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Möller, Mario; Möller, Horst: Die Georgenthal - Tambacher Eisenbahn 1892-1995. 1. Aufl. Bad Langensalza 2003 (Dumjahn-Nr. 0016708)
Dumjahn-Nr. 0016708
ISBN-10: 3936030804

Hans Wiegard:
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Der Rezensent meint, daß dem kleinen Langensalzaer Verlag mit dem Buch »Die Georgenthal - Tambacher Eisenbahn« ein für seine Verhältnisse großer Wurf gelungen ist

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Möller, Mario; Möller, Horst: Die Georgenthal - Tambacher Eisenbahn 1892-1995. Verlag Rockstuhl : Bad Langensalza 2003. - Zur Bibliographie.

Seit Beginn der 1990er Jahre legt die Deutsche Bahn AG auch in den neuen Bundesländern zahlreiche vorgeblich, mitunter auch tatsächlich unrentable Eisenbahnstrecken still. Meist sind es Nebenbahnen, die einst errichtet wurden, um wirtschaftlich schwache Regionen verkehrsmäßig zu erschließen. Diese Strecken besaßen oft ihren eigenen Reiz, führten sie doch meist durch schöne Landschaft. 

Da die Unternehmensphilosophie der DB solchen scheinbar überflüssigen Bahnlinien keine Chance einräumt – ungeachtet der nicht selten heftigen Proteste seitens der Anwohner – bleibt in der Regel nur die Erinnerung an sie. Erfreulich ist indessen, daß eine ständig wachsende Anzahl engagierter Eisenbahnfreunde es als ureigenstes Anliegen betrachtet, stillgelegte Bahnstrecken wenigstens in Form von mehr oder weniger umfangreichen Dokumentationen der Nachwelt zu bewahren.

Bereits 1995 fiel die Bahnstrecke Georgenthal – Tambach-Dietharz in Thüringen der Stillegungswut der DB-Manager zum Opfer. In Vergessenheit geraten ist diese Nebenbahn jedoch nicht, denn zwei bekannte Heimatforscher und Eisenbahnfreunde aus Waltershausen – Vater und Sohn – haben ihre Geschichte niedergeschrieben. Das Ergebnis ihrer Bemühungen liegt nun in Gestalt eines Buches vor, das kürzlich beim Verlag Harald Rockstuhl, Bad Langensalza, erschien.

Dieser Verlag gibt bereits seit mehr als zehn Jahren Schriften zur Thüringer Eisenbahn- und sonstigen Verkehrsgeschichte heraus. Kannten in der Vergangenheit überwiegend Leser in Thüringen diese Editionen, sind sie inzwischen auch in anderen Bundesländern nicht unbekannt. Erfreulich ist, daß der Langensalzaer Verlag von Titel zu Titel die Qualität seiner Bücher gesteigert hat. So gehören die früher oft gerügten Mängel – simple Aufmachung, ungenügende Qualität der Abbildungen und vor allem eine unvertretbar hohe Zahl von Druckfehlern – inzwischen weitgehend der Vergangenheit an. Diese positive Entwicklung wird auch am neuesten Buch des Rockstuhl-Verlages sichtbar: Die Einbandgestaltung ist ansprechend, der Text ist übersichtlich gesetzt und somit gut lesbar, und die beigegebenen Fotos, Faksimiles von Schriftdokumenten und Zeichnungen weisen überwiegend eine Qualität auf, die heutigen Ansprüchen genügen kann. Ein paar Abstriche an dieser Einschätzung resultieren aus Bildvorlagen, an denen der Zahn der Zeit genagt hat, auf deren Abdruck aber Verfasser und Verlag aus Gründen der Anschaulichkeit nicht verzichten mochten.

Weit wichtiger als solche Äußerlichkeiten ist jedoch der Inhalt des Büchleins – so darf man das kleinformatige Werk wohl wegen seines Umfangs von lediglich 96 Seiten getrost nennen. Um es kurz zu sagen: Die beiden Verfasser Mario und Horst Möller haben eine lesenswerte und präzise Dokumentation vorgelegt. Ihr Untertitel könnte anstelle von »Aus der Geschichte einer kleinen Bahn...« mit Fug und Recht auch »Die Geschichte...« lauten. Denn das Buch macht den Leser mit beinahe allen Einzelheiten des Werdens und Vergehens der Westthüringer Nebenbahn vertraut.

Die Verfasser schildern ausführlich die Entwicklung der nur 6,2 km langen Strecke von den ersten Plänen bis zu ihrer Realisierung und bis zu den Projekten zur Verlängerung und Erweiterung, die in der Schaffung einer Direktverbindung zwischen Thüringer Eisenbahn und Werrabahn gipfelten, allerdings nach 1918 nicht weiter verfolgt wurden. Breitesten Raum widmen die Autoren der Entwicklung bis zum Jahre 1969.

