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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Frank, Hans-Dieter; Kenning, Ludger: Die Usedomer Bäderbahn (Dumjahn-Nr. 0015654)
Dumjahn-Nr. 0015654
ISBN-10: 3933613256

Hans Wiegard:
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Der Leser wird mehr als angenehm enttäuscht, denn das Werk entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gediegene, kurzweilig geschriebene Dokumentation, die die Entwicklung der Eisenbahn auf der Ostseeinsel von ihren Anfängen bis in die Gegenwart nachzeichnet und ob ihres Detailreichtums kaum Wünsche offen läßt

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Fundiert und kurzweilig


Frank, Hans-Dieter; Kenning, Ludger: Die Usedomer Bäderbahn (Nebenbahndokumentation, 66). Verlag Kenning : Nordhorn 2003. - Zur Bibliographie.

Seit Dezember 1994 besteht auf der Ostseeinsel Usedom ein Eisenbahnunternehmen besonderer Art – die Usedomer Bäderbahn (UBB). Als Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG hat sie sich das Ziel gestellt, die Eisenbahnstrecken auf Usedom auf lange Sicht zu erhalten und den Regionalverkehr auf der Insel, deren östlicher Teil im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs zu Polen kam, rationell und wirtschaftlich durchzuführen. Darüberhinaus beabsichtigt die UBB GmbH, in Zusammenarbeit mit den Polnischen Staatsbahnen PKP in absehbarer Zeit den durchgehenden Eisenbahnbetrieb zwischen West- und Ostusedom wiederherzustellen.

Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber was die Bäderbahn inzwischen für die Modernisierung des Eisenbahnbetriebs auf der Insel getan hat, ist mehr als beachtlich: Moderne Triebwagen verkehren zwischen Wolgast und Ahlbeck und ermöglichen den Besuchern und Feriengästen ein angenehmes Reisen. Kaum noch etwas erinnert an die Zeiten, als die Bahnstrecken auf Usedom, vor allem wegen ihres desolaten Zustandes, ständig von der Stillegung bedroht waren. Dessenungeachtet kann der aufmerksame Reisende hier und da durchaus noch Relikte der Vergangenheit entdecken, von denen das denkmalgeschützte Hubgerüst der 1945 gesprengten Eisenbahnbrücke bei Karnin wohl eines der markantesten ist.

Gleich zwei Autoren – der Geschichtsexperte und Eisenbahnkenner Hans-Dieter Frank und der vor allem als Verleger verkehrsgeschichtlicher Literatur bekannte, deshalb aber nicht weniger prädestinierte Ludger Kenning haben nun eine Publikation über die Usedomer Bäderbahn vorgelegt. Das Vorwort stammt vom Geschäftsführer der UBB GmbH, Jörgen Boße. Angesichts dieser Tatsache könnte derjenige, der das Werk erstmals zur Hand nimmt, durchaus auf den Gedanken kommen, das Buch sei vor allem ein mit einigen Bemerkungen zur Bahngeschichte gewürzter Reisebegleiter für Usedom-Touristen und hintergründig eine Art Selbstdarstellung des Unternehmens.

Letzteres vor allem, weil Boße in sein Vorwort eine Kurzcharakteristik der UBB aufgenommen hat, die in der wohl nur bedingt zu akzeptierenden Aussage gipfelt, die (heutige) Eisenbahn auf Usedom verkörpere ein erfolgreiches Kapitel der Bahnreform und sei ohne sie undenkbar. Schließlich hätte die Inselbahn früher oder später sowieso grundlegend erneuert werden müssen, um im Wettbewerb der Verkehrsträger weiterhin erfolgreich bestehen zu können – unabhängig von ihrer jeweiligen Organisationsstruktur.

Doch der Leser wird mehr als angenehm enttäuscht, denn das Werk entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gediegene, kurzweilig geschriebene Dokumentation, die die Entwicklung der Eisenbahn auf der Ostseeinsel von ihren Anfängen bis in die Gegenwart nachzeichnet und ob ihres Detailreichtums kaum Wünsche offen läßt.

Daß die Veröffentlichung fast nebenher auch noch manche Information über die Usedomer Ostseebäder und ihre Sehenswürdigkeiten bietet, dürfte dem Anliegen der Verfasser, einen möglichst breiten Leserkreis für ihr Buch zu interessieren, nur entgegenkommen.

