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Gottwaldt, Alfred; Schulle, Diana: Die »Judendeportationen« aus dem Deutschen Reich von 1941-1945. Eine kommentierte Chronologie (Dumjahn-Nr. 0017430)
Dumjahn-Nr. 0017430
ISBN-10: 3865390595
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Herbert Liman:
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An dieser verdienstvollen Arbeit wird man in Zukunft bei der Schilderung der NS-Zeit nicht vorbeikommen und sie stellt für die Arbeiten von Alfred Gottwaldt über diese Epoche sicher einen weiteren Meilenstein dar. Das Buch ist ebenso eine wichtige Ergänzung zur Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin

Die Autoren

Diana Schulle,
geboren 1965, Dr.-phil., Historikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, zur Zeit mit der Überarbeitung der Datenbank zum Gedenkbuch der Bundesrepublik für die während des Nationalsozialmus ermordeten deutschen Juden betraut. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutsch-jüdischen Geschichte.

Alfred Gottwaldt,
geboren 1949, Studium der Rechts- und Staatswissenschaften und der Neueren Geschichte, seit 1983 Leiter der Abteilung Eisenbahnwesen im Deutschen Technikmuseum Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Eisenbahngeschichte.

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Mord nach Fahrplan 

Gottwaldt, Alfred; Schulle, Diana: Die »Judendeportationen« aus dem Deutschen Reich von 1941-1945. Eine kommentierte Chronologie. marixverlag : Wiesbaden 2005. - Zur Bibliographie.

Diese kommentierte Chronologie begreift sich als lexikalisches Nachschlagewerk und schließt eine Lücke in der Darstellung der konkreten Abläufe dieses finstersten Teils der deutschen Geschichte. Große Teile der jüdischen Bevölkerung, die damals im Deutschen Reich (einschließlich Österreich, Böhmen und Mähren) oder im Westen, Süden und Norden Europas zu Hause waren, wurden mit der Eisenbahn zu Lagern und Vernichtungsstätten im »Osten« transportiert und in der Mehrzahl umgebracht.

Aber sowohl die Standardwerke zur Geschichte der »Endlösung der Judenfrage« wie auch die unübersehbare Zahl der regionalen Untersuchungen enthalten keine vollständige Darstellung der Transportvorgänge, insbesondere der aus dem Deutschen Reich. Dieses Buch umfaßt nun eine kommentierte Darstellung »sämtlicher Judentransporte aus dem Großdeutschen Reich«. Dabei werden die Entwicklungen in der technischen Durchführung von der Improvisation bis zur perfekt durchstrukturierten »Judenvernichtung« deutlich.

Nach einer Schilderung der frühen Deportationen zwischen 1938 und 1941 werden in 8 Kapiteln die Transporte nach Lodz 1941, nach Minsk 1941, nach Kowno 1941, nach Riga 1941 und 1942, zum Distrikt Lublin und ins Warschauer Ghetto 1942, nach Minsk und Maly Trostinec 1942, nach Riga und Raasiku 1942, nach Theresienstadt ab 1942 und nach Auschwitz ab 1942 einzeln aufgeführt und kommentiert sowie die Schicksale von Deportierten nach ihrer Ankunft skizziert.

Eine chronologische Zusammenstellung am Schluß gibt noch eine Übersicht der Transporte zwischen Oktober 1941 und April 1945; ein Ortsregister und ein Namensverzeichnis erleichtern ebenfalls die Suche nach bestimmten Daten. Die umfangreiche Bibliographie läßt die Mühe der Recherchen erkennen.

An dieser verdienstvollen Arbeit wird man in Zukunft bei der Schilderung der NS-Zeit nicht vorbeikommen und sie stellt für die Arbeiten von Alfred Gottwaldt über diese Epoche sicher einen weiteren Meilenstein dar. Das Buch ist ebenso eine wichtige Ergänzung zur Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin.

Herbert Liman

Aus: FDTM-Info 21. (45.) Jahrgang, Nr. 4/2005, S. 14.

