Zurück zur Startseite Ihr Mausklick für den schnellen Zugriff:

Der Link, der es bringt.
Die Buchtipps. / Die Rezensionen.
Das Autoren-Lexikon.
Zur nächsten Seite

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

Kochems, Michael; Meißner, Frank von: Regionalbahnen im Südwesten (Dumjahn-Nr. 0017130)
Dumjahn-Nr. 0017130
ISBN-10: 3870942401
Größeres Bild ansehen

Georg Beck:
»
Alles in allem kann das Buch aufgrund des bedeutsamen und innovativen Themas sowie der umfassenden, auch in die Tiefe gehenden Darstellung empfohlen werden

Zurück zur Liste der Rezensionen zur Liste der Rezensionen

Zurück zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online
zu Dumjahn's Bahn-Bibliographie online

Pagerank erhoehen

Dumjahn's Bahn-Rezensionen online:
Auf dem Weg in die Zukunft


Kochems, Michael; Meißner, Frank von: Regionalbahnen im Südwesten. HzL, SWEG, AVG und WEG auf ihrem Weg in die Zukunft. Alba Publikation : Düsseldorf 2004. - Zur Bibliographie

Wer sich über die vielfältigen Aktivitäten der zahlreichen Eisenbahnunternehmen informieren möchte, die seit der Bahnreform 1994 der Deutschen Bahn AG Konkurrenz machen, ist bislang weitgehend auf Zeitschriftenbeiträge und diverse »Sonderhefte« angewiesen - richtige Bücher zu diesem Thema sind noch kaum erschienen. Besondere Beachtung verdient insofern die nun vorliegende, von Michael Kochems und Frank von Meißner verfaßte Monographie »Regionalbahnen im Südwesten«, in der die vier großen nichtbundeseigenen Eisenbahnen Baden-Württembergs - die Hohenzollerische Landesbahn (HzL), die Südwestdeutsche Verkehrs-AG (SWEG), die Albtalbahn (AVG) und die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) - »auf ihrem Weg in die Zukunft« beschrieben werden.

Jedem der vier Eisenbahnbetriebe ist ein längeres Kapitel gewidmet. Einem einleitenden Kurzportrait des betreffenden Unternehmens folgt ein historischer Abriß zur organisatorischen Entwicklung und zur Geschichte der einzelnen Bahnstrecken. Sodann wird eingehend dargestellt, mit welchen Konzepten und Initiativen das jeweilige Unternehmen seinen Aktionsradius auf der Schiene in den letzten Jahren ausgeweitet hat. Die vorgestellten Projekte sind vielfältig: erfolgreiche Bewerbungen um ausgeschriebene Nahverkehrsleistungen auf DB-Strecken; Übernahmen ganzer Strecken von der DB, um eine Einstellung des Personenverkehrs abzuwenden bzw. ihn wieder aufzunehmen; Kooperation mit der DB im Güterverkehr in der Fläche, um eine Abkopplung infolge des DB-Konzepts »MORA C« zu verhindern; Einstieg in den Ferngüterverkehr; last but not least das international Aufsehen erregende »Karlsruher Modell«, bei dem die Züge von den Eisenbahnlinien aus dem Umland am Stadtrand auf Straßenbahngleise wechseln und so direkt in die Fußgängerzone fahren.

Ein abschließendes Kapitel stellt die bei den beschriebenen Bahnen heute vorwiegend eingesetzten Triebfahrzeuge (NE 81, Regio-Shuttle und Zweisystem-Stadtbahnwagen) vor. Eine farbige Karte auf der vorderen Umschlagseite verdeutlicht die von den vier Bahnen befahrenen Strecken. Jedoch vermißt man Detailkarten; einige Textpassagen kann man nur nachvollziehen, wenn man anderweitig beschafftes Kartenmaterial (zum Beispiel den hervorragenden Eisenbahnatlas Deutschland von Schweers + Wall) zu Rate zieht. Ein Abkürzungsverzeichnis und ein Literaturverzeichnis (welches allerdings einige Lücken aufweist) vervollständigen das Werk.

