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Sturm, Wolfram: Eisenbahnzentrum Leipzig. Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart (Dumjahn-Nr. 0016700)
Dumjahn-Nr. 0016700
ISBN-10: 3980720195

Hans Wiegard:
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Trotz der erwähnten Schwächen kann sich das Buch 'Eisenbahnzentrum Leipzig' insgesamt sehen lassen. Dem Vergleich mit ähnlichen Publikationen anderer Verlage hält es nämlich, was Inhalt, Aufmachung und Preis anbelangt, durchaus stand

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Sturm, Wolfram: Eisenbahnzentrum Leipzig. Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Pro Leipzig e.V. : Leipzig 2003. - Zur Bibliographie.

In der westsächsischen Metropole Leipzig existiert seit einigen Jahren ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte von Stadt und Region zu erforschen, die Entwicklung und Modernisierung dieses bedeutenden Industriestandortes und Zentrums des geistigen und kulturellen Lebens zu fördern und dem Fremdenverkehr zu neuer Blüte zu verhelfen. Der Name des Vereins – Pro Leipzig – sagt eigentlich bereits alles, denn er ist Bezeichnung und Programm zugleich.

Zu den rührigen Aktivitäten von Pro Leipzig e.V. zählt auch die Herausgabe von Büchern unterschiedlicher Thematik, darunter zur Verkehrs- und speziell zur Eisenbahngeschichte. Schließlich war die Leipzig-Dresdener Eisenbahn die eigentliche Keimzelle des deutschen Eisenbahnnetzes, und bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Leipzig zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt gemausert.

Über die Eisenbahn in und um Leipzig, ihre Fahrzeuge und Anlagen und nicht zuletzt ihre berühmten Bauwerke – erinnert sei vor allem an den Leipziger Hauptbahnhof – ist in den vergangenen Jahrzehnten bereits eine Vielzahl von Veröffentlichungen erschienen. Dennoch fügt das kürzlich bei Pro Leipzig erschienene Buch des Autors Wolfram Sturm »Eisenbahnzentrum Leipzig« nicht einfach den bisherigen Publikationen eine weitere hinzu. Vielmehr legt der Verfasser erstmals einen geschichtlichen Gesamtüberblick vor, der von den Anfängen bis zur Gegenwart reicht und dabei die Tendenzen künftiger Entwicklung nach aktuellem Stand berücksichtigt.

In insgesamt sechs Kapiteln handelt Wolfram Sturm die von ihm gewählte Thematik ab. Davon sind fünf Kapitel recht umfangreich und deshalb der Übersichtlichkeit halber in Unterabschnitte gegliedert. Das erste Kapitel ist der Entstehung des Eisenbahnknotens Leipzig gewidmet, die folgenden befassen sich mit seinem Ausbau und der Entwicklung bis zum Jahre 1990. Zum Schluß schildert der Verfasser ausführlich die Etappen der Umwandlung und Modernisierung des Leipziger Knotens nach der Wende sowie die Schwerpunkte, welche die Deutsche Reichsbahn und ihre Nachfolgerin DB AG dabei setzten.

Der Text bietet dem Leser eine Fülle von Informationen, wobei die Angaben zum Betrieb und Verkehr und zur Entwicklung der Bahnanlagen überwiegen. Eisenbahnfreunde, deren Interesse vorwiegend den Fahrzeugen gilt, dürften daher leicht enttäuscht sein, denn ihr Einsatz wird nur am Rande behandelt. Allerdings: Ein geschichtlicher Abriß wie der vorliegende kann und muß durchaus nicht in aller Ausführlichkeit auf die in Gegenwart und Vergangenheit vorhandenen und verwendeten Lokomotiven, Wagen und sonstigen Fahrzeuge eingehen – dafür gibt es schließlich Spezialliteratur. Mit voller Absicht hat der Autor auch die Geschichte des Leipziger Hauptbahnhofes weitgehend ausgespart, zumal allein seit 1990 vier ausführliche Publikationen zu diesem Thema erschienen sind. Dessenungeachtet dürfte es dem Leser schwerfallen, den Informationsreichtum des Werkes bei einmaligem Durchblättern voll zu erfassen. Es lohnt sich durchaus, das Buch mehrmals zu lesen, denn der Text ist flüssig geschrieben und läßt daher kaum Langeweile aufkommen.

Eine leichte Kritik scheint jedoch angebracht: Der Zeit von 1945 bis 1990, einem der zweifellos interessantesten und ereignisreichsten Abschnitte der Leipziger Eisenbahngeschichte, widmet der Autor ganze vier Seiten. Es wäre durchaus angebracht gewesen, die Jahre des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, der in Leipzig wie auch anderswo beträchtliche Zerstörungen hinterlassen hatte, ausführlicher zu würdigen. Und es hätte sich sicherlich gelohnt, der Folgezeit breiteren Raum zu widmen, als es Wolfram Sturm getan hat. So aber ist das Kapitel, welches sich mit der Geschichte des Leipziger Eisenbahnknotens in der SBZ und DDR befaßt, im wesentlichen zu einer bloßen Aneinanderreihung von Fakten und Daten geraten.

Im Gegensatz dazu steht die ausführliche – hinsichtlich der Behandlung noch nicht völlig ausgereifter Projekte vielleicht sogar zu detaillierte – Schilderung der Entwicklung nach 1990. Zudem haftet dem betreffenden Kapitel ein weiteres Manko an: Abweichend von der weitgehend objektiven Darbietung der Fakten im übrigen Text tendiert der Verfasser hier zu einer gewissen Lobhudelei auf die DB AG. Denn längst nicht alles, was die vereinigte und privatisierte Deutsche Bahn in Leipzig und an anderen Orten getan hat und noch tut, ist wirklich gut und findet die Akzeptanz der Fachleute, geschweige denn der breiten Öffentlichkeit. Möglicherweise haben sich hier Autor und Herausgeber den Forderungen von Sponsoren, die Verdienste des »Unternehmens Zukunft« ins rechte Licht zu rücken, gebeugt – sei’s drum.

Der Band ist mit Schwarzweiß- und Farbfotos, Bahnhofs- und Streckenplänen, Zeichnungen von Gebäuden sowie Faksimiles von Schriftstücken reich illustriert. Einige wenige Fotos kennt der Leser sicherlich bereits aus anderen Publikationen, aber der Großteil der Abbildungen wurde der Öffentlichkeit zum erstenmal zugänglich gemacht. Soweit das Positive in bezug auf die Illustrationen. Weniger erfreulich ist, daß einige Bilder kaum die Größe einer Briefmarke überschreiten und die auf ihnen dargestellten Motive folgerichtig nur unzureichend zur Geltung kommen. Überdies weisen die Fotos – das gilt sowohl für die Schwarzweiß- als auch die Farbaufnahmen – nicht jene gestochene Schärfe auf, die der Konsument einschlägiger Literatur mittlerweile gewohnt ist. Dieser Schönheitsfehler ist jedoch weder dem Autor noch dem Herausgeber anzulasten, denn er geht zweifelsfrei auf das Konto der Firma, die das Buch hergestellt hat.

Die Bildunterschriften sind in der Mehrzahl knapp, aber dennoch aussagekräftig. Freilich hätten diese Begleittexte in einigen Fällen präziser sein können, was die zeitliche Einordnung der Fotos anbelangt, doch das läßt sich verschmerzen. In einem Fall hat der Autor allerdings voll »danebengehauen«. Die Fotografie auf S. 75 unten zeigt nicht, wie der Bildtext suggeriert, die Bekohlungsanlage des Bw Engelsdorf im Jahre 1940, sondern ist zweifelsfrei eine Aufnahme aus der Nachkriegszeit. Die Ersatzrauchkammertür der vor dem Hochbunker stehenden Lok der Baureihe 52 sowie das Lokschild an der Tür sind dafür Beweis genug.

Wie es sich für ein Buch gehört, dessen Autor den Anspruch auf Kompetenz erhebt, ist auf der letzten Seite ein Verzeichnis verwendeter und weiterführender Literatur zu finden. Überflüssig ist allerdings das beigegebene Glossar. Die dort aufgelisteten Wörter und Abkürzungen dürften einschließlich ihres Begriffsinhalts der Mehrzahl der Leser geläufig sein, und die entsprechenden Erläuterungen wirken gekünstelt und unbeholfen.

Trotz der erwähnten Schwächen kann sich das Buch »Eisenbahnzentrum Leipzig« insgesamt sehen lassen. Dem Vergleich mit ähnlichen Publikationen anderer Verlage hält es nämlich, was Inhalt, Aufmachung und Preis anbelangt, durchaus stand. Wer das Sammeln von Literatur über Eisenbahnknoten zu seinem besonderen Hobby erkoren hat, dem kann Wolfram Sturms Werk nur empfohlen werden – auch wenn es nicht in dem bekannten Verlag erschienen ist, der seit Jahren eine eigene Reihe »Eisenbahnknoten« im Programm hat. Und natürlich kommt auch derjenige Leser auf seine Kosten, welcher sich weniger spezialisiert hat oder sich gar nur am Rande für Eisenbahngeschichte interessiert.

Hans Wiegard

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