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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Gragt, Frits van der: Tramnostalgie DDR (Dumjahn-Nr. 0015972)
Dumjahn-Nr. 0015972
ISBN-10: 3894941251
ISBN-13: 9783894941253
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Didier Bauzière:
Fazit: Ein Buch nicht nur für gestandene Straßenbahnfreunde! »Frits van der Gragt, laat mij U danken voor deze boek«!

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Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Noch ein Buch? Nein, das Buch!
Plastisch-farbige 
Erinnerungen an die DDR-Bimmel

Gragt, Frits van der: Tramnostalgie DDR. Verlag Schweers + Wall : Aachen 2002. - Zur Bibliographie.

Zum gedruckten Inhaltsverzeichnis mit der Gliederung (Layout) und weiteren Informationen zu diesem Buch..

Es ist schon eigenartig: Da schreibt ein Franzose eine Rezension zu einem Sachbuch (un beau livre = ein schönes Buch), welches ein Niederländer mit großer Sorgfalt zusammengestellt und mit ebenso einfühlsamen wie präzisen Texten ausgestattet hat. Verlegt wurde das Buch im deutschen Aachen, gedruckt im benachbarten Belgien. Die Rezension ist, wie kann es auch anders sein, bei Dumjahn nachzulesen, der in Danzig geboren wurde. Danzig, Gdansk wie es heute heißt, liegt jetzt in Polen - einem neuen Mitglied der Europäischen Union.

Den selbsternannten Führer des Landes, dessen Straßenbahnen »quietschend, schlingernd und rumpelnd« (O-Ton van der Gragt) durch die einmaligen Farbfotos des Bildbandes fahren, hätte soviel der von ihm immer erstrebten internationalen Anerkennung geschmeichelt. Dieses »sein« Land, gemeint ist die DDR mit ihrem Honi an der Spitze, existiert seit über zehn Jahren nicht mehr.

Seine schienengebundenen Verkehrsmittel hingegen scheinen unsterblich zu sein. Autoren und Fotografen führen die Idee ad absurdum, eine »Time Machine« à la Wells wäre nicht zu machen. Es geht doch, und der gelungene Bildband von Frits van der Gragt macht es möglich: Auf 143 Seiten präsentiert der Autor insgesamt 218 vorwiegend eigene Farbbilder.

Sympathisch, was van der Gragt seinen am Orte der gezeigten Straßenbahnbetriebe ansässigen, »eingeborenen« Lesern mit auf dem Weg gibt: »Für mich als Verfasser ist der ‘gefährlichste’ Leser derjenige, der von einer Stadt (meistens der, in der er wohnt) alles weiß, aber über andere Betriebe nichts. Natürlich habe ich dann über diese Stadt alles falsch gemacht ... « (S. 7)

Gleich auf den ersten Seiten unterzieht sich der Autor der Mühe, die Straßenbahnfahrzeuge der DDR in gestraffter Form vorzustellen. Den Lesern nämlich, die die DDR wie Frits van der Gragt nur besuchsweise erlebten, kann es durchaus an der notwendigen Detailkenntnis mangeln. Die aber ist bei den mit bemerkenswerten Farbfotos hervorragend dokumentierten touristischen Streifzügen sehr hilfreich.

Ist die virtuelle Reise durch die damalige DDR auch gut organisiert - die vielleicht für gewisse Verlagshäuser zu dröge Gliederung nach den Straßenbahn-Städten ist immer noch die beste Form der Gliederung! - so bemerkte der Rezensent doch schmerzhaft sein altersbedingtes Problem mit den zu kurzen Armen: Selbst mit Lesebrille bereitet die sehr kleine Schriftgröße einige Probleme. Aber ein Reiseveranstalter hat eben für die körperlichen Gebrechen seiner Kunden nicht einzustehen ...

Diese kleine typographische Schwäche hat aber auch ihr Gutes. Das Buch ist reich an Erinnerungen, fachlich korrekten Erläuterungen und stimmungsvollen Bildern in Farbe und auch verbal. Die Techniker und Fahrzeugstatistiker kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn die umfangreichen Bildtexte sind keine eigentlich überflüssigen Interpretationshilfen, sondern vermitteln eben das fachspezifische und auch so manches Mal das historische Hintergrundwissen. Der Autor versäumt auch nicht, Begriffe wie »LOWA« aufzulösen, was der Leser im Westen sicher dankbar vermerken dürfte.

Natürlich gibt es auch - zwar ganz selten - aber eben doch die kleinen Stereotype wie die »Hochhäuser im typischen DDR-Plattenbau« oder die »sozialistische Einheitsarchitektur«. Der Rezensent ist da am Ende doch ganz froh, daß Frits van der Gragt nicht an die vielen schmucklosen und kaum weniger synthetischen »HLM« (Abkürzung für sozialen Wohnungsbau) in Frankreich gedacht hat. Die »Hühnerkäfige«, wie erst unlängst ein von TF1 befragter Mieter die Wohnblöcke in den Pariser Vororten charakterisierte, stehen den liebevoll »Platte« genannten Monstren in der ehemaligen DDR in nichts nach.

Die DDR gehört, so denkt der Rezensent, zuerst den Menschen, die in ihr gewohnt haben. Und ganz sicher sind noch so manche Bildschätze gerade dort, wo einstmals die Straßenbahn-DDR stattfand, noch zu heben. Allerdings, und dort beginnt die Verantwortung der Verlage, geriet in der jüngsten Zeit so manches Projekt aus der Feder ehemaliger DDR-Autoren zu einem bedauerlichen Beweis für die im Westen grassierenden Vorurteile gegenüber den »Ossis«. Frits van der Gragts Buch ist daher nicht der erste Titel, der die Trambahnwelt der DDR in Colorbildern vorstellt, aber es ist eben das Buch mit dem Anspruch, farbige Einblicke in eine längst vergangene Straßenbahnwelt zu ermöglichen.

Trotz eines verständlichen und auch angemessen-kritischen Untertons hat der Autor sich und seinen Lesern dümmliche Lektionen in deutscher Geschichte erspart, wie sie von anderen Autoren geboten werden, und die stilistisch gesehen lediglich die Fortsetzung der Sprache des »Neuen Deutschland« mit anderen Vorzeichen darstellen.

Auch in anderer Hinsicht erwies sich die Lektüre des Buches als Genuß. Bei Schweers + Wall scheinen ganz offenbar noch wirkliche Profis am Werk zu sein, Menschen also, bei denen die Liebe zu ihrem Metier vor der Jagd nach Ausstoßraten rangiert. So gibt es noch zwei herrliche Fotos auf der Vor- bzw. Nachsatzseite. Auch bleibt die Farbe dort, wo sie hingehört - in den Fotos.

Fazit: Ein Buch nicht nur für gestandene Straßenbahnfreunde! »Frits van der Gragt, laat mij U danken voor deze boek«!

Didier Bauzière

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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