Zurück zur Startseite Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff:

Der Link, der es bringt.
Die Buchtipps. / Die Rezensionen.
Das Autoren-Lexikon.
Zur nächsten Seite

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

Kimpel, Wolfgang: Straßenbahnen in Kassel. »Große Kasseler« und Herkulesbahn (Dumjahn-Nr. 0014973)
Dumjahn-Nr. 0014973
ISBN-10: 3932785061

Hans Wiegard:
»...
ein rundum gelungenes Buch, zu dem man Verfasser und Verlag nur beglückwünschen kann und dessen Anschaffung wohl kaum einen Nahverkehrsfreund gereuen dürfte. Gegenüber früher erschienenen Publikationen des GeraMond Verlages zu Nahverkehrsbetrieben anderer Städte ist zudem noch eine weitere Qualitätssteigerung erkennbar: Das Layout wirkt wie aus einem Guß, und die Zahl der Druckfehler ist verschwindend gering – Beweis genug, daß außer dem Autor auch der Verlagslektor eine sehr solide Arbeit geleistet hat

Zurück zur Liste der Rezensionen zur 
Liste der Rezensionen

Zurück zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online
zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online

Pagerank erhoehen

Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Kurzweilig und kompetent


Kimpel, Wolfgang: Straßenbahnen in Kassel. »Große Kasseler« und Herkulesbahn. GeraMond Verlag : München 2001. - Zur Bibliographie.

»Straßenbahnen« und nicht einfach »Die Straßenbahn«? Doch, die auf den ersten Blick scheinbar unmotiviert verwendete Pluralform hat ihre volle Berechtigung, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn die mittlerweile 125 Jahre währende Geschichte des Schienenverkehrs in der nordhessischen Metropole begann 1877 mit einer Dampfstraßenbahn, der drei Jahre später die erste Pferdebahn folgte. 1899 nahm die regelspurige elektrische Straßenbahn in Kassel ihren Betrieb auf, und 1902 wurde schließlich eine meterspurige Straßenbahnstrecke errichtet, die den Vorort Wilhelmshöhe mit dem Ausflugsgebiet am »Herkules« verband.

Während die Herkulesbahn bereits 1960 ihren Betrieb einstellte, hat die einstige »Große Kasseler Straßenbahn« alle Wirren der Zeit überstanden und präsentiert sich in der Gegenwart als hochmoderner Nahverkehrsbetrieb. Die Jahrtausendwende läutete den Beginn eines neuen Zeitalters im Kasseler Nahverkehr ein, denn die 2001 eröffnete Lossetalbahn und die fast gleichzeitig in Betrieb genommenen ersten Abschnitte der Regiotram künden vom Beginn einer engen, auf die durchgängige Modernisierung der Verkehrsverbindungen zwischen Kassel und dem Umland gerichteten Zusammenarbeit von Kasseler Verkehrsgesellschaft und Deutscher Bahn AG.

All das und vieles andere mehr erfährt der Leser, der Wolfgang Kimpels neuestes Werk zur Hand nimmt. Denn der Autor schildert detailliert und liebevoll nicht nur die Entwicklung der Kasseler Straßenbahnen. Auch den Obus, welchem in Kassel allerdings nur ein kurzes Leben beschieden war, und den Kraftomnibus schließt er in seine von großer Sachkenntnis zeugenden Darlegungen ein. Dabei gerät die Beschreibung der Nahverkehrsmittel niemals zum Selbstzweck.

Vielmehr ist es Kimpel trefflich gelungen, die entsprechenden Textpassagen mit wichtigen Ereignissen der Stadt- und Regionalgeschichte zu verknüpfen. Auch die wirtschaftlichen Aspekte, die die teilweise widersprüchlich und unwägbar erscheinende Entwicklung des Nahverkehrs wesentlich beeinflußt haben und immer noch beeinflussen (siehe die gegenwärtig noch nicht völlig klare Perspektive des Regiotramnetzes), kommen in Wolfgang Kimpels Buch nicht zu kurz.