In insgesamt sieben Kapiteln handeln die Verfasser die wechselvolle Geschichte der Eisenbahn auf Usedom ab. Fünf dieser Kapitel stellen im wesentlichen chronologisch die Entwicklung dar und sind der Übersichtlichkeit halber in Unterabschnitte gegliedert, die besonders wichtige und interessante Zeitabschnitte und die jeweils mit ihnen verknüpften Ereignisse näher beleuchten. Das Eingangskapitel mit der Überschrift "Usedom/Wollin – Sonneneck zur Ostsee" ist eine Hommage auf die Insel und ihre Bäder und bringt dem Leser gleichsam im Zeitraffertempo die Gründe nahe, die im 19. Jahrhundert zur Errichtung der Bäderbahn führten.

Die Kapitel zwei bis fünf behandeln ausführlich die Entwicklung der Bahn von ihren Anfängen in der Gründerzeit bis in die unmittelbare Gegenwart. Den größten Umfang besitzt verständlicherweise das zweite Kapitel, spannt sich sein zeitlicher Bogen doch von der wilhelminischen Ära bis in die Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier erfährt der Leser so gut wie alles über Entstehung und Ausbau des Usedomer Streckennetzes, über seine Anbindung an das Festland und über die Blütezeit des Bäderverkehrs.

Dem wohl düstersten Abschnitt in der Geschichte Usedoms und seiner Eisenbahn – untrennbar verbunden mit der Heeresversuchsanstalt Peenemünde und ihrer Werkbahn – widmen die Autoren ein eigenes Unterkapitel. Freilich ist in jüngerer Vergangenheit schon so mancher Zeitschriftenartikel über die Peenemünder Bahn erschienen, doch die Darstellung im Buch von Frank / Kenning übertrifft – und das dürfen sich die Verfasser zweifellos als Verdienst anrechnen lassen – bisherige Publikationen zwar nicht an Umfang, aber doch an Tiefgründigkeit.

Den Schluß des zweiten Kapitels bildet eine sachkundige und informative Schilderung der Umstände, unter denen der Eisenbahnbetrieb auf Usedom in den ersten Nachkriegsjahren aufrechterhalten wurde. Es versteht sich wohl beinahe von selbst, daß die Autoren mit der ihnen eigenen Gründlichkeit die Bedeutung der Wolgaster Fähre als seinerzeit einzig verbliebener Verbindung zwischen Insel und Festland würdigen.

Das Kapitel drei durchbricht die chronologisch angelegte Konzeption des Buches, denn es behandelt die Geschichte der Eisenbahnstrecke Züssow – Wolgast und skizziert darüberhinaus die Entwicklung der ab 1940 unter dem Dach der Pommerschen Landesbahnen vereinten von Wolgast ausgehenden oder die Stadt zumindest tangierenden Kleinbahnen, die allerdings 1945 bis auf ein kleines Reststück den Reparationsleistungen an die Sowjetunion zum Opfer fielen. Mancher Leser mag vielleicht denken, die Wolgaster Eisenbahngeschichte gehöre nicht zum Thema Usedomer Bäderbahn und sei daher ein entbehrlicher Lückenfüller. Doch nach Meinung des Rezensenten haben die Verfasser recht getan, dieses Kapitel in ihr Werk aufzunehmen. Denn Wolgast war stets und ist auch heute noch Dreh- und Angelpunkt des Eisenbahnbetriebs zwischen Usedom und dem Festland.

Mit dem vierten Kapitel, das sich mit der DDR-Zeit befaßt, nehmen die Autoren den Faden der Darstellung der Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge wieder auf. Der Leser erfährt hier viel Wissenswertes über Feriensonderzüge, Militärtransporte, den umfangreichen Güterverkehr, dem die Deutsche Reichsbahn in der DDR stets eine wichtigere Rolle als dem Reiseverkehr beimaß, und über Projekte zum Wiederaufbau von Streckenabschnitten des einst verzweigten Netzes.

Und er wird mit der Tatsache konfrontiert, daß die noch 1989 elektrifizierte Zubringerstrecke Züssow – Wolgast zehn Jahre später wieder ihrer Fahrleitung beraubt wurde. Leider enthalten sich die Autoren diesbezüglich einer Wertung. Denn schließlich war diese Ent-Elektrifizierung nur eine von mehreren ähnlichen Fehlentscheidungen, die der Vorstand der DB AG zwischen 1995 und 2000 zu verantworten hatte und die ausschließlich elektrisch betriebene Strecken in den neuen Bundesländern betrafen.

