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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Wiegard, Hans (Text); Heym, Rudolf (Redaktion): Straßenbahnen zu Ulbrichts Zeiten (Dumjahn-Nr. 0015773)
Dumjahn-Nr. 0015773
ISBN-10: 3765472026
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Didier Bauzière:
»Ob GeraMond die nicht zu übersehende Verlagswerbung auf der letzten Buchseite sowie auf der hinteren Klappe wirklich hilft, dem immer offensichtlicher werdenden Qualitätsverfall der angebotenen Publikationen zu begegnen, ist zu bezweifeln. In Zeiten wachsender Käuferzurückhaltung werden besonders im Bereich der Hobbyliteratur die Gourmets die wenig wählerischen Gourmands ersetzen. Letztere, und das zeigt sich auf dem traditionell wesentlich engeren französischen Markt, setzen Klasse vor Masse.«

Die Autoren
Ulbrichts und Honeckers Zeiten kennen Rudolf Heym und Hans Wiegard nicht nur vom Hörensagen - sie haben sie durchlebt. Und natürlich gehörte die Straßenbahn jahrelang zu ihrem Alltag.Bis heute haben sich beide ihr Interesse am Schienenverkehr der DDR bewahren können. Während Rudolf Heym als verantwortlicher Redakteur der Fachzeitschrift »Lok-Magazin« tätig ist, widmet sich Hans Wiegard mehr dem Bücherschreiben. So stammen aus seiner Feder u.a. die bei GeraMond erschienenen Bücher »Reko- und Neubaudampfloks der DR« und Die Erfurter Straßenbahn - hier zitiert nach dem Klappentext (der die Unterscheidung »Text« und »Redaktion« aber nicht kennt).

Literaturangaben:
1) Gottwaldt, Alfred B.: Trambahn-Album. 400 Bilder deutscher Straßenbahnen 1930-1940. 2. Aufl. Stuttgart 1992.

2) Wiegard, Hans: Aneinanderreihung von Falschinformationen. Leserbrief. In: Straßenbahn-Magazin [München] 33 (2002) Nr. 156, S. 78-79.

3) Gympel, Jan; Köhler, Ivo: Reko-Wagen. Die etwas härtere Art, Straßenbahn zu fahren. Berlin 1996.

4) Papazian, André: Voitures & Wagons. Boulogne-Billancourt : E-T-A-I 2002, p. 127-128.

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Kleines Ergänzungs-Lexikon zum Gebrauch dieses Buches:

Kaderleiter: Fachdirektor der Personalabteilung in einem sozialistischen Unternehmen. Verwandte Begriffe: Leitungskader, Führungskader, sozialistische Kader.

Kletterpuffer: Kletterschutz: auch als Kletterpuffer bezeichnete, an den Wagenstirnseiten angebrachte Einrichtung zur Aufnahme von Stoßkräften und zur Vermeidung des Aufkletterns bei Auffahrten. Ursprünglich quergerippter, rechteckiger Stahlpuffer mit Hartholzeinlage, ab etwa 1940 geteilte hohle Ausführung mit innenliegendem Hülsenpuffer mit Ring- oder Kegelfeder.

LOWA: Vereinigung Volkseigener Betriebe Lokomotiv- und Waggonbau = VVB LOWA

Lindner-Zug: Fahrzeug aus der Waggonfabrik Lindner, Ammendorf.

Lyra-Bügel: Weiterentwicklung des 1889 von Reichel konstruierten Bügelstromabnehmer für Oberleitungsbetrieb, der gegenüber den Stangenstromabneh-
mern einen sicheren Betrieb bei einer wesentlich einfacher auszuführen Fahrleitung ermöglichte. Der Name rührt von der abgerundeten Form her, die an eine Lyra erinnert.

Ringwendeanlage: Gleisschleife

Ritzenschieber (Abb.): Straßenbahnarbeiter, auch Streckenwärter, dem die Säuberung vor allem der empfindlichen als Rillenschiene (Rille = Ritze) ausgeführten Weichen oblag. Besonders durch Kraftfahrzeuge, die die Weichenanlagen überfahren, werden Schmutz und Unrat in die Bereiche der Weichenzunge gedrückt.

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Ulbrichts bunte Vielfalt


Wiegard, Hans (Text); Heym, Rudolf (Redaktion): Straßenbahnen zu Ulbrichts Zeiten. Trams in der DDR: Die 60er Jahre in Farbe. GeraMond Verlag : München 2002. - Zur Bibliographie.

