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Seyferth, Joachim: Die Lahntalbahn (SCHIENE-Photo, 7). 1. Aufl. Wiesbaden 2006 (Dumjahn-Nr. 0006809)
Dumjahn-Nr. 0006809
ISBN-10: 3926669071
ISBN-13: 9783926669070
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Georg Beck:
»Obwohl es sich bei den Bildern um subjektive Momentaufnahmen handelt, entsteht doch – oder vielleicht gerade deswegen – ein absolut authentischer Gesamteindruck: Wer in den letzten Jahrzehnten treuer und aufmerksamer Bahnfahrer war – übrigens ganz gleich, ob auf der Lahntalbahn oder irgendwo anders in Deutschland –, der wird seine eigenen Reiseeindrücke in dem Buch wiederfinden, wird sagen: 'Ja, genau so ist sie, die Eisenbahn!'«

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»Ja, genau so ist sie


Seyferth, Joachim: Die Lahntalbahn (SCHIENE-Photo, 7). Joachim Seyferth Verlag : Wiesbaden 2006. Zur Bibliographie.

Nachdem in der Bildbandreihe »SCHIENE-Photo« bereits die beiden Rheinstrecken und die Aartalbahn vorgestellt worden sind, setzt der nun erschienene siebte Band der an diese Eisenbahnstrecken anschließenden, landschaftlich ebenso reizvollen Lahntalbahn von Wetzlar über Limburg nach Koblenz ein Denkmal. Wie gewohnt enthält der Band rund 130 Farb- und Schwarzweißfotos; knapp die Hälfte davon hat der Herausgeber Joachim Seyferth selbst beigesteuert, die übrigen verteilen sich auf ein Dutzend weiterer Bildautoren.

Im einleitenden Essay »Stille Idylle« beschreibt Joachim Seyferth die Eindrücke und Gedanken, die der großstadtgeplagte Ausflügler und Eisenbahnfotograf an der Lahn empfindet. Das folgende Kapitel zeigt Fotos aus der Dampflokzeit (ein paar mehr als bisher in dieser Buchreihe üblich). Alle anderen, seit Ende der siebziger Jahre entstandenen Fotos sind geographisch angeordnet: Zwei Kapitel stellen die jeweils rund 50 Kilometer langen Abschnitte der Lahntalbahn in Hessen und in Rheinland-Pfalz vor, ein weiteres widmet sich dem in der Mitte der Strecke liegenden Bahnknoten Limburg.

Die Bilder beweisen, daß hier Fotografen am Werk waren, die ihre Strecke wirklich kennen und sich intensiv auf sie eingelassen haben. Man bekommt nicht nur die üblichen Motive der Eisenbahnfotografen geboten, sondern lernt die Strecke auch aus der Sicht derjenigen Menschen kennen, die mit der Eisenbahn fahren, für sie arbeiten oder ihr nur zufälligerweise begegnen. Da sieht man etwa den kleinen René auf der etwas heruntergekommenen Bahnsteigbrücke in Dausenau auf den Zug warten (S. 129), einen Schaffner bei der »Feierabendlektüre« (BILD-Zeitung?) auf dem nächtlich beleuchteten Bahnsteig sitzen (S. 42), den »Ablöser« an einem trüben Wintertag zu seinem Stellwerk stapfen (S. 41), oder man blickt dem Zugführer beim Umdrehen des Zuglaufschildes über die Schulter (hinterer Einband). Führerstandsaufnahmen zeigen die Strecke aus der Lokführerperspektive. Bei den Bahnübergangsszenen auf den Seiten 132 und 137 wähnt man sich dagegen selbst vor der Schranke stehen und den Zug vorbeiflitzen sehen, so geschickt wurde die Kamera positioniert.

Auch die für das Genre »Eisenbahn-Bildband« typischen Bahn-Landschafts-Kompositionen entsprechen hier keineswegs alle dem Klischee »Zug schräg von vorn in ungestörter Landschaft«: Mal sieht man den Zug vor einer düsteren Industriekulisse (S. 103), mal aus der Vogelperspektive von einer hoch oben gelegenen Burg aus (S. 130), dann in einiger Entfernung unter dem Bogen einer alten Steinbrücke (S. 82) oder aber nur schemenhaft durch das schmiedeeiserne Absperrgitter eines Aussichtspunkts (S. 72).

