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Lucas, Volker; Schnabel, Heinz: Die Baureihe 01 5. Die legendäre Reko-01 der Deutschen Reichsbahn (Dumjahn-Nr. 0016344)
Dumjahn-Nr. 0016344
ISBN-10: 3882551135
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Hans Wiegard:
»
In Anbetracht der Tatsache, daß das EK-Buch »Die Baureihe 01.5« insgesamt gesehen beinahe eben so viele Mängel wie Vorzüge aufweist, fällt es nicht leicht, die Frage kaufen oder nicht kaufen mit einem eindeutigen Ja oder Nein zu beantworten.

Wer sich zum ersten Mal eingehender mit dem Thema Reko-01 der Deutschen Reichsbahn beschäftigt, findet in dem Baureihenband eine Fülle von Informationen und kann sicherlich die vielen Druckfehler verschmerzen. Wem es mehr auf gute Fotos ankommt, der könnte ebenfalls in Erwägung ziehen, dieses Buch zu erwerben.«

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Krönender Abschluß des
deutschen Lokomotivbaus


Lucas, Volker; Schnabel, Heinz: Die Baureihe 01.5. Die legendäre Reko-01 der Deutschen Reichsbahn. EK-Verlag : Freiburg 2002. - Zur Bibliographie.

In den Jahren 1962 bis 1965 entstanden im Rahmen des großen Rekonstruktions-Programms für Dampflokomotiven der Deutschen Reichsbahn in der DDR 35 Exemplare der Baureihe 01.5. Diese Maschinen unterschieden sich von ihrem Ausgangstyp, der 01-Einheitslok nicht nur durch die Anwendung moderner Baugrundsätze und eine deutlich höhere Leistung, sondern auch durch eine völlig veränderte Architektur, die Gestaltungsprinzipien des deutschen, österreichischen und nordamerikanischen Lokomotivbaus auf das Glücklichste miteinander vereinte.

Die rekonstruierten 01-Loks, gleichgültig ob in der mit Kohle oder mit Öl gefeuerten Ausführung, waren bis Anfang der 1980er Jahre im schweren Schnellzugdienst bei der DR unentbehrlich. Zahlreiche Fachleute und Eisenbahnfreunde sahen (und sehen auch heute noch) die Baureihe 01.5 nicht ganz zu Unrecht als krönenden Abschluß des Dampflokomotivbaus in Deutschland an. Mag auch diesbezüglich dieser oder jener anderer Meinung sein – unbestreitbar bleibt auf jeden Fall, daß die Reko-01 der DR den leistungsfähigsten Kessel besaß, der jemals für eine deutsche Dampflok-Baureihe entworfen wurde. Nach dem Ausscheiden der Baureihe 01.5 aus dem Betriebsdienst gelangten nach und nach immerhin fünf Loks als Museumsstücke zu neuen Ehren.

Mit seinem im Herbst 2002 erschienenen Baureihenbuch möchte der EK-Verlag einer der zweifellos besten deutschen Dampflokkonstruktionen ein würdiges Denkmal setzen. Dieses Vorhaben scheint auf den ersten Blick auch gelungen – allein schon durch die Tatsache, daß außer Heinz Schnabel und Volker Lukas weitere namhafte Autoren wie Hans Müller, Hansjürgen Wenzel und Thomas Frister an der Abfassung des Textes beteiligt waren. So ist eine Darstellung entstanden, deren Bogen sich von der Entstehungsgeschichte der Reko-01 über ihre betriebsdienstliche Bewährung bis zum unvermeidlichen Ende der Loks spannt und nur wenige Fragen offen läßt.

Am Anfang des Buches steht – wie könnte es anders sein – ein kurze, aber dennoch informative und detailreiche Abhandlung über die 01-Einheitslok aus dem Typenprogramm der DRG von 1925. Daran schließt sich die ausführliche Darlegung der für die Rekonstruktion maßgeblichen Gesichtspunkte, des Verlaufs der Rekonstruktion und der konstruktiven Merkmale und Besonderheiten der Rekolok an. Notwendige Änderungen an den Maschinen noch während der Erprobungsphase und später im Verlaufe des Betriebseinsatzes sowie der Umbau von 28 Loks auf Ölhauptfeuerung sind genau so akribisch behandelt wie die damit verbundenen Probleme und das Ringen um die jeweils beste Lösung.

