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Brinker, Helmut; Schricker, Peter: Fotomotiv Reichsbahn. Bildschätze aus dem Reichsverkehrsministerium 1925-1945. München 2006 (Dumjahn-Nr. 0017524)
Dumjahn-Nr. 0017524
ISBN-10: 3765470694
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Georg Beck:
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Die Texte eröffnen neue Blickwinkel auf die Bilder und machen deutlich, daß die Entstehungsgeschichte eines Fotos oft nicht weniger aussagt als das Foto selbst.
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Brinker, Helmut; Schricker, Peter: Fotomotiv Reichsbahn. Bildschätze aus dem Reichsverkehrsministerium 1925-1945. GeraMond Verlag : München 2006.
- Zur Bibliographie.

»Fotomotiv Reichsbahn« – der Titel des großformatigen Bandes aus dem Hause GeraMond klingt zunächst banal, doch der Name eines der beiden Autoren läßt aufhorchen: Helmut Brinker hat vor zwei Jahren mit einem im selben Verlag erschienenen, ähnlich aufgemachten Buch über den vermeintlich »ausgelutschten« Eisenbahn-Fotografen Carl Bellingrodt Beachtung gefunden, in dem der Mensch Bellingrodt erstmals ins rechte Licht gerückt und die ganze Breite seines fotografischen Schaffens vorgestellt wurde. Nun präsentieren Helmut Brinker und Peter Schricker auf der Grundlage einer lange verschollen geglaubten Sammlung von »Bildschätzen aus dem Reichsverkehrsministerium 1925–1945« (so der Untertitel des neuen Bandes) das Werk derjenigen Eisenbahnfotografen, die einst in offiziellem Auftrag den Betrieb der Reichsbahn dokumentierten.

Die Überlieferungsgeschichte des besagten Bildarchivs bis in unsere Zeit liest sich etwas verworren und handelt – ohne hier zu sehr ins Einzelne zu gehen – vom Bombenkrieg, von Schmuggel (oder Diebstahl?) und Versteck, von einem Wechselspiel aus Interesse, Vernachlässigung und Vernichtung sowohl seitens staatlicher Stellen als auch von Privatleuten. Zumindest den im vorliegenden Band gezeigten Fotos konnte die Zeit anscheinend nichts anhaben: trotz meist großformatiger Wiedergabe bestechen sie in Schärfe und Kontrast. Erst recht beeindrucken die dargebotenen Motive in stilistischer Hinsicht. Mensch, Landschaft und Technik werden gleichermaßen effektvoll in Szene gesetzt. Meisterhaft wirken etwa die schöne Aufnahme eines Schnelltriebwagens in voller Fahrt auf der von Telegrafenmasten gesäumten Hauptstrecke (S. 104), das von Willy Pragher komponierte, stimmungsvolle »Spiel von Licht, Dampf, Stahlkonstruktion und sich bewegenden schattenhaften Menschen« im Leipziger Hauptbahnhof (S. 105) - vgl. Bildbeispiel 1 - oder das unheimliche, im Kriegswinter 1942/43 entstandene Bild auf Seite 146/147, auf dem man deutsche Soldaten durch die Schneemassen des in Dampf und Rauch gehüllten Bahnhofs Minsk stapfen sieht. Der Band zeugt nicht nur von der Professionalität der Reichsbahn-Fotografen, sondern dürfte auch, soweit der Nachgeborene dies beurteilen kann, ein authentisches Bild der Reichsbahnzeit vermitteln.

Die Bilder werden durch informative Texte interpretiert und in den historischen Zusammenhang eingeordnet. Die Arbeit der Reichsbahn-Filmstelle und der Lichtbildstellen bei den einzelnen Reichsbahndirektionen wird ausführlich dargestellt. Ebenso gewürdigt werden private oder freiberuflich tätige Fotografen, die im Auftrag der Reichsbahn unterwegs waren, wie Carl Bellingrodt, Heinrich Hoffmann (»Presse Illustrationen Hoffmann«) oder Dr. Paul Wolff & Tritschler. Weitere Kapitel behandeln Themen wie die Eisenbahnfotografie als Geschichtsquelle, den legendären Reichsbahnkalender oder »Frauen bei der Reichsbahn« - vgl. Bildbeispiel 2. Erlebnisberichte des Fotografen Hermann Maey und des Eisenbahnpioniers Willy Reinshagen erinnern an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Texte eröffnen neue Blickwinkel auf die Bilder und machen deutlich, daß die Entstehungsgeschichte eines Fotos oft nicht weniger aussagt als das Foto selbst.

Etwas getrübt wird der gute Eindruck des Werks durch ein paar Ungereimtheiten im Text, so die widersprüchlichen Angaben zum Lebenslauf des Mainzer Direktionsfotografen Hans-Joachim Bandelow auf den Seiten 46 und 48. Eine Überprüfung dürfte sich schwierig gestalten, da in dem Band jegliche Quellen- und Literaturhinweise fehlen. Ebenso wäre ein Register hilfreich gewesen. Leider hat es der Verlag (der dafür bereits bekannt ist) auch mit den hergebrachten Grundsätze seines Gewerbes nicht so genau genommen: Das Vorwort folgt erst nach dem Inhaltsverzeichnis und dazu noch auf einer linken, also geraden Seite (12 und nicht – wie im Inhaltsverzeichnis angegeben – 8), ebenso beginnt der eigentliche Text auf einer linken Seite (14, nicht 12). Daß die jeweils aktuelle Kapitelüberschrift in der Kopfzeile jeder Seite aufgegriffen wird, ist zwar sinnvoll, sollte aber nach einheitlichen Kriterien geschehen.

Trotz dieser kleinen Mängel verdient der ansprechend gestaltete Band aber dank der hervorragenden Bildauswahl und der aufschlußreichen Texte besondere Beachtung. Der Preis von 39,80 Euro erscheint eher noch zu niedrig für das Produkt; nicht zuletzt im Interesse einer langfristigen Qualitätssicherung auf dem Sektor der Eisenbahnliteratur hätte der Verlag sich einen weiteren, letzten Schliff leisten sollen und dafür gut und gerne ein paar Euro mehr verlangen können.

Georg Beck

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