Kein Zweifel: Alfred B. Gottwaldt hätte sein Trambahn-Album1) auch »Straßenbahnen zu Hitlers Zeiten« nennen können, denn ein Großteil der von ihm ausgewählten 375 Bilder deutscher Straßenbahnen wurde gerade in dieser Zeit gemacht. Gottwaldt hat es nicht getan, denn er bevorzugt die fundierte und ausgewogene Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Diese Ausgewogenheit indes sucht der Leser im vorliegenden Bildband »Straßenbahnen zu Ulbrichts Zeiten. Trams in der DDR: Die 60er Jahre in Farbe« vergeblich. Nichts war gut in und an der DDR dieser Jahre. Das jedenfalls ist das Fazit, zu dem der an erster Stelle genannte Autor Hans Wiegard gelangt. (Daran, daß er die die einzelnen Kapitel begleitenden Texte verfaßt hat, gibt es keinen Zweifel, wenn man verschiedene offenbar standardisierte Textformeln in Betracht zieht, die in allen seinen Werken vorkommen.) Leider nur zu folgerichtig feiern dann auch gleich auf den ersten Seiten des Bildbandes Scharfmacher wie Löwenthal (West) und von Schnitzler (Ost), die die reiche und subtile deutsche Sprache stets wie altgermanische Schlagwerkzeuge zu handhaben pflegten, ihre Reinkarnation (Seite 8):

Die gesellschaftlichen Zustände im zweiten deutschen Staat, der sich nach nur 40 Jahren Existenz von der Bühne der Weltgeschichte verabschieden wird, sind mit dem Wort ›Stalinismus‹ allein nur unzureichend zu beschreiben. Viel mehr sind politisches und wirtschaftliches System der DDR Zeit ihrer Existenz eigentümliche Konglomerate von Sowjet- und NS-Ideologie und der unter diesen Regimen geübten Praktiken. Die Uniformen von Nationaler Volksarmee und Volkspolizei, die Kleidung von FDJlern und Pionieren, die Aufmärsche und Fackelzüge zu den Staatsfeiertagen, stets begleitet von wehenden Fahnen und Fähnlein, vom ›Trä-trä-trä‹ der Fanfaren und ›Rum-bum-bum‹ der Landsknechtstrommeln lassen erahnen, wes Geistes Kind die Gesellschaftsordnung in der DDR ist. Und Großveranstaltungen, wie etwa die ›Deutschen Turn- und Sportfeste‹ oder Kampagnen wie die Ernteeinsätze, sind nichts weiter als ein Abklatsch entsprechender Inszenierungen im ›Dritten Reich‹. Die Maitres de plaisir in Pankow sind getreue Epigonen brauner Vorbilder. Das Scheitern des DDR-Sozialismus ist vorprogrammiert. Bereits der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hatte als grundlegendes Prinzip jedweden Fortschritts erkannt, dass neue Inhalte neuer Formen bedürfen.

Bereits nach diesen Worten erhebt sich die Frage, warum Wiegard nicht ganz einfach seine sichere Stelle im staatlichen System der DDR - er war Diplomlehrer, wie sich aus einem Artikel in der DDR-Zeitschrift »Der Modelleisenbahner« ergibt - aufgegeben und der DDR per Flucht den Rücken gekehrt hat, wenn denn das Leben dort so vergiftet und unerträglich war. Die Landsknechte, denen die Trommeln gehörten, waren übrigens ein beliebtes Wort der früheren DDR-Propaganda, um die Soldaten der NATO als blutrünstigen Abschaum zu geißeln.

Die rudimentäre Kenntnis der Muttersprache des Rezensenten bei einem Deutschen zu entdecken, mag schon schmeicheln, allerdings nur dann, wenn die benutzten französischen Wörter orthographisch korrekt geschrieben und kontextuell sinnentsprechend verwendet werden. Aber ein Teil des Bildungsbürgertums erfreut sich ja schon seit jeher an zwei Metern der Werke des »Dichterfürsten«. Diese Form literarischer »Rezeption« erklärt auch das »Trä-trä-trä« und »Rum-bum-bum«, welches den fachlich motivierten Leser befremden muß.

