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Rüden, Ferdinand von: Endstation Schrottplatz. Ein Streifzug vom Abstellplatz zum Alteisen (Dumjahn-Nr. 0015694)
Dumjahn-Nr. 0015694
ISBN-10: 3882552794

Hans Wiegard:
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Sicherlich wird der Band einen, wenn auch beschränkten Käuferkreis finden. Die Mehrzahl der Eisenbahnfreunde und Sammler von guter Sachliteratur dürfte aber mit Recht auf einen Erwerb verzichten – auch in Anbetracht des für ein derartiges Werk recht hohen Preises

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Schrottlieb läßt grüßen
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Rüden, Ferdinand von: Endstation Schrottplatz. Ein Streifzug vom Abstellplatz zum Alteisen. EK-Verlag : Freiburg 2002. - Zur Bibliographie.

Kennen Sie schon Schrottlieb? Nein? Nun, dann werden Sie bald seine Bekanntschaft machen – zumindest dann, wenn Sie zu Ferdinand von Rüdens Buch »Endstation Schrottplatz« greifen, das im Frühjahr 2002 im EK-Verlag erschienen ist. Mit Verlaub, nur wenigen Lesern aus den alten Bundesländern dürfte Schrottlieb ein Begriff sein. Um so mehr wird die Nennung dieses Namens bei Konsumenten von Literatur jeglicher Art, die in den neuen Bundesländern groß geworden sind, und hier vor allem bei den älteren Jahrgängen, ein Aha-Erlebnis hervorrufen.

Denn der Schrottlieb war eine von wenigen Comic-Figuren, welche mehr oder weniger von der Obrigkeit geduldet, durch die Zeitungen und Zeitschriften der untergegangenen DDR geisterten – freilich nur bis zum Beginn der achtziger Jahre. Im Gegensatz zum guten Max, der stets Schrott brauchte, um ihn letzten Endes wieder einer sinnvollen Verwendung zuzuführen (Recycling heißt das auf Neudeutsch), war Schrottlieb ein Bösewicht. Alles, aber auch alles verwandelte er in alten Plunder – mochte sich darunter auch noch so manch brauchbarer oder gar sehr wertvoller Gegenstand befinden.

Nun ist dem Autor und Herausgeber Ferdinand von Rüden nicht unbedingt eine umfassende und tiefgründige Kenntnis der in der DDR herrschenden Verhältnisse zu unterstellen. Aber den Schrottlieb hat er – gewollt oder ungewollt – wieder zum Leben erweckt. Denn in seinem großformatigen Buch beschäftigt er sich zusammen mit seinen Mitautoren nur mit einem einzigen Thema – Schrott, speziell Lokschrott!

In insgesamt 13 Kapiteln wird der Weg einst hoch begehrter und angesehener DB- und DR-Triebfahrzeuge von der Ausmusterung bis zu dem Zeitpunkt verfolgt, da nur noch ein Häufchen alten Eisens an ihre einstige Existenz erinnert. Nichts, aber auch gar nichts wird ausgespart – weder was die teilweise recht unterschiedlichen Gründe für die Außerdienststellung von Lokomotiven und Triebwagen anbelangt, noch was die einzelnen Schritte des Sterbens dieser Zeugnisse menschlicher Schöpferkraft betrifft. Ein besonderes Kapitel ist den Unfall-Lokomotiven, bei denen es mitunter Jahre dauert, ehe die verantwortlichen Bahndienststellen eine Entscheidung über ihre Wiederaufarbeitung oder ihre Verschrottung treffen – letztlich durchaus vergleichbar mit der »Daumen nach oben«- oder »Daumen nach unten«-Geste, mittels der die Herrscher im alten Rom über Wohl und Wehe ihrer Gladiatoren bestimmten – gewidmet. Das Schlußkapitel trägt schließlich die Überschrift »Kuriositäten – bleibender Charme des Morbiden«.

Kurios ist nach Ansicht der Verfasser (die der Leser nicht unbedingt teilen muß) vor allem die Tatsache, daß manche Loks kurz bevor sie auch bis zur letzten Schraube zerlegt sind, sich demjenigen, der ihrer ansichtig wird, als bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Monster darbieten. Worin allerdings der Charme des Morbiden bestehen soll, bleibt unklar – auch wenn das betreffende Kapitel die Aufnahme einer abgestellten Lok mit ausgebautem Schleppradsatz und ein weiteres Foto einer Maschine mit schief sitzendem Führerhaus enthält. Doch bleiben wir beim Wort »morbid«: Es scheint in einer Hinsicht durchaus trefflich gewählt – nämlich in Bezug auf den gesamten Inhalt des Buches.

Der Textteil versucht zwar, einen gewissen Hauch von Optimismus zu vermitteln; aber die diesbezüglichen Bemühungen der Autoren wirken leicht gekünstelt. Und welcher Eisenbahnfreund möchte sich angesichts seines Wissens um die Vergänglichkeit alles Irdischen wirklich in allen Details mit der Verschrottung von Fahrzeugen befassen oder diesen Prozeß auch nur in den Vordergrund seines Hobbys stellen?

Nicht um der Verdrängung willen wird er das vermeiden, sondern deshalb, weil es wesentlich Wichtigeres gibt. Der Rezensent ist sich durchaus der Tatsache bewußt, daß dessen ungeachtet Menschen existieren, die als Nonplusultra ihrer Freizeitgestaltung die Beschäftigung mit zerstörten Gegenständen ansehen. Sie durchforsten buchstäblich die Schrott- und Abfallplätze, sie bewahren daheim Schrotteile auf und wenn sie Fotos sammeln, dann sind das fast ausnahmslos Bilder von nicht mehr brauchbaren Gegenständen. Aber solche Menschen sind – glücklicherweise – in der Minderzahl.

Natürlich sind auch in technikgeschichtlich ausgerichteten Büchern und Zeitschriften Abbildungen verunfallter oder teilweise verschrotteter Fahrzeuge zu finden, jedoch nicht als Selbstzweck, sondern fast stets, um ein bestimmtes Ereignis in Bildform zu dokumentieren. Wenn jedoch, wie im vorliegenden Fall, ein recht umfangreiches Buch dem Leser fast ausschließlich Schrottlokomotiven in allen Stadien ihrer Zerlegung zeigt, dann sind die Grenzen des guten Geschmacks wohl erreicht, wenn nicht gar überschritten.

Zur Illustration seines Buches hat Ferdinand von Rüden eine Vielzahl von Bildern bekannter Eisenbahnfotografen ausgewählt. 62 Fotos – ein knappes Drittel – stammen vom Herausgeber selbst. Gewiß, in technischer Hinsicht lassen die Bilder kaum Wünsche offen, gleichgültig ob es sich um Schwarzweißfotos oder um Farbaufnahmen handelt. Aber die Motive sind recht eintönig und lassen sich im Wesentlichen lediglich drei Gruppen zuordnen: schrottreife Lokomotiven und Triebwagen auf dem Abstellgleis, auf der Fahrt zum Zerlegungsort und während der Verschrottung.

Nicht ganz zu Unrecht darf wohl angenommen werden, daß das Buch »Endstation Schrottplatz« hauptsächlich entstanden ist, um Fotos, die in anderen Publikationen keinen Platz fanden, veröffentlichen zu können. 

Sicherlich wird der Band einen, wenn auch beschränkten Käuferkreis finden. Die Mehrzahl der Eisenbahnfreunde und Sammler von guter Sachliteratur dürfte aber mit Recht auf einen Erwerb verzichten – auch in Anbetracht des für ein derartiges Werk recht hohen Preises.

Hans Wiegard

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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