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Muth, Frank: Straßenbahnen in Heidelberg. 100 Jahre »Blau-Weiße« in der Neckarstadt. 1. Aufl. München 2003 (Dumjahn-Nr. 0016614)
Dumjahn-Nr. 0016614
ISBN-10: 3765471976

Hans Wiegard:
»
'Straßenbahnen in Heidelberg' reiht sich würdig in die Veröffentlichungen des GeraMond-Verlages zum Thema städtischer Nahverkehr ein und kann bedenkenlos jedem Straßenbahnfreund empfohlen werden

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Muth, Frank: Straßenbahnen in Heidelberg. 100 Jahre »Blau-Weiße« in der Neckarstadt. GeraMond Verlag : München 2003. - Zur Bibliographie.

Im Frühjahr 2003 erschien im Münchener GeraMond Verlag ein Buch, das sich mit der hundertjährigen Geschichte der Heidelberger Straßenbahnen beschäftigt. Autor ist Frank Muth, seit langem nicht nur als Verfasser von Artikeln zur Geschichte des städtischen Nahverkehrs für Fach- und Hobbyzeitschriften, sondern gleichermaßen als passionierter Fotograf bekannt.

Den Titel »Straßenbahnen in Heidelberg« veröffentlichte der Verlag – wie könnte es anders sein – innerhalb seiner Reihe »Straßenbahn-Bibliothek«. In Format und Aufmachung unterscheidet sich das Werk kaum von vorangegangenen Publikationen, und doch hat es eine Besonderheit, die sich demjenigen, der es zum erstenmal in die Hand nimmt, erst auf den zweiten Blick erschließt. Rechts unten auf dem Einband ist neben dem GeraMond-Signet ein weiteres Signet zu sehen – die drei Buchstaben HSB, die für »Heidelberger Straßen- und Bergbahnen« stehen. Gleiches wiederholt sich auf dem Innentitel, doch hier ist zusätzlich noch ein weiteres Symbol und der Schriftzug »Stadt Heidelberg« angebracht.

Beim Lesen des Vorwortes wird dann klar, welche Bewandtnis es mit den zusätzlichen Signets hat: Das Buch ist eine Festschrift zum Jubiläum der Heidelberger Straßenbahnen und im Auftrag der Heidelberger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe GmbH (HVV), zu denen die Heidelberger Straßenbahnen seit geraumer Zeit gehören, entstanden.

Nun ist es mit Fest- bzw. Jubiläumsschriften so eine Sache: Die Autoren, die mit der Abfassung des Textes beauftragt wurden, sind meist bestrebt, ihren Lesern möglichst lückenlos die Betriebsgeschichte nahezubringen und darüberhinaus auch noch mehr oder weniger umfangreiche Passagen zur Geschichte der Stadt, in welcher sich der von ihnen beschriebene Betrieb befindet, einzuflechten. Die Auftraggeber indessen sind eher darauf bedacht, ihr Unternehmen aus aktueller Sicht ins rechte Licht zu rücken und dabei im Verlaufe der Entwicklung aufgetretene Schwierigkeiten und Irrwege zu bagatellisieren oder ganz auszublenden.

Bei derart widersprüchlicher Ausgangsposition bleibt es nicht aus, daß Auftragswerke wie das hier zu besprechende meist – zu Lasten des interessierten Lesers – durch mehr oder weniger große Kompromisse in bezug auf die von jeder der beteiligten Seiten beabsichtigte Gesamtaussage geprägt sind. Es bedarf schon eines gehörigen Lavierens seitens des Autors , um seine Vorstellungen wenigstens annähernd durchzusetzen. Werke, die weder inhaltlich noch gestalterisch voll überzeugen, sind nicht selten das Resultat.

Was Frank Muths Buch anbelangt, darf dem Autor allerdings bescheinigt werden, daß er einen Ausweg aus dem geschilderten Dilemma gefunden hat. Ergebnis ist ein Straßenbahnbuch, das sich sehen lassen kann.

Wer die Entstehungsgeschichte des Werkes etwas näher verfolgt hat, dürfte bemerkt haben, daß es sich um eine »Schwergeburt« handelte. Denn ursprünglich hatte die Bruckmann-Verlagsgruppe, zu der GeraMond gehört, einen anderen Autor mit der Abfassung des Textes beauftragt, der wohl ob des für ihn schier unlösbaren Problems, ein Buch zu schreiben, das breite Leserkreise interessiert und gleichzeitig die Belange der Auftraggeber berücksichtigt, resigniert hat.

Daß sich Frank Muth der Aufgabe unterzogen hat, in kurzer Zeit ein aussagekräftiges Manuskript zu erstellen, ist ihm deshalb um so höher anzurechnen.

