Nr. 0015384)
Dumjahn-Nr. 0015384
ISBN-10: 3933254132

Manfred Weisbrod:
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Für alle, die Eisen-
bahn umfassender verstehen als Baureihenbeschrei-
bung, Plandampf und bunte Bilder ist das Buch eine sehr empfehlenswerte Lektüre

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Pulverfabrik - Eisenbahnwerk -

Panzerreparatur

Die bewegte Geschichte des Eisenbahnwerkes
in Brandenburg-Kirchmöser

Schulze, Jörg: Das Eisenbahnwerk Brandenburg-West. 80 Jahre Eisenbahnwerk Brandenburg-Kirchmöser. Verlag Bernd Neddermeyer : Berlin 2001. - Zur Bibliographie.

Eisenbahnbücher gibt es wie Sand am Meer. Bemerkenswerte sind so häufig wie ein großes Stück Bernstein an der Ostseeküste. Die Geschichte des Eisenbahnwerkes Brandenburg-West ist so ein ganz großes Stück. Das Ausbesserungswesen ist bisher in der Literatur sehr stiefmütterlich weggekommen, offensichtlich hielten die Autoren das Genre für unattraktiv. Jörg Schulze, der in Brandenburg praktisch nebenan wohnt, sah das nicht so und hat ein ansehens- und lesenswertes Buch vorgelegt. In Bernd Neddermeyer fand er einen Verleger, der das genau so sah.

Es sollte gar kein Eisenbahn-Ausbesserungswerk werden, sondern eine Pulverfabrik. Im Oktober 1914 kaufte das Kriegsministerium ein 550 ha großes Gelände auf einer Halbinsel im Plauer See bei Brandenburg, um Schießpulver, Schießwolle, Nitroglyzerin und Trinitrotoluol (TNT) für die Ausgestaltung des 1. Weltkrieges zu produzieren.

Man baute sehr schnell - bis Ende 1915 entstanden 224 Gebäude, 15 km Straßen, 13 km Normalspur- und 19 km Schmalspurgleis (600 mm). Die Gebäude in Ziegelbauweise in der Architektur der ausklingenden Kaiserzeit standen weit auseinander und hatten leichte Dachkonstruktionen - falls doch mal ein Funke ins Pulverfaß fiel. Ende 1918 war auch in der "Königlich-Preußischen Pulverfabrik bei Plaue (Havel)" das Pulver naß geworden. Die maschinellen Anlagen gingen nach Serbien, Belgien und Frankreich, das Kraftwerk und alle Gebäude blieben erhalten. Am 7.2.1919 übernahm das Reichsschatzministerium als Nachfolger der Heeresverwaltung die Werksanlagen und das Gelände und übergab alles den Reichseisenbahnen.

In diese Zeit (1920-1925) fiel die Umstrukturierung des Ausbesserungswesens. Waren die Werke bisher in Länderhoheit und Gemischtwarenläden, die Lokomotiven, Reisezug- und Güterwagen in zwangloser Reihenfolge ausbesserten, wurde unter Peter Kühne die Trennung von Lokomotiv- und Wagenausbesserung durchgesetzt. Die Ausbesserungswerke bekamen bestimmte Lokbaureihen zugewiesen, auch unter dem Aspekt möglichst kurzer Anreisewege. Normung und Austauschbau bestimmten Konstruktion, Produktion und Ausbesserung. Direktor des Lokomotivwerkes war Dr. Friedrich Neesen, der in Kirchmöser die Fließfertigung bei der Lokaufarbeitung einführte. Im Herbst 1922 begann der Bau des Lokomotivwerkes auf dem Gelände des ehemaligen Feuerwerkslaboratoriums, am 1.11.1924 hatte das Werk bereits 2692 Beschäftigte. Ab 1928 firmierte man als RAW Brandenburg-West und hatte mehr als 2800 Leute in Lohn und Brot. Damit zählte das RAW zu den größten in Deutschland; nur die RAW Tempelhof und Hannover-Leinhausen kamen noch auf mehr als 2000 Mitarbeiter.

