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Häupel, Stephan; Schramm, Eberhard: Schmalspurbahnen um Thum (Nebenbahndokumentation, 71) (Dumjahn-Nr. 0015656)
Dumjahn-Nr. 0015656
ISBN-10: 3933613396

Hans Wiegard:
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Ohne Zweifel ein Buch, dem ein Spitzenplatz unter den eisenbahnhistorischen Publikationen gebührt und dessen Anschaffung aufgrund seiner hervorragenden Qualität, aber auch wegen des verhältnismäßig günstigen Kaufpreises niemanden gereuen dürfte

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Ein großartiges Werk

Häupel, Stephan; Schramm, Eberhard: Schmalspurbahnen um Thum (Nebenbahndokumentation, 71). Verlag Kenning : Nordhorn 2002. - Zur Bibliographie.

Verehrter Leser der folgenden Zeilen, sollten Sie irgendwann einmal an einer Quizveranstaltung teilnehmen, dann könnte Ihnen durchaus diese Frage gestellt werden: Was ist die Binge? Wenn Sie in der Umgebung des Erzgebirges zu Hause sind, dürfte Ihnen die Antwort nicht schwerfallen, denn dieser Begriff bezeichnet ein uraltes eingestürztes Silberbergwerk in der Nähe der drei Ortschaften Thum, Ehrenfriedersdorf und Geyer. 

Sollte Ihnen das Wort Binge nicht geläufig sein, werden Sie bestimmt bei der Erwähnung der Ortsnamen ein Aha-Erlebnis haben, zumal wenn Sie ein kundiger Eisenbahnfreund sind. Denn die drei Orte wurden viele Jahre in einem Atemzug mit einem schmalspurigen Eisenbahnnetz genannt, dessen erste Teilstrecken 1886 bzw. 1888 in Betrieb genommen wurden und dessen Entstehung dem seinerzeit noch mehr oder weniger florierenden Erzbergbau geschuldet war.

Bereits 1911 hatte das Thumer Schmalspurnetz – so benannt nach dem bedeutendsten Bahnhof – seine größte Ausdehnung erreicht. Ging auch die Bedeutung des Erzbergbaus wegen mangelnder Rentabilität allmählich zurück, so keineswegs diejenige der Eisenbahn. Denn die seit alters her in den Tälern des Erzgebirges angesiedelten Manufakturen entwickelten sich zu großen Textil- und Holzverarbeitungsbetrieben sowie Papierfabriken, die ihre Erzeugnisse überwiegend auf dem Schienenweg abtransportieren ließen.

Neben dem Güterverkehr nahm auch der Reiseverkehr rasch zu, so daß ab Anfang der 1930er Jahre nur noch die von der DRG speziell für sächsische Strecken beschafften neuen Einheitsloks der Baureihe 99.73 – 76 die ständig steigenden Zugleistungen bewältigen konnten. Der Bahnhof Thum entwickelte sich zum Verkehrsknoten, und an die Stelle des alten Heizhauses trat ein recht modernes Bahnbetriebswerk.

Lediglich 56 Jahre währte die Herrlichkeit des Thumer Netzes, denn 1967 begann sein Abbau. Im wesentlichen waren die Strecken 1972 verschwunden, lediglich zwei kurze Abschnitte in Schönfeld-Wiesa und Wilischthal fristeten bis 1985 bzw. 1992 als Werksanschlüsse ihr Dasein.

Heute ist das einstmals bedeutende, immerhin 44 Streckenkilometer umfassende 750-mm-Netz längst Geschichte, und kaum noch jemand würde sich seiner erinnern, gäbe es nicht die Aktivitäten des Modelleisenbahnklubs Geyer und die hier zu besprechende Veröffentlichung, die die Historie des »Thumer Bähnles« nachzeichnet.

Die Mühe, das Manuskript für das Buch »Schmalspurbahnen um Thum« anzufertigen, hatte im »Millenniumsjahr« 2000 der Diplomingenieur, Eisenbahner und exzellente Kenner der Geschichte des Erzgebirges und seiner Verkehrsmittel Eberhard Schramm auf sich genommen. Der Verfasser erlebte das Erscheinen seines Buches nicht mehr, denn im August 2001 nahm ihm der Tod für immer die Feder aus der Hand. Stephan Häupel hat in Zusammenarbeit mit dem Kenning-Verlag Schramms Werk einfühlsam und pietätvoll zu Ende geführt. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen: Das nun vorliegende großformatige Buch ist wahrscheinlich eine der besten Dokumentationen, die jemals über eine Schmalspurbahn veröffentlicht worden sind.