Der Text ist gut lesbar, flüssig geschrieben und läßt nie Langeweile aufkommen. Das Buch ist in zehn Kapitel gegliedert. Sieben von ihnen zeichnen die Geschichte der Straßenbahnen in Heidelberg von den Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart nach. Keiner der wesentlichen Entwicklungsabschnitte des Nahverkehrs in der altehrwürdigen Universitätsstadt kommt dabei zu kurz. Der Leser erfährt zunächst einiges über die Entstehung der Pferdebahn und der Bergbahnen, im Anschluß daran folgen die Darstellung der Elektrifizierung und sehr ausführlich die Schilderung des Netzausbaus.

All diese Kapitel zeichnen sich dadurch aus, daß in ihnen eine Vielzahl bisher nur wenig bekannter Einzelheiten erwähnt wird. Dem Wiederaufbau nach 1945 widmet der Verfasser ebenso detaillierte Ausführungen wie der späteren Reduzierung des Netzes. Kritisch setzt sich Frank Muth mit den Plänen, die Straßenbahn durch den Obus oder gar den Kraftomnibus zu ersetzen, auseinander Und er scheut sich auch nicht, zu betonen, daß der Abbau großer Streckenabschnitte in den 1970er und 1980er Jahren im wesentlichen dem Einfluß der Automobil-Lobby, die in Kommune und Umland mehr als gebührend Gehör fand, geschuldet war.

Die folgerichtige Abkehr von den Stillegungsplänen ab Mitte der 1980er Jahre, verbunden mit der Entscheidung zur Modernisierung des Betriebs, zum Ausbau des Netzes und zur Beschaffung neuer, moderner Straßenbahnwagen gab der »Blau-Weißen«, wie die Straßenbahn von den Einwohnern der Neckarstadt liebevoll genannt wird, endlich wieder eine sichere Perspektive.

Den geschichtlichen Abriß beendet der Autor mit einer Zukunftsvision, die im Gegensatz zu den Plänen manch anderer Städte durchaus realistisch erscheint. Dazu gehören die Wiedererrichtung einst stillgelegter und abgebauter Strecken ebenso wie der Anschluß weiterer Vororte und sogar benachbarter Gemeinden an das Straßenbahnnetz. Bereits im Stadium der Verwirklichung befindet sich die Beschaffung von Niederflurwagen der Typenreihe Variobahn. Das ist eine Bauart von Straßenbahnwagen, die sich durch exzellente Fahreigenschaften und höchsten Komfort auszeichnet.

Inwieweit die hohen Zielstellungen der HVV Wirklichkeit werden, hängt letztlich von den Entscheidungsträgern – Stadtverwaltung und Verwaltungen der beteiligten Gemeinden – ab. Frank Muth vergißt selbstverständlich nicht, am Schluß seiner Ausführungen auf diesen Umstand hinzuweisen.

An die im wesentlichen der Historie folgende Darstellung schließt sich eine ausführliche Abhandlung zum Wagenpark an. Hier findet der Leser, der sich besonders für die Straßenbahnfahrzeuge interessiert, so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Die Bauarten der in Heidelberg eingesetzten Fahrzeuge werden detailliert beschrieben, und eine akribisch zusammengestellte Wagenliste sowie Zeichnungen beinahe jedes Typs (lediglich die allerneuesten Wagen fehlen) sind beigegeben.

Den Anhang des Werkes bilden ein kurzer Abriß zur Geschichte der bereits 1954 eingestellten Walldorfer Straßenbahn sowie eine streiflichtartige Darstellung der Entwicklung der Oberrheinischen Eisenbahngesellschaft (OEG). Die Aufnahme beider Unternehmen in das vorliegende Werk erfolgte völlig zu Recht, denn die ursprünglich selbständige Walldorfer Straßenbahn gehörte ab 1945 zu den HSB, und die Geschichte der OEG, heute eine Überlandstraßenbahn, aber nach wie vor ein selbständiges Unternehmen, ist eng mit derjenigen der Heidelberger Straßenbahn verknüpft.

Ein ausführlicher Quellen- und Literaturnachweis belegt hinlänglich die große Mühe, die sich Frank Muth bei der Abfassung des Textes gegeben hat, und regt den Leser zur weiteren selbständigen Beschäftigung mit dem Thema Heidelberger Nahverkehr an.

Das Buch ist mit Schwarzweiß- und Farbfotos reichhaltig illustriert. Alle Abbildungen sind von guter bis hervorragender Qualität. Das gilt überraschenderweise sogar für die Fotos aus den Anfangsjahren – Beweis genug, welche Sorgfalt die Hersteller des Buches und die Druckerei bei der Wiedergabe der Vorlagen haben walten lassen.

Erfreulich ist auch, daß so gut wie keine Druckfehler zu registrieren sind – bei GeraMond-Büchern eher die Ausnahme als die Regel und zugleich Indiz dafür, daß auch der Verlagslektor seine Arbeit ernst genommen hat.

»Straßenbahnen in Heidelberg« reiht sich würdig in die Veröffentlichungen des GeraMond-Verlages zum Thema städtischer Nahverkehr ein und kann bedenkenlos jedem Straßenbahnfreund empfohlen werden.

Hans Wiegard

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