Dem Fehlschlag mit den bei zwölf Loks zeitweise eingebauten Boxpok-Radsätzen haben die Verfasser mit Recht ebenso ein eigenes Kapitel gewidmet wie den tragischen Ereignissen vom 27. November 1977, in deren Verlauf der Kessel der Lok 01 516 zerknallte und sieben Menschen getötet sowie 59 schwer verletzt wurden. Dem Leserkreis von EK-Publikationen bestens vertraut ist die gewohnt detaillierte Behandlung der Beheimatung der Loks in den Bahnbetriebswerken, ihres Einsatzes und ihrer Verwendung im Betriebsmaschinendienst.

Spezielle Kapitel befassen sich mit dem späteren Umbau einiger Loks zu Heizlokomotiven und Dampfspendern sowie mit den Unfällen, von denen die 01.5 – wie Maschinen anderer Baureihen auch – nicht verschont blieben. Ein besonderes »Schmankerl« für so manchen Eisenbahnfreund sind ohne Zweifel die Erlebnisberichte von Lokführern, die Dienst auf den Rekoloks leisteten, und von Reisenden, die den imposanten Loks mal mehr, mal weniger zufällig begegneten.

Ausführlich wird schließlich die Geschichte der fünf Museumsloks abgehandelt, und den Schluß des Textteils bilden die »Lebensläufe« aller 35 Maschinen in Gestalt von mit kurzen Kommentaren versehenen Betriebsbuchauszügen. In den Text sind zahlreiche Auszüge aus Originaldokumenten eingestreut, die der Darstellung Authentizität verleihen. Keine Wünsche läßt die Ausstattung des Buches mit Fotografien offen. Sicherlich an erster Stelle sind die hervorragenden Fotos der ehemaligen Fotografin der Versuchs- und Entwicklungsanstalt (VES-M) der DR in Halle, Ruth Pellicioni (Fachleuten und Hobby-Eisenbahnern besser unter ihrem früheren Namen Niebergall bekannt), zu nennen.

Aber auch die Bilder, die andere Autoren beigesteuert haben, sind von bestechender Qualität und vermitteln Dampflok-Atmosphäre pur. Zum positiven Eindruck tragen endlich auch die vielen akkuraten Zeichnungen (überwiegend von der Hand Werner Dietmanns) bei. So weit – so gut.

Doch bei allen Qualitäten des hier besprochenen EK-Baureihenbuches: Einige eklatante Schwächen sind nicht zu übersehen. Freilich, für einen Leser, der nur wenige Eisenbahnbücher sein Eigen nennt oder gar jemanden, der zum ersten Mal ein solches Werk zur Hand nimmt, wird das nicht sofort offenbar. Aber der passionierte Sammler von Eisenbahnliteratur, der engagierte Eisenbahnfreund und erst recht der Fachmann bemerken unweigerlich, wo der Hase im Pfeffer liegt: Die Textautoren haben sich mehr als reichlich aus früheren Veröffentlichungen zur gleichen Thematik bedient.

So entstammt beispielsweise der gesamte Einleitungsteil im Wesentlichen dem Buch »Baureihe 01« von Manfred Weisbrod und Wolfgang Petznick (1. Aufl. transpress Verlag, Berlin 1979). Doch auch andere Textstellen wie etwa diejenige, in der sich die Verfasser damit auseinandersetzen, welche Maschinen zu welchem Zeitpunkt Boxpok-Radsätze erhielten oder diejenige, die die Gründe für den Umbau der Frontschürzen behandelt, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als fast wortgetreue Abschriften aus Werken anderer Autoren – vor allem aus dem ebenfalls beim EK-Verlag erschienenen »Lokporträt Baureihe 01.5« (EK-Themen Nr. 19).

Besonders peinlich wirkt das Ganze, wenn, wie in diesem Fall, der Originaltext samt Verweis auf einen anderen Abschnitt der gleichen Veröffentlichung wörtlich übernommen, aber im Kontext des nun vorliegenden Werkes kein weiterer, die entsprechende Aussage stützender Bezug mehr sichtbar wird. Fuchs, das hast du ganz gestohlen, ist man angesichts derartiger Verfahrensweisen in Abwandlung des Textes eines bekannten Kinderliedes geneigt zu sagen.

