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Gerstenkorn, Alfred; Hums, Lothar u.a. (Hrsg.): Die Sprache der Bahn. Zur deutschen Eisenbahnsprache im europäischen Kontext. Frankfurt am Main 2006 (Dumjahn-Nr. 0017739)
Dumjahn-Nr. 0017739
ISBN-10: 3925474560
ISBN-13: 9783925474569
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Joachim Seyferth:
»
Alle Interessierten sollten dieses längst überfällige Werk erwerben und aufmerksam lesen – damit sie die Eisenbahn noch besser verstehen und diese vor allem eines bleibt: Im Gespräch!«

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Die Bahn: »Im Gespräch« bleiben

Gerstenkorn, Alfred; Hums, Lothar u.a. (Hrsg.): Die Sprache der Bahn. Zur deutschen Eisenbahnsprache im europäischen Kontext. Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. : Frankfurt am Main 2006. - Zur Bibliographie.

Den Titel dieser äußerst interessanten und leider im Markt ein wenig versteckten Neuerscheinung assoziierte ich sofort mit der Tatsache, daß unsere Sprache (gottlob immer noch) mit den Metaphern und Redewendungen aus der Gründerzeit der Eisenbahnen durchsetzt ist: »Zum Zuge kommen«, »Weichenstellung«, »Schlußlicht«, »Verstehe nur Bahnhof«, »Licht am Ende des Tunnels«, »Der Zug ist abgefahren«, »Alter Mann ist kein D-Zug«, »Signale sind gestellt« und so weiter und so weiter. Zumindest in den Schlagzeilen der Presse, in den Kernaussagen der Rundfunkkommentare und im Mund des Bürgers auf der Straße ist die Eisenbahn also so populär wie eh und je.

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt! Foto: Markus Henker
Auch Politiker verkünden immer gerne, daß »die Weichen gestellt« sind. Foto: Markus Henker

Ganz so einfach macht es sich dieses Buch aber nicht, es bietet vielmehr auf satten 360 Seiten eine akribische Durchleuchtung der Eisenbahnsprache, die wissenschaftlicher und fundierter kaum sein kann. Dafür sprechen allein schon zehn Autorinnen und Autoren, die Geleitworte von vier gewichtigen Persönlichkeiten sowie Hunderte von Anmerkungen zu Quellen und weiterführender Literatur. »Die Entwicklung der deutschen Eisenbahnsprache in Wortschatz und Text spiegelt zugleich die Entwicklung der Eisenbahn in Deutschland und Europa wider, und diese wiederum die wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche, politische und kulturelle europäische Entwicklung insgesamt. An der Sprache der Bahn wird deutlich, daß die Eisenbahn in vielerlei Hinsicht Nehmer und Geber war und ist.« Dies schreibt unter anderem der Klappentext und macht neugierig auf die neun Kapitel, die die ganze Bandbreite der Eisenbahnsprache erst richtig offenbaren:

Da schreibt etwa Lothar Hums unter anderem die Beiträge »Zu Stellung und Rolle metaphorischer Termini in der Subsprache des Eisenbahnbaus« oder »Die Rezeption des englisch-französischen Eisenbahn-Fachwortschatzes durch die deutsche Fachöffentlichkeit des 19. Jahrhunderts zwischen Eindeutschung und Akzeptanz«. Alfred Gerstenkorn betitelt seine Ausführungen »Die originäre Sprache der Bahn und bahnverbundene Fachsprachen« oder »Die Fahrdienstvorschrift der Bahn von 1900 bis heute – drei Fassungen im Vergleich«. Hinzu kommen weitere Aspekte von Uwe Breitmeier in »Die Fachsprache der Dampfeisenbahn – ihre Pfleger und Bewahrer«, von Ralf Roman Rossberg in »Vom Billett zum Ticket – ein altes Thema mit immerwährender Aktualität« oder von Armin Schmidt in »Die Eisenbahn – ihre Widerspiegelung in Sprache und Kunst«.

Um also beim Thema zu bleiben: Dieses Werk kann und darf man nicht »in einem Zug« lesen – ein oder zwei Fernreisen auf der Schiene dürfen es schon mindestens sein. Daß in der Gesellschaft gerne der Lok- mit dem Zugführer verwechselt wird, zunehmend Anglizismen Eingang in die Bahnsprache finden, die frühere Jugendzeitung »DB mit Pfiff« mit für die »Behördenbahn« ganz innovativen sprachlichen Akzenten überraschte oder das »Marketing« den Sprachschatz in neuen Publikationen und alten Amtsstuben verändert – all dies gehört noch eher zu den »oberflächlichen« Betrachtungen in diesem Buch, das mehrheitlich viel tiefgründiger und wissenschaftlicher agiert, ohne den Leser zu überfordern oder gar zu langweilen. Im Gegenteil, man ist überrascht und wird mit zunehmender Lektüre immer wißbegieriger, welche Historie, Lebensbereiche und Wissenschaften in Wechselwirkung mit der Sprache der Bahn stehen.

Laut Klappentext gehören »Eisenbahner, Eisenbahnfreunde und -interessierte, Terminologen, Linguisten, technische Dokumentare, Sprach- und Literatur-, Technik- und Ingenieur-, Kultur- und Sozialwissenschaftler und -interessierte« zum Leserkreis dieser Publikation. Recht so. Historiker sowie Dieter Bohlen, der (zumindest äußerlich) kleine Bruder von Hartmut Mehdorn, wurden noch vergessen. Alle Genannten sollten wirklich dieses längst überfällige Werk erwerben und aufmerksam lesen – damit sie die Eisenbahn noch besser verstehen und diese vor allem eines bleibt: Im Gespräch!

Joachim Seyferth

Aus SCHIENE 25 (2006) Nr. 5, S. 56-57 - mit freundlicher Genehmigung des Joachim Seyferth Verlages.

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