Das fünfte Kapitel, mit dem die chronologische Darstellung endet, behandelt die Geschichte der Bäderbahn seit 1990 und berücksichtigt auch Tendenzen der künftigen Entwicklung. Daran anschließend behandeln die Autoren den Fahrzeugeinsatz – in einer Art und Weise, die wohl das Herz eines jeden Eisenbahnfreundes höher schlagen läßt. Die Verfasser bieten dem Leser einen Überblick über fast alle Typen von Lokomotiven und Triebwagen, die einst auf Usedom zum Einsatz gelangten und die gegenwärtig das Bild der Bäderbahn prägen. So fehlen die Dampfloks der Anfangsjahre ebensowenig wie die Fahrzeuge der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, die nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzten und wegen des ständig auf der Insel herrschenden Seitenwindes mit Windleitblechen ausgerüsteten Loks der Baureihen 56.2 – 3 und 86 oder die für die neunziger Jahre typischen modernisierten zweiachsigen Leichttriebwagen und schließlich der Stolz der UBB GmbH, die neuen Gelenk-Verbrennungstriebwagen des Typs GTW 2/6.

Und weil die Verbindung zwischen Usedom und dem Festland viele Jahre nur durch eine Fähre aufrechterhalten wurde, würdigen die Verfasser ausführlich auch den Einsatz des nahezu legendären Fährschiffs "Stralsund".

Die vollständige Auflistung der seit 1993 (nicht, wie der Tabellenkopf suggeriert, 1995) bei der Bäderbahn eingesetzten Triebwagen schließt das Fahrzeugkapitel ab. Statistik-Freaks werden sicherlich bemängeln, daß die Verfasser nicht auch die früher verwendeten Triebfahrzeuge in ähnlicher Form erfaßt haben – ganz zu schweigen vom einst vorhandenen Wagenpark. Doch hierbei ist zu bedenken, daß heute wohl kaum noch verläßliche Unterlagen vorhanden sein dürften, anhand derer hinreichend genaue Aussagen über Betriebsnummern, Stationierung und Ausmusterung der betreffenden Fahrzeuge möglich gewesen wären.

Am Schluß des Werkes lassen die Autoren die Strecken und Stationen der Usedomer Bäderbahn Revue passieren – nicht ohne dem Leser den Eindruck zu vermitteln, daß sich ein Besuch der Insel und seiner Bahn jederzeit lohnt, sei es als passionierter Eisenbahnfreund oder »nur« als erholungsuchender Tourist.

Das Buch ist mit Schwarzweiß- und Farbabbildungen reichhaltig illustriert. Die Farbfotos und Farbzeichnungen sind in durchweg ansprechender Qualität wiedergegeben. Hinsichtlich der Schwarzweißfotos muß jedoch mancher Abstrich an dieser Einschätzung gemacht werden. Insbesondere können diejenigen Abbildungen, bei denen die Autoren nicht auf Originalvorlagen, sondern auf teilweise mehrfach reproduzierte und stark retuschierte Fotos zurückgegriffen haben, qualitativ kaum befriedigen.

Weniger wäre hier wahrscheinlich besser gewesen, zumal einige dieser Fotos sich bei näherem Hinsehen als Bildmontagen entpuppen – so u.a. die Fotos auf S. 16 und 20 unten. Dokumentarischer Wert ist derartigen Abbildungen wohl nicht beizumessen – es sei denn, Verfasser und Herausgeber wollten dem Leser vor Augen führen, welcher Gags sich zeitgenössische Fotografen mitunter bedient haben.

Allerdings: Die Buchautoren weisen in den Unterschriften der betreffenden Bilder ausdrücklich darauf hin, daß es sich um Montagen handelt, und gerade diese scheinbare Kleinigkeit unterscheidet das Werk von Frank / Kenning wohltuend von anderen ähnlichen Veröffentlichungen, in denen mehr oder minder geschickt montierte Abbildungen allzu oft als authentisch ausgegeben werden.

Insgesamt handelt es sich bei dem Buch von Hans-Dieter Frank und Ludger Kenning um ein lesens- und wegen seines recht günstigen Preises auch kaufenswertes Werk, das mit Sicherheit einen bleibenden Platz unter den eisenbahngeschichtlichen Veröffentlichungen einnehmen und behaupten wird.

Hans Wiegard

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