Zurück zur Startseite Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff:

Der Link, der es bringt.
Die Buchtipps. / Die Rezensionen.
Das Autoren-Lexikon.
Zur nächsten Seite

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

Hamann, Horst: Panorama Deutsche Bahn. Edition Panorama : Mannheim 2003 (Dumjahn-Nr. 0016992)
Dumjahn-Nr. 0016992
ISBN-10: 3898231828

Autor Horst Hamann
Autor Horst Hamann

Joachim Seyferth:
»
Ein Buch mit Breitenwirkung!«

Zurück zur Liste der Rezensionen zur
Liste der Rezensionen

Zurück zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online
zu Dumjahn's Bahnbibliographie online


KÖLN: Der Band bringt auch einige Fotos im Hochformat

Pagerank erhoehen

Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Panorama Deutsche Bahn

Hamann, Horst: Panorama Deutsche Bahn. Edition Panorama : Mannheim 2003. - Zur Bibliographie.

Hamann, Horst: Panorama Deutsche Bahn. Edition Panorama : Mannheim 2003 (Dumjahn-Nr. 0016992)
Dumjahn-Nr. 0016992
ISBN-10: 3898231828

Die Bahn – und diesmal ist wirklich nur die Deutsche Bahn AG gemeint – hat lange Züge und hohe Ziele. Das kann man natürlich auch fotografisch umsetzen und mit Perspektiven und Bildausschnitten arbeiten, die der Weite einer in der Landschaft dahineilenden Eisenbahn oder der Höhe von Bahnstrommasten entgegenkommen.

Diese so genannte Panorama-Fotografie bevorzugt Horst Hamann, von Mannheim nach New York gezogener Weltenbummler und Fotograf, der für seinen Bildband »New York Vertical« im extremen Hochformat vielfach ausgezeichnet wurde. Jetzt wurde auf der Frankfurter Buchmesse sein neuer Schwarzweiß-Bildband »Panorama Deutsche Bahn« vorgestellt, diesmal im extremen Breitwand-Format, denn die lange Strecke und Form ist der spezifische Ausdruck der Eisenbahn.

In der Regel können solche anspruchsvollen Werke heutzutage nicht mehr von einem Verlag allein »gestemmt« werden, sondern benötigen in für Wirtschaft und Eisenbahn schwierigen Zeiten einen Sponsor, der die Marketing- und Absatzbemühungen des Verlages vervielfachen kann. In diesem Fall ist es (natürlich) die Deutsche Bahn AG, die dieses Buch rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft in ihren Medien vorstellt und es unter anderem mit Sonderausgaben und -konditionen für DB-Mitarbeiter bewirbt. Für das Unternehmen ist dieses in der Form neuartige Eisenbahnbuch ein willkommenes Image-Produkt, zumal die Schwarzweiß-Ästhetik in Werbung und Kunst derzeit wieder im Trend liegt.


Autor Horst Hamann im Gespräch mit DB-Chef Hartmut Mehdorn

»Ihr Buch«, so sagte DB-Chef Hartmut Mehdorn bei einem Treffen mit dem Fotografen Horst Hamann, »wird uns wieder einen Schritt weiterbringen in der Akzeptanz der modernen Bahn.« Möge auch diese Hoffnung angesichts der enormen Probleme des Unternehmens ein wenig blauäugig sein, so ist es doch grundsätzlich sehr zu begrüßen, daß die DB mit einem anspruchsvollen Schwarzweiß-Bildband an ihrem Erscheinungsbild arbeitet und sich damit vom Werbemüll anderer Firmen abhebt.

Wenn man Panorama-Fotografien im extremen »Handtuch-Format« oder gar im Seitenverhältnis eines Schals fertigen möchte, hat man mehrere Möglichkeiten: Man nehme ein starkes Weitwinkelobjektiv oder gar »Fischauge« und schneide den »Rest« oben und unten weg. Oder man fotografiere das breite Motiv mit dem Normalobjektiv zwei bis drei Mal im Winkel versetzt nebeneinander ab und montiere die Teile später wieder zusammen.

