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Buchner, Mathias (Hrsg.): Die Baureihe 219. Unterwegs mit den Reichsbahn-»U-Booten« (Dumjahn-Nr. 0016339)
Dumjahn-Nr. 0016339
ISBN-10: 3882553405

Hans Wiegard:
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Mein Fazit: Hier ist zu einem akzeptablen Preis ein Buch entstanden, das nicht nur Freunde der Eisenbahnfotografie anspricht. Hier ist vielmehr ein Buch entstanden, daß es darüber hinaus durchaus mit manch teurem Baureihenband aufnehmen kann – sowohl hinsichtlich des Inhaltes als auch in Bezug auf die gestalterischen Qualitäten

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Nekrolog auf eine Ungeliebte


Buchner, Mathias (Hrsg.): Die Baureihe 219. Unterwegs mit den Reichsbahn-»U-Booten« (Eisenbahn-Bildarchiv, 1). EK-Verlag : Freiburg 2002.
- Zur Bibliographie.

Bereits im Jahre 2001 hat sich der EK-Verlag dazu entschlossen, seiner ohnehin schon reichhaltigen Produktpalette ein neues »Mitglied« hinzuzufügen – die Reihe »Eisenbahn-Bildarchiv«. Diese Buchreihe will in zwangsloser Folge bemerkenswerte Eisenbahnfahrzeuge in Wort und Bild vorstellen, wobei das Schwergewicht auf dem Bild liegt. Nun liegt der erste Band vor, welcher den Diesellokomotiven der Reichsbahn-Baureihe 119 (ab 1992 als Baureihe 219 nach dem gemeinsamen Umzeichnungsplan DR/DB bezeichnet) gewidmet ist.

Herausgeber und Verlag bieten hier ein Werk an, das zweifellos bereits historischen Wert besitzt, denn Ende 2002 sind die letzten »U-Boote«, wie die Loks wegen ihrer Bullaugen ähnlichen Maschinenraumfenster seit ihrem Erscheinen von Eisenbahnfreunden, Betriebseisenbahnern und sogar Lokführern nur genannt wurden, von den Strecken der vereinigten Deutschen Bahn verschwunden. Die Baureihe 119 (alias 219) war Zeit ihrer Existenz ein ungeliebtes Kind, denn die Deutsche Reichsbahn beschaffte sie ab 1977 der Not, aber nicht dem eigenen Trieb gehorchend. Konstruktiv abgeleitet von der sehr gelungenen Baureihe 118.2-4, sollte sie ab Mitte der siebziger Jahre dazu beitragen, den mittelschweren und schweren Zugdienst im Leistungsbereich bis zu 2700 PS auf nicht elektrifizierten Strecken spürbar besser als bisher zu bewältigen.

Doch Lokomotiven mit einer installierten Leistung von über 2000 PS durfte die DDR auf Grund von RGW-»Empfehlungen« nicht mehr bauen, und das Werk, welches die Baureihe 118 C’C’ entwickelt und gefertigt hatte – LKM Babelsberg – war von den ostdeutschen Wirtschaftslenkern dem Kombinat Luft- und Kältetechnik angegliedert worden. So blieb der DR nichts weiter übrig, als den Auftrag für Entwicklung und Bau nach Rumänien zu vergeben. Damit war das Fiasko vorprogrammiert, denn der rumänische Hersteller verfügte weder über optimale technische und technologische Voraussetzungen für die Lieferung der Maschinen, noch war er in der Lage, Qualitätsarbeit zu leisten. Die Quittung waren massenhafte Ausfälle von Loks bereits kurz nach ihrer Indienststellung. Dennoch beschaffte die DR von 1977 bis 1985 insgesamt 200 Maschinen – 70 weniger als ursprünglich vorgesehen, wobei die ersten Loks bereits ihren Weg auf den Schrottplatz angetreten hatten, als die letzten geliefert wurden. Notwendige Maßnahmen wie der Austausch der MTU-Lizenz-Motoren gegen Motoren aus DDR-Produktion oder der Ersatz der Strömungsgetriebe durch solche mit günstigeren Kenndaten sollten die Loks bahnfest machen. Trotzdem blieb die Ausfallquote erschreckend hoch. Mehr als die Hälfte der Maschinen stand mitunter auf dem Abstellgleis und wartete auf Reparatur anstatt Dienst zu verrichten.

All diese Fakten findet der Leser im Textteil, dem die Verfasser die ironisch-humorvolle Überschrift »Die Baureihen 119/219 und 229 – kein kurzer Rückblick« gegeben haben in angemessener Ausführlichkeit wieder. Ja noch mehr: Der Umbau von 20 Loks in die Baureihe 229 und der nach kurzer Zeit abgebrochene Einsatz dieser Maschinen vor IC-Zügen sind ebenso wenig vergessen wie letzte Bemühungen zur Betriebsertüchtigung der im Originalzustand bei der DB AG verbliebenen 219er oder auch die leider nicht mehr mit letzter Konsequenz verfolgten Remotorisierungs-Pläne. Für den kurzweiligen Text, der einen nahezu vollständigen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Baureihe 119/219 und ihren Einsatz im Betriebsdienst bietet, zeichnet neben Mathias Buchner vor allem Thomas Frister verantwortlich, der bereits in den siebziger Jahren durch manche Veröffentlichung in der DDR-Zeitschrift » Der Modelleisenbahner« hervor getreten und heute Verantwortlicher Redakteur des »Eisenbahn-Kurier« ist. Ob noch weitere Autoren zur Abfassung beigetragen haben, geht aus dem Impressum des Buches nicht hervor.

Widmen wir uns nun dem Wichtigsten in diesem Band zu, den Bildern! Mathias Buchner hat aus dem reichen Fundus vorhandener Fotos 140 Farbaufnahmen ausgewählt, die von bekannten und weniger bekannten Fotografen stammen. Einige Aufnahmen hat der Herausgeber des Bildbandes selbst beigesteuert. Fast alle Fotos sind von ansprechender, wenn nicht gar überdurchschnittlicher Qualität. Wenige Bilder fallen etwas gegenüber den anderen ab, was aber zum Teil drucktechnisch bedingt sein mag und auf alle Fälle verzeihlich ist.

Denn keine der Fotografien kann heute noch in gleicher oder zumindest ähnlicher Form nachgestaltet werden, und niemand wird jemals wieder dazu in der Lage sein – ganz einfach, weil es die Loks der Baureihe 119/219, abgesehen von einigen Exemplaren, die noch in Erwartung der Verschrottung auf Abstellgleisen vor sich hin dämmern oder inzwischen bei NE-Bahnen Dienst tun, nicht mehr gibt. Aber Dank der Bilder wird für den Betrachter die Zeit, in der die »U-Boote« von den Gleisen der Deutschen Reichsbahn und später der Deutschen Bahn AG nicht wegzudenken waren, wieder lebendig. Beinahe alles, was ablichtenswert war, ist in dem EK-Bildband wieder zu finden. Dazu gehören die unterschiedlichen Bauformen der Baureihe 119/219 – angefangen von den Prototypen bis hin zu den beiden Varianten der Serienausführung (kenntlich am in der Dachhaube oder unter den Stirnfenstern angeordneten dritten Spitzenlicht) ebenso wie die Umbauloks der Baureihe 229.

Und es gibt wohl keine Lackierungsvariante, die nicht berücksichtigt worden wäre. Denn abgebildet sind sowohl Maschinen mit grauem als auch mit schwarzem Rahmen, mit DR-rotem, orientrotem und verkehrsrotem Lokkasten, mit seitlichen Zierstreifen, mit »Sparlackierung«, mit DB-»Lätzchen« unterschiedlicher Ausführung. Zudem bieten die Bildmotive einen recht guten Überblick über den Einsatz der Loks. Zu sehen sind Maschinen vor Schnellzügen und vor Zügen des Nahverkehrs, bei Tage und bei Nacht. Selbstverständlich fehlen auch die unvermeidlichen Fotos nicht, die die Loks in ihren Heimat-Bahnbetriebswerken zeigen. Wer es nicht anders weiß, ist angesichts letzterer Bilder fast geneigt zu glauben, die Baureihe 119/219 habe zu den »Starloks« der Deutschen Reichsbahn gehört. Etwas stiefmütterlich kommt dagegen – weshalb auch immer – der Einsatz der Maschinen im Güterzugdienst weg. Ganze vier Fotos zeigen 119er/219er vor Güterzügen, eines davon eine zur Mitteldeutschen Eisenbahn abgewanderte Lok. Breit gefächert ist die Palette der Aufnahmeorte, an denen die veröffentlichten Bilder entstanden sind. Vom Thüringer Wald bis zum Allgäu, von Mecklenburg und Brandenburg bis Sachsen sind die Fotografen den Spuren der »U-Boote« gefolgt, und sogar in Polen und in der Tschechoslowakei ist es ihnen gelungen, die Maschinen vor das Kameraobjektiv zu bekommen. Informative Bildunterschriften unterstützen wirkungsvoll die Aussage der Fotos.

Notfalls hätten Herausgeber und Verlag auch auf den einleitenden Textteil verzichten können, bieten doch bereits die Bilder in Verbindung mit den zugehörigen Unterschriften einen eigenständigen und guten Überblick der gewählten Thematik. Mein Fazit: Hier ist zu einem akzeptablen Preis ein Buch entstanden, das nicht nur Freunde der Eisenbahnfotografie anspricht. Hier ist vielmehr ein Buch entstanden, daß es darüber hinaus durchaus mit manch teurem Baureihenband aufnehmen kann – sowohl hinsichtlich des Inhaltes als auch in Bezug auf die gestalterischen Qualitäten.

Hans Wiegard

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