Ebenso hervorzuheben sind etliche Motive ohne Zug: Das Vorsignal vor der ruhig dahinfließenden Lahn (S. 11) paßt hervorragend zum Motto »Stille Idylle«, während der Blick aus dem Michelsberg-Tunnel auf den Kirschhofener Tunnel (S. 49) auch in dem gleichfalls in der Reihe »SCHIENE-Photo« erschienenen »Tunnelbuch« einen würdigen Platz gefunden hätte. Originell ist das »Landleben in Villmar« mit einem Traktor, der gerade die Gleise überquert (S. 75), klassisch dagegen das zwergenhafte Ausfahrsignal in Balduinstein vor der Kulisse der Schaumburg (S. 113).

Bemerkenswert erscheint darüber hinaus, daß in dem Buch sämtliche Tages- und Jahreszeiten sowie selten zu erlebende Lichtstimmungen (meisterhaft zum Beispiel das Foto auf Seite 110) vertreten sind. Ebenso abwechslungsreich ist das Spektrum der abgebildeten Züge vom Allerwelts-Triebwagen bis zum Unkrautvernichtungszug. Auffallend viele Fotos aus der Zeit bis etwa Mitte der neunziger Jahre zeigen Güterzüge und mahnen so die oft versprochene, aber bislang völlig verpaßte Wende in der Güterverkehrspolitik an. Eine derartige Vielfalt an Bildmotiven werden diejenigen Fotografen, die am Wochenende bei schönem Wetter mit dem Auto eine Bahnstrecke nach der anderen abklappern und im Takt des Personenzugfahrplans die berühmt-berüchtigten »Fotostellen« abgrasen, niemals hinbekommen.

Gar keine Wünsche übrig? Nun, das Kapitel »Bahnknoten Limburg« dürfte dank der historischen und aktuellen Lokparaden vor dem Rundschuppen sowie der Bw-Szenen mit den Akku-Triebwagen der Baureihe 517, den berühmten »Limburger Zigarren«, zwar »Pufferküsser« erfreuen, dem Thema »Bahnknoten« wird es aber nicht ganz gerecht. Auch ein paar Fotos mehr aus der jüngsten Zeit würden das Buch noch abrunden, aber die werden uns ja im Vorwort für die – hoffentlich bald gefragte – zweite Auflage versprochen. Dort könnte man dann auch den Diezer Architekten Heinrich Velde zu Ehren kommen lassen: Zwar gilt der Ingenieur Moritz Hilf als Erbauer der Lahntalbahn (ebenso wie der benachbarten rechten Rheinstrecke), aber die schönen Hochbauten an den beiden Strecken hat nicht Hilf entworfen, wie im Buch verschiedentlich behauptet wird (S. 3, S. 107), sondern eben Velde.

Diese Kritikpunkte sind freilich Marginalien, denn schließlich handelt es sich bei dem Buch um einen Bildband, und als solcher überzeugt es vollkommen. Ein Wort zu verlieren über die handwerkliche Qualität hieße bei der Reihe »SCHIENE-Photo« Eulen nach Athen tragen. Ebenso professionell erscheint der Fotografierstil, offensichtlich geschult an Fotografen wie Jean-Michel Hartmann oder Ludwig Rotthowe (der auch einige Fotos beigesteuert hat). Obwohl es sich bei den Bildern um subjektive Momentaufnahmen handelt, entsteht doch – oder vielleicht gerade deswegen – ein absolut authentischer Gesamteindruck: Wer in den letzten Jahrzehnten treuer und aufmerksamer Bahnfahrer war – übrigens ganz gleich, ob auf der Lahntalbahn oder irgendwo anders in Deutschland –, der wird seine eigenen Reiseeindrücke in dem Buch wiederfinden, wird sagen: »Ja, genau so ist sie, die Eisenbahn!«

Georg Beck

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