Eine elegantere Möglichkeit bietet seit einigen Jahren eine Spezial-Kleinbildkamera von Hasselblad (»Xpan«), die es wahlweise ermöglicht, das Sucherbild auf ein konventionelles Kleinbild-Negativ (24 x 36 mm) oder gleichzeitig auf zwei Negative nebeneinander (24 x ca. 65 mm) zu projizieren. Der breite Bildausschnitt wird also nicht umständlich im Labor gefertigt, sondern liegt bereits »fertig beschnitten« im Negativ vor. Unter anderem mit dieser Technik und Kameraausrüstung arbeitet Horst Hamann – klar, daß man mit diesen technischen Optionen die Sinne für Motive im extremen Breit- oder Hochformat schärfen und neue Formen der Bildgestaltung kreieren kann.

Sechs Mal ist der amerikanische Deutsche von seiner neuen Wahlheimat New York über den Atlantik geflogen, um 2002 und 2003 das Fluidum der Deutschen Bahn in Schwarzweiß und ganz quer einzufangen. Aus mehreren Tausend Aufnahmen, die Hamann auf neun Reiseetappen durch ganz Deutschland anfertigte, wurden 153 für dieses Buch ausgewählt. Dafür war er 30.000 Kilometer auf Gleisen, Autobahnen, Feldwegen und in der Luft unterwegs, hinzu kommen die zwölf Atlantikflüge mit noch mal 60.000 Kilometern. Dem ästhetischen Ergebnis steht also eine zumindest fragwürdige ökologische Bilanz gegenüber, die freilich von der buchstäblichen Breite dieses Werkes verdrängt worden ist: »Die Bilder dieses Bandes sprechen für sich. Sie zeigen uns nicht nur die Deutsche Bahn aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, die Bilder sind zugleich eine spannende Momentaufnahme der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des neuen Jahrtausends«, schreibt Bundespräsident Johannes Rau in seinem Vorwort.

Der Fotograf fährt gerne mit der Bahn – und das nicht nur, weil es am Fenster so viele Bilder gibt: »Auf der Schiene ist das Reisen am faszinierendsten. Losgelöst von Zeit und Raum, dennoch den Boden spürend, schwebe ich mit dem weißen Zug schwerelos durch Landstriche und Ortschaften. Ich bin in Bewegung und spüre trotzdem Ruhe. ... Ein Bild jagt das nächste. Ein Schulkind mit Fahrrad. Ein Bauer auf seinem Traktor. Ausflügler im Kleinbus. Ein Opel Astra, allein auf einem Feldweg. Wo bin ich? Egal. Die Seele baumelt entlang an vorbeihuschenden Baumwipfeln, an scheinbar niemals endenden Oberleitungen. ... Sechs Jungen spielen Fußball auf einer Wiese. Glückliche Gesichter. Eine Schranke, zwei VW Golf, ein Fahrrad. Das war Bad Kösen. Nie gehört. Ein Fluss. Noch eine Schranke. Ein Kleinlaster. Insgesamt neun Sekunden. Und am Ortsausgang als Zugabe die obligatorischen drei Sekunden Schrebergärten. Die sind überall in Deutschland. ... Meine Kameras ruhen im Rucksack. Meine Augen blinken ununterbrochen. Visuelles Rauschgift für die Netzhaut. Ein Hase hoppelt über Stoppelfelder, ein Wohnwagen inmitten von sauber und ordentlich gestapelten Strohballen in weißer Plastikfolie, wie riesige Marshmellows. Seh-Fahrten durch Traumlandschaften. Wie schön ist Deutschland. Wo war ich so lange?«

Die Texte dieses Buches, sowohl Selbstgespräche als auch ein latenter Gedankenaustausch zwischen Rau, Hamann und Mehdorn, sind gut. Und wie sind denn nun die Bilder, die bisher ja nur äußerlich, in ihrer Technik und Quantität, angesprochen wurden? Werden sie auch inhaltlich und qualitativ dem »panoramatischen« Aufwand bei Herstellung, Druck und Akquisition gerecht?

Die Antwort ist nicht ganz einfach, weil im speziellen Fall der Panoramaphotographie Form und Inhalt eine zwingende Wechselbeziehung eingehen, weil sozusagen ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Kunst und Technik besteht. Das breite Negativformat schult das Auge für Motive, die es sonst nur mit mehr Aufwand an Phantasie gesehen hätte, denn jeder gute Photograph verinnerlicht die Brennweiten seiner Objektive und sieht zunächst die jeweils unterschiedlichen und fotogenen Ausschnitte, ohne durch den Sucher seiner Kamera sehen zu müssen.

So werden mit der Panoramakamera im Gepäck auch im geistigen Auge Motive sichtbar, die im mehrheitlich üblichen Seitenverhältnis banal erscheinen oder schlichtweg übersehen würden. Und so wie New Yorks Wolkenkratzer für die Photographie im extremen Hochformat prädestiniert sind, so geeignet ist die Eisenbahn für den betont horizontalen Bildausschnitt: Die dynamische Länge der ICE-Triebzüge, die Weite von Bahnlandschaften in Rangierbahnhöfen und Gleisvorfeldern, die Ausdehnungen von Bahnsteigen und Bahnhofshallen. Natürlich ist all das Gegenstand von Hamanns Photographien; darüber hinaus offenbart sein breiter Blick die Weite der Landschaften aus der Zugfenster-Perspektive oder stellt eine assoziative Verbindung von Menschen und/oder Gegenständen außerhalb des gewohnten Blickfeldes her. Bereits öfter gesehene und daher scheinbar vertraute Sujets aus dem Bereich guter Eisenbahnphotographie erhalten mit Hamanns speziellem Blickwinkel eine neue, zusätzliche perspektivische Ebene.

Abgesehen vom »neuen« Format erfüllen die Bilder mehrheitlich die Kriterien guter und künstlerischer Schwarzweiß-Photographie: Ausschnitt, Goldener Schnitt oder Mittenbetonung, perspektivische Fluchten, Licht, und so weiter. Einige Fotos verdanken ihre (reduzierte) Wirkung allerdings mehr dem Format als dem Motiv beziehungsweise der Bildidee:

Die bloßen Ablichtungen langer Wagenreihen ohne fotografischen »Kick« sind in diesem Band genauso überflüssig wie die wenigen Aufnahmen, die bei »normalem« Seitenverhältnis niemals den Weg in dieses Buch gefunden hätten. So ist in diesem Werk von genial (die Mehrzahl) bis banal (wenige Ausnahmen) alles vorhanden. Bezeichnenderweise »schwächeln« einige Aufnahmen vom Schienenverkehr in der deutschen Bergwelt (Allgäu, Alpen, Mittelgebirge), denn Berge sind eben hoch und kooperieren daher lieber mit der Sichtweise von »New York Vertical«! Und wie zum Beweis dafür, daß die Eisenbahn natürlich auch im extremen Hochformat sehr fotogen sein kann, finden sich auch einige Motive jener Form in diesem Buch, das darüber hinaus auch einige Deutschlandansichten ohne Zug oder Bezug zur Eisenbahn enthält – schließlich ist für die allermeisten Bahnreisenden nicht nur der Weg das Ziel.

Trotz der eben genannten kleinen Einschränkungen ist dieses Werk und seine Photographie sehr beeindruckend und ein ästhetischer Genuss. Unabdingbar dafür sind ein hervorragender (Duoton-)Druck, bestes Papier sowie eine exzellente Bindung (Handarbeit!) und Umschlaggestaltung. Das Buch sollte schon wegen seiner Überbreite einen speziellen Platz im Bücherregal erhalten.

»Panorama Deutsche Bahn« stellt eine Bereicherung für die Freunde guter Bildbände im Allgemeinen und für die Genießer ästhetischer Schwarzweiß-Eisenbahnphotographie im Besonderen dar. Wer den (berechtigten) Preis der Normalausgabe für unerschwinglich hält und zufällig Eisenbahner bei der Deutschen Bahn ist, kann das Werk auch in einer etwas kleineren Version und zu einem deutlich niedrigeren Preis (38 Euro) beziehen. Allerdings ist die Wirkung der Fotos auf den Betrachter bei dieser »Sozialausgabe« ein wenig reduziert; zur wirklichen Entfaltung kommt das Breitwandformat nur in der ganzen Pracht der gewichtigen »Originalausgabe«, für die man im aufgeklappten Zustand immerhin rund einen Meter seines Lesetisches reservieren muss. Ein Buch mit Breitenwirkung!

Joachim Seyferth

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

Über den Rezensenten

Zum Seitenanfang


Zurück zur Liste der RezensionenZur Impressumseite Mit »Eisenbahn-Dumjahn online« immer auf dem richtigen Gleis ... Weiter zur nächsten Rezension

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

© Copyright 1999 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten
Dumjahn Verlag Strasse Immenhof 12 PLZ-Ort D-55128 Mainz International +49 +6131 330810 Telefon +49 6131 330810
Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de