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Klee, Wolfgang (Hrsg.): Straßenbahn-Jahrbuch 2003. Deutschland und Europa (Dumjahn-Nr. 0016599)
Dumjahn-Nr. 0016599
ISBN-10: 3765472050

Hans Wiegard:
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Im großen und ganzen ist das Straßenbahn-
Jahrbuch 2003 ein brauchbares Werk, das eine Menge aktueller Informationen zu einem verhältnismäßig günstigen Preis bietet.
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Klee, Wolfgang (Hrsg.): Straßenbahn-Jahrbuch 2003. Deutschland und Europa. GeraMond Verlag : München 2003. - Zur Bibliographie.

Jahrbücher, im gehobenen Sprachgebrauch auch Annalen oder Almanache genannt, nehmen innerhalb des Schrifttums eine Sonderstellung ein. Denn sie sind dazu da, ihren Lesern einen mehr oder weniger umfassenden Überblick über diejenigen Fakten und Ereignisse zu geben, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums – meist eines Jahres – in bezug auf einen bestimmten Themenkreis besondere Wichtigkeit erlangt haben.

Jahrbücher sind so gut wie nie das Werk nur eines Autors. Daher bleibt es letztlich dem Geschick des Herausgebers überlassen, die zusammengetragenen Informationen so zusammenzustellen und einzuordnen, daß das Buch trotzdem wie ein geschlossenes Ganzes wirkt. Inwieweit das gelingt, hat wesentlichen Einfluß auf die Aussagekraft und den Wert solcher Publikationen.

Gute Jahrbücher beschränken sich nicht auf die bloße Aneinanderreihung von Fakten. Sie zeichnen sich vielmehr dadurch aus, daß sie die Tatsachen und Ereignisse werten, und dies zuweilen recht kritisch. Und nicht selten setzen diese Jahrbücher von Ausgabe zu Ausgabe wechselnde Schwerpunkte, wobei durchaus Texte mit belletristischem Charakter die ansonsten sachlich-nüchterne Gesamtdarstellung auflockern können.

Beispiele für informative und zugleich gut lesbare Jahrbücher gibt es in hoher Anzahl. Genannt seien hier lediglich, um uns auf das Thema Schienenverkehr zu beschränken, das Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, das Jahrbuch Lokomotiven aus dem Podszun-Verlag, das von 1963 bis 1985 vom Ostberliner transpress Verlag herausgegebene Eisenbahn-Jahrbuch und das gleichfalls längst nicht mehr erhältliche Jahrbuch Schienenverkehr, das ursprünglich in der Franckh’schen Verlagshandlung, Stuttgart, erschienen ist. Diesen Jahrbüchern eigen waren (oder, soweit sie noch erscheinen, sind) sorgfältig gestaltete Texte und ebenso sorgfältig ausgewählte Abbildungen, und ein Nachschlagen in ihnen lohnt sich allemal.

Daß es allerdings auch fast gänzlich ohne Abbildungen geht, hat ein Jahrbuch bewiesen, welches wohl nicht nur zum Leidwesen des Autors dieser Zeilen nicht mehr herausgegeben wird – Dumjahn’s Jahrbuch für Eisenbahnliteratur. Die besondere Qualität dieses Periodikums bestand neben der akribischen Auflistung nahezu aller Veröffentlichungen zum Thema Schienenverkehr in den von namhaften Autoren verfaßten Textbeiträgen zu speziellen Ereignissen der Eisenbahngeschichte und zu fachlichen Problemen, die der interessierte Leser anderswo nirgends erwähnt fand.

Diese längere Einleitung war wohl notwendig, um das nun vorliegende Straßenbahn-Jahrbuch 2003, herausgegeben vom Münchner GeraMond Verlag gegenüber ähnlichen Publikationen abzugrenzen und einigermaßen korrekt bewerten zu können.

Das Straßenbahn-Jahrbuch erscheint seit dem »Millenniumsjahr« 2000, und es will den Leser über alles Wichtige rund um den Straßenbahnbetrieb- und Verkehr in Deutschland und Europa informieren. In der ersten Ausgabe noch ein kleinformatiges Taschenbuch, wurde für das Werk ab Ausgabe 2001 ein großzügigeres Format gewählt. Das war aber nicht die einzige Änderung. Beinahe jedes Jahr haben Herausgeber und Lektor gewechselt – ob zum Vorteil des Ganzen, sei dahingestellt.

Seit der Ausgabe 2002 fungiert Wolfgang Klee, Verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift »Straßenbahn-Magazin«, auch als Herausgeber des Straßenbahn-Jahrbuchs. So versteht es sich wohl beinahe von selbst, daß zum Autorenkreis des Straßenbahn-Jahrbuchs vorwiegend diejenigen Verfasser zählen, die gewöhnlich auch im »Straßenbahn-Magazin« ihre Beiträge veröffentlichen oder gar ständige Mitarbeiter der Zeitschriftenredaktion sind. Das ist durchaus nicht als Mangel zu sehen, denn es handelt sich bei ihnen um kompetente Text- und Bildautoren.