Die diesbezüglichen Darlegungen erfolgen nicht einfach in Form eines geschichtlichen Abrisses. Vielmehr machen Mario und Horst Möller den Leser in gesonderten Abschnitten mit der Entwicklung der Bahnanlagen, des Zugverkehrs und des Fahrzeugparks bekannt. Und sie vergessen auch die Menschen nicht, die als Bedienstete für den reibungslosen Betriebs- und Verkehrsablauf sorgten. Wichtige historische und für die weitere Entwicklung der Bahnstrecke bedeutsame Ereignisse schildern die Verfasser telegrammstilartig.

Das ist gewollt und kommt der Gesamtaussage des Buches durchaus entgegen. Dagegen setzen sich die Möllers detailliert mit den Gründen auseinander, die letztlich zu einer Zäsur in der weiteren Geschichte der Bahnstrecke führten. Denn 1969 stellte die Deutsche Reichsbahn den Reiseverkehr ein, und die Verkehrsleistungen gingen auf den Kraftverkehr über. Hingegen überdauerten der Güterverkehr und die Bedienung der Anschlußgleise der Anrainerbetriebe die Wende in der DDR. Der Silvestertag des Jahres 1995 brachte schließlich das endgültige Ende des Eisenbahnbetriebs zwischen Georgenthal und Tambach-Dietharz.

Die Autoren verlieren sich jedoch nicht in wehmütigen Reminiszenzen. In einem besonderen Kapitel befassen sie sich mit den Bemühungen einer regionalen Interessengemeinschaft, noch vorhandene Bahnanlagen und erhaltene Streckenabschnitte wenigstens teilweise vor dem Verfall zu bewahren, geeignete Fahrzeuge zu sammeln und in der Zukunft vielleicht sogar einen Museumsbetrieb aufzubauen. Ob diese Pläne verwirklicht werden können, ist nach gegenwärtigem Stand allerdings fraglich.

Anschließend an den Hauptteil sind einige Auszüge aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln sowie aus Berichten von Augenzeugen abgedruckt. Ob die Trennung der Kurzberichte vom laufenden Text ganz zweckmäßig ist, muß wohl dem persönlichen Geschmack überlassen bleiben. Nach Ansicht des Rezensenten unterstreicht dieser Anhang die ohnehin große Authentizität der Gesamtdarstellung. Gleiches gilt für die in ausreichender Anzahl in den Text eingefügten Abbildungen.

Das Bemühen der Autoren, dem Leser eine möglichst breite und den gesamten Zeitraum des Bestehens der Bahn abdeckende Motivpalette anzubieten, ist unverkennbar. Unter den Abbildungen finden sich nicht nur Fotos bzw. Zeichnungen von Lokomotiven, Wagen und Zuggarnituren. Bahnanlagen und Bahnhofsgebäude sowie die dazugehörigen Pläne sind ebenso berücksichtigt wie das Thema »Eisenbahn und Landschaft«. Auch die bildliche Darstellung von Menschen – seien es Eisenbahner oder Reisende – kommt nicht zu kurz.

Wahrscheinlich in Ermangelung geeigneter fotografischer Vorlagen hat sich der Verlag dazu entschlossen, Peter König aus Aue mit der Anfertigung einiger zum Thema des Buches passender Bilder zu beauftragen. Dazu gehört u.a. eine Zeichnung, die einen von einer preußischen T 14 geführten Personenzug vor dem Georgenthaler Kornhaus zeigt. Noch wichtiger aber ist das ebenfalls von der Hand Königs stammende Titelbild auf dem Einband – ein Akkumulatorentriebwagen vor dem Gebäude des ehemaligen Klosters Georgenthal. Diese beim Bw Gotha beheimateten Triebwagen waren bis weit in die 1960er Jahre das Beförderungsmittel im Reiseverkehr zwischen Georgenthal und Tambach-Dietharz, und sie bedienten auch die Strecken Gotha – Georgenthal sowie Gotha – Fröttstädt – Friedrichroda. Es ist nur zu begrüßen, daß sich der Verlag Rockstuhl in den erwähnten Fällen für Peter Königs Zeichnungen anstelle unscharfer und fleckiger Fotos entschieden hat. Schließlich ist König ein renommierter Zeichner und Graphiker, der bereits zu DDR-Zeiten herrliche Farbzeichnungen für die Zeitschrift » Der Modelleisenbahner« schuf und dessen Arbeiten heute bei mehreren namhaften Verlagen für Eisenbahnliteratur heiß begehrt sind.

Der Rezensent meint, daß dem kleinen Langensalzaer Verlag mit dem Buch »Die Georgenthal-Tambacher Eisenbahn« ein für seine Verhältnisse großer Wurf gelungen ist.

Obgleich das Werk in die Kategorie »Regionale Verkehrsgeschichte« gehört und sich vordergründig an Leser in Thüringen wendet, dürfte es wegen seiner zweifellos vorhandenen Qualitäten auch für Nichtthüringer interessant sein. Der Kaufpreis dieser Neuerscheinung ist zwar nicht gerade niedrig, liegt aber immer noch im verhältnismäßig moderaten Bereich.

Hans Wiegard

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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