*

Der 24. Oktober 1941 ist ein ganz normaler Freitag im dritten Kriegsherbst. Doch für die 987 Männer, Frauen und Kinder, die an diesem Freitag von der Synagoge in der Levetzowstraße (Tiergarten) mit Lastern zum Bahnhof Grunewald gekarrt werden, wird dieser Tag zum Wendepunkt. Das Gotteshaus ist offiziell nun ein »Durchgangslager«; hier haben sich Berliner Juden versammelt, die einen »Umsiedlungsbefehl« erhalten hatten. Noch wissen sie nicht, was man sich unter »Umsiedlung« vorzustellen hat - sicher ist nur, daß es nichts Gutes sein wird.

Unter den 987 Menschen, die gestern vor genau 64 Jahren in Grunewald den Zug mit Drittklassewagen besteigen, ist der elfjährige Heinz Friedländer. Er hatte am 22. Oktober mit seinen Eltern die Wohnung im Bayerischen Viertel in Wilmersdorf für immer verlassen müssen. Seit rund einem Monat sind seine Eltern und er verpflichtet, auf ihrer Kleidung »gut sichtbar« den »Judenstern« zu tragen, eine perfide Stigmatisierung. Außerdem dürfen Sie ohne polizeiliche Genehmigung (die so gut wie nie erteilt wird) ihren Wohnort nicht mehr verlassen und dürfen auch nicht mehr (nicht einmal wie bisher gegen hohe Geldzahlungen) aus Deutschland ausreisen. Nun hat der Holocaust auch die deutschen Juden erfaßt.

Heinz Friedländer und seine Eltern werden zusammen mit 984 Leidensgenossen mit dem Zug der Reichsbahn nach Polen gebracht, ins Ghetto der Stadt Lodz, die nun »Litzmannstadt« genannt wird. Bereits dort sterben viele, die meisten anderen werden im Vernichtungslager Chelmno oder in Auschwitz ermordet. Heinz und sein Vater gehören zu den wenigen Überlebenden; Frau Friedländer stirbt 1942.

Die Geschichte des Berliner Juden Heinz Friedländer ist eines von zwölf Schicksalen Berliner Juden, mit denen von heute an eine neue Ausstellung im Deutschen Technikmuseum (DTMB) dem millionenfachen Leiden im Holocaust Gesichter verleiht. Alfred Gottwaldt vom DTMB und die Historikerin Diana Schulle haben dazu zum ersten Mal umfassend die Rolle der Deutschen Reichsbahn beim Völkermord untersucht. Allein aus Berlin rollten mehr als 180 Transportzüge mit Juden in den »Osten«, ein Drittel davon mit je 800 bis 1800 Menschen in die polnischen Ghettos, nach Auschwitz oder in Mordstätten wie Kaunas oder Maly Trostinec. Die übrigen Transporte waren kleiner und führten ins Ghetto Theresienstadt, das für die meisten Opfer Durchgangsstation auf dem Weg in den Tod war.


Koffer von Berta »Sara« Rosenthal aus Berlin-Charlottenburg. Foto: Kirchner. Aus: FDTM-Info 21. (45.) Jahrgang, Nr. 4/2005, S. 16.

Die Ausstellung zeigt, daß auch an sich neutrale Werte wie effiziente Organisation und fahrplanmäßiges Funktionieren teuflische Wirkungen haben können. Sie verdeutlicht den wenig bekannten Anteil der Bahn am Holocaust; immerhin mehr als 50000 Berliner Juden wurden per Bahn in den Tod geschickt. Wer noch mehr wissen will, kann im Begleitbuch nachschlagen, in dem Gottwaldt und Schulle detaillierte Informationen zusammengetragen haben.

Nur drei der zwölf Menschen, deren Schicksal die Schau zeigt, überlebten die Deportation. Darunter Heinz (»Henry«) Friedländer, der in den USA zu einem bekannten Holocaustforscher wurde.

Sven Felix Kellerhoff

Aus: »Berliner Morgenpost« vom 25.10.2005.

© Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Dumjahn Verlages.

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