![]() |
Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff: Der Link, der es bringt. Die Buchtipps. / Die Rezensionen. Das Autoren-Lexikon. |
|
Alfred Gottwaldt: Die Autoren
|
Dumjahn's
Bahn-Rezensionen online:
Nur äußerst wenige Aktenstücke Gerlach, Christian; Aly, Götz: Das letzte Kapitel. Realpolitik, Ideologie und der Mord an den ungarischen Juden 1944/45. Deutsche Verlags-Anstalt : Stuttgart München 2002. - Zur Bibliographie. Der Mord an über 400.000 ungarischen Juden binnen sieben Wochen im Sommer 1944 hat in dramatischer Form unter Beweis gestellt, daß der staatlich organisierte Genozid fast ausnahmslos auf die Mitwirkung der staatlichen Eisenbahnen in Ungarn, der Slowakei und dem Deutschen Reich angewiesen war: Täglich bis zu fünf Sonderzüge mit zusammen etwa 16.000 Juden rollten aus Ungarn in das Vernichtungslager Auschwitz, dessen Tor zum Lagerteil Birkenau sich über einem Eisenbahngleis wölbte. Fast sämtliche Photographien, die von der Ankunft und der Selektion der Juden in Auschwitz zeugen und sich in unser Gedächtnis eingegraben haben, sind während dieser »Ungarn-Aktion« von 1944 entstanden. Nur äußerst wenige Aktenstücke der beteiligten Eisenbahnen sind überliefert oder bekannt. In Raul Hilbergs Arbeit Sonderzüge nach Auschwitz sind die Transporte aus Ungarn zwar behandelt, aber nicht dokumentarisch unterfüttert worden. In der Arbeit »Auschwitz war für mich nur ein Bahnhof« von Kurt Pätzold und Erika Schwarz, die sich mit der Tätigkeit von Eichmanns Transportsachbearbeiter Franz Novak beschäftigen, sind wenigstens einige Telegramme der deutschen Besatzer von Budapest aus dem Jahre 1944 wiedergegeben. In der neuen Arbeit von Christian Gerlach und Götz Aly, die beide zuvor mit äußerst beachtenswerten Arbeiten über die deutsche Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg hervorgetreten sind, nimmt das Kapitel über »Deportation und Vernichtung« der ungarischen Juden nahezu einhundert Seiten ein. Auch dieses Viertel der Darstellung konzentriert sich in erster Linie, ihrer Aufgabenstellung gemäß, auf die komplexen Vorgänge bei Vorbereitung und Durchsetzung der Deportationen. Daran besonders wichtig erscheint die Schilderung der Mitwirkung ungarischer Kräfte. Dagegen werden die logistischen Einzelheiten der fast 150 Transporte in der Zeit zwischen Ende April und Anfang Juli 1944 nicht mit besonderer Ausführlichkeit dargelegt, weil sie sich - im Gegensatz zu verbreiteter Ansicht bei Forschung und Laien - ohne nennenswerte Schwierigkeiten durchführen ließen: »Gerade für den Zeitraum, als die Deportationen stattfanden - das Saatgut für die Frühjahrsbestellung war schon gefahren und die Erntetransporte standen noch aus -, bedeuteten sie jedoch keine wesentliche Belastung des Eisenbahnverkehrs und damit in dieser Hinsicht auch keinen Widerspruch zu deutschen kriegswirtschaftlichen Interessen« (Seite 274). Selbstverständlich ist das Buch keine Lektüre für Eisenbahnfreunde im engeren Sinne. Wer sich aber in der Eisenbahngeschichte mit der Funktion der Deutschen Reichsbahn im Zweiten Weltkrieg beschäftigt, kann an dem hier präsentierten Material nicht vorbeigehen. Überzeugend sind sowohl die gefundenen Ergebnisse wie die Form der Darstellung. Mit einem gewissen Bedauern ist vielleicht das Fehlen einer Tabelle zu bemerken, in der die wichtigsten Daten der einzelnen Transporte zusammengefaßt wären. Auch der faksimilierte Abdruck eines von den Autoren aufgefundenen Schlüsseldokuments »Zusammenstellung der in der Zeit vom 16. V. bis 20. 9. 1944 im Konzentrationslager Auschwitz II Birkenau eingetroffenen Transporte/Männer« hätte den Wert der Arbeit noch zu steigern vermocht. Alfred Gottwaldt © Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages. Über den Rezensenten |
|
| © Copyright 1999 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten Dumjahn Verlag Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de |