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Bremer Straßenbahn AG (Hrsg.): Bremen und seine Straßenbahn. Eine illustrierte Zeitreise (Dumjahn-Nr. 0015739)
Dumjahn-Nr. 0015739
ISBN-10: 3927155470

Hans Wiegard:
»
Im ganzen hinterläßt das Buch einen mehr als zwiespältigen Eindruck. Freilich, das Werk ist durchaus nicht arm an Informationsgehalt, aber seine Lektüre bereitet kaum Genuß

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Eine typische Festschrift


Bremer Straßenbahn AG (Hrsg.): Bremen und seine Straßenbahn. Eine illustrierte Zeitreise. Kellner-Verlag : Bremen 2001.
- Zur Bibliographie.

»Bremen und seine Straßenbahn. Eine illustrierte Zeitreise.« So heißt ein Buch, das die Bremer Straßenbahn AG anläßlich des 125jährigen Jubiläums des schienengebundenen Nahverkehrs in der Hansestadt herausgegeben hat.

Wie bei vielen anderen Straßenbahnbetrieben auch, begann der Straßenbahnbetrieb in Bremen mit der Eröffnung einer Pferdebahnlinie. Das war im Jahre 1876, und seitdem hat sich der Bremer Nahverkehrsbetrieb kontinuierlich zu einem Unternehmen entwickelt, das alle Anforderungen an einen zeitgemäßen öffentlichen Personennahverkehr erfüllen kann und dessen Bestand auf lange Sicht gesichert scheint.

Im Gegensatz zu anderen norddeutschen Städten wie Hamburg, wo die Straßenbahn längst Geschichte ist, setzen die Stadtväter von Bremen nicht nur weiterhin auf die »Elektrische«, sondern sind auch bestrebt, Fahrzeugpark, Gleisanlagen und Sicherungstechnik ständig auf aktuellem Stand zu halten und, was noch wichtiger scheint, das bestehende Streckennetz weiter auszubauen und zukünftigen Anforderungen anzupassen.

Neue Ideen und Strategien seitens der Bremer Straßenbahn AG sind gefragt, wenn es darum geht, auch zukünftig in der Stadt und im angrenzenden Territorium mit einem attraktiven Verkehrsangebot für die Mobilität der Menschen zu sorgen.

So jedenfalls ist es in einem von gleich drei (!) Vorworten, das der Bremer Bürgermeister Henning Scherf verfaßt hat (die anderen Vorworte stammen vom Vorstand der BSAG und von der IG Bremer Straßenbahnfreunde), nachzulesen – ungeachtet der Tatsache, daß sich Wünsche, Möglichkeiten zu ihrer Umsetzung und unmittelbare Wirklichkeit nicht selten beträchtlich voneinander unterscheiden.

Letztere Feststellung gilt auch für das Werk »Bremen und seine Straßenbahn«. Das Buch ist eine Teamarbeit mehrerer Verfasser. Zu ihnen gehören sowohl Mitarbeiter der BSAG als auch Mitglieder der Interessengemeinschaft »Bremer Straßenbahnfreunde e.V.« Angesichts des durchaus illustren Autorenkreises mag der Leser zunächst denken, das über 200 Druckseiten umfassende Buch sei so etwas wie eine Chronik der Bremer Straßenbahn, und er wird zweifellos in der Hoffnung bestärkt, fundierte und detaillierte Informationen über die Betriebsgeschichte, über die Entwicklung des Wagenparks von Straßenbahn und Kraftomnibus, über die Herausbildung und Umgestaltung des Liniennetzes zu erhalten und nicht zuletzt etwas über die Stadt und die Menschen, die tagtäglich Straßenbahn und Bus benutzen, zu erfahren.

Doch das Werk ist alles andere, nur keine Chronik. Es ist eine jener typischen Festschriften, welche einige Verkehrsbetriebe zu bestimmten Anlässen herausgeben, um sich selbst in der Öffentlichkeit zu profilieren und in ein günstiges Licht zu setzen. Public Relation nennt sich diese Art von Eigenwerbung, die nicht selten – so auch im vorliegenden Fall – dazu herhalten muß, so manche durchaus zwielichtigen Geschehnisse und Entscheidungen der ferneren oder jüngeren Vergangenheit und daraus resultierende Fehlentwicklungen im Nachhinein zu rechtfertigen.

