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Höltge, Dieter: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland: Band 8: Schleswig-Holstein (Dumjahn-Nr. 0015931)
Dumjahn-Nr. 0015931
ISBN-10: 3882553391

Hans Wiegard:
»
Seine selbstgewählte Aufgabe hat der Verfasser mit Bravour bewältigt und ein Werk geschaffen, das dem Leser das Werden und Vergehen der Nahverkehrsbetriebe im nördlichsten Teil Deutschlands in beinahe allen Einzelheiten vor Augen führt. Um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist ein wahres Kleinod ...«

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Ein wahres Kleinod

Höltge, Dieter: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland.
Band 8: Schleswig-Holstein. EK-Verlag : Freiburg 2002. -
Zur Bibliographie.

Mit dem Band 8 der Reihe »Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland« hat der EK-Verlag nunmehr einen weiteren Teil von Dieter Höltges Lebenswerk vorgelegt. Der Autor, der sich bereits seit über drei Jahrzehnten mit der Geschichte deutscher Straßenbahnbetriebe befaßt und über sie publiziert, beschreibt in diesem Band die Straßenbahnbetriebe im heutigen Bundesland Schleswig-Holstein. Schon allein die Tatsache, daß sich Dieter Höltge an die Bewältigung dieser Thematik gewagt hat, verdient höchste Anerkennung. Denn zum Leidwesen wohl nicht nur der Straßenbahnfreunde existiert in der Gegenwart kein einziger der dem Leser liebevoll in Wort und Bild nahegebrachten Betriebe mehr. Wirtschaftliche Zwänge und eine zum Teil verfehlte Verkehrspolitik haben ihren Tribut gefordert.

Daher ist Höltges neuestes Straßenbahnbuch zu einem historischen Rückblick geworden, der letztlich zu der wehmütigen Feststellung verleitet: So wird es niemals mehr sein. Seine selbstgewählte Aufgabe hat der Verfasser mit Bravour bewältigt und ein Werk geschaffen, das dem Leser das Werden und Vergehen der Nahverkehrsbetriebe im nördlichsten Teil Deutschlands in beinahe allen Einzelheiten vor Augen führt. Um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist ein wahres Kleinod und wenn nicht der bisherige Höhepunkt, so zumindest doch einer der besten Bände aus der Reihe »Straßen- und Stadtbahnen«.

Dabei dürften sich gerade für diese Veröffentlichung die Sichtung und Aufbereitung von Archivalien sowie die Beschaffung geeigneter Fotos als besonders schwierig erwiesen haben – trotz der Zuarbeiten von Straßenbahnfreunden und Sammlern aus Lübeck und Kiel, die der Autor im Vorwort seines Buches ausdrücklich würdigt. Ebenso mag es hinsichtlich der verwendeten Sekundärliteratur gewesen sein. Denn abgesehen von recht guten Publikationen über die größeren Betriebe wie die 1959 eingestellte Lübecker Straßenbahn oder die Kieler Straßenbahn, die immerhin noch bis 1985 überlebte, bot die bisherige Sachliteratur nur relativ wenige brauchbare und mitunter durchaus in Zweifel zu ziehende Ansatzpunkte. Gerade deshalb verdient Dieter Höltges Buch wohl zu Recht das Prädikat »rundum gelungen«.

Dem tut auch die Tatsache keinen Abbruch, daß der Verfasser in der Einleitung versehentlich schreibt, in Lübeck habe es zeitweilig Obusse gegeben. Noch auf derselben Seite korrigiert der Autor seinen Irrtum und nennt stattdessen richtig Flensburg. Doch derartige Fehler – das weiß der Rezensent aus eigener Erfahrung – können jedem Verfasser unterlaufen, weil sie selbst bei gewissenhaftester Korrektur des Manuskripts fast stets überlesen werden. In sieben im wesentlichen einheitlich gegliederten Kapiteln behandelt Dieter Höltge die Geschichte der Verkehrsbetriebe.

Jedes Kapitel enthält eine mehr oder weniger umfangreiche, stets aber informative und nie langweilig wirkende Betriebschronik, ergänzt durch statistische Angaben zu Eröffnung, Einstellung, Spurweite und zum Fahrzeugpark. Nicht zu vergessen sind auch die akkuraten Netzpläne und die mit kurzen, aussagekräftigen Bildunterschriften versehenen Schwarzweißfotos, die den Text wirkungsvoll illustrieren und ergänzen. Wer sich mit einzelnen Themenbereichen noch eingehender beschäftigen oder selbst recherchieren möchte, findet darüber hinaus Angaben zu weiterführender Literatur.

Der Bogen der Darstellung spannt sich von der Amruner Inselbahn über die Flensburger, Kieler, Lübecker und Schleswiger Straßenbahn bis zu den Bahnen auf Sylt und zur Uetersener Eisenbahn. Obgleich der EK-Verlag noch im Jahre 2003 zur letztgenannten Bahn innerhalb der Reihe »Regionale Verkehrsgeschichte« eine gesonderte Publikation herausbringen will, erhält derjenige Leser, der knappe, aber dennoch aussagekräftige Informationen bevorzugt, auch über dieses in der Eisenbahnliteratur oft nur beiläufig erwähnte Verkehrsunternehmen dank Höltges Buch einen sehr guten Überblick.