Auf dem Gelände der Pulverfabrik existierte auch das sogenannte Zentralwerk, größer als das Lokomotivwerk. Dem Zentralwerk unterstanden das Kraftwerk und die umfangreichen Neu- und Umbauten der vielen Sonderwerkstätten. Dem RAW oblag die Instandhaltung der pr. P 8, P 10, G 8.3, T 14 und der Einheitslok der BR 41 (50 Maschinen). Auch für die Schnellfahrlok 61 001 des Henschel-Wegmann-Zuges war Brandenburg-West das Heimat-RAW. Hier erfolgte auch die Abnahme der von den Berliner Lokomotivbauanstalten BMAG, BLW und MBA gebauten Lokomotiven der Baureihen 41, 44, 50, 52 und 86. Eine Liste gibt Auskunft, welche Lokomotiven von 1940 bis 1944 abgenommen worden sind. Quelle waren offensichtlich die drei schwarzen DIN A 6-Notizbücher von Abnahmeinspektor Karl Petznick. Ein Dankeschön im Vorwort an den Sohn Wolfgang Petznick, der die Notizbücher zur Verfügung stellte, wäre das schon wert gewesen. Bei solchen Listen ist beim Abschreiben und bei der Korrektur größte Sorgfalt vonnöten, denn hinter dem ausgedruckten Bw Thom wird niemand das Bw Thorn vermuten.

Ende 1942 sollte das Ausbesserungswerk nach Kramatorsk (Ukraine) verlagert werden. Es wurde demontiert, in sieben Güterzüge verladen, aber am Bestimmungsort nie aufgebaut. Die Lokomotivabnahme und -ausbesserung ging in Kirchmöser dennoch unvermindert weiter, und der Ringlokschuppen wurde 1942/43 um sechs Stände erweitert. Wie das alles funktionierte, ist aus dem Text nicht so recht ersichtlich. Jedenfalls hatte das RAW 1942 3920 Mitarbeiter.

Im Mai 1945 zogen die Russen ein und räumten aus. Im September 1945 war die Demontage des Raw Brandenburg beendet. Das Werk sollte gesprengt werden, was jedoch verhindert werden konnte (von wem?). Lokomotiven und Wagen hat man jetzt im Zentralwerk ausgebessert. Von 1949 bis 1954 entstanden hier auch 25 Kohlenstaubtender des Systems Wendler. Die Ausbesserung von Güterwagen lief bis 1964.

Die Russen richteten ein Panzerreparaturwerk ein und bauten 1954 eine Erprobungsstraße für Panzer von Kirchmöser bis Burg (b. Magdeburg). Auf dem Gelände der Halbinsel im Plauer See entstanden das Werk für Gleisbaumechanik, die Zentrale Prüf- und Entwicklungsstelle der DR und das Weichenwerk Brandenburg (ab 1.1.1954), das 1956 in den Bereich der Ausbesserungswerke eingegliedert wurde. 1949 legte man den Grundstein zum VEB Walzwerk Kirchmöser, das ab 1957 zum Stahl- und Walzwerk Brandenburg gehörte. Aus der Zentralen Prüf- und Entwicklungsstelle des Verkehrswesen (ZPEV) für Chemie, metallische Werkstoffe und Lagertechnik ging 1994 das Forschungs- und Versuchszentrum Kirchmöser hervor, das auch vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) als Prüfstelle anerkannt wird. Es untersuchte die Gefahrgutunfälle von Schönebeck (Elbe) und Elsterwerda. Seit 1997 firmiert es als Forschungs- und Technologiezentrum und ist damit wohl die einzige bedeutende DR-Institution, die nicht plattgewalzt wurde.

Zum Abschluß des Buches wird über die im RAW Brandenburg von 1940 bis 1944 abgenommenen Lokomotiven, über die Lokreparaturen von 1945 bis 1949 und über Werkverkehr und Werklokomotiven informiert. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis dürfte dem nützlich sein, der weitere Informationen sucht. Auf den 144 Seiten dominiert das Foto. Viele meist halbseitige Aufnahmen von hervorragender Qualität zeigen die bemerkenswerte Industriearchitektur in Backsteinausführung, Übersichten über das riesige Gelände, die Aufarbeitung von Lokomotiven. Die Bildqualität wird auch bei Aufnahmen aus der Nachkriegszeit gehalten. Fotos vom Panzerwerk fehlen aus begreiflichen Gründen. Verschiedene Pläne und Zeichnungen verdeutlichen, was in der textlichen Aussage nicht ausführlich behandelt werden konnte.

Für alle, die Eisenbahn umfassender verstehen als Baureihenbeschreibung, Plandampf und bunte Bilder ist das Buch eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Manfred Weisbrod

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