Nur: Eine feste weltanschauliche Überzeugung taugte allein nicht, um fachlichen Anforderungen zu entsprechen. Wiegard wird ja nicht müde, es im Zusammenhang mit den »sozialistischen Leitern« (heute sagt man Führungskräfte) auch dem geistig Unbeweglichsten einzuhämmern (Seite 14):

Oft ist der Direktor Diplomingenieur oder zumindest Fachschulingenieur, mitunter allerdings nur ein ›politischer Kader‹, dem jede weitere Qualifikation fehlt. In größeren Betrieben gibt es außer dem Betriebsdirektor noch die Bereichsdirektoren ... Schließlich gibt es einen Direktor ›Kader und Bildung‹. Letzterer hat im sozialistischen Betrieb nach dem Werkdirektor das Meiste zu sagen. Er ist verantwortlich für die Einstellung und Entlassung von ›Werktätigen‹ (auch Arbeitskräfte genannt), aber auch für die Berufsausbildung.

Den Direktoren unterstellt sind die Heerscharen von Abteilungsleitern, Meistern, Verwaltungsangestellten und ›Beschäftigten an der Basis‹ ...

Nun müßte es fast vierzehn Jahre nach dem Ende der DDR und unzähligen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur DDR-Geschichte zum Basiswissen auch der Hobby-Historiker gehören, daß nach dem Betriebsdirektor der jeweilige Parteisekretär die zweitwichtigste Entscheidungsinstanz war. Die Kaderleiter hingegen waren bevorzugte Ansprechpartner oder sogar informelle Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit. Gerade in der Rolle der Parteifunktionäre zeigt sich ja die praktische Ausformung einer totalitären Diktatur.

Es reicht eben nicht aus, die Wahrheiten von gestern mit einem umgekehrten Vorzeichen zu versehen und dann ohne entsprechende Detailkenntnis Geschichte beschreiben zu wollen. Indem Hans Wiegard dies aber tut, offenbart er, wie wenig er eigentlich auch innerlich die Auseinandersetzung mit dem Staatswesen vollzogen hat, in dem er scheinbar sein ganzes vorheriges Leben verbracht hat. Als Indiz dafür mag auch gelten, daß Wiegard in einem anderen Kontext die unnötige Politisierung des Themas Straßenbahn in genau der gleichen Periode der DDR-Geschichte erbittert kritisiert und letztlich sogar soweit geht, das in dem vorliegenden Werk gescholtene Wirtschaftssystem einschließlich seiner Leitungskader zu verteidigen.2)

Es ist daher auch kaum verwunderlich, daß schon der Buchtitel die Autoren zu bedenklichen Vereinfachungen verführt. Das waren eben Ulbrichts »Arbeiter-und-Bauern-Staat« (Seite 6), Ulbrichts »Paradies« (Seite 6), Ulbrichts »Staat« (Seite 26) die »sozialistische Menschengemeinschaft« Walter Ulbrichts (Seite 7), Ulbrichts DDR (Seiten 14, 42) oder die Ära Ulbricht (Seiten 26, 65, 94). Oder, anders gesagt - der Ulbricht war's.

Auch wenn die Autoren korrekt auf die imperiale Politik der UdSSR gegenüber ihren »Bruderstaaten« einschließlich der DDR eingehen, so ist die Reduzierung der wirtschaftlichen Probleme auf die Person des damaligen Staatsratsvorsitzenden und Parteichefs gefährlich. Sie blendet das eigentliche Wesen des diktatorischen Regimes aus, welches auch deshalb ebenso gut funktionieren konnte wie jenes des Tausendjährigen Reiches, weil es sich auf die zumindest passive Duldung eines großen Teils der Ostdeutschen stützen konnte. Aber genau das Erleben dieser Verantwortung ist es, die den beiden erklärten DDR-Bürgern (Klappentext) offenbar weh tut. Ganz abgesehen davon, daß Opportunismus absolut keine Erfindung der Ulbrichtschen sozialistischen Menschengemeinschaft war.

So gesehen verstellt das Buch den Weg zu einer vernünftigen Auseinandersetzung mit der DDR und ihrem politischen System. Es bedient sich der Sprache des Kalten Krieges in der Publizistik der Bundesrepublik der fünfziger und der frühen sechziger Jahre. Eigentlich waren die Historiker auf diesem Feld der Auseinandersetzung schon weiter gewesen.