Ein abschließendes Kapitel ist schließlich dem Straßenbahnmuseum in Schöneberger Strand und den Bemühungen des dort ansässigen Vereins um die Erhaltung wertvoller Straßenbahnfahrzeuge und um die Verwirklichung eines attraktiven Traditionsbetriebs mit den historischen Wagen gewidmet. Manchem Leser aus der Gemeinde der »reinen« Straßenbahnfans mag es befremdlich vorkommen, daß Dieter Höltge in seinem Buch auch Bahnen behandelt, die so ganz und gar nicht dem gewohnten Bild von einer Straßenbahn entsprachen, etwa die Sylter Inselbahnen, die Uetersener Eisenbahn oder die Amruner Inselbahn. Doch der Autor tut das mit vollem Recht und im Interesse einer historisch korrekten Darstellung. Vergessen wir nicht: Einige der beschriebenen Unternehmen waren ursprünglich als Straßenbahn konzessioniert, und andere hatten zwar nicht den rechtlichen Status eines Straßenbahnbetriebes, setzten aber zumindest zeitweilig Straßenbahnfahrzeuge auf ihren Strecken ein.

Und beachten wir dabei auch eine weitere, leider allzu oft vergessene Tatsache: Eine saubere Trennung von Straßenbahn und Kleinbahn gab es in Deutschland erst seit Anfang 1938, dem Zeitpunkt nämlich, als die erste BO Strab (Bau- und Betriebsordnung für Straßenbahnen) in Kraft trat. Vorher galt in Preußen – zu dem ja Schleswig-Holstein bis 1945 gehörte – das Kleinbahngesetz von 1892 für all jene Unternehmen, die Schienenverkehrsmittel betrieben, welche nicht als Haupt- oder Nebenbahn eingeordnet werden konnten, mochten sie nun mit Dampf, flüssigen Kraftstoffen oder Elektrizität betrieben werden. Die aus drei ehemals selbständigen Kleinbahnen entstandene Sylter Verkehrs-GmbH wurde gar erst 1959 rechtlich in einen Straßenbahnbetrieb umgewandelt, ohne indessen ihren Eisenbahncharakter zu verlieren.

Daß Dieter Höltge in seinem neuen Buch in bewährter Weise auch den Obus behandelt – hier die Obusbetriebe in Flensburg und Kiel – hat ebenfalls seine Berechtigung. Wo anders als in einem Straßenbahnbuch könnte der elektrische Oberleitungsbus seinen Platz finden? Schließlich ist er der legitime jüngere Bruder der Straßenbahn und unterscheidet sich im Grunde nur dadurch von ihr, daß er nicht auf Schienen verkehrt, sondern das Straßenplanum benutzt. Sicherlich werden die »Obusfeinde« unter den Straßenbahnfans wie üblich argumentieren, der für den Obus benötigte Platz wäre besser für weitere Straßenbahnfotos verwendet worden, doch Querelen dieser und ähnlicher Art sind wahrlich fehl am Platze.

Ganz an den Schluß seines Buches hat Dieter Höltge einen Farbteil gestellt. Die Farbfotos sind überwiegend jüngeren Datums; doch ist es dem Verfasser auch gelungen, eine farbige Aufnahme von der Amruner Inselbahn aus dem Jahre 1905 aufzutreiben – freilich kein echtes Farbfoto (das wäre auch unmöglich gewesen, weil es den Farbfilm ja erst seit Mitte der 1930er Jahre gibt), sondern eine kolorierte Schwarzweißpostkarte. Was für die den einzelnen Kapiteln zugeordneten Schwarzweißaufnahmen gilt, trifft auch für die Farbbilder am Ende des Buches zu: Sie sind durchweg in technisch guter Qualität wiedergegeben; die Bildunterschriften sind kurz, aber dennoch aussagekräftig.

Im ganzen ist der Band 8 der Reihe »Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland« eine Fundgrube nicht nur für Freunde der Straßenbahn und des sonstigen öffentlichen Nahverkehrs, sondern er kann auch denjenigen Lesern, die mehr das Hobby Eisenbahn pflegen, wärmstens empfohlen werden. Das Buch ist zwar nicht ganz billig, aber angesichts der gebotenen Fülle von Informationen und der ansprechenden Aufmachung des Werkes ist der Verkaufspreis durchaus angemessen. Dem Rezensenten bleibt nur zu hoffen, daß Dieter Höltge genügend Kraft für die Fortsetzung seines erfolgreichen Schaffens aufbringt und dem vorliegenden Band, wie bereits im Vorwort angekündigt, weitere Bücher in gleicher Qualität folgen läßt.

Hans Wiegard

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