Das Werk enthält so gut wie alles an Wissenswertem über das Thumer Netz. Ungeachtet der Fülle an Informationen, die der Leser im wahrsten Sinne des Wortes verarbeiten muß, wirkt das Buch keineswegs langatmig. Nicht zuletzt ist das der sorgfältigen und in jeder Hinsicht logischen Gliederung des recht umfangreichen Textes zu danken.

Der Schilderung von Vorgeschichte und Errichtung des Netzes folgen detaillierte Ausführungen zum Betrieb und Verkehr von den Anfängen über die Blütezeit bis hinein in die Jahre, da sich die Stillegung abzeichnete. Danach wird in jeweils einem besonderen Kapitel jede einzelne Strecke vorgestellt – völlig zu Recht, wie der Rezensent meint. Denn obgleich alle Strecken zu einem Gesamtnetz – eben dem »Thumer Netz« – gehörten, besaß doch jede von ihnen ihre Besonderheiten, seien es solche betrieblicher Art, seien es die Bahnhöfe, die Gleisführung oder die baulichen Anlagen. Selbstverständlich ist auch die Rolle des Bahnhofs Thum als Dreh- und Angelpunkt des gesamten Netzes in einem Extrakapitel abgehandelt, und ebenso ist den Hoch- und Kunstbauten – in der Mehrzahl hervorragenden, zum Teil sogar einmaligen ingenieurtechnischen Leistungen – ein eigenes Kapitel gewidmet.

Ein besonderer, mit ausführlichen statistischen Angaben versehener Teil stellt die Fahrzeuge vor – im Gegensatz zu manch anderem ähnlichen Werk nicht nur die Lokomotiven, sondern auch die Wagen –, so daß auch diejenigen Leser, deren Interesse mehr dem Rollmaterial als der Streckengeschichte gilt, voll auf ihre Kosten kommen.

Ausführlich und kritisch werden die Erwägungen und Ursachen behandelt, die letztenendes zur Stillegung des Thumer Schmalspurnetzes führten. Ziemlich am Schluß sind einige nette Anekdoten um das »Thumer Bähnchen« abgedruckt – durchaus willkommener Kontrast zum sonst sehr seriösen Grundtenor des Textes –, und ganz am Ende findet der Leser unter der Überschrift »Wanderungen auf den einstigen Bahntrassen« so manche Anregung zu selbständigen Entdeckungsreisen zwischen Thum und Geyer und vielleicht auch zu eigenen Recherchen.

Eine Zeittafel, die noch einmal die wichtigsten Ereignisse rund um die Thumer Schmalspurbahn in konzentrierter Form zusammenfaßt, und ein ausführliches Literaturverzeichnis runden den zweifellos mustergültigen Textteil ab.

Das Werk ist ungewöhnlich reich illustriert. Doch nicht nur die hohe Zahl von Abbildungen besticht, sondern größtenteils auch ihre Qualität. Das betrifft die Wiedergabe der Vorlagen ebenso wie die Aussagekraft der Motive – gleichgültig, ob es sich um Schwarzweiß- oder Farbfotos handelt.

Einige wenige Schwarzweißfotos halten heutigen Ansprüchen nicht ganz stand. Immerhin scheint es gerechtfertigt, daß sie dennoch abgedruckt worden sind, denn es handelt sich dabei um historisch wertvolle Bilder aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg, die mit dem damals üblichen orthochromatischen Film aufgenommen wurden und daher nicht den Detail- und Tonreichtum der späteren panchromatischen Materialien besitzen. Ein paar Farbbilder – keine Fotografien, sondern hervorragende Zeichnungen – hat der bekannte Graphiker Peter König aus Aue als durchaus sinnvolle Ergänzung des Bildteils beigesteuert.

Zu guter Letzt sind die akkuraten Strecken- und Bahnhofspläne sowie die technischen Zeichnungen von Gebäuden, Brücken, sonstigen Hochbauten und Eisenbahnwagen der Erwähnung wert; denn sie dürften mit Sicherheit so manchem Modelleisenbahner als Anregung zum Nachbau hoch willkommen sein.

»Schmalspurbahnen um Thum« ist ohne Zweifel ein Buch, dem ein Spitzenplatz unter den eisenbahnhistorischen Publikationen gebührt und dessen Anschaffung aufgrund seiner hervorragenden Qualität, aber auch wegen des verhältnismäßig günstigen Kaufpreises niemanden gereuen dürfte.

Hans Wiegard

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