Ritzenschieber (1962): Erfurt, Domplatz. Foto: Sammlung D. Scheibe
Ritzenschieber (rechts, mit Armbinde, 1962): Erfurt, am Domplatz. Foto: Sammlung D. Scheibe

Zwar gibt es auf den Seiten 14 und 15 eine wenige Zeilen, in denen Berufsprofile der Straßenbahnbetriebe genannt werden, von Ritzenschiebern (der sehr bildliche Ursprung des Wortes bleibt im Dunkeln) und Straßenbahnfahrern ist da die Rede, aber sie bleiben vergleichsweise gesichtslos. Straßenbahnen in Farbe - aber gehörten nicht auch Kreativität, Pflicherfüllung und der Fleiß der Straßenbahner zu den vielen Farben der DDR-Trams? Oder hat der unglaubliche Erfindungsgeist der Beschäftigten im RAW Schöneweide keinen Bestand vor der Geschichte? Es gibt keinen Grund, die Lebensleistung dieser hochqualifizierten Facharbeiter nur deshalb zu verdammen, weil sie die »Berliner Böcke«, die Reko-Wagen mit fast nichts fabrizierten. Auch hier haben bereits andere Autoren eine historisch korrekte und differenzierte Analyse vorgelegt3).

Stereotype sind aber, wie es scheint, wohlfeil (Seite 44): Ulbricht hat inzwischen für die gängige Praxis, aus Alt Neu zu machen, ein ›sinnreiches‹ Schlagwort kreiert. Das heißt ›sozialistische Rekonstruktion‹.

Ein Mann wie Rudolf Heym, verantwortlich für die »Redaktion« (siehe Impressum), müßte eigentlich wissen, daß diese »sozialistische Rekonstruktion« (begriffliche Hüllen sind in stark politisierten gesellschaftlichen Umfeldern immer etwas pompös und haben den Charakter einer Monstranz) ein unvollkommener Reflex auf eine gängige Praxis bei den »kapitalistischen« Bahnverwaltungen ist. So betrieb die Deutsche Bundesbahn ein Umbauprogramm für Reisezugwagen4), um dem eklatanten Fahrzeugmangel abzuhelfen. Bei den britischen Eisenbahnen und später bei British Rail war es üblich, Lokomotiven umzubauen und zu - benutzen wir ruhig dieses Wort - zu rekonstruieren. Und gab es da nicht auch die gelungenen Dampflok-Rekonstruktionen (Reko-Loks) der Deutschen Reichsbahn?

Die Straßenbahnbetriebe im Westen hatten zweifellos die Qual der Wahl unter den verschiedenen Produzenten, die ihrerseits bemüht waren, die Kundenwünsche optimal zu erfüllen. Allerdings, und das scheinen die beiden »Macher« auf Grund ihrer Sozialisierung begreiflicherweise zu vergessen, verfügten viele dieser Unternehmen öffentlichen Rechts keinesfalls immer auch über die Mittel, um sich ihre Fahrzeugwünsche zu erfüllen. Also mußte auch im Westen umgebaut und modernisiert werden. Selbst über zwölf Jahre nach dem Ende der DDR verfügt der Straßen- und Waldbahnbetrieb in Gotha/Thür. immer noch über Triebwagen aus den sechziger Jahren, die aus Mannheim übernommen wurden und heute auf das stolze Alter von fast vierzig Betriebsjahren zurückblicken können.

Die Logik der inhaltlichen Gliederung hat der Rezensent auch nach der dritten Lektüre nicht begriffen. »Der rote Stern leuchtet« - das ist laut Inhaltsverzeichnis der Titel eines Kapitels, das sich - so der Untertitel - mit den Betriebshöfen beschäftigen soll. Tatsächlich findet der Leser einen einfühlsamen Text über die dem Außenstehenden normalerweise verschlossene Welt der Straßenbahndepots. Auf den achtzehn Seiten des Kapitels haben aber nur 9 von 27 Fotos einen erkennbaren Bezug zu den Werkstätten. Aber auch unter dem stimmigen Titel »Schaffner, Zahlboxen und Schwarzfahrer. Die Fahrgastabfertigung« werden auf den Seiten 72, 76 und 85 Arbeitswagen sowie Depotszenen (Seiten 80, 82, 85, 86, 87, 91) geboten, die Fahrkarten und das Titelbild eines Fahrplans sind in jeweils anderen Kapiteln zu suchen. Nur zwei Bilder (Seiten 66, 79) zeigen eine Schaffnerin mit dem umgehängten Münzwechsler.