Wohl gemerkt, es geht dem Rezensenten nicht darum, daß die Autoren des EK-Buches Fakten aus älteren Publikationen entlehnt haben – daran ist schließlich nichts Anstößiges. Aber wer nahezu wörtlich eine oder gar mehrere Textstellen übernimmt, der sollte diese als Zitat kennzeichnen oder zumindest in Gestalt einer Fußnote auf diejenige Veröffentlichung hinweisen, die er für seine eigenen Darlegungen benutzt hat. Doch Fußnoten oder Kennzeichnungen als Zitate sucht der Leser im gesamten Buch »Die Baureihe 01.5« vergeblich – ganz zu schweigen von einem Quellen- und Literaturverzeichnis.

Daß ein EK-Baureihenbuch ein solches Verzeichnis nicht enthält, ist schon eine seltene Ausnahme. Eine oder zwei Druckseiten mehr hätten dem Verlag wohl kaum höhere Kosten verursacht. Letztlich bleibt der leise Verdacht bestehen, daß sich das Autorenteam wohl durchaus bewußt war, daß es stellenweise die Grenzen der Redlichkeit überschritten hat.

Wer das Buch »Baureihe 01« von Weisbrod/Petznick oder das erwähnte EK-Baureihenporträt kennt, wird zudem feststellen, daß eine Anzahl Fotos und Zeichnungen, die dort erstmals veröffentlicht wurden, im Werk von Lukas/Schnabel wiederkehrt. In wie weit das völlig mit dem gültigen Urheber- und Verlagsrecht in Einklang steht, könnten letzten Endes wohl nur Juristen, die sich detailliert in diesen Gesetzen und ihrer Auslegung auskennen, entscheiden.

Ein fachlicher Lapsus zieht sich gleichsam wie ein roter Faden durch Text und Bildunterschriften, nämlich die Behauptung, daß die kleinen Luftbehälter in Höhe der Drehgestelle mancher Tender etwas mit der Kss-Bremse (die nur 01 504 und 01 521 besaßen) zu tun hätten. Zwar bemerken die Autoren an einer Stelle richtig, daß auch andere 01.5 und sogar 44er derartige »Luftkessel« an den Tendern hatten, daß es sich in Wahrheit aber um Bauteile der selbsttätigen Lastabbremsung (auch bei Tendern von Loks mit normaler Knorr-Bremse vorhanden) handelte, bleibt unerwähnt.

Der aufmerksame Leser wird so manchen Widerspruch in den statistischen Angaben von Text und Tabellen entdecken – Anzeichen von zum Teil fehlender Abstimmung der Autoren untereinander. Geradezu katastrophal sind stellenweise Rechtschreibung, Grammatik und Satzbau. Mit dem Druckfehlerteufel allein sind solche gravierenden Mängel, die den Lesegenuß erheblich einschränken, nicht zu entschuldigen. Vielmehr dürften sie Ausdruck einer wenig sorgfältigen Arbeit des Verlagslektors und des offensichtlichen Zeitdrucks sein, unter welchem die Vorbereitung des Buches zur Veröffentlichung erfolgte.

In Anbetracht der Tatsache, daß das EK-Buch »Die Baureihe 01.5« insgesamt gesehen beinahe eben so viele Mängel wie Vorzüge aufweist, fällt es nicht leicht, die Frage kaufen oder nicht kaufen mit einem eindeutigen Ja oder Nein zu beantworten.

Wer sich zum ersten Mal eingehender mit dem Thema Reko-01 der Deutschen Reichsbahn beschäftigt, findet in dem Baureihenband eine Fülle von Informationen und kann sicherlich die vielen Druckfehler verschmerzen. Wem es mehr auf gute Fotos ankommt, der könnte ebenfalls in Erwägung ziehen, dieses Buch zu erwerben.

Doch für den Besitzer des transpress-Buches »Baureihe 01« von Manfred Weisbrod und Wolfgang Petznick (welches übrigens in einigen Buchhandlungen noch als transpress Spezial zu haben ist) wäre der Kauf des EK-Bandes genau so eine überflüssige Geldausgabe wie für denjenigen, der lediglich das EK-Sonderheft »Lokporträt Baureihe 01.5« im Bücherschrank zu stehen hat oder beabsichtigt, es beim Verlag zu bestellen. Denn die letztgenannten Veröffentlichungen enthalten mit Ausnahme der nur im Buch von Lukas/Schnabel abgedruckten Betriebsbuchauszüge keineswegs weniger Informationen – und das zu erheblich günstigeren Preisen.

Hans Wiegard

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