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Winkler, Dirk: LVA. Lokomotiv-Versuchsamt Grunewald. Die Geschichte des berühmten Lok-Labors (Dumjahn-Nr. 0016076)
Dumjahn-Nr. 0016076
ISBN-10: 3765471313

Hans Wiegard:
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Trotz der erwähnten Schwächen, die im wesentlichen den unzureichend genutzten Möglichkeiten der Buchgestaltung seitens des Verlages geschuldet sind, ist Dirk Winklers Werk sehr beachtenswert und bereichert ohne Zweifel das Angebot an guter Eisenbahnliteratur. Es wäre zu wünschen, daß sich der GeraMond Verlag in absehbarer Zeit dazu entschließt, eine überarbeitete Neuauflage herauszubringen, bei der die Mängel der Erstauflage beseitigt sind

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Faktenreich, aber schwer lesbar

Winkler, Dirk: LVA. Lokomotiv-Versuchsamt Grunewald. Die Geschichte des berühmten Lok-Labors. GeraMond Verlag : München 2002. - Zur Bibliographie.

LVA – bei der Nennung dieser drei Buchstaben merken sowohl der versierte Fachmann als auch der kundige Eisenbahnfreund sofort auf. Denn die Initialen stehen für das bereits von den Preußischen Staatseisenbahnen geschaffene Lokomotiv-Versuchsamt in Berlin-Grunewald, welches sich zu Zeiten der DRG und DRB zu einer bedeutenden wissenschaftlichen Forschungseinrichtung entwickelte und nach dem Zweiten Weltkrieg im Lokversuchsamt Minden der DB bzw. in der Fahrzeugversuchsanstalt (später VES-M) Halle der DR würdige Nachfolger fand.

Das LVA Grunewald erprobte bis zu seinem Ende zahlreiche Neuerungen, die im Lokomotivbau Eingang fanden – von zweckmäßigen Windleiteinrichtungen bis zu vollständigen Stromlinienverkleidungen für Dampfloks, von Lokkesseln, die mit höheren als den üblichen Drücken betrieben wurden bis hin zu neuen Feuerungsarten, von modernen Technologien im Rahmenbau bis zu zuverlässigen Brems- oder Zugbeeinflussungsanlagen, um nur einiges zu nennen. Die Mitarbeiter des LVA lehrten nicht nur neukonstruierte Dampflokomotiven das Laufen; ebenso ausgiebig und intensiv widmeten sie sich der Verbesserung vorhandener Bauarten. Nicht zuletzt deshalb erwarb sich das Berliner Versuchsamt hohe Meriten bei der Einführung der Elektro- und Dieseltraktion.

Ohne die Tätigkeit des Versuchsamtes wäre es unmöglich gewesen, genaue Leistungsdaten der bei der Reichsbahn eingesetzten, aber auch der von der Industrie für ausländische Bahnen gebauten Lokomotiven zu gewinnen. Und ohne die Erfindungen der »Grunewalder« – zum Beispiel Lokprüfstände, Lokomotivmeßwagen oder Bremslokomotiven - , mit denen theoretische Berechnungen und Erkenntnisse auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden konnten, hätten der deutsche Lokomotivbau und die Deutsche Reichsbahn wohl nur schwerlich jene Spitzenstellung in Europa erreicht, die sie spätestens seit Beginn der 1930er Jahre innehatten.

 

Am LVA Grunewald wirkten hervorragende Experten, beispielsweise Friedrich Röhrs, Ludolf Klie, Theodor Düring, Paul Roth oder Karl Günther, deren Namen die meisten Eisenbahnfreunde zumindest schon einmal gehört oder gelesen haben.

Oberster Dienstvorgesetzter der im LVA Grunewald beschäftigten Theoretiker und Praktiker war seit 1922 Hans Nordmann als Versuchsdezernent beim Reichsbahnzentralamt Berlin. Nordmann prägte nicht nur gemeinsam mit R. P. Wagner die Entwicklung der DRG-Einheitslokomotiven. Vor allem bestimmte er wesentlich Inhalt, Ablauf und Auswertung der in Grunewald durchgeführten Versuchsreihen. Es ist daher kaum verwunderlich, daß in lokomotivgeschichtlichen und -technischen Publikationen, die sich mit der Epoche der DRG bzw. DRB befassen, Nordmanns Name fast stets in einem Atemzug mit dem LVA Grunewald fällt.

Diese und andere Fakten mußte sich der passionierte Eisenbahnfan bisher mühselig aus der Literatur zusammensuchen. Denn obgleich die Anzahl der Veröffentlichungen zur Lokomotivtechnik und Lokomotivgeschichte inzwischen nahezu unübersehbar ist, fehlte bisher eine zusammenhängende Darstellung über das LVA Grunewald. Um so schmerzlicher vermißten die Leser ein solches Werk, als die Autoren einschlägiger Baureihenbücher fast stets in den von ihnen verfaßten Texten Bezug auf die für die entwicklungsgeschichtlich so bedeutsame Einrichtung nehmen.

Dirk Winkler hat nun in seinem bei GeraMond erschienenen Buch zum erstenmal überhaupt die Geschichte des LVA zusammenhängend von seinen Anfängen bis zu seinem Ende abgehandelt. Der Leser wird eingehend mit den Gründen vertraut gemacht, welche die KPEV zur Errichtung des Grunewalder Versuchsamts veranlaßten. Er erfährt in beinahe allen Einzelheiten den weiteren Werdegang des LVA, wobei Winkler den Schwerpunkt selbstverständlich auf die Jahre 1920 bis 1945 legt.