Der eklektische Charakter des Werkes wird noch dadurch unterstrichen, daß es im Buch ab Seite 92 ein Kapitel mit der sinnigen Überschrift »Vielfalt ist Trumpf. In der Stadt und übers Land« gibt, welches aber im Inhaltsverzeichnis gar nicht auftaucht! Bilder von wirklichen Überlandstrecken - etwa das herrliche Foto vom Tw 51 der Thüringerwaldbahn (Seite 75), der gerade in Reinhardsbrunn hält, oder die Bildrarität des Tw 649 und Bw 182 (Seite 32, links) auf der Überlandlinie Merseburg-Süd - Frankleben - sind wiederum in anderen Kapiteln versteckt.

Wurden den übrigen (auch dem im Inhaltsverzeichnis nicht genannten - sic!) Kapiteln stets ziemlich wahllos weitere Bildseiten zugeordnet, so muß der Abschnitt »Anfangs oft Flickwerk. Gleise und Fahrleitungen«ganz ohne weitere großformatige Bilder auskommen und umfaßt so auch nur vier Seiten. Dabei hätten sich die Abbildungen auf den Seiten 18, 73 und 80 für die Gleislage sowie vier Bilder auf den Seiten 34 und 35 für die Fahrleitungskonstruktionen angeboten. Auch das Bild des entgleisten historischen Tw 308 der LVB hätte hier hervorragend gepaßt, lesen wir doch im Bildtext: »Schuld war die miserable Gleislage ...« Warum dieses Foto nun das Kapitel »Von Aufbauwagen und Neubauten« schmückt, wird ewig ein Geheimnis der beiden glücklosen »Macher« bleiben.

Glücklicherweise titeln Wiegard und / oder Heym auf Seite 118 nur »Einige Fachbegriffe«, denn die Begriffserklärungen haben mehr rudimentären Charakter. Obwohl fast alle Bilder nur Fahrzeuge zeigen, beschränkt sich die Begriffsliste auf eine willkürlich ausgewählte Fachterminologie zu den Themen »Linienarten, Fahrausweise, Abfertigungsverfahren«. Was aber ist ein Ritzenschieber, was verbirgt sich hinter einer Ringwendeanlage (Seite 119), was versteht man unter einem »Lindner-Zug« (Seite 123) oder, last but not least, unter einem »Kletterpuffer«?

Bedauerlicherweise kann sich der Leser des fatalen Eindrucks nicht erwehren, man habe da etwas auf die Schnelle machen wollen - ein wenig Text, viele Bilder und Hauptsache farbig und in ausgezeichnetem Druck. Das einzigartige fotografische Erbe des Vollblut-Straßenbahners Wolfgang Schreiner wurde hier keinesfalls in den ihm gebührenden Rahmen gesetzt. Ein Sportreporter würde an dieser Stelle trocken vermerken: Form gewann 2:0 gegen Inhalt.

Rudolf Heym hat einem unerfindlich weisen Ratschluß folgend darauf verzichtet, auf Seite 4 als Lektor zu firmieren. »Redaktion: Rudolf Heym« heißt es da denn auch nur ganz bescheiden. Da »Rudolf Heym als verantwortlicher Redakteur der Fachzeitschrift ›Lok-Magazin‹ tätig ist« (Klappentext), können die Abonnenten dieses traditionsreichen Magazins nur darauf hoffen, daß der vor Ort tätige Redakteur Wolfram Liebscher die ärgsten Schnitzer des im weit entfernten Thüringen residierenden Rudolf Heym noch rechtzeitig vermeiden kann.

Ob GeraMond die nicht zu übersehende Verlagswerbung auf der letzten Buchseite sowie auf der hinteren Klappe wirklich hilft, dem immer offensichtlicher werdenden Qualitätsverfall der angebotenen Publikationen zu begegnen, ist zu bezweifeln. In Zeiten wachsender Käuferzurückhaltung werden besonders im Bereich der Hobbyliteratur die Gourmets die wenig wählerischen Gourmands ersetzen. Letztere, und das zeigt sich auf dem traditionell wesentlich engeren französischen Markt, setzen Klasse vor Masse.

Didier Bauzière

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