Natürlich findet der aufmerksame Leser Angaben zu historischen Ereignissen, zu den Verkehrsmitteln Straßenbahn, Obus und Kraftomnibus oder zur Entwicklung des Wagenparks, und er stößt sogar auf eine Besonderheit, die Bremen eine Zeitlang besaß – die gleislose Bahn, einen Vorgänger des modernen Obus. Doch er wird fast stets dort fündig, wo er es am wenigsten erwartet. Das wäre wohl noch zu verschmerzen, wären nicht die unverzichtbaren Fakten zugunsten breit ausgewalzter Darstellungen der jeweils gültigen Unternehmensphilosophie und ihrer Verwirklichung auf ein Minimum zusammengedrängt.

Wie angesichts dessen kaum anders zu erwarten, will sich der Text nicht zu einem geschlossenen Ganzen fügen. Einer gewissen Chronologie folgende Abschnitte stehen unvermittelt neben bruchstückhaft ausgeführten; ausführlichere Darstellungen wechseln unmotiviert mit episodenähnlich gestalteten ab. Stilistisch bietet der Textteil alles Erdenkliche – vom trockenen und schwülstigen Amtsdeutsch (Wortungetüme wie »Mobilitätskonzern«, »erwerbswirtschaftliches Unternehmen« oder »Programm der inneren Modernisierung« mögen hier als Beispiele ausreichen) bis hin zur lässigen Umgangssprache. Ersteres überwiegt leider, letztere ist außer da, wo sie durchaus angebracht ist – nämlich bei den insgesamt acht Druckseiten umfassenden, »Straßenbahngeschichten« genannten Anekdoten, – auch an anderen Stellen zu finden.

Es gibt durchaus Sachbücher, an denen mehrere Autoren mitgearbeitet haben und die dennoch wie aus einem Guß wirken, aber das vorliegende Werk über Bremens Straßenbahn ist in bezug auf die Textgestaltung geradezu ein Musterbeispiel für die Wahrheit des Sprichwortes »Viele Köche verderben den Brei«. Etwas gemildert wird dieser Eindruck durch die am Schluß des Werkes abgedruckte, zwölf Seiten umfassende Zeittafel, die dem Leser immerhin einen gewissen Rettungsanker bei seinem ansonsten schier aussichtslosen Versuch bietet, sich im Wirrwarr des laufenden Textes zurechtzufinden.

Für den Abbildungsteil gilt ähnliches wie für den Textteil. Neben aussagefähigen, in guter Qualität wiedergegebenen Schwarzweiß- und Farbfotos namhafter Bildautoren sowie ein paar Faksimiles älterer und neuerer Netz- und Haltestellenpläne findet der Leser winzige, nichtssagende, zum Teil sogar die Größe einer Briefmarke unterschreitende Bildchen, deren einziger »Vorzug« in ihrer überwiegend grellbunten Farbigkeit besteht. Auf der dritten und vierten Umschlagseite ist schließlich der aktuelle Linienplan der Straßenbahn abgedruckt – zweifellos keine speziell für das vorliegende Buch angefertigte Farbzeichnung, sondern die Kopie eines in Bremens Straßenbahnwagen angebrachten, der Information der Fahrgäste dienenden Posters.

Im ganzen hinterläßt das Buch »Bremen und seine Straßenbahn« einen mehr als zwiespältigen Eindruck. Freilich, das Werk ist durchaus nicht arm an Informationsgehalt, aber seine Lektüre bereitet kaum Genuß. Allzuviel an Gestaltungsmöglichkeiten wurde der vordergründigen Selbstdarstellung des Unternehmens geopfert.

Wer das Buch zum allerdings sehr günstigen Preis von EUR 12,80 bereits angeschafft hat, mag es behalten. Und wer die Möglichkeit hat, es auszuleihen, kann das getrost tun. Doch wer mit dem Gedanken spielt, die Festschrift jetzt noch käuflich zu erwerben, sollte lieber darauf verzichten und stattdessen direkt bei den Bremer Straßenbahnfreunden e.V. die angekündigte »Chronik aller Fahrzeuge und Linien« bestellen oder vielleicht sogar abwarten, ob nicht ein renommierter Verlag für Verkehrsliteratur in absehbarer Zeit eine bessere Gesamtdarstellung der Geschichte der Bremer Straßenbahn als die jetzt vorliegende herausbringt.

Hans Wiegard

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