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Eisenbahn-Dumjahn online

 

Brinker, Helmut; Arlowski, Ursula u.a.: Meisterfotos aus der großen Eisenbahnzeit (Dumjahn-Nr. 0017009)
Dumjahn-Nr. 0017099
ISBN-10: 3765472565
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Joachim Seyferth:
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Aus den mitunter beliebigen Veröffentlichungen des Münchner GeraMond-Verlages ragt dieses Buch deutlich heraus und ist mit anderen bisher erschienenen 'Bellingrodt-Schinken' überhaupt nicht vergleichbar. 'Meisterfotos aus der großen Eisenbahnzeit' ist nach langer Zeit mal wieder ein richtig interessantes, wertbeständiges und daher sehr empfehlenswertes Eisenbahnbuch ..

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Ein sehr empfehlenswertes Buch


Brinker, Helmut; Arlowski, Ursula u.a.: Meisterfotos aus der großen Eisenbahnzeit. Das Lebenswerk von Carl Bellingrodt, dem Altmeister der Eisenbahn-Fotografie. GeraMond Verlag : München 2004.
- Zur Bibliographie.

Carl Bellingrodt war Jäger und Sammler. Carl Bellingrodt war ein kleiner Frauenheld. Carl Bellingrodt war ein Extremist mit Plattenkamera. Und vor allem: Carl Bellingrodt war nicht nur »Eisenbahn in der Landschaft« oder die »Lokomotiv-Standardaufnahme«, sondern ein umtriebiger, vielseitiger, launiger, gewitzter und besessener Eisenbahnnarr, in dessen Leben die Langeweile so selten war wie eine Dampflokomotive auf der Wuppertaler Schwebebahn.

All dies und noch viel mehr liest man in und zwischen den Zeilen dieser bemerkenswerten Neuerscheinung, die im Genre der zur Zeit beliebten Eisenbahnfreunde-Biografien tatsächlich neue Maßstäbe schafft. Denn im Gegensatz zu den mehr oder weniger Interessanten Anekdotensammlungen betagter Eisenbahner (»Als mein Heizer die Wurststulle in die Feuerbüchse warf und in die Kohle biß«) oder den aufregenden Erlebnissen pseudo-prominenter Lokknipser (»Die beiden 01er begegneten sich genau im Sucher. Vor lauter Freude drückte ich ab - leider nicht auf den Auslöser, sondern in die Hose«) handelt es sich hierbei um eine wirklich umfassende Lebensgeschichte, die über die Scheuklappen oder Windleltbleche der Eisenbahnszene weit hinausblickt. Die drei Autoren Helmut Brinker, Ursula Arlowski und Alfred B. Gottwaldt beschreiben gleichrangig das berufliche, dokumentarische, künstlerische und private Wirken Carl Bellingrodts, das untrennbar und korrelativ zu seinem Lebenswerk verschmilzt. Die zusammengetragenen Erinnerungen seiner Kinder, Freunde und Weggefährten erlauben es Carl Bellingrodt mit diesem Buch postum vor allem noch einmal eines zu sein: Mensch.

Zahlreiche Urteile und Vorurteile zu Carl Bellingrodt werden mit diesem Buch revidiert, keineswegs kann der »Altmeister der Eisenbahn-Fotografie« (Untertitel) auf seine bekannten und immer wieder veröffentlichten Bilder reduziert werden. Die wirklich interessanten und authentischen Fotos sind nämlich den Klischeevorstellungen der meisten Verlage zum Opfer gefallen, die Bellingrodt bisher tatsächlich auf die Sujets Landschaftsfotografie und Typenaufnahme unterbelichtet haben. Nein, Bellingrodt war zugleich unter anderem auch Heimatkundler, Familienvater und Modellbahner und setzte diese Leidenschaften ebenso in fotografische Ablichtungen um - die Eisenbahn hierbei stets als roter Faden, aber nicht immer im Mittelpunkt. Hier sehen wir endlich die ganze Bandbreite seines Schaffens, etwa die Fotografien von Menschen, Landschaften, Städten und Schiffen. Bellingrodt war ein Chronist seiner Zeit und hielt fast alles mit der Linse fest, was sein Lebensumfeld ausmachte: verschneite Dörfer im Bergischen Land, das selbst gebastelte Puppenhaus für seine Töchter, die »übrigen« Familienmitglieder oder die große Spur 0-Modellbahnanlage. So gesehen ist dies nicht nur ein Eisenbahnbuch, sondern auch eine weitere Fundgrube für Historiker über ein (und das) Leben im vergangenen Jahrhundert.

Doch eine Biographie lebt hauptsächlich vom Text und der erzeugt hier neben den Fotos eine Kurzweil, die das Stündchen Spätlektüre schon mal zu einer halben Nacht werden lassen kann. In enger Zusammenarbeit mit Ursula Arlowski, der zweiten Tochter Carl Bellingrodts, haben die Autoren einen sehr persönlichen und ehrlichen Lebensweg ihres Vaters aufgezeichnet, der auch und gerade wegen vieler privater Details den Menschen Carl Bellingrodt so verständlich macht. Hierzu schreibt Helmut Brinker im Vorwort: »Wie war Carl Bellingrodt eigentlich als Mensch und wie war das Leben mit ihm? Bis zum heutigen Tag ist nicht eine einzige Frage an die Familie des prominenten Fotografen gerichtet worden. Doch gerade in den Erinnerungen der Menschen, die Tisch und Bett und so manches Zugabteil mit Carl Bellingrodt geteilt haben, schlummern die vielen kleinen Geheimnisse um das Lebenswerk und den Alltag dieses liebenswerten 'Extremisten', dem nie die Zigarre ausging und der seine ‘Sache’ selbst vor familiäre Dinge stellte.« Viele Eisenbahnfreunde werden sich und ihr Tun bei der Lektüre wiedererkennen und erneut einräumen müssen, daß wir alle ein wenig Narren, Besessene und komische Käuze sind - und dies zu unserem Glück auch niemals wirklich abstreifen möchten ...

Aus den mitunter beliebigen Veröffentlichungen des Münchner GeraMond-Verlages ragt dieses Buch deutlich heraus und ist mit anderen bisher erschienenen »Bellingrodt-Schinken« überhaupt nicht vergleichbar. »Meisterfotos aus der großen Eisenbahnzeit« ist nach langer Zeit mal wieder ein richtig interessantes, wertbeständiges und daher sehr empfehlenswertes Eisenbahnbuch, dem man selbst so verlagstypische Patzer wie »Über 200 teils großfomatige Aufnahmen« verzeihen kann. Sicherlich wäre dies »Altmeister« Bellingrodt genauso aufgefallen wie der kleine Staubfussel neben der Loknummer. Doch dieses Buch ist keine Nummer, sondern: Mensch.

Joachim Seyferth

Aus SCHIENE 23 (2004) Nr. 2, S. 55 - mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages.

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