Trotz oder vielleicht gerade wegen der vielen Einzelheiten, mit denen der Autor den Leser konfrontiert, wirkt das Buch an keiner Stelle langweilig. Es gehört daher bestimmt nicht zu denjenigen Werken, die der Konsument nach erstem flüchtigem Durchblättern achtlos beiseite legt. Im Gegenteil, es lohnt sich durchaus, Wolfgang Kimpels Werk mehrmals aufmerksam zu lesen und es im wahrsten Sinne des Wortes zu genießen.

Das gilt auch für diejenigen Leser, die Kimpels frühere Veröffentlichungen zum Kasseler Schienennahverkehr kennen. Denn das bei GeraMond erschienene Buch ist Extrakt und Resümee einer mehr als sechzig Jahre währenden verkehrsgeschichtlichen Forschungstätigkeit des Autors. Bei der Abfassung des Manuskripts kam Wolfgang Kimpel zweifellos zugute, daß er selbst eine Reihe von Jahren bei der KVG als Fahrer und Schaffner tätig war.

Im Vorwort bemerkt der Autor, er habe wohl inzwischen die »Vorstufe eines Insiders« erreicht; doch wer das Buch zur Hand nimmt, wird bald bemerken, daß dies eine von Bescheidenheit geprägte Untertreibung ist. Denn es gibt wohl kaum jemand anderen als Wolfgang Kimpel, der sich so wie er in der wechselvollen Geschichte des Kasseler Nahverkehrs auskennt. Jede Zeile seines Werkes ist von hoher Sachkenntnis geprägt, und die tiefe Liebe und Verbundenheit des Autors zur Stadt und ihrem Schienenverkehr, die lange Zeit Mittelpunkt seines Berufslebens waren, wird hier immanent erlebbar.

Das Buch ist in insgesamt sieben Kapitel gegliedert, deren inhaltlicher Bogen sich von den ersten Anfängen bis zum Ausblick auf die künftige Entwicklung des Nahverkehr in Kassel und Umgebung spannt. Fast jedes dieser Kapitel enthält eine Auflistung wesentlicher historischer Daten und Ereignisse – in dieser Form vielleicht etwas ungewohnt, aber gerade darum besonders reizvoll. Und: die gewählte Form der Darstellung kommt dem Anliegen des Autors, die Historie des Kasseler Nahverkehrs möglichst vollständig darzustellen und dabei stets den Bezug zwischen Stadtgeschichte, wirtschaftlicher Entwicklung und technischer Vervollkommnung zu wahren, durchaus entgegen.

Anders wäre ein derart komplexer Überblick kaum möglich gewesen - schon aufgrund der wahrlich nicht üppigen Anzahl von 160 Druckseiten, die der GeraMond Verlag dem Verfasser einschlägiger Publikationen üblicherweise zubilligt. Trotzdem kommen sowohl der geschichtlich als auch der mehr technisch interessierte Leser voll auf ihre Kosten.

Dem tut auch die Tatsache keinen Abbruch, daß Wolfgang Kimpel bei der Abhandlung der Wagenparkgeschichte nicht ganz zutreffend schreibt, Kassel sei in Deutschland Vorreiter bei der Einführung moderner Niederflurwagen gewesen. Denn tatsächlich übernahmen vor allem Verkehrsunternehmen an Rhein und Ruhr, aber auch süddeutsche Betriebe in dieser Beziehung die Schrittmacherrolle. Der insgesamt hervorragenden Darstellung des Nahverkehrs in Kassel durch Wolfgang Kimpel tut dieser kleine Lapsus jedoch keinen Abbruch. Denn seien wir ehrlich: Welcher Autor, der eine kleinere oder größere Abhandlung zur Geschichte oder Technikgeschichte seiner unmittelbaren Heimat verfaßt, verfällt nicht hin und wieder in leicht lokalpatriotisch gefärbte Bonmots?

Ansonsten jedoch bleibt Kimpel erfreulich objektiv – auch bei der Behandlung von Problemen der Verkehrsentwicklung, deren befriedigende oder weniger zufriedenstellende Lösung vom Wirken der jeweils amtierenden Kommunalpolitiker wesentlich beeinflußt wurde und wird.

Eine Anzahl hervorragender Fotografien aus allen Epochen unterstreicht wirkungsvoll die Aussage des ohnehin schon gehaltvollen Textes. Der aussagekräftige Textteil – fast völlig frei von üblichen füllenden Phrasen – wird durch eine Anzahl hervorragender Schwarzweiß- und Farbfotos ergänzt, die in der Mehrzahl aus der umfangreichen Sammlung des Autors stammen. Sehr wohltuend: Die Fotografien sind überwiegend dem laufenden Text direkt zugeordnet und stehen daher nicht im »luftleeren Raum«. Das gilt auch für die meist aus jüngerer Zeit stammenden Farbaufnahmen. Daß sich der Verlag nicht hat dazu verleiten lassen, die Farbabbildungen, wie oft in Publikationen der letzten Jahre vorzufinden, als gesonderten Farbteil an den Schluß des Werkes zu setzen, gereicht dem Buch nur zum Vorteil.

Neben den Fotografien findet der Leser von Kimpels Buch noch weitere Abbildungen – seien es die für ein solches Werk beinahe unverzichtbaren Netzpläne, Kopien aus Werbebroschüren, Tageszeitungen oder auch Wagenzeichnungen. Letztere dürften sicherlich diesem oder jenem Straßenbahnmodellbauer als Anregung für den Selbstbau dienen. Allerdings werden diejenigen, die diesem Hobby frönen, es mit Sicherheit bedauern, daß die Anzahl der veröffentlichten Zeichnungen so gering ist. Doch jedem recht getan ist bekanntlich eine Kunst, die niemand kann. Die Qualität der Abbildungen entspricht durchweg heutigen Anforderungen. Was die Fotos anbelangt, ist sie zum größten Teil geradezu exzellent.

Damit auch die »Statistiker« unter den Lesern zu ihrem Recht kommen, hat Wolfgang Kimpel an den Schluß seines Buches als achtes Kapitel eine Gesamtübersicht des Wagenparks der Kasseler Straßenbahn, eine Auflistung der im Jahre 2001 noch vorhandenen Fahrzeuge sowie eine Tabelle mit den wichtigsten Angaben zum Verkehrsnetz und zu den Bahnanlagen nach aktuellem Stand gestellt.

»Straßenbahnen in Kassel« ist, insgesamt gesehen, ein rundum gelungenes Buch, zu dem man Verfasser und Verlag nur beglückwünschen kann und dessen Anschaffung wohl kaum einen Nahverkehrsfreund gereuen dürfte. Gegenüber früher erschienenen Publikationen des GeraMond Verlages zu Nahverkehrsbetrieben anderer Städte ist zudem noch eine weitere Qualitätssteigerung erkennbar: Das Layout wirkt wie aus einem Guß, und die Zahl der Druckfehler ist verschwindend gering – Beweis genug, daß außer dem Autor auch der Verlagslektor eine sehr solide Arbeit geleistet hat. Auf weitere ähnliche GeraMond-Veröffentlichungen dürfen wir daher wohl mit Recht gespannt sein.

Hans Wiegard

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

Über den Rezensenten

Zum Seitenanfang


Zurück zur Liste der RezensionenZur Impressumseite Mit »Eisenbahn-Dumjahn online« immer auf dem richtigen Gleis ... Weiter zur nächsten Rezension

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

© Copyright 1999 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten
Dumjahn Verlag Strasse Immenhof 12 PLZ-Ort D-55128 Mainz International +49 +6131 330810 Telefon +49 6131 330810
Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de