Wie nicht anders zu erwarten, enthält daher das Straßenbahn-Jahrbuch, insbesondere seit Wolfgang Klee die Herausgabe übernommen hat, neben einigen neu verfaßten Textstellen und einer Anzahl erstmals veröffentlichter Fotos auch Textpassagen und Abbildungen, die in gleicher oder sehr ähnlicher Form – was die Texte anbelangt, zum Teil sogar umfassender und ausführlicher – bereits im »Straßenbahn-Magazin« veröffentlicht wurden. Auch daran ist wenig zu deuteln, ist doch nicht jeder Käufer des Straßenbahn-Jahrbuchs gleichzeitig auch Abonnent oder zumindest regelmäßiger Leser des »Straßenbahn-Magazins«. Und, um gerecht zu sein, im Straßenbahn-Jahrbuch kommen auch Verfasser zu Wort, deren Namen der Leser in der genannten Hobby-Zeitschrift des GeraNova Verlages (notabene: GeraMond und GeraNova sind identisch; GeraMond steht lediglich als besonderes Markenzeichen für die Bucheditionen des Münchener Verlagshauses) kaum oder gar nicht findet.

Wolfgang Klee, der übrigens neben seiner Funktion als Herausgeber des Straßenbahn-Jahrbuches auch als Autor einiger Textstellen und als Urheber manch gut gelungener Fotografie in Erscheinung tritt, ist das Gespür für Themenvielfalt und Informationsreichtum nicht abzusprechen. Dennoch ist hier kritisch anzumerken, daß die Qualität des Straßenbahn-Jahrbuchs nicht von Ausgabe zu Ausgabe, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre, gestiegen ist. Im Gegenteil – wer die älteren Ausgaben mit der neuesten vergleicht, kommt nicht umhin, mit Bedauern festzustellen, daß die aktuelle Edition gegenüber den vorangegangenen Jahrbüchern kaum an Qualität gewonnen hat.

Zwar enthält die Ausgabe 2003 im Gegensatz zu den Ausgaben 2000 bis 2002 nur noch Farbfotos; doch Farbigkeit allein kann nicht über Mängel hinwegtäuschen, und die liegen beim Straßenbahn-Jahrbuch 2003 eindeutig in der Textgestaltung. Die diesbezüglichen Schwächen sind allerdings nicht dem Herausgeber anzulasten; vielmehr gehen sie aufs Konto des Verlagslektors, der sich seiner Aufgabe mehr schlecht als recht entledigt hat.

Die Gliederung der Ausgabe 2003 des Straßenbahn-Jahrbuches ist mit derjenigen der unmittelbar vorangegangenen Ausgabe im wesentlichen identisch. Einer kurzen Einleitung folgt die Behandlung der Straßenbahnbetriebe in Deutschland, aufgeschlüsselt nach Bundesländern. Ein separater Abschnitt innerhalb des Deutschland-Kapitels ist den Museumsstraßenbahnen gewidmet. Anschließend werden europäische Straßenbahnbetriebe abgehandelt – mit Ausnahme der Straßenbahnen in Polen allerdings keine aus den ehemaligen Ostblockstaaten, obgleich diese Betriebe sicherlich nicht weniger an Interessantem zu bieten haben als die Trams in den Ländern der Europäischen Gemeinschaft, der Schweiz oder in Norwegen. Dem Anspruch, den das Straßenbahn-Jahrbuch mit seinem Untertitel »Deutschland und Europa« erhebt, nämlich einen Überblick über das Geschehen in den Betrieben des gesamten Kontinents zu geben, wird das Werk also nicht ganz gerecht.

Angesichts des begrenzten Umfangs des Buches und in Anbetracht der Fülle an Informationen, die dem Leser zu den im Werk berücksichtigten Straßenbahnbetrieben geboten werden, läßt sich dieser kleine Mangel wohl verschmerzen. Indessen: Mit so mancher statistischen Angabe, die der Text bietet, kann der unbedarfte Leser kaum etwas anfangen, es sei denn, er besitzt oder kennt zumindest auch die älteren Ausgaben des Straßenbahn-Jahrbuches oder noch besser die einschlägige Spezialliteratur.

Die bloße Aufzählung von Fakten, aus denen der Text stellenweise besteht, bereitet zwar keinen ganz ungetrübten Lesegenuß und wirkt zum Teil recht ermüdend, mag aber dem Bemühen der Autoren und des Herausgebers geschuldet sein, dem Leser auf beschränktem Raum möglichst viel an Wissenswertem zu bieten.

Reichhaltig und abwechslungsreich ist dagegen die Ausstattung des Buches mit Fotografien. Die Bilder geben dem Leser einen hervorragenden Überblick über die meisten Bauarten und Typen von Straßenbahnwagen, die zur Zeit auf Europas Gleisen anzutreffen sind – angefangen von den altmodischen Doppeldeck-Wagen im englischen Blackpool bis zu den futuristisch gestalteten Fahrzeugen modernster Konzeption in Frankreich oder Italien. Angesichts letzterer wird wohl so mancher Straßenbahnfreund leicht resignierend konstatieren, daß die Zeit der »traditionellen« Tram sich langsam, aber sicher ihrem Ende zuneigt.

Alle Bildvorlagen sind in erfreulich guter Qualität wiedergegeben. Das betrifft nicht nur die Bildschärfe, sondern auch die originalgetreue, stichfreie Umsetzung der Farben.

Bei allem, was an der neuesten Ausgabe des Straßenbahn-Jahrbuches lobenswert erscheint oder zumindest hingenommen werden kann: Das Werk besitzt, wie bereits erwähnt, einige gravierende Schwächen. Zum einen ist es die unzumutbar hohe Anzahl an Druckfehlern, die das Leseerlebnis erheblich beeinträchtigt. Der Text auf der Impressumseite »Alle Angaben wurden sorgfältig recheriert« statt richtig »recherchiert« ist nur ein Beispiel von vielen.

Was soll außerdem die Anmerkung »Alle Angaben wurden ... vom Verlag geprüft«, wenn im Anschluß daran zu lesen ist: »Für die Richtigkeit der Angaben kann jedoch keine Haftung übernommen werden«? Dieser »Rückzieher« ist doch ein Widerspruch in sich selbst!

Eine weitere Kuriosität: Der Leser wird u. a. vom Lektor »belehrt«, daß es »das Tram« und nicht, wie er es gewohnt ist, »die Tram« heißt (übrigens wie »recheriert« ein Lapsus, der nicht nur ins Straßenbahn-Jahrbuch, sondern auch in andere Veröffentlichungen des gleichen Verlages Eingang gefunden hat). Sparen wir uns die Aufzählung weiterer Orthographie- und Grammatikfehler – ihre Zahl geht in die Dutzende!

Hinzu kommen Stilblüten wie »Kehrgleis« – dem Konsumenten des Buches wird erst nach mehrmaligem Lesen des Kontextes klar, daß es sich nicht um ein Gleis, auf dem Wagen mit dem Besen gesäubert werden, sondern um eine Wendeschleife handelt. Auf ähnliche Merkwürdigkeiten stößt der Leser, wenn er mit »Abruf« anstelle von Baulos oder »Einlagezüge« statt Einsatzwagen konfrontiert wird.

Besonders »interessant«: Es muß wohl doch entgegen allgemeingültiger Auffassung Übermenschen geben, sonst hieße es nicht auf S. 86: »Die ABM-Kraft hat einen Bahnsteig gebaut...«, und dann folgt eine Aufzählung mehrerer Lokomotiven und Wagen, die »sie« aufgearbeitet hat. Oder waren es vielleicht – wie der Rezensent meint – mehrere Personen (= ABM-Kräfte)?

Auch fachlich unkorrekte Bezeichnungen werden dem Leser angeboten, etwa »Traktion« statt richtig Doppeltraktion oder »Sänfte« für das radsatzlose Mittelteil eines Straßenbahnwagens. »Schienen-Betriebsstrecke« statt Gleisnetz gehört ebenfalls in diese Kategorie und wirkt ebenso gekünstelt wie hilflos. Worüber »Otto Normalverbraucher« vielleicht hinweglesen wird, dürften engagierte und sachkundige Straßenbahnfreunde mit leichtem Unbehagen zur Kenntnis nehmen. »Natürlich« hat der Lektor auch zugelassen, daß der Text mit völlig überflüssigen Anglizismen »gewürzt« wurde (man ist ja schließlich »in«). »Mock-up« oder »Light-Rail« sollen hier als Beispiele ausreichen.

Zu guter Letzt: Die Verwendung veralteter und lokal geprägter Wörter wie »heuer« oder »Samstag« ist in hochdeutschen Texten fehl am Platze. Zwar sind derartige Sprachunarten auch in Tageszeitungen und erst recht in Rundfunk und Fernsehen weit verbreitet; sie sollten aber im Interesse eines gepflegten Stils vermieden werden.

Im großen und ganzen ist das Straßenbahn-Jahrbuch 2003 ein brauchbares Werk, das eine Menge aktueller Informationen zu einem verhältnismäßig günstigen Preis bietet. Aufgrund der erwähnten Schwächen dürfte es aber kaum einen Spitzenplatz unter den erscheinenden Periodika, geschweige denn in der Verkehrsliteratur insgesamt erobern. Da die Grundkonzeption des Werkes jedoch richtig ist, können wir auf die nächste Ausgabe durchaus gespannt sein – in der Hoffnung, daß die hier beanstandeten Mängel dann der Vergangenheit angehören. Offen bleibt für die Zukunft auch die Möglichkeit, wenigstens für repräsentative Betriebe in Südost- und Osteuropa ein paar Druckseiten zu reservieren. Und vielleicht entschließt sich der Verlag auch für das »gewisse Etwas«, nämlich die Veröffentlichung von Beiträgen im Straßenbahn-Jahrbuch, die, da bis dato nirgends erschienen, diesem Periodikum einen durchaus eigenen Reiz verleihen könnten.

Hans Wiegard

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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