Den Autoren Kochems und v. Meißner - der letztere ist übrigens in leitender Funktion bei der HzL tätig - gelingt es, die komplexen Entwicklungen transparent zu machen. Ihre Ausführungen gehen über die vielfach übliche Faktenhuberei deutlich hinaus, man gewinnt aus der Lektüre weiterführende Erkenntnisse und versteht, warum einige Projekte realisiert werden konnten und andere scheiterten. Auch die teilweise weit zurückreichenden historischen Voraussetzungen der Regionalisierung werden herausgearbeitet. Allerdings hätte in den Abschnitten über die Vorgeschichte der einzelnen Bahnstrecken (über die man sich ohnehin bereits in anderen Büchern ausführlich informieren kann) auf das eine oder andere Detail verzichtet und dafür der übrige Text um einer leichteren Lesbarkeit willen etwas weniger komprimiert dargeboten werden können. Ähnliches gilt für die Tabellen zum Triebfahrzeugbestand, die derart überfrachtet sind mit Informationen, dass eine gründliche Betrachtung zur Zumutung wird, zumal da nicht versucht wurde, durch gestalterische Mittel wie Schattierungen oder verschiedene Schrifttypen mehr Klarheit zu schaffen. Im Hinblick auf das Thema des Buchs wäre es auch gar nicht nötig gewesen, sämtliche jemals bei den beschriebenen Bahnbetrieben vorhandenen Loks und Triebwagen aufzulisten, eine Beschränkung auf die noch eingesetzten Typen bei einer großzügigeren Tabellengestaltung wäre sinnvoller gewesen.

Wertende Stellungnahmen der Autoren erscheinen recht ausgewogen, Rückschläge und Probleme werden nicht verheimlicht. Allenfalls vermißt man eine Erklärung, wie es zu dem komplizierten, auch vom Fahrgastverband PRO BAHN kritisierten Tarifsystem beim Ringzug Schwarzwald-Baar-Heuberg kam (drei Verkehrsverbünde für drei Landkreise sowie ein Verbund übergreifender Kooperationstarif). In kein besonders günstiges Licht rücken die Autoren die DB AG, aber vielleicht haben sie damit ja auch gar nicht so Unrecht. Für den Güterverkehr fordern sie bessere verkehrspolitische Rahmenbedingungen.

Die im Text dargestellten Entwicklungen werden durch zahlreiche, recht gut wiedergegebene Fotos veranschaulicht. Einige Bilder, etwa eine Serie von Nachtaufnahmen des verschneiten Bahnhofs Neuffen, wirken ausgesprochen romantisch, im Großen und Ganzen liegt der Wert der Abbildungen aber mehr im Informationsgehalt als im künstlerischen Anspruch.

Als einziger massiver Kritikpunkt an dem Buch fällt die heute leider häufig zu beobachtende sprachliche Schlamperei auf. Zwar ist die Anzahl an eigentlichen Rechtschreibfehlern, wohl dank der automatischen Rechtschreibprüfung moderner Textverarbeitungsprogramme, gering. Aber dort, wo der Computer an die Grenzen seiner Möglichkeiten stößt, schlägt der Fehlerteufel nur allzu oft zu: etwa in Fällen, in denen die korrekte Schreibung vom Zusammenhang abhängt, bei Ortsnamen oder in grammatikalischen Fragen. Ein skurriles Beispiel sprachlichen Unsinns findet sich auf Seite 73: »Die Eröffnung musste wegen Hochwasserschäden vom Dezember 1900 auf den 13. März 1901 verschoben werden mußte.« Ist etwa die (gerade wieder einmal in die Schlagzeilen geratene) Rechtschreibreform schuld?

Dennoch: Alles in allem kann das Buch aufgrund des bedeutsamen und innovativen Themas sowie der umfassenden, auch in die Tiefe gehenden Darstellung empfohlen werden.

Georg Beck

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

Zum Seitenanfang


Zurück zur Liste der RezensionenZur Impressumseite Mit »Eisenbahn-Dumjahn online« immer auf dem richtigen Gleis ... Weiter zur nächsten Rezension

 

Eisenbahn-Dumjahn online

 

© Copyright 1999 by Horst-Werner Dumjahn. Alle Rechte vorbehalten
Dumjahn Verlag Strasse Immenhof 12 PLZ-Ort D-55128 Mainz International +49 +6131 330810 Telefon +49 6131 330810
Der »schnelle Draht« zu uns ist Ihre E-Mail: eisenbahn@dumjahn.de