Das Ende des geschichtlichen Abrisses bildet der Ausblick auf die Entwicklung des Versuchswesens bei den beiden deutschen Nachkriegsbahnverwaltungen. Jeweils besondere Kapitel sind den technischen Voraussetzungen der Versuchsdurchführung, der Versuchstätigkeit bis zum Ende des ersten Weltkriegs und der Erprobung der Reichsbahn-Einheitslokomotiven und ihrer unmittelbaren Vorgänger gewidmet. Letzteres Kapitel befaßt sich auch mit der Untersuchung der modernen Traktionsmittel, allerdings ohne diesbezüglich bis in die letzten Einzelheiten zu gehen. Abschließend handelt Dirk Winkler die Versuchstätigkeit während des Zweiten Weltkriegs ab, selbstverständlich überwiegend am Beispiel der Kriegsdampflokomotiven.

Daß der Autor die Dampflokomotive in der Vordergrund seiner Betrachtungen stellt, ist ihm keineswegs negativ anzukreiden. Denn die Dampflok war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das wichtigste Traktionsmittel der deutschen Eisenbahnen. Diesel- und Elloks spielten schon aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Anzahl eine wesentlich bescheidenere Rolle.

Nicht nur den Loks und ihrer Erprobung widmet sich Dirk Winkler ausführlich; auch die Tätigkeit der Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker, die das Versuchswesen bei KPEV, DRG und DRB maßgeblich prägten, würdigt er in gebührendem Umfang. Etwas kurz kommt nach Ansicht des Rezensenten die nicht minder wichtige Arbeit der Praktiker – der Versuchslokführer und -heizer, der Werkmeister und Schlosser, der Besatzungen der Meßwagen, die vor allem für die ordnungsgemäße Vorbereitung und Durchführung der Versuchsfahrten verantwortlich waren und denen es auch oblag, Gedankengänge und Ideen ihrer Vorgesetzten oftmals kurzfristig umzusetzen und die zur Erprobung bereitstehenden Loks mit neuartigen oder verbesserten Baugruppen und Ausrüstungsteilen zu versehen. Und nicht zuletzt waren es die Männer der Praxis, die aus den Maschinen herausholten, was in ihnen steckte und die selbst manche Anregungen zu notwendigen Änderungen an den Loks beisteuerten. Daß der Autor diesen Aspekt etwas stiefmütterlich behandelt, mag daran liegen, daß ihm die entsprechenden Informationen fehlten bzw. einschlägige Quellen nicht in jedem Fall zugänglich waren. Ansonsten ist Winklers Darstellung bar jeden Tadels.

Freilich ließe sich noch einwenden, daß der Verfasser bei der Wahl von Bezeichnungen und Abkürzungen nicht ganz konsequent ist: Einmal schreibt er »Lokversuchsamt«, ein anderes Mal »Versuchsamt für Lokomotiven« oder gar »Lokversuchsanstalt«. Ebenso wechselt der Autor zwischen den Kürzeln »LVA« und »VL«. Aber wir wollen hier nicht beckmessern; denn selbst in amtlichen Unterlagen – sogar solchen annähernd gleichen Datums – sind unterschiedliche Bezeichnungen für das Grunewalder Loklabor verwendet worden.

Der Text des Buches ist mit zahlreichen Anmerkungen versehen, die auf verwendete Originalquellen oder weiterführende Literatur hinweisen. Das ist insofern löblich, als der interessierte Leser damit Gelegenheit erhält, selbständig weiterführende Recherchen zu betreiben bzw. noch tiefer in die Thematik »Versuchswesen bei den deutschen Eisenbahnen« einzudringen, als das dem Verfasser auf reichlich 190 Druckseiten möglich war. Doch hier beginnt bereits das Dilemma: Die Quellenverweise und sonstigen Bemerkungen sind in Form eines recht unübersichtlichen Glossars unmittelbar neben dem laufenden Text abgedruckt. Das erleichtert die Lesbarkeit in keiner Weise.

Zweckmäßiger wären wohl entsprechende Fußnoten und /oder ein selbständiger bibliographischer Apparat am Schluß des Buches gewesen. Der Text selbst ist in einem sehr kleinen Schriftgrad gedruckt, der für den Leser im wahrsten Sinne des Wortes Augenpulver darstellt. Die Lektüre wird so weniger zum Vergnügen als vielmehr zu einer recht anstrengenden Arbeit. Ein größeres Format als das vom Verlag gewählte und ein großzügigerer Satzspiegel hätten dem Buch mit Sicherheit gut getan, auch wenn das eventuell die Herstellungskosten und damit den Preis in die Höhe getrieben hätte. Ein weiteres Manko sind die leider zahlreichen Druckfehler. Obgleich drei versierte Spezialisten den Text nacheinander (so ist es dem Rezensenten bekannt) im Auftrag des Verlages lektoriert und redigiert haben, ist es letztenendes nicht ganz gelungen, dem Werk eine dem Inhalt adäquate Form zu geben.

Was die durchweg schwarzweißen Abbildungen anbelangt: Fotos wie Zeichnungen illustrieren den Text in passabler Weise und sind in annehmbarer bis guter, einige sogar in hervorragender Qualität wiedergegeben. Allerdings ist die Mehrzahl der Fotos nicht zum erstenmal veröffentlicht worden; der Werbetext auf der Rückseite des Bucheinbandes verspricht diesbezüglich etwas zu viel.

Trotz der erwähnten Schwächen, die im wesentlichen den unzureichend genutzten Möglichkeiten der Buchgestaltung seitens des Verlages geschuldet sind, ist Dirk Winklers Werk sehr beachtenswert und bereichert ohne Zweifel das Angebot an guter Eisenbahnliteratur. Es wäre zu wünschen, daß sich der GeraMond Verlag in absehbarer Zeit dazu entschließt, eine überarbeitete Neuauflage herauszubringen, bei der die Mängel der Erstauflage beseitigt sind.

Hans Wiegard

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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