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Zoeller, Hans-Joachim: Handbuch der ESTW-Funktionen. Die Sicherungsebene im Elektronischen Stellwerk (Dumjahn-Nr. 0016639)
Dumjahn-Nr. 0016639 
ISBN-10: 387814802X

Stefan Schaarschmidt:
»Als inzwischen in der Infrastrukturplanung tätiger, ehemaliger Betriebseisenbahner habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen und kann es jedem weitempfehlen, der sich eingehender mit der Materie beschäftigen will oder muß«, so das Fazit des Rezensenten in einer E-Mail, mit der derText übermittelt wurde.

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
ESTW-Funktionen:
»
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und kann es weiterempfehlen!«

Zoeller, Hans-Joachim: Handbuch der ESTW-Funktionen. Die Sicherungsebene im Elektronischen Stellwerk (Edition Signal + Draht). Tetzlaff Verlag : Hamburg 2002. - Zur Bibliographie.

Um eines sofort herauszustellen: Das »Handbuch der ESTW-Funktionen« ist nichts für Liebhaber fröhlich-bunter Eisenbahnfotos, endlos langer Ausmusterungslisten von Triebfahrzeugen und netter Plaudergeschichten aus der weiten Welt des Schienenstrangs. Die Zielgruppe bilden vielmehr Signalingenieure in Ausbildung, Mitarbeiter von Signalbaufirmen und des Eisenbahn-Bundesamtes sowie anerkannte Sachverständige. Das klingt nach schwer im Magen liegender Kost, denn wer erwartet da nicht einen Wust technischer Spezialbegriffe und jede Menge Fachchinesisch, bei dem der »einfach nur Interessierte« nach zwei Absätzen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleibt?

In der Tat bewegt sich das Buch auf hohem fachspezifischem Niveau. Allerdings gilt: Für den Leser, der mit den wesentlichen Bestimmungen von Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung, Eisenbahnsignalordnung und Fahrdienstvorschrift sowie den Grundlagen der Stellwerkstechnik halbwegs vertraut ist, der mit offenen Augen Bahn fährt und auch gerne mal im Bahnhof oder an der Strecke steht und schaut, hält das Handbuch jede Menge Informationen bereit, ohne ihn zu überfordern.

Das »Handbuch der ESTW-Funktionen« ist ausdrücklich keine allgemeine Einführung in die ESTW-Technik und auch keine »Bedienungsanleitung« für den Fahrdienstleiter: Bezüglich der Anzeigen für den Bediener und die betrieblichen Maßnahmen, die dieser im Falle von Unregelmäßigkeiten zu treffen hat, wird auf die innerbetrieblichen Vorschriften verwiesen. 

Vielmehr sollen die Regeln zur Integration der ESTW-Funktionen auf Grundlage der Planungsdaten (gemäß vorhandener Infrastruktur und betrieblicher Erfordernisse) einerseits und der maßgebenden Verordnungen und Richtlinien andererseits dargestellt werden. Es handelt sich somit um eine zusammenfassende Beschreibung aller Funktionen der Sicherungstechnik, die zurzeit im ESTW zur Anwendung kommen können (aber nicht zwangsläufig müssen). Auf sechs Kapitel verteilt findet der interessierte Leser Erläuterungen zu 100 »Funktionsregeln«.

Um zu zeigen, daß diese Funktionsregeln auch für den Nichttechniker logisch begründbar und nachvollziehbar sind, sei die Regel 12 genannt, die sinngemäß lautet: »Das Vorsignal am Mast eines Hauptsignals zeigt nur einen Begriff, wenn das Hauptsignal am gleichen Mast einen Fahrtbegriff zeigt und wenn für die eingestellte Zugstraße ein zugehöriges Hauptsignal folgt, für das das Vorsignal am Mast des Hauptsignals einen Begriff ankündigen soll; sonst ist es dunkel.« Das mag kompliziert klingen, umschreibt aber letztlich eine Beobachtung, die man an fast allen H/V-Einfahr(licht)signalen machen und auch ohne Studium verstehen kann. 

Beispiel Regel 2, in der es unter anderem heißt: »Die Umstellung der Weiche in die Sollage erfolgt, wenn (...) die Weiche in der ‚NICHT-Sollage‘ nicht verschlossen und nicht gesperrt ist (und) die Weiche ‚frei‘ ist.« Eine einleuchtende Funktionsregel, die keineswegs für die ESTW-Technik erfunden, sondern über Generationen von Fahrdienstleitern beziehungsweise Weichenwärtern befolgt wurde und die das Umstellen einer Weiche unter dem Fahrzeug oder in einer gesicherten Fahrstraße vermeiden soll.

Im einzelnen unterteilen sich die Kapitel nach »Kernfunktionen der Zugstraßensicherung« (Regeln 1 – 16; grundlegende Stellwerksfunktionen, prinzipiell schon vor über hundert Jahren in der mechanischen Technik angewandt) und »Standardfunktionen« (Regeln 17 – 62; zum großen Teil bereits in der Relaistechnik verwirklicht, etwa in Form des Selbststellbetriebs, der Wahl verschiedener Durchrutschwege oder der vielfach möglichen Hilfshandlungen). In weiteren Kapiteln werden die Streckenblocksicherung (Regeln 63 – 74), die Sicherung von Rangierstraßen (Regeln 75 – 83) sowie die Abhängigkeiten zwischen Zugstraßen- und Bahnübergangssicherung eingehend erläutert (Regeln 84 – 100).

So manche Frage, die sich der eine oder andere Streckenwanderer sicher schon gestellt hat, wird hier beantwortet: Wann kommt ein Zentralblocksignal in Fahrtstellung? Warum sind Vollschranken grundsätzlich signalabhängig zu gestalten und was muß geschehen, bevor das deckende Signal auf Fahrt kommt? Wie kann es vorkommen, daß Einfahrten in durchgehende Hauptgleise bisweilen mit »Langsamfahrt« signalisiert werden? Ferner finden sich im Text zahlreiche Definitionen und Erläuterungen zu wichtigen Begrifflichkeiten und Zusammenhängen sowie der eine oder andere Exkurs in die Entstehungsgeschichte bestimmter Funktionen.

Wertvolle (und insbesondere für den Laien wichtige) Informationen bietet der Anhang 1, das »ABC der verwendeten Abkürzungen und Begriffe«: Die umfassende Zusammenstellung der elementaren Stichwörter der Stellwerkstechnik mit teilweise sehr ausführlichen Erklärungen eignet sich sehr gut zum Nachschlagen. Ein Teil der 100 Funktionsregeln findet im Anhang 3 Ergänzung in Form von 54 beispielhaften Skizzen und drei Tabellen, wobei man darüber streiten kann, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die entsprechenden Abbildungen im Textteil anzuordnen: Der Autor könnte sich den jeweiligen Verweis auf den Anhang und dem Leser die Sucherei nach der entsprechenden Seite ersparen.

Für die eingangs erwähnten Prototypen bestimmter Gruppen von Eisenbahnfreunden ist dieses Buch nicht geeignet, da es für das gemütliche und unverbindliche Schmökern am regnerischen Wochenende schlichtweg zu anspruchsvoll ist. Zwar sind Stellwerkstechnik, betriebliche Regelwerke und die übergeordneten Verordnungen auch für den Nichteisenbahner kein Buch mit sieben Siegeln; es bedarf jedoch eines gewissen Interesses und einiger Vorkenntnisse der einschlägigen Richtlinien, um die Zusammenhänge und somit die in den 100 Funktionsregeln steckende Logik zu durchschauen.

Das »Handbuch der ESTW-Funktionen« ist nichts fürs Auge (abgesehen von der Abbildung auf dem Titel wurde auf Fotos verzichtet), sondern für den Geist.

Daher: Empfehlenswert für alle, die nicht nur das blinkende Ks-Vorsignal sehen, sondern auch wissen wollen, wer es wann warum auf welche Weise wie lange zum Blinken bringt.

